Seite 48 | BERGSTOLZ Ski Magazin DEZEMBER 2017
BERGZEIT
säcke zum Testen. Stephan checkt noch schnell das Material der
Teilnehmer auf die Tourentauglichkeit. Immerhin sollen wir uns
die Abfahrten ja mit Aufstiegen bis zu 1.000 Höhenmetern pro
Tag selbst verdienen. Da gilt es, einen guten Kompromiss aus Ski-
breite, Gewicht und Aufstiegstauglichkeit zu finden.
AUF LOS GEHT’S LOS
Perfekt ausgestattet machen wir uns Punkt neun Uhr auf denWeg
zum heutigen Tagesziel, der Abfahrt über den Rendl ins Malfontal.
Den ersten Teil bewältigen wir kraftsparend mit Gondel bzw.
später Sessellift, aber bald wird's ernst und der Aufstieg steht an.
Da wir uns nun abseits des gesicherten Geländes bewegen, gibt
uns Stephan Sicherheitsanweisungen (Abstand zum Vordermann
einhalten) und führt den "Pieps-Check" durch, um sicherzugehen,
dass auch jeder mit funktionierendem LVS-Gerät unterwegs ist.
Steigfelle auf die Ski montiert und los geht's! Schon nach ein paar
Metern wird klar: Die Mädels geben das Tempo vor. Martina ist
überhaupt nach fünf Minuten aus meinem Blickfeld verschwun-
den, einen Teil des 400 Höhenmeter umfassenden Aufstiegs geht
sie überhaupt gleich zweimal, weil ihr das einsame Warten am
Gipfel zu langweilig ist. Na servas!
Am Gipfel angekommen bestaunen wir kurz das alpine Panorama,
bevor es endlich abwärts Richtung Malfontal geht. Obwohl die
meisten Hänge schon ziemlich verspurt sind, findet Stephan dank
seiner Ortskenntnis noch wunderschöne unberührte Hänge für uns
und wir genießen den legendären Arlberger Tiefschnee. Nach der
langen Abfahrt unten im Tal angekommen blicke ich in lauter zu-
frieden grinsende Gesichter, so soll's sein! Da die Tour viel Zeit in
Anspruch genommen hat, gönnen wir uns in St. Anton ein (sehr
spätes) Mittagessen und verbringen den restlichen Nachmittag
im Wellnessbereich unseres Hotels.
BeimAbendessen erklärt uns Stephan den Plan für den folgenden
Tag. Er ist sich sicher, noch einige unverspurte Hänge finden zu
können, und hat es daher nicht schwer, uns von seiner Idee zu
überzeugen…
EIN GIPFEL NUR FÜR UNS ALLEIN
In der Früh machen wir uns ins benachbarte Lech auf. Da heute
das Skirennen "Der weiße Ring" stattfindet und deswegen einige
Liftanlagen gesperrt sind, müssen wir aus eigener Kraft die Piste
hinauf, um zum Einstiegspunkt der Tour zu kommen. Bei strahlen-
dem Sonnenschein erreichen wir 45 Minuten später das Madloch.
Jetzt sehen wir, was Stephan uns gestern Abend beschrieben hat:
Einen großen Kessel umringt von Bergwänden, und mittendrin ein
kleinerer, flacher Gipfel, der noch völlig unverspurt ist! Und auf
diesem Gipfel toben wir uns die folgenden drei Stunden aus, bis
jede Seite befahren und fleißig verspurt wurde.
Stephan gibt jedem Teilnehmer Feedback und Tipps zur Verbesse-
rung der Skitechnik und bringt uns seine Ski-Philosophie näher.
Für ihn steht der Genuss am Skifahren in Kombination mit dem
Naturerlebnis im Vordergrund. Es geht nicht darum, einen Hang
mit drei Schwüngen zu zerpflügen, sondern mit sauberen, kurzen
Schwüngen das klassische Skifahren zu zelebrieren und den Stress
des Alltags hinter sich zu lassen.
Mit den letzten Sonnenstrahlen erreichen wir eine verschneite
Almhütte, machen kurz Pause und legen dann den restlichenWeg
zum Hotel in St. Anton zurück. Nach den ca. 1.200 Höhenmetern
an diesem Tag relaxen wir noch bis zumAbendessen imWellness-
bereich. Zum Abschluss des Tages gibt uns Axel einen Einblick in
die Firma Millet und ihre Geschichte.
EIN BISSCHEN WEHMÜTIG UND DOCH SEHR GLÜCKLICH
Am Sonntag hat Stephan noch ein echtes Schmankerl für uns:
Nach einer kurzen Tour zu den Maroiköpfen schnallen wir die Ski
auf die Rucksäcke und erreichen zu Fuß über einen Grat und eine
steile Rinne eine Scharte, über die wir dann über die beeindru-
ckende Albona auf gewaltigen Hängen ins Verwall abfahren - auch
wieder auf unverspurten Hängen, versteht sich! Die Goerglsche
Spürnase verschafft uns einen perfekten Abschluss des Bergzeit
Alpincamps, und obwohl die drei Tage leider viel zu schnell ver-
gangen sind, gibt's zum Abschied nur glückliche Gesichter.
Vielen Dank an Bergzeit, Millet und Stephan Görgl für drei wirklich
perfekte Tage!
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