Seite 42 | BERGSTOLZ Ski Magazin OKTOBER 2017
SNOW
Unser neuer Plan sah vor, dass wir ins Skigebiet Parnassos, circa drei Stunden
nördlich von Athen, fahren. Dort waren wir zuerst einmal vollkommen über-
rascht: uns erwarteten topmoderne Doppelmayr-Anlagen! Allerdings liefen
alle Lifte so langsam, dass man mit den Fellen fast gleich schnell war. Man
hätte auch nur vier Gondeln gebraucht um alle Wintersportler, die vor Ort
waren auf den Berg zu bekommen. Das Liftticket kostete 12 (in Worten:
zwölf!) Euro und am Wochenende satte 17 Euro. Wahnsinn. Ob die
millionenteuren Liftanlagen aus Steuertöpfen und Fördergeldern wirklich den
Tourismus so stark ankurbeln, dass sich die Investition lohnt? Ich hab echt
keine Ahnung. Aber wir wollten ja Powder shredden in Parnassos! Den haben
wir auch gefunden, allerdings nur imWald, da oberhalb ein saukalter Sturm
blies. Zurück im Truck wurde eingeheizt und fett gekocht. Zumindest hatten
wir uns das erhofft, denn Fabi hatte über eine griechische Datingplattform
zwei Mädels kennen gelernt, die uns frisches Gemüse aus Athen mitbrachten.
Die Realität sah etwas anders aus, aber dazu befragt ihr ihn am besten
selbst…
Die nächsten 2 Tage war Bluebird angesagt und wir wussten, dass wir etwas
in den Kasten bringen müssen, bevor das Wetter wieder schlecht wird und
ich noch dazu heimfliege! Also ging es früh los, zumindest für Photograph
Ruedi Flück und mich, da die anderen wieder einmal nicht aus den Betten
zu kriegen waren. Aber egal, die Sonne musste sowieso bis nach Westen
rüber, damit wir das beste Licht bekommen. Am Vortag hatten wir im letzten
Licht auf einer Bergkuppe ungefähr zwei Kilometer südlich hinter dem
Skigebiet einige Lines gesehen. Dort wollten wir hin. Natürlich stellte sich
das alles wieder einmal als etwas schwieriger raus als gedacht und so
dauerte es ganze drei Stunden um dort überhaupt hin zu kommen. Was die
Laune nicht unbedingt besserte war die Aussicht, gleich lang im Dunkel
wieder zurück ins Gebiet zu müssen. Aber irgendwann waren wir ja da.
Unsere Kameraleute positionierten sich auf dem Gegenhang und wir
probierten auf der anderen Seite rauf zu kommen. Der Schnee war leider
nicht so perfekt wie erhofft, vor allem die oberen 150 Höhenmeter waren
meistens ziemlich abgeblasen. Trotzdem konnten wir einige coole Lines in
das griechische Abendrot zaubern und kamen im Dunkeln heil beim Truck
wieder an.
Dort endete auch mein Ausflug mit den Snowmads. Am nächsten Morgen
flog ich um 4:00 Uhr nachhause, um pünktlich um 10:00 Uhr beim Freeride-
Testival in Saalbach zu sein. Oh Mann, what a mission! Die restliche Crew
fuhr zum 2.918 Meter hohen Mt. Olymp, um dort ihre letzte Mission zu
absolvieren. Nach einer kalten Nacht in einer Schutzhütte stiegen sie am
nächsten Tag auf den Berg auf, der laut den griechischen Sagen der Sitz der
Götter war, und fuhren die Nordrinne bei mäßig geilen Bedingungen wieder
ab. Somit war auch das letzte Kapitel vom Snowmads Trip nach Griechenland
erledigt und die Jungs kehrten Anfang März wieder nach Österreich zurück.
Wo der Snowmads Truck in Zukunft hinrollen wird? Immer dem Schnee nach
natürlich!
Ruedi Flück




