Bergstolz Issue No. 137

Region für gemütliches Kilometer-Sammeln ist. Die Wege ziehen sich steil durch das Gelände, immer wieder unterbrochen von technischen Abschnitten. Dann kommt der Moment, auf den man beim Uphill eigentlich die ganze Zeit wartet: Der Weg wird schmaler, die Geschwindigkeit steigt und aus dem Höhenweg wird plötzlich ein Trail. Das Bike fühlt sich leicht genug an, um es auch durch enge Passagen zu drücken, gleichzeitig gibt die zusätzliche Motorleistung die Möglichkeit, auch technische Gegenanstiege nicht sofort zum Schiebestück werden zu lassen. Und genau darin liegt für mich der Reiz eines eMTBs. Es geht darum, mehr fahren zu können, mehr zu erkunden. Meine Neugier wird immer größer, was Chamonix zu bieten hat. Am nächsten Tag geht es die Forêt communale Bergstraße hoch. Der Plan ist simpel: Höhenmeter sammeln, weiter nach oben und möglichst viel TrailZeit herausholen. Die Forststraße zieht sich steil durch den Wald, sehr steil. So steil, dass ich es irgendwann sogar anspruchsvoll finde im Tour-Modus mit dem EMTB zu treten. Dann kommt das Geräusch, das jeder Mountainbiker kennt und niemand hören möchte: Klonk. Kette gerissen. Zum Glück gehört ein Kettenschloss für mich genauso ins Gepäck wie Helm und Handschuhe. Ein paar Handgriffe später ist die Kette wieder zusammen und weiter geht's. Solche kleinen Pannen gehören für mich zum Mountainbiken genauso dazu wie zerkratzte Schienbeine. Man kann noch so viel planen – irgendwann kommt immer irgendetwas. Und genau deshalb sollte man gerade bei alpinen Touren nicht nur auf Reichweite und Akkukapazität schauen, sondern auch auf das kleine Reparaturset. Denn wenn der nächste Lift mehrere Kilometer entfernt ist, wird aus einem kleinen Defekt ziemlich schnell ein großer Fußmarsch. 800 Wattstunden um meine Neugierde zu befriedigen Unser Ziel ist die Flégère. Der Bereich rund um die Bergstation liegt auf knapp 1.900 Metern und öffnet den Blick weit über das Tal und hinüber zum Mont Blanc. Wir fahren bis zum Refuge de la Flégère und noch ein Stück weiter. Spätestens jetzt zeigt sich, was unser eMTB kann. Die Anstiege sind teilweise so steil, dass man irgendwann nicht mehr nur gegen den Berg, sondern auch gegen die eigene Traktion kämpft. Gerade auf losem Untergrund muss man sauber treten, das Gewicht über dem Hinterrad halten und gleichzeitig genug Druck auf den Lenker bringen, damit das Vorderrad nicht irgendwann einfach einen Wheelie macht und mich abwirft. Mit einem normalen Mountainbike wäre der eine oder andere Abschnitt für mich vermutlich eher eine Frage der persönlichen Leidensfähigkeit. Mit dem eMTB wird daraus eine technische Uphill-Herausforderung. Und genau das gefällt mir. Denn ein guter Uphill kann genauso viel Spaß machen wie eine Abfahrt. Wenn der Trail schmal wird, die Steine größer werden und man sich die Linie zwischen den Felsen suchen muss, ist man plötzlich genauso konzentriert wie bergab. Nur eben mit deutlich weniger Geschwindigkeit und mein Puls schlägt mir auch die Halsschlagader hoch. Der Motor ist der stille Partner, der mir ein solches Abenteuer überhaupt erst ermöglicht. Das Ziel ist, oben noch genug Energie für das zu haben, weshalb wir überhaupt hier sind: Die Abfahrt. Und dann geht es runter. Nach den ganzen Höhenmetern kommt endlich der Moment, für den sich die Anstrengung lohnt. Dropper Post absenken, Pedal einklicken, Helm checken. Und dann geht es los. Die ersten Meter sind noch relativ flowig. Das Bike beschleunigt, der Untergrund wird rauer und plötzlich ist Schluss mit entspanntem Rollen. Felsen, Wurzeln, enge Kurven. Das Alpine Trail fühlt sich genau hier in den „Big Mountains“ zu Hause. Ich liebe diese Art von Trails! Nicht unbedingt die perfekte Bikepark-Autobahn, sondern natürliche Linien, bei denen man jede Kurve lesen muss. Ein Stein liegt anders als beim letzten Durchgang, eine Wurzel ist feucht, irgendwo rutscht loses Geröll über den Trail. Man fährt nicht einfach, man reagiert. Und genau das macht Mountainbiken für mich aus. Es ist diese Mischung aus Geschwindigkeit, Technik und dem Gefühl, einen Berg nicht einfach nur zu bezwingen, sondern sich durch ihn hindurchzubewegen. Immer wieder öffnen sich zwischen den Bäumen die Blicke auf das Mont-BlancMassiv. Für ein paar Sekunden schaue ich nach links und muss mich daran erinnern, dass ich eigentlich gerade einen Trail hinunterfahre. Chamonix schafft es, selbst eine gute Abfahrt noch einmal größer wirken zu lassen. Was mich an Chamonix besonders fasziniert, ist die Nähe zwischen Mountainbike und Alpinismus. Natürlich sind die Dimensionen andere. Ein Mountainbike-Trail ist kein Couloir. Ein eMTB ist kein Paar Ski für die Vallée Blanche. Und ein Bikepark hat wenig mit einer Expedition auf einen 4.000er zu tun. Aber die Grundidee ist ähnlich: Raus ins Gelände, Trails auskundschaften und sich mit dem Berg auseinandersetzen. Mountainbiker sind es gewohnt, dass nicht alles perfekt präpariert ist. Wir suchen 17 CHAMON I X Bergstolz Ski & Bike Magazin • 05/2026

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