16 CHAMON I X Bergstolz Ski & Bike Magazin • 05/2026 Ich bin allerdings nicht mit Ski angereist. Ich habe das Marin Alpine Trail EXR eingepackt. Und damit fühlt sich Chamonix plötzlich ein bisschen anders an. Als ich ankomme, zeigt mir der Local und Fotograf Nathan Hughes zunächst die Stadt. Wir rollen durch Chamonix, vorbei an Cafés, Bergsportläden und den klassischen Kulissen des Mont-Blanc-Tals. Ein Ort, an dem die Berge nicht irgendwo am Horizont stehen, sondern unmittelbar hinter den Häusern aufragen. Nathan kennt die Gegend gut und führt mich unter anderem zum Placette de la Tounoubre, wo wir uns erst einmal Kaffee und Kuchen gönnen. Am nächsten Morgen wechseln wir das Verkehrsmittel. Mit der Aiguille-du-MidiBahn schweben wir auf 3.842 Meter. Innerhalb weniger Minuten verändert sich die Welt. Unten liegt Chamonix, dann verschwindet der Wald und plötzlich stehen wir mitten im Hochgebirge. Hier oben beginnt unter anderem die legendäre Vallée Blanche. Rund 20 Kilometer lang, mit ungefähr 2.800 Höhenmetern, führt die Abfahrt durch eine spektakuläre Gletscherlandschaft mit Spalten und gewaltigen Gipfeln. Und genau das erklärt einen Teil des Mythos Chamonix: Hier ist das Gelände nicht einfach nur steil, es ist supersteil. Die Geschichte des Extrem-Skifahrens wurde hier maßgeblich mitgeschrieben. In den 1960er-Jahren fuhr Sylvain Saudan, der „Skieur de l'impossible“, Hänge mit mehr als 50 Grad Neigung. Später folgten Fahrer wie Patrick Vallençant und Anselme Baud mit Linien, die heute zu den Klassikern des extremen Skifahrens zählen. Chamonix steht deshalb weniger für den gemütlichen Skizirkus als für Freeride, Steilwand und Hochgebirge. Die Aiguille du Midi ist dafür das perfekte Symbol. Der schmale Grat, über den sich Skifahrer teilweise zunächst mit Steigeisen bewegen müssen, bevor überhaupt die Ski angeschnallt werden, ist bereits Teil des Abenteuers. Aber genau das macht die Sache spannend. Auch wenn ich mein EMTB auf dem Midi nicht mitgenommen habe und hier mit den Bergschuhen unterwegs bin, frage ich mich stets, während unter mir die berühmten Skiabfahrten beginnen: „Was würde hier wohl mit zwei 29-Zoll-Reifen funktionieren?“ Zurück im Tal wechseln wir die Perspektive. Rund um Le Tour beziehungsweise Balme gibt es im Sommer Trails und Bike-Angebote. Und hier merkt man schnell: Wenn Chamonix Mountainbike will, dann kann es das auch richtig gut. Die Landschaft ist dafür ohnehin gemacht. Steile Hänge, natürliche Geländestufen, felsige Passagen, Wurzeln und jede Menge Höhenmeter. Dazu diese Kulisse, bei der man sich manchmal fast dabei erwischt, mehr nach oben als auf den Trail zu schauen. Bei einigen Jumps im Bikepark sollte man allerdings genauer hinschauen, bevor man einfach blind loslegt. Meine Vermutung: Die Wintersport-Freerider haben sich hier im Sommer mit der Schaufel ordentlich ausgetobt. Außerhalb der ausgewiesenen Bike-Infrastruktur wird es allerdings komplizierter. Chamonix ist keine Destination, in der man einfach davon ausgehen kann, dass jede Sommerbahn das Mountainbike mitnimmt oder jeder Wanderweg automatisch auch ein Bike-Trail ist. Das ist vielleicht einer der größten Unterschiede zu klassischen Mountainbike-Destinationen. In Whistler, Finale oder Leogang ist das Mountainbike Teil der touristischen DNA. In Chamonix ist es eher ein Gast, der sich seinen Platz noch sucht. Und genau deshalb habe ich das eMTB eingepackt. Denn wenn der Lift nicht fährt oder keine Bikes mitnimmt, muss ich eben selbst hoch. Und dafür ist ein eMTB in dieser Gegend ziemlich praktisch. Wir fahren weiter nach oben und checken die Höhenwege rund um die Chalets de Charamillion aus. Schon die Auffahrt macht klar, dass Chamonix keine
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