32 FAMILY SHRED Bergstolz Ski & Bike Magazin • 04/2026 Ausgestattet mit einem neuen Bike für mich und einem Haufen Merch für die Jungs geht es auf den letzten Streckenabschnitt Richtung Reschensee. Nauders liegt ganz im Westen Tirols, dort, wo Österreich, Italien und die Schweiz aufeinandertreffen. Rund um den Reschensee ist mit dem 3-Länder-Enduro ein Trailnetz entstanden, das längst mehr ist als ein Geheimtipp. 30 Trails, erschlossen durch vier Bergbahnen, liefern genug Auswahl für mehrere Tage. Vom entspannten Einsteiger-Trail bis zur knackigen Herausforderung für erfahrene Biker ist alles dabei. Unsere Basis ist das Hotel Central in Nauders. Gastgeber ist Harry. Bike-Legende, Trail-Bau-Chef und einer, der die Region nicht nur kennt, sondern mitgeprägt hat. Besser kann man für ein Bike-Wochenende kaum unterkommen. Wer hier nach Tipps fragt, bekommt keine Standardantwort. Sondern sollte sofort die Notizen-Funktion am Handy aktivieren. Wir checken kurz ein, ziehen uns um, machen die Bikes fertig und sitzen wenig später schon in der Bergkastelbahn. Viel Zeit bleibt an diesem ersten Tag nicht mehr. Aber genau das passt. Ankommen, ein paar Trails rollen, oben ein Eis essen und langsam in den Modus wechseln. Am Bergkastel sind die Trails super angenehm. Flowig, nicht zu steil, nicht zu wild. Genau richtig, um nach der Anreise locker reinzufinden. Das Wetter ist top, der Blick weit, die Stimmung gut. Für ein paar Minuten sieht es nach dem perfekten Auftakt aus. Dann kommt auf einer der ersten Abfahrten der erste kleine Dämpfer. Pauls Vorderrad rutscht weg. Der Boden ist trocken und lose, und schon liegt er im Staub. Nichts Schlimmes. Aber genug für ein paar Tränen und den kurzen Moment, in dem ein Kind entscheidet, ob der Tag gelaufen ist oder nicht. Wir nehmen den Druck raus. Keine große Actionnummer mehr. Noch zwei, drei entspannte Runs, dann rollen wir zurück ins Tal. Manchmal ist genau das die richtige Entscheidung. Nichts erzwingen, den ersten Tag sauber abschließen, Nauders läuft uns ja nicht weg. Zurück im Hotel schalten die Jungs den Fernseher ein, um sich Videos von Philipp Gatterer reinzuziehen. Ich setze mich mit einem kühlen Bier auf die Terrasse. Die Beine sind müde, der Kopf ist schon beim nächsten Tag. Dann klingelt das Handy. Thilo ist dran. „Wie ist eigentlich dein Draht zu Santa Cruz?“ „Gut“, sage ich. „Wieso?“ Thilo erzählt, dass er gerade mit seiner neuen Freundin beim Biken ist. Sie habe sich heute ein Bike geliehen und sei komplett begeistert. Jetzt überlegt sie, ob so ein Santa Cruz nicht genau das Richtige wäre. Ich frage: „Wo seid ihr denn?“ Thilo sagt: „In Nauders. Im Hotel Central.“ Ich muss lachen. „Dann ratschen wir gleich beim Abendessen weiter.“ Wir verlagern das Gespräch also an den Abendessen-Tisch. Das hatte sich Thilo vermutlich anders vorgestellt. Statt trauter Zweisamkeit sitzt er nun mit seiner neuen Freundin Sandra, mir und zwei Junior-Shreddern am Tisch. Sandra nimmt es entspannt. Sie fühlt sich wohl, die Stimmung passt, und so wächst unsere kleine Gruppe für den nächsten Tag ganz von selbst. So klein ist die Welt. Am Samstag starten wir erst einmal alleine Richtung Mutzkopf. Dort stehen vier Trails zur Auswahl: Elven Trail, Kreuzmoos Trail, Green Trail und Oberer Gerry Trail. Der Elven Trail ist der anspruchsvollste, für geübte Fahrer aber gut machbar. Kreuzmoos, Green und Oberer Gerry Trail sind mittelschwer. Besonders der Obere Gerry Trail macht richtig Spaß. Natürlich angelegt, ohne künstliche Bauten, genau nach dem Geschmack meiner zwei Nachwuchsfahrer. Für mich ist es stellenweise etwas ruppig. Die Jungs sehen das anders. Sie feiern es komplett. Also fahren wir Run für Run. Der Aufstieg läuft entspannt per Doppelsessellift. Das Personal hilft super beim Verladen der Bikes und schenkt den Jungs sogar noch je ein Buff-Tuch. Damit ist der Mutzkopf endgültig auf ihrer Seite. Auf die große Runde verzichten wir heute. Es ist schlicht zu heiß, und die zwei Jungs haben auf BioHöhenmeter ungefähr so viel Lust wie auf Hausaufgaben in den Ferien. Also bleiben wir bei dem, was gerade funktioniert: Lift, Trail, Grinsen, wieder hoch. Nach ein paar Runs stoßen Thilo und Sandra dazu. Unsere kleine Gruppe ist damit komplett. Wir fahren noch eine Runde am Mutzkopf, dann wechseln wir die Talseite Richtung Bergkastel. Mit der Zirmbahn geht es ganz nach oben. Danach cruisen wir auf den Top-Flowtrails zwischen Pferden und Kühen zurück zur Bahn. Das ist nicht wild, aber wunderschön. Genau diese Mischung macht den Tag rund. Unten brauchen alle erst einmal Pause. Schatten, Essen, trinken, Akkus laden. Danach nehmen wir uns den Plamort Trail vor. Er führt über das gleichnamige Hochplateau, dann über die österreichisch-italienische Grenze und vorbei an historischen Panzersperren und Bunkern. Der Blick auf den Reschensee ist spektakulär. Die Kinder haben längst vergessen, dass sie eigentlich keine Höhenmeter treten wollten. Wenn unten ein See wartet, läuft die Motivation erstaunlich stabil. Der Trail zieht sich
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