Bergstolz Issue No. 118

20 DAHOAM Bergstolz Ski & Bike Magazin • 08 |2023 Bevor ich jetzt alle meine Argumente vorbringe, warum ich nach all meinen Reisen entschloss, doch in Altenmarkt zu bleiben und warum Skifahren in den Alpen besser ist als in anderen Ländern, muss gesagt werden, dass ich natürlich nicht ganz unvoreingenommen bin.Auf Platz eins meiner Gründe, warum es dann doch immer wieder Österreich blieb, sind Familie und Freunde. Selbst wenn ich nicht in den Alpen aufgewachsen wäre, wären sie zu meiner Wahlheimat geworden. Auffi, ummi, owi Egal wo man sich in den Alpen befindet, auf eines kann man sich so gut wie immer verlassen: irgendwo in der Nähe gibt es einen Lift - meistens mehrere. Das Netzwerk an Liften in Österreich ist so vielseitig, luxuriös und bequem wie kaum woanders. Ob es notwendig ist, dass die Skigebiete jedes Jahr in neue Anlagen investieren, ist fraglich. Trotzdem, eines steht fest: Die Preise für die Lifttickets sind in Österreich günstiger als in allen anderen Ländern, in denen ich bis jetzt skigefahren bin. Trotzdem beklagen viele von uns die stetig steigenden Ticketpreise, auch ich. Ist es gerechtfertigt, dass in manchen Salzburger Skigebieten die Tageskarte während der letzten zwei Saisonen, jedes Jahr um 5 Euro teurer wurde? Meiner Meinung nach war und ist Skifahren in Österreich ein Breitensport, weshalb wir immer noch so skibegeistert sind und es unser Nationalsport ist. Ob das in Zukunft auch so sein wird, hängt wahrscheinlich von den Kosten (Lift, Ausrüstung etc.) ab. Wir entwickeln uns leider immer mehr zu einer zwei Klassengesellschaft wie in Amerika. Diesen Winter kostet zum Beispiel, in Whistler, Kanada, eine Tageskarte bis zu 299 CAD, in Aspen, USA, 189 USD, in Vail, USA, 269 USD (hier handelt es sich um den vergünstigten online Preis, direkt im Skigebiet an der Kassa bezahlt man in Vail 299 USD für eine Tageskarte). Als Skilehrerin in den USA habe ich schon 2010 gemerkt, wie exklusiv dort die Skigebiete sind. Nur die „Schönen und Reichen“, oder die, die ihr gesamtes Erspartes ins Skifahren investieren, können sich hier dieses teure Hobby leisten. Ich hoffe, dass es bei uns nie so weit kommt, dass eine Tageskarte über 200 Euro kostet. Einige kleine Skigebiete in Salzburg kosten aber schon gleich viel wie ein Tag am Arlberg, 75 Euro. Manche Regionen bieten erschwinglichere Preise. In Obertauern zum Beispiel, kostet eine Tageskarte 59 Euro, am Hochkönig dürfen sich Einheimische über einen ziemlich hohen Rabatt freuen. Die Tageskarte bekommt man mit dem Einheimischen Rabatt für 37,50 Euro. Auch das Liftnetz in den Alpen ist nicht zu vergleichen mit dem in den USA. Egal wo ich in den Staaten zum Skifahren war (Colorado, Utah, Kalifornien, Wyoming, Montana…) sind die Lifte alt und die Skigebiete so gut wie nicht vernetzt. Ich schätze es sehr, dass wir in Österreich ein weitläufiges Angebot an Pisten genießen können. Es sind aber nicht nur die perfekt präparierten Pisten und die vielen Kilometer, die man auf ihnen zurücklegen kann, welche die Alpen als Ski Destination unschlagbar machen. Auch unser Tiefschnee kann mit Powder von Kanada und den USA verglichen werden. Nicht selten dürfen auch wir uns über bottomless Powder freuen und über Faceshots, die wir dank heftiger Schneefälle oft tagelang genießen dürfen. Und wer glaubt, dass der Andrang auf tief verschneite Hänge in den klassischen Freeride Gebieten wie Zauchensee, Obertauern oder Sportgastein verrückt ist, der hat noch nie mit mehreren hundert Neuseeländern darauf gewartet, dass die Ski Patroller den Berg an einem Powder Tag für “open" erklären und in einem Rennen um Leben und Tod um die ersten Spuren gekämpft. In den USA ist die Liftschlange in der Früh an einem Powder Tag oft so lang, dass man nicht selten 40 Minuten wartet, um auf den Berg zu kommen, nur um festzustellen, dass der schöne Tiefschnee schon komplett verspurt ist, weil in den USA jeder Freerider ist oder es glaubt zu sein und kaum jemand auf der Piste fährt. A bissl a Stau Natürlich kommt es an schönen Tagen oder während der Schulferien auch bei uns in den Alpen zu längeren Wartezeiten, nicht nur am Berg, sondern für unsere Gäste meistens auch schon in der Früh bei der Anreise auf der Autobahn. Doch was wäre ein Ausflug nach Österreich ohne Stress in der Früh, weil die FOMO schon beim Frühstück einsetzt oder wegen einer Nörgelei in der Warteschlange am Lift - das Klischee des grantigen Österreichers gehört eigentlich zum all-inklusive Urlaubspaket wie die verlorene Skijacke oder Brille beim Après Ski. Apropos Après Ski… A Schnapserl Nirgends auf der Welt darf man ab 16:00 Uhr, ohne als Alkoholiker abgestempelt zu werden, sich so betrinken wie in den österreichischen Après-Ski Hütten. Gefeiert wird, als ob es kein Morgen gäbe. Man muss sich auch nicht wirklich viele Gedanken um den nächsten Tag machen, denn wer um vier Uhr am Nachmittag zu feiern beginnt, ist meistens um spätestens 22 Uhr im Bett (oder wird dorthin gebracht), um am nächsten Morgen wieder fit in der Früh pünktlich am Lift zu stehen. Problematisch wird die Après-Ski Kultur oft dann, wenn man zu wenig darüber nachdenkt, wo man zum Feiern einkehrt. Viele wissen nicht, dass sich ihr Ski Talent und Alkohol nicht vertragen, was zu einer unüberwindbaren

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