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Trans Salzburgerland


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Von Sportgastein nach Hinterglemm: Google Maps gibt für die Fahrtstrecke mit dem Auto exakt 79 Kilometer und beinahe dieselbe Anzahl an Fahrminuten an, nämlich 81. So weit, so klar. Treffen nun eine Ski- und Bikeführerin, eine Freeride-Filmemacherin von internationalem Renommee und eine Olympiasiegerin im Riesentorlauf aufeinander, so ist noch etwas klar, wie der nächtliche Schönwetterhimmel über dem Großglockner: Im Auto werden sie diese Strecke nicht in Angriff nehmen.


Back to the Roots
Nachdem sie jahrelang den Traum aller Freerider gelebt und rund um den Globus die aufregendsten, besten und mythischsten Runs gefahren – und erfolgreich in Filmen gezeigt gefilmt hatte, wächst in Freeride-Pionierin und Filmemacherin Sandra Lahnsteiner der Wunsch, die Berge rund um ihre Heimat zu erkunden. Back to the Roots, zurück zu den Wurzeln, soll es gehen: Aus reiner Muskelkraft, sprich mit Skitouren-Ausrüstung, will sie quer durchs Salzburgerland gehen. Von Sportgastein im Gasteinertal bis nach Hinterglemm im Glemmtal. Diese Idee lässt die Wahl-Gasteinerin nicht mehr los und so weiht sie im Herbst 2019 Sabine Schipflinger in ihre Pläne ein. Die Skiführerin und ebenfalls begeisterte Freeriderin aus dem Glemmtal, genauer aus Hinterglemm, ist sofort Feuer und Flamme. Gemeinsam unternehmen sie erste Erkundungstouren, um die Machbarkeit des Projekts sowie kritische Schlüsselstellen bereits im Vorfeld zu identifizieren. Fazit: Es braucht sichere Schneeverhältnisse und ein über mehrere Tage stabiles Wetterfenster, dann sollte sie schon hinhauen, die hochwinterliche Skidurchquerung des Salzburgerlandes – gewaltig dimensioniertes Bergpanorama inklusive. Fünf Tage soll die Trans Salzburgerland dauern. Und ganz sicher nicht den direkten Weg zwischen Start- und Zielort nehmen, sondern ganz viel vom Besten beinhalten, was das Salzburgerland skifahrerisch zu bieten hat: Schier unendliche Abfahrten in schönstem Firn oder nordseitig noch fluffigem Pulver. Schneebedeckte Gipfel, soweit das Auge reicht. Einsame Natur, weitab vom Trubel der angesagten Skigebiete. Fünf Tage Abenteuer sollen es werden, mit Gipfelglück aus Muskelkraft und fettem Powder- bzw. Firnsmile in der Abfahrt.


Vom Duo zum Trio
Während Planung und Winter voranschreiten, sich das Projekt entwickelt, und beide Freeriderinnen ihren üblichen Winter-Tätigkeiten nachgehen, trifft Sandra auf ihrem Mountain Women’s Talk Riesentorlauf-Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg. Die zweifache Vize-Weltmeisterin hatte im Herbst 2020 ihre Karriere beendet und sucht seitdem die Herausforderung abseits der roten und blauen Stangen im Schnee. Die beiden kommen ins Gespräch, über die geplante Durchquerung des Salzburgerlandes und die aus Kreuth am Tegernsee stammende Ex-Rennläuferin ist sofort von der Idee begeistert. Als sie davon hört, dass Viktoria mit will, ist Sabine zuallererst etwas skeptisch. Es handelt sich bei der Tour ja nicht um eine einfache Tagestour, sondern um eine mehrtägige, hochalpine Unternehmung mit sämtlichem Pipapo wie Anseilen, Gletscherspalten oder Steigeisen. Da seit jeher „Safety first“ bei allen von Sandras Filmprojekten, Camps oder Workshops oberstes Gebot ist, unternahm sie eine Art „Sichtungstraining“ mit Vicky in eine der steilsten Rinnen im Gasteiner Nassfeld. Zugegeben, konditionsbedingte Schwächen waren von vorneherein eher auszuschließen, ebenso abfahrerische. Es galt eher herauszufinden, ob Vicky in der kurzen Zeit seit ihrer Ski-Pensionierung auch bergauf technisch versiert genug geworden war, um eine solche Herausforderung sicher meistern zu können. Es stellte sich heraus, dass sie konnte, und so war aus dem Duo ein Trio geworden.


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Die Route
Die Route sollte die drei Skifahrerinnen vom Gasteiner Nassfeld Richtung Westen auf den Silberpfennig mit seinen 2.600 Metern und weiter ins Raurisertal nach Kolm Saigurn führen. Von dort aus wollten sie den Hohen Sonnblick (3.106 Meter) besteigen, einen echten Skitourenklassiker. Auf der dritten Etappe sollte es von Heiligenblut Richtung Oberwalderhütte gehen, die Strecke wäre das Highlight der Tour mit der anspruchsvollen Passage über den Hufeisenbruch und die Pasterze des Großglockners. Übers Stubachtal führt die Tour dann hinaus ins Salzachtal und als Finale in die Kitzbüheler Alpen auf den 2.247 Meter hohen Manlitzkogel, von dem aus man den Zielort Hinterglemm bereits sehen kann. Essenziell auf jeder einzelnen Etappe der Tour: Aufbruch früh am Morgen. Aufgrund der tageszeitlichen Erwärmung treffen die drei südseitig immer wieder auf Nassschneelawinen, die gequert werden müssen – die Stirnlampen kommen also auf jeden Fall in die Rucksäcke. Was sie sonst noch alles mitgetragen haben? Die gesamte Sicherheitsausrüstung natürlich, Wechselkleidung, Notfallrationen, ein Seil, Karabiner, Steigeisen, Harscheisen – und Hüttenpatschen. „Wenn ich den ganzen Tag Skischuhe anhabe, dann freut mich das nicht, wenn ich sie auch noch am Abend tragen muss“, lacht Viktoria im Film. Zusätzliche Ausrüstung können die drei in Heiligenblut aufnehmen, Überflüssiges ablegen: Nichts sollte weiter mitgetragen werden als unbedingt notwendig. Spoiler: Ein paar Gegenstände „überwinterten“ bis zur Öffnung der Großglocknerstraße in der Nähe der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe – doch dazu später.

Etappe 1: Sportgastein – Silberpfennig - Kolm Saigurn

Nach einer gefühlt ewigen Planungszeit geht es endlich los. Die erste Tagesetappe führt von Sportgastein über den Silberpfennig hinunter ans hinterste Ende des Rauristals nach Kolm Saigurn. Ein Heimspiel für Sandra, deshalb entscheidet sie sich auch für eine Variante abseits der klassischen Route, über einen ausgesetzten Felsgrat. Mehr als 1.800 Höhenmeter und 17 Kilometer Strecke liegen vor der Crew. Sandra hatte sich diesen Grat schon x-mal angeschaut, sie sieht ihn direkt vom Wohnzimmerfenster in Bad Hofgastein aus. Ihr war klar, dass sie den Sabine und Vicky zeigen wollte. Wie viele Leute da schon vor ihnen runtergefahren sein mögen? Zahlreich waren die Befahrer sicher nicht. „Und tatsächlich bin ich dieses Face mit den beiden gemeinsam bei der Tour dann auch zum allerersten Mal abgefahren“, erzählt Sandra. Sie lacht: „Aber sicher nicht das letzte Mal!“


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Etappe 2: Kolm Saigurn – Hoher Sonnblick – Heiligenblut
Tag 2 hat einen echten Skitouren-Klassiker im Programm: Von Kolm Saigurn geht es auf den Hohen Sonnblick. Die Abfahrt führt durch das Fleißtal bis nach Heiligenblut am Fuße des Großglockners, seines Zeichens der höchste Berg Österreichs. Sandra, Sabine und Vicky fellen bei strahlendem Sonnenschein und in Begleitung von Hüttenhund Luna auf. Bald bewahrheitet sich allerdings die Wettervorhersage: Eisiger Sturmwind. Aber ein Zögern gibt es nicht, Schritt für Schritt setzen sie die Ski in den Schnee und über weite, unberührte Flächen, bis sie am 3.106 Meter hohen Sonnblick stehen. Dort geben sie ihre vierbeinige Begleiterin ab und machen sich in die Abfahrt: Mehr als 1.800 Tiefenmeter liegen vor ihnen. Luna nimmt für die Abfahrt allerdings die Materialseilbahn: „Wir mussten dem Hüttenwirt versprechen, dafür Sorge zu tragen, dass Luna per Seilbahn runterkommt und er sie nicht in Heiligenblut abholen muss“, erinnert sich Sandra. „In ihren jungen Jahren ist sie auch schon zwei Mal pro Tag auf den Hohen Sonnblick gelaufen – und wieder runter.“ Der Sturm ist Nachteil und Vorteil zugleich: Sabine, Sandra und Vicky haben den Hohen Sonnblick an diesem Tag für sich alleine. „So ganz allein am Gletscher die Skitourenspuren zu hinterlassen war schon etwas Einzigartiges. Auch etwas, das vermutlich nicht so schnell wieder kommt“, meint Sandra zu diesem Tag.


Etappe 3: Heiligenblut – Biwak Kaiser-Franz-Josefs-Höhe
Die geplante Königsetappe der Tour steht am Programm: Von Heiligenblut aus brechen die drei in der Dunkelheit auf, um ihr Tagesziel, die Oberwalderhütte, zu erreichen. Entlang der gesperrten Großglockner Hochalpenstraße und spätestens in der Tunnelgallerie zeigte es sich dann aber deutlich: Die wird nicht zu erreichen sein an diesem Tag, zu kritisch sind Schnee- und Lawinensituation. An einem der wärmsten Tage im Frühling 2020 steigt die Truppe komplett Ost- bzw. Südost-seitig auf. „Wir haben schnell gemerkt, dass wir – auch wegen dem Filmen – nicht schnell genug sind“, erinnert sich Sandra. „Wir hätten Mittag ‚safe‘ sein müssen, deshalb wäre es schlichtweg dumm gewesen, noch weiter zur Oberwalderhütte zu gehen. Außerdem hat es uns schon auch ein bisschen gereizt, draußen zu schlafen, im Angesicht des Glockners…“

Etappe 3 ½: Biwak Kaiser-Franz-Josefs-Höhe – über Pasterze – Hufeisenbruch – Oberer Pasterzenboden – Obere Ödenwinkelscharte (3.228m) – Abfahrt über Ödenwinkelkees – Rudolfshütte
Schon wieder sind Plusgrade angesagt. Die Nacht war kurz. „Aber geil! Wir hatten Sternenhimmel und ich bin immer mal wieder aufgewacht und hab zum Glockner raufgeschaut“, lässt Sandra das Erlebnis Revue passieren. „Schon ehrfürchtig, genial, was wir da oben erleben durften. Diese Stille, diese Einsamkeit, es ging nur ums Skitouren gehen und all unsere Gedanken waren auf die Tour und die Berge fokussiert: Wann gehen wir los – wie gehen wir – wie lang sind wir unterwegs, wo fahren wir ab… schon auch ein bisschen meditativ.“ Bei Tagesanbruch ist der Untere Pasterzenboden schon fast überquert. Unter den überhängenden Seracs des Hufeisenbruchs müssen Sabine, Sandra und Viktoria so schnell wie möglich durch. Es ist heiß, es ist steil, und für die Ex-Rennläuferin stellt diese Passage eine weitere Challenge dar: Sie ist noch nie mit Steigeisen gegangen. Sandra erzählt weiter: „Sabine und ich sind beide Skiführerinnen und hatten Verantwortung Vicky gegenüber. Vicky hat sich einfach voll auf uns verlassen, sie hat uns vertraut in jeder Sekunde der Tour und das war schon auch beeindruckend für mich. Sie hat uns, glaub ich, als ihre ‚Coaches‘ gesehen – das war sie gewohnt und sie hat darauf vertraut, dass wir – egal was und wie wir entscheiden – richtig und verantwortungsbewusst handeln.“

Etappe 4: Rudolfshütte – durchs Stubachtal - Manlitzkogel – Hinterglemm
Die finale Etappe führt durchs Stubachtal auf den Manlitzkogel. Gestartet bei hochwinterlichen Verhältnissen landet die Crew im frühlingshaften Glemmtal bei Sulzschnee. Noch vor fünf Tagen waren die drei Skifahrerinnen vom Silberpfennig im Powder nach Kolm Saigurn abgefahren – und an diesem Tag wandern sie im Pinzgau los, bis sie den Schnee erreichen. Viel war passiert.

„Ich hab mich immer wieder umgedreht und zurück geschaut – zurück zum Johannisberg, im Hintergrund der Glockner. Irgendwo noch weiter hinten der Sonnblick – egal wie viele Skitouren ich gehe – ich finde es immer wieder beeindruckend, wie weit man kommt, wenn man einfach nur geht“, sagt Sandra am Ende des Films. „Mit Skitourenski, auf Fellen. Und es gibt noch so viel mehr, was ich machen will, so viele Gipfel, so viele Touren, so viele Grate. Es gibt noch so viel, was ich lernen und machen will. Irgendwie ist jedes Jahr als Skifahrerin anders – früher war es die permanente Suche nach dem perfekten Powder, nach der perfekten Abfahrt. Aber das ist es nicht mehr – für mich. Es geht viel mehr um das Gesamterlebnis in den Bergen, etwas zu erleben, machen zu können und – machen zu dürfen.“


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