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Rider Profile - Sarah Höfflin & Valentin Werner-Tutschku


rider profile sarah 02

Wer sowohl X Games Gold als auch eine Olympische Goldmedaille zuhause hängen hat – übrigens im Badezimmer – kann wohl getrost als „sehr erfolgreich“ bezeichnet werden.

Skifahrer*innen, die dermaßen viel Edelmetall gesammelt haben, stammen meistens aus der klassische Alpinschule: Skiclub als Kleinkind, viele Jahre Training zwischen roten und blauen Toren, Wahl einer Ski-Schule, Kader. Und dann Weltcup Zirkus. Und dann gibt’s noch Sarah Höfflin.

Die 30-jährige Schweizerin, die in Genf geboren und etwas außerhalb in Founex aufgewachsen ist, stand zwar bereits mit drei Jahren auf Ski. Mit zwölf allerdings übersiedelte sie nach England. Während sie als Kind am liebsten „Hühnerfänger“ geworden wäre – „Mein älterer Bruder Julian erklärte mir, dass man da viel Geld verdienen könne, weil alle Menschen zu Weihnachten Hühnchen essen würden.“ – setzte sich bald der Wunsch nach einem anderen Beruf durch: „Ich wollte Ärztin werden. Unbedingt. Ich habe meine gesamte Teenagerzeit damit vergeudet, mich auf die Medizin-Uni vorzubereiten“, erinnert sie sich. Als ich mein Abitur in der Tasche hatte, mit den besten Noten der gesamten Schule, bewarb ich mich an verschiedenen Unis, wurde aber nirgendwo angenommen.“ Ein erster Rückschlag, der Sarahs herangehen an Herausforderungen zukünftig stark prägen sollte.

Selbstverständlich bekam sie dann doch noch einen Studienplatz, und so ist sie heute der einzige Freestyle-Pro mit einem Abschluss in Neurowissenschaften. „In meinem ersten Jahr auf der Uni in Cardiff entdeckte ich Freestyle. Ich war 20, als ich damit begann, und ich war sofort süchtig.“Sie machte ihren Abschluss 2013, fuhr am Wochenende Ski, und erklärte schließlich ihren Eltern, „dass ich jetzt nach dem Studium nur einen Winter eine Skisaison in den Alpen machen wollte. Eine Saison Spaß haben, danach würde ich mir einen ‚richtigen Job‘ suchen.“ Sie kam nach Tignes und hatte „den besten Winter meines Lebens: Ein 13m² großes Zimmer und total pleite, aber ich konnte Skifahren und das Wetter war immer super – entweder schien die Sonne oder es schneite.“ Sie fuhr zurück nach England, nahm eine Arbeitsstelle an, „die ich hasste“, und entschied, noch einen zweiten Skiwinter anzuhängen.

In dieser zweiten Skisaison nahm sie - mit 24 Jahren - an ihrem allerersten Contest teil. „Ich war hypernervös, weil ich wusste, dass das Swiss Ski Team da war. Und ich crashte brachial.“ Sie muss die Coaches dennoch beeindruckt haben, denn danach wollten sie Sarah für das Swiss Ski Team haben. Und im Mai 2015 war sie Teil desselben.

„Ich dachte wirklich ‚Wow Sarah! Jetzt bist Du ein Ski-Profi! Wie geil!‘ aber ganz so schnell ging es dann doch nicht. Im November riss ich mir das Kreuzband. Neun Monate Reha lagen vor mir, und meine Zukunft als weltreisender Freestyle-Pro schien unendlich weit entfernt“, erzählt sie von dieser schwierigen Zeit. „Ich habe kapiert, dass alles in einem Augenblick vorbei sein kann. Und dass es für mich nicht funktioniert, wenn ich mir hohe Ziele stecke, an denen ich zwangsläufig scheitern muss – denn es kann immer jemanden geben, der besser ist als ich, egal wie hart ich arbeite. Es hat gedauert, aber heute will ich einfach Spaß haben beim Skifahren, und ich will gut Skifahren. Ich will neue Tricks lernen. Und wenn‘s nicht gleich klappt, trainiere ich sie eben noch ein bisschen länger.“

Diese Herangehensweise hat sich ausgezahlt: 2017 debütiert sie im Weltcup, gewinnt ihre erste Kristallkugel im Slopestyle und qualifiziert sich für die Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang. Im Januar 2018 holt sie X Games Gold und fährt als eine der großen Favoritinnen nach Südkorea. Das Training lief nicht wie gewünscht: „Ich crashte viel und mein ganzer Körper schmerzte. Ich weiß ja nicht, wie andere Olympiasieger die Nacht vor ihrem großen Triumph verbracht haben, ich weinte jedenfalls eineinhalb Stunden am Telefon mit meinem Freund, bevor ich beschloss, mich locker zu machen und zur Bronzemedaillenparty von Scotty James zu gehen, um ein paar Gläser Wein zu trinken“, lacht sie. „Scotty hielt eine Ansprache, die so inspirierend war, dass ich am nächsten Morgen mit einem Lächeln aufwachte. It’s just skiing, wie mein Freund immer sagt.“ Der Rest ist Geschichte und Sarah seitdem Olympiasiegerin im Slopestyle.

Hat man, wenn man alles gewonnen hat, eigentlich noch Ziele? „Ich weiß, dass viele Sportler nach einem großen Triumph in ein Loch fallen, aber nicht ich“, erklärt sie. „Erstens hab ich ja dann 2019 als erste Frau die Kristallkugel ein zweites Mal gewonnen, dazu 2x Silber bei den X Games 2019 und 2020. Zweitens hab ich mein Skifahren weiterentwickelt, wie man z.B. im Faction Team Movie ‚The Collective‘ sieht, für den ich mit dem Best Female Edit Award von Newschoolers ausgezeichnet wurde. Und drittens – und das ist das wichtigste: Ich fahre nicht Ski, um zu gewinnen. Ich fahre Ski, um Spaß zu haben!“

rider profile valentin 02

„Meine erste Erinnerung ans Skifahren war, dass ich den ganzen Nachmittag komplett alleine am Übungshang unterwegs war. Ich bin einfach rauf und runter, immer wieder, bis mich mein Papa abgeholt hat.“ Der Haken an der Sache: Valentin Werner-Tutschku war eigentlich gar nicht alleine beim Skifahren, sondern mit seinem Papa.

Irgendwo bog er aber falsch ab, landete am Übungshang und fuhr dort einfach weiter. „Es hat mich auch gar nicht gestört, dass der Papa nicht mehr da war. Die Liftlerin hat irgendwann gefragt, mit wem ich denn hier sei. Ich gab ihr die Telefonnummer meines Vaters und er hat mich dann abgeholt. Erzählungen meiner Eltern nach war er da schon ziemlich besorgt“, lacht Valentin, genannt „Vali“, heute über die Begebenheit.

So lange diese Anekdote auch her ist, sie scheint doch richtungsweisend gewesen zu sein: „Ich bin immer komplett aus Eigenantrieb und Eigeninitiative Ski gefahren. Als sehr bewegungsfreudiges Kind hat mich meine Mama zwar in den Skiverein gesteckt, damit ich meine Energie loswerde, aber die Liebe zum Skifahren war von Beginn an von selbst da.“ Eine klassische, österreichische Skigeschichte schien sich anzubahnen: „Ich hab viel trainiert, immer blau-rot-blau-rot. Und mit 10 Jahren wollte ich unbedingt in die Skihauptschule gehen.“ Allerdings: Seine Eltern wollten Vali nicht so früh schon in ein Internat ziehen lassen. Er blieb zuhause und musste über die kommenden Jahre feststellen, dass ihn die gleichaltrigen Skihauptschüler zusehends überholten. Als er mit 14 vor dem Wechsel ins Skigymnasium stand, wollte er nicht mehr:

„Es hat mich deprimiert, ich hatte das Gefühl, vier Jahre verloren zu haben“, erinnert er sich. „Außerdem hat es mich immer stärker ins Gelände gezogen. Ich hab einfach keine Lust mehr gehabt, immer nur den Kurs zu fahren, den mir jemand anderer vorgab, immer nur in den Spuren der Läufer vor mir unterwegs zu sein. Ich wollte meinen eigenen Kurs setzen.“ Ein Freund schlug ihm vor, es doch mit Freeride Contests zu probieren. End of story. Nicht ganz!

„Am Freeriden hat mich immer fasziniert, dass ich mir meine Grenzen selbst stecke. Ich entscheide selbst über meine Line. Ich entscheide selbst, wie viel ich mich traue. Und das ‚höher, schneller, weiter‘, auch in der freundschaftlichen Konkurrenz mit den anderen Ridern, hat mich angetrieben, besser zu werden.“ Auf die Unterstützung seiner Eltern konnte er sich auch hier verlassen, denn: „Für meinen Papa war das keine Überraschung, dass ich zu den Freeridern wechsle, der hat sich das schon immer gedacht. Nur die Mama hat am Anfang gemeint ‚Na super Bua! Jetzt macht er was noch Gefährlicheres!‘“, lacht Vali.

Über die Contests entwickelten sich Freundschaften, aus einigen dieser Freundschaften die „Mountain Tribe Crew“. „Zusammen mit dem Gassner Flo hab ich die vor vier Jahren gegründet. Das war ursprünglich nur als Gaudi-Projekt geplant, Skifahren und ein bisschen filmen mit guten Freunden am Berg.“ Die Filmprojekte werden mit jedem Mal größer werden – bis „Metanoia“ sie im vergangenen Jahr weit über die kleine Freerideszene hinaus bekannt macht.

„Ich kann mich genau erinnern, wir waren am Kaunertaler Gletscher, um Anfang der Saison unsere Alpinskills aufzufrischen. Da kam die E-Mail vom Banff Mountain Film Festival, dass wir den Award in der Kategorie Snow Sports gewonnen hätten“, erinnert sich Vali. „Das ist wie den Oscar zu gewinnen! Wir haben dann vorsichtig ein bisschen gefeiert, aber ehrlicherweise hab ich über eine Woche lang nicht geantwortet. Ich war mir nämlich total sicher, dass eine zweite kommen würde, in dem sich Banff für die Verwechslung entschuldigt, dass sie nur versehentlich uns die Gewinnermail geschickt hätten und wir halt doch nicht gewonnen hätten.“ Doch die zweite Mail kam nicht.

„Dieser Award hat breite Wellen geschlagen, plötzlich kommen Leute auf uns zu und fragen an, ob wir etwas machen können“, sagt Vali, der gerade sein Bachelorstudium in Sport Management abgeschlossen hat. „Flo und ich ergänzen uns super. Für uns fühlt es sich nur logisch an, dass wir jetzt, mit dem Auftrieb, den wir durch ‚Metanoia‘ bekommen haben, versuchen, auch vom Filmen leben zu können. Ich setze da nicht nur meine ganze Energie, sondern schon auch meinen sturen Kopf für dieses Ziel ein“, meint er. Ein Jahr Zeit haben sich die beiden gegeben, um einen konkreten Plan zu entwickeln.

Nach dem diesjährigen „Zwischenprojekt“ One Step Ahead ist für kommendes Jahr ein „noch größerer, aufwändigerer“ Film geplant – verraten wird aber noch nicht viel: „Am besten, Ihr folgt einfach dem Mountain Tribe auf Social Media!“ grinst Vali. Was danach kommt, steht noch in den Sternen: „Ich weiß ja noch nicht mal, was ich morgen machen werde!“ Und ergänzt nach kurzem Überlegen: „Ich bleib da gerne flexibel. Mal schauen, wie sich das alles entwickelt.“ Und wenn‘s nicht läuft? „Überlegen wir uns halt wieder was anderes.“

 

 

rider profile sarah 01

SARAH HÖFFLIN
"Have fun, ski well and ski smart"

Alter: 30

Homespot:
Chamonix bzw. Leysin und Val Thorens / Frankreich

Beruf:
Profiskifahrerin

Sponsoren:
Monster Energy, Faction Skis, Columbia, POC, Leysin, F.P. Journe, Loyco, IMRO

Erfolge:
2018 Gold Slopestyle Olympische Winterspiele Pyeongchang 2018 Goldmedaille Big Air X Games Aspen
2x FIS World Cup Gesamtsiegerin
2x Silber und 1x Bronze X Games Aspen
12x FIS World Cup Podium inkl. 3x Gold

Media:
Instagram: @sarahhöfflin
www.sarahhoefflin.com


 

rider profile valentin 01

VALENTIN WERNER-TUTSCHKU

Alter: 23

Homespot:
Seit 4 Jahren Innsbruck / Österreich

Beruf:
Freeride Athlet & Filmproduzent bei Mountain Tribe

Sponsoren:
Head Skis, Alpina Sports, ABS Airbags, PYUA, ESKA Gloves

Erfolge:
Banff Mountain Film Festival Award in der Kategorie
"Snow Sports" für den mehrfach ausgezeichneten Freeride Film "metanoia"

Media:
Instagram: vali_wernertutschku
Facebook: valiwernertutschku





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