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Rider Profile - Kathi Kuypers & Timo Pritzel


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„Radlfahren ist meine Droge“

“Wer über Frauen in der Freeride-MTB-Szene spricht, der kommt an Kathi Kuypers nicht vorbei. Die 33-jährige Oberbayerin ist ein Urgestein und seit 2016 auf der FMB World Tour mit dabei – wenn auch bisher außer Konkurrenz, denn Frauen-Bewerbe werden 2023 erstmals ausgetragen. „Ich bin da einfach zur Gaudi mitgefahren. Ich denke, dass das für mich heuer schon ein Vorteil sein wird, ich kenne das ganze Setting und die Leute“, meint sie gut gelaunt im Interview. „Außerdem“, lacht sie, „bin ich mittlerweile 33 und ein bisschen gechillter and gefestigter als noch vor ein paar Jahren.“

Zur Einordnung: FMB World Tour in der Diamond League. Das bedeutet auf Top-Level. „An Big Airs muss man sich gewöhnen. Jedes Jahr ist es dasselbe: Das erste Mal in der Luft denkst Du Dir schon ‚Ooooh, Airtime!‘ Deshalb bin ich froh, dass ich im Winter in Mexiko bei der Freeride Fiesta war, da bin ich nicht ganz so lange weg von den großen Sprüngen gewesen. Jetzt arbeite ich gerade daran, die Sprünge vom Downhill-Bike aufs Dirtbike umzusetzen.“ Während viele Kids auf dem Dirtbike im Skatepark anfangen, ging Kathi den umgekehrten Weg. „Mein Papa ist ein bisschen Motor verrückt, meine Brüder und ich hatten mit vier Jahren schon eine Mini-Motocross, mit der wir rumgeheizt sind. Je schneller, desto besser! Und unsere Sonntagsausflüge waren Mountainbike-Ausflüge in die Berge“, erzählt Kathi von ihren Zweirad-Anfängen. „Im Gymnasium gabs dann eine MTB-Gruppe, da war ich dabei – allerdings so richtig in Lycra und mit Crosscountry-Bikes. Als dann der Bikepark Samerberg eröffnet hat, hab ich das Lycra abgelegt und mich in Richtung Federweg orientiert.“ Kathi ist begeistert, lernt schnell. Als sie „auf Drängen meiner Bike-Spezl“ am Gang Battle in Saalbach Hinterglemm teilnimmt, wird sie Vierte hinter Legenden wie Ines Thoma oder Antje Kramer. „Die hatten alle DH-Bikes und ich so 140mm“, grinst sie. „Dann kam die Ausschreibung für die Trek Gravity Girls und die Jungs am Samerberg schubsten mich da richtig rein. Am Ende wurde ich unter 32 Bewerbungen ausgewählt und bekam einen Trek Profi-Vertrag.“ Sie fährt ein bisschen Downhill, ein bisschen Enduro, ein bisschen E-Mountainbike. Ihre wahre Leidenschaft aber entdeckt sie 2011: Slopestyle. „Wir durften uns in einer leerstehenden Lagerhalle austoben und haben uns da eine Schnitzelgrube, ein Resi-Pit, also einen Sprung, dessen Landung mit Matten ausgelegt ist, und Jumps reingebaut. Dort hab ich die Basics gelernt“, erinnert sie sich. „Zum Freeride kam ich wieder über einen Spezl vom Samerberg. Der meinte so 2014 rum, wir müssten mal an meiner Fahrtechnik arbeiten. Ich hab mir also für 200 Euro ein Hardtail gekauft und war angefixt. Das war so schwierig, das Bike verzeiht dir keinen Fehler! Und dann war ich das erste Mal in Bad Aibling und hab Legenden wie Andi Wittmann getroffen – ich wollte das auch können. Und wenn ich mir einmal was in den Kopf gesetzt habe, dann lass ich das nur sehr schwer wieder los…“ Sie lacht. „Aber Radlfahren ist immer Radlfahren für mich, egal auf welchem Bike.“ „Senderella“ springt, was das Zeug hält: 26Trix in Leogang, Bikedays Zürich und Swatch Rocket Air, Crankworx. Was nicht immer glimpflich ausgeht: „Verletzungen sind ‚part of the game‘. Mein Kreuzband war vier Mal gerissen, beim letzten Mal war auch der Oberschenkel durch und ziemlich viel kaputt. Ich hab mindestens ein Jahr in die Reha investiert und Vollgas gegeben. Heute kann ich problemlos zehn Kilometer joggen – eigentlich unmöglich.“ Zu der Zeit dachte sie viel darüber nach, warum sie unbedingt zurückkommen wollte: „Ich glaube, es ist diese Hormon-Dopamin-Kombi, die Dir einschießt, bevor es losgeht. So stelle ich mir vor, dass es sich anfühlt, wenn man Drogen nimmt. Man könnte also sagen, dass Radlfahren meine Droge ist.“ Sie grinst. Diese Droge wird sie 2023 wohl weiter begleiten, denn Kathi ist Fixstarterin auf der allerersten FMB World Tour für Frauen. „Ich freu mich total! Ich will unbedingt dabei sein, mitfahren und dann schau ich mal, was geht“, sagt sie. „Ich bin so gespannt, was die anderen Mädels gelernt haben! Und solange das nicht vollkommen krass mehr ist als das, was ich kann, bleib ich auch dabei.“ Sie macht eine Pause und schmunzelt. „Auch, wenn ich in dem Zirkus mittlerweile die Oma bin. Ich bin immer schon mit dem Kopf durch die Wand – wie gesagt, wenn ich mir einmal was in den Kopf gesetzt habe…“ Breites Grinsen. Mit dieser Oma werden die Enke-linnen rechnen müssen.

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„My bike took me places school never could“

1983, Timo Pritzel ist sechs Jahre alt und E.T. erobert die Welt. „Alle coolen Kids hatten ein BMX. Klar wollte ich auch eines!“ erinnert er sich. Weihnachten wurde sein Wunsch schließlich erfüllt. Was jedoch aufgrund dieses BMX ge-schehen würde, das hätte auch E.T. nicht vorhersehen können.

Schon im darauffolgenden Jahr nimmt er an seinem ersten BMX-Rennen teil. „Zu Beginn war ich nicht gut, aber überglücklich! Ich hatte etwas gefunden, das ich wirklich wollte – und es fühlte sich so gut an“, denkt Timo, die BMX- und Mountainbike-Legende, an seine Anfänge zurück. „Ich habe damals sehr viel übers Gewinnen und Verlieren gelernt. Und sehr von den älteren Jungs profitiert.“ 1996 markiert schließlich das Jahr, in dem er offiziell Bike-Profi wird.„Meine Eltern haben mich sehr unterstützt, aber Mitte der 1990er Jahre war ‚Bike-Profi‘ nicht das, was sie sich erhofft hatten. Als ich kein wirkliches Interesse an einer Ausbildung zeigte, weil ich nur Fahrräder im Kopf hatte, waren sie schon besorgt“, erzählt er. 1996 arbeitet er noch als Postbote, doch schon 1998 wird er Weltmeister, bekommt mehr Jobs –„Stunt Double Sachen, Guinness Record Show, GZSZ“ – und kann so als Vollprofi leben. „Im Rückblick habe ich das –meinen Traum zu leben – nicht so genossen, wie ich es vielleicht hätte tun sollen. Mit dem WM-Titel in der Tasche stieg der Druck, und oft hab ich mir den auch selbst gemacht.“ Rund um die Jahrtausendwende entdeckt Timo Freeride-MTB. „Mein erster MTB-Job“, lacht er, „war irre: Ich musste mir die Beine rasieren und in Lycra fahren. Gottseidank hat sich das schnell geändert!“ 2002, als Freeride noch in den Kinderschuhen steckt, schlägt er in der Szene ein wie eine Bombe. Er gewinnt den Sea Otter Dirt Jump Contest, das Joyride, wird 2. beim ersten Crankworx in Whistler 2004. Er dreht Segments für die legendären New World Disorder-Bikefilme und zeigt als einer der ersten Rider überhaupt BMX-Tricks und den entsprechenden Style auf Mountainbikes. „Als Hardcore-BMXler musste ich von Big Red Ted Tempany und John Cowan allerdings erst einmal überredet werden, auf ein Fully zu steigen“, schmunzelt er. „Aber als sie mich in Squamish dann so weit hatten, liebte ich es!“

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Die jungen 2000er Jahre markieren aber noch einen weiteren Meilenstein in Timo Pritzels Leben: Viele Jahre im Ex-tremsport mit den dazu gehörigen Verletzungen hatten ihre Spuren hinterlassen. „Ich hatte solche Rückenschmerzen, dass selbst Kortisonspritzen nicht mehr halfen und ich Wettkämpfe überhaupt nur mit Painkillern durchstand.“ Doch er landete über Umwege beim Yoga. „Das war einschneidend: Ich konnte Energieblockaden auflösen, jahrelange Fehlhaltungen korrigieren und meine körperlichen Schwachstellen stärken“, erklärt er und führt weiter aus: „Viele der Jungs belasten ihren Körper total einseitig, da hilft Yoga sehr. Auch mental, denn Bike-Pro sein ist ein Fulltime Job.“ Seine Er-fahrungen gibt er heute im Rahmen von Events wie den Nine Knights an die Freeride-Elite weiter, oder als Person Trainer und Yogalehrer in Berlin. „Ich bin aber auch oft auf Bike Events und gebe dort Kurse“, setzt er nach. "Ich finde es super, meine beiden Leidenschaften z.B. in Bike & Yoga Camps zu verbinden."

Also früher „junger Wilder“ und heute „Bike Buddha“? „Oh nein, nennt mich bitte nicht so“, lacht er. „Das Competi-tion-Gen steckt schon noch in mir. Wenn ich eine Session mit jüngeren Fahrern springe, dann packt es mich schon noch!“ Er grinst. „Mein Bauchgefühl verhindert aber, dass ich Blödsinn mache. Ich freu mich dann, dass ich trotz meines fortgeschrittenen Alters noch ein bisschen mithalten und meinen Backflip springen kann. Die crazy Tricks überlasse ich mittlerweile den Jüngeren.“ Timo Pritzel wird der Freeride MTB Szene also noch länger als „Elder Statesman“ erhalten bleiben. Ob die nächste Generation in seine Fußstapfen treten wird? „Ja sicher wäre es cool, wenn meine Tochter die nächste Anne Caroline Chausson würde“, sagt er. Und ergänzt: „Aber anders gefragt: Würdest Du Deinem Kind einen Schädelbruch, Milriss, unzählige gebrochene Knochen und gerissene Bänder, plus lädierte Knöchel, Knie und Rücken sowie ca. 50 Gehirnerschütterungen wünschen? Ein Bike Pro zu sein, hat auch negative Seiten.“ Nicht ohne jedoch gut gelaunt abzuschließen: „Aber ich habe großes Vertrauen ins Leben, das Auf und Ab gehört dazu, macht uns stärker und hilft uns zu wachsen.“

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Kathi Kuypers

Alter: 33

Wohnort: Bad Aibling & Samerberg

Beruf: Bike Profi

Sponsoren: Trek Bicycles, SRAM, RockShox, Norrøna, Sonax, Etnies, Kenda

Karriere: 2. Crankworx Pumptrack, Red Bull District Ride 2022, FMB World Tour

Ziele für die Zukunft: Mein gesammeltes Knowhow als Rundum-Betreuerin für Bike-Profis zu verknüpfen

Media www.kathikuypers.de


 

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TIMO PRITZEL

Alter: 44

Wohnort: Berlin Grunewald

Beruf: Yoga Lehrer und Biker

Sponsoren: Nox Cycles, Sour Bicycles, Sqlab, TSG, Schwalbe, Triple2 Clot-hing, Cosmic sports, DMR Pedals

Karriere: 6x Deutscher Meister in BMX, 3x Race, 1x Street, 2x Dirt, 3. Platz ABA Grandnationals USA, World Champion BMX Dirt 2. Platz Crankworx Slopestyle, 2. Adidas Slopestyle, 2x Winner Red Bull Freeride, 2x Winner Sea Otter Dirt Jump Contest

Instagram @timopritzel / @ogaforbikers





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