bergstolz

Homespot - Columbia Mountains


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Darf ich vorstellen: Die Columbia Mountains rund um Blue River, BC, Kanada. Mein Homespot der letzten Jahre. Ich bin vielleicht etwas voreingenommen, aber hier ist das beste Skifahren der Welt zu finden.

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Ohne Zweifel. Die Weitläufigkeit dieser Berge kann man als Europäer erst begreifen, wenn man sie gesehen hat. Der Schnee ist kalt, trocken und leicht. Und es gibt viel davon. Sehr viel. Ich arbeite hier als Guide für Mike Wiegele Heli-Skiing und würde Euch gerne einen Tag mitnehmen.

Mein Tag beginnt lange bevor das Tageslicht das North Thompson Tal erhellt. Auf meinem Weg zum Guides House herrscht Stille - die Gäste schlafen noch. Einzig das Knirschen des kalten Schnees unter meinen Stiefeln ist zu hören. Spätestens beim Anblick der Gästechalets und des Guides House macht der Schlaf Platz für die Vorfreude auf den Tag. Tief verschneite Rundholzchalets umgeben von weiß gekleideten Fichten leuchten mit dezenten Lichterketten aus der Dunkelheit. Unter dem Sternenhimmel sind in der Ferne Umrisse der frisch verschneiten Gletscher im Talschluss des Mud Creek zu erkennen. Heute wird ein guter Tag.

Obwohl ich in Anbetracht der frühen Stunde beim Betreten des Guides House nicht viel Gesellschaft erwarte, werde ich wieder einmal eines Besseren belehrt. Der Lawinenprognostiker widmet sich wie immer gut gelaunt seiner Vorhersage für den Tag und der Operations Manager sitzt bereits in seinem Büro und plant die kommenden Tage und Wochen. Meine Aufgabe ist es diese Woche, die Wetterdaten zu sammeln und aufzuzeichnen.

Pünktlich zur Dämmerung beginnt das Guides Meeting. 15 Guides und sieben Piloten sitzen gemeinsam am Tisch und besprechen das Wetter, die Lawinenvorhersage und die Beobachtungen der letzten Tage. 20 cm Neuschnee, nur leichter Wind, -20° Celsius und Sonne - diese Zusammenfassung des Wetters finden die Gäste beim Frühstück vor. Nach dem Guides Meeting wird bei uns nicht viel geredet jeder ist dabei, die Informationen aus dem morgendlichen Meeting zu verarbeiten und den Tag zu planen. Ein paar summen fröhlich vor sich hin, denn die Zeichen stehen auf feinsten, knietiefen kanadischen Powder.

Langsam verteilen wir uns auf die verschiedenen Hubschrauberlandeplätze. Die ersten Gäste kommen. Es ist der fünfte Tag, man kennt sich bereits. Der Stress und die Sorgen des Alltags, die so manche die ersten ein, zwei Tage noch verfolgten, sind längst gewichen. Viele der Gäste sind Stammkunden. Ihre Gesichter strahlen. Sie wissen, was sie heute erwartet. Es ist einer der vielen Tage, der sie über Jahrzehnte immer wieder nach Blue River reisen lässt. In der Ferne hören wir bereits das dumpfe Schlagen der Rotorblätter einer Bell 212 wir bringen uns in Position. Der Pilot begrüßt mich mit einem wissenden, freundlichen Schmunzeln und wir heben ab.

Mit einer tiefen Schleife über den wildmäandrierenden North Thompson Fluss drehen wir in Richtung Südosten. Die Monashee Berge südlich von Blue River sind ein unerschlossener Teil der Columbias im Inland von British Columbia. Hierher gelangt man nur durch eine mehrtätige Expedition mit dem Zelt oder eben mit Hilfe eines Hubschraubers. Wir landen auf 2.400 Meter Seehöhe unter einer markanten Felswand. Der Sprung aus dem Hubschrauber geht etwas weiter als gedacht- wir versinken fast bis zur Hüfte im tiefen, lockeren Schnee. Ich drehe mich um und sehe wie sich der Pilot über den Anblick amüsiert.

Sobald der Hubschrauber außer Sichtweite ist, kehrt Ruhe ein. Vor einer halben Stunde haben die Gäste noch am reich gedeckten Buffet in der gemütlichen Lodge gefrühstückt und nun stehen wir hier - inmitten von tiefwinterlicher Wildnis umgeben von mächtigen Gletschern, schroffem Fels und vor allem ganz viel lockerem Neuschnee. Wir schnallen uns die Skier an und blicken auf die traumhafte Abfahrt, die vor uns liegt. Zu Beginn ist der Hang offen und gleichmäßig. Im unteren Teil eröffnet sich eine breite Rinne, mit lichtem Hochwald und kleinen Pillows. Die Stabilität ist gut und der Hang mäßig geneigt - eine ideale Abfahrt, um unsere Muskeln auf den Tag vorzubereiten. Die anfängliche Ruhe weicht nun den Ausrufen der Begeisterung. „Links und rechts von meiner Spur - nach fünf Schwüngen kann der Nächste fahren - genießt es!“ Ich drehe meine Skispitzen nach unten und fahre los.

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Dieses Gefühl stumpft nicht ab. Die Euphorie, wenn man die erste Kurve ansetzt und sich auf den Ski in den lockeren Schnee fallen lässt. Das Gefühl der Freiheit und der Ausgelassenheit. Im Rücken höre ich die Freudenschreie der Gäste. Am Übergang in die breite Rinne bleibe ich das erste Mal stehen und dreh mich um. Ich beginne vor Freude laut zu lachen. Über den breiten Hang verteilt juchzende Gäste, umgeben von weißen Wolken, die ihnen über die Köpfe ziehen. Manche machen von oben bis unten kurze, rhythmische Schwünge, ein paar bleiben etwas weiter hinten und ziehen dann in langen, schnellen Kurven über den Hang. Der zweite Guide fährt als letzter in den Hang ein um zu helfen, falls es Probleme gibt. Er ist ein hervorragender Skifahrer - wir genießen es ihm zu zusehen.

Kaum sind alle da geht es weiter in den lichten Wald. Im verspielten Gelände springen wir über tief eingeschneite Baumstöcke und kleine Felsen. Die Landungen sind so weich, dass man das Gefühl hat zu fliegen. Für mich gibt es kein schöneres Skifahren als das Tree skiing in Kanada. Die Abfahrt war lang und als wir unten ankommen, steht der Hubschrauber schon parat.

Der nächste Flug bringt uns ins Herz der mächtigen Gletscher der Gegend. Wir fliegen an blauen Seracs und Gletscherabbrüchen vorbei hinauf zur Landung oberhalb eines langen, ebenmäßigen Hanges. Die Schneemächtigkeit beträgt hier mindestens 5 Meter. Umgeben von den weißen Giganten fühlt man sich klein. Spätestens, wenn man spürt, wie viele Schwünge man machen kann, bis man am Fuß des Gletschers ankommt. Nach vier atemberaubenden Abfahrten entlädt der Pilot in einem sonnigen Joch unser Mittagessen - er fliegt tanken. Gemeinsam mit zwei weiteren Gruppen, mit denen wir uns den Hubschrauber teilen, freuen wir uns auf eine warme Suppe, Tee, frisches Obst und Gemüse und köstliche belegte Brote. Wir genießen den Ort und tauschen uns über unsere Erlebnisse aus. Ja, Heli-Skiing ist Luxus.

Nach fünf weiteren Abfahrten neigt sich der Tag dem Ende zu und wir fliegen zurück zur Lodge. Müde und sehr glücklich stoßen wir noch auf den Tag an. Dabei werden die Höhepunkte des Tages noch einmal durchlebt. Wir recherchieren eine frische Tierspur, der wir bei einer der Abfahrten begegnet sind. Es war ein Vielfraß.

Bei Einbruch der Dämmerung füllt sich das Guides House wieder. Beobachtungen werden dokumentiert, Material getrocknet und Karten studiert. Beim abendlichen Meeting wird der Tag nachbesprochen. Die Beziehung zwischen den Guides ist gut - freundschaftlich. Aber die Meetings sind formell. Wir besprechen die Schneedecke, Beobachtungen im Gelände, Sichtungen von wilden Tieren, die Skiqualität, die Homogenität der Gruppen, Qualität der Landeplätze. Viele der Guides arbeiten hier ein Leben lang. 20, 30, sogar 40 Saisonen. Sie kennen alle Winkel und Tücken des großen Gebietes und teilen ihre Erfahrungen mit den Jüngeren. Allen voran natürlich Mike Wiegele selbst. Er spricht leise, aber wir hören ihm alle gebannt zu. Nicht nur, weil wir es ihm verdanken, dass wir hier sein dürfen. Auch weil er ein tiefes Verständnis für die Natur und den Schnee hat, welches er oft mit Hilfe von Geschichten weitergibt. Trotz seiner 80 Jahre sind seine Leidenschaft und sein Einsatz ungebrochen. Der Operation Manager beschließt das Meeting mit den Worten „Gute Arbeit. Morgen machen wir das Ganze wieder von vorne.“

Im Gedenken an Mike Wiegele (1938-2020)

Foto: John Schwirtlich // Text: Anna Heuberger

Infobox

Anna Heuberger
Anna Heuberger ist Skiführerin und Umwelttechnikerin und lebt in den Alpen. Nach einigen schönen, lehrreichen Jahren in Blue River verfolgt sie nun hier ihren Traumberuf weiter und entdeckt mit ihren Gästen die Schätze der heimischen Berge. Die Suche nach dem besten Schnee inmitten faszinierender Bergwelten bringt sie dabei an Orte, in denen sich die Columbias spiegeln.




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