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Freeride – Next Generation


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VIER PROS ALS COACHES FÜR DEN NACHWUCHS

Es gibt immer mehr Freeride Nachwuchs. Ein Trend der sich abzeichnet. Kanada und die USA waren vielleicht die ersten Länder, in denen private und kommerzielle Freeride Teams entstanden sind. In Kanada und in den USA gibt es sogar Schulen mit dem Schwerpunkt Freeride. Im europäischen Raum sind sicher die Franzosen mit ihren großen Skischulen die Stärksten, welche Freeride Teams ganzjährig betreuen. Die Eltern der Juniors müssen hier in die Tasche greifen, um den Kids das Freeriden zu ermöglichen.

Ähnlich ist es in der französischen Schweiz. Dort gibt es schon seit Jahren Freeride Teams, welche die Berge unsicher machen. Weltweit ist die Nachwuchsarbeit in der Sparte Freeride jedoch selten bis gar nicht in den traditionellen Skiverbänden integriert. Das hat den Vorteil der Unabhängigkeit, jedoch hat es den Nachteil, dass in der Nachwuchs Arbeit wenig bis keine öffentlichen Mittel an die Teams fließen. Trifft man solche Teams bei den Junior Contests, kann man immer beobachten, dass dies sehr, sehr gut funktioniert. Man sieht, dass die Jugendlichen Spaß haben, sie lernen kreativ zu sein, sie pushen sich gegenseitig und den Ordnungsrahmen gibt der Coach vor. Der Coach hilft den Jugendlichen, dass sie sich „sicher“ entwickeln können. Den öfters genannten Widerspruch aus Team und dadurch keine Freiheit zu haben kann man nicht erkennen. Eher kann man erkennen, dass die Juniors heilfroh sind, Gleichgesinnte zu haben mit denen sie ihrer Leidenschaft nachgehen können.

Im deutschsprachigen Raum stecken wir hier noch in den Kinderschuhen. Beim Skiclub Arlberg haben wir vor vier Jahren mit der Freeride Abteilung begonnen. Es ist ein sehr großer Skiclub und darum konnten wir von Beginn an mit einem seriösen Training starten. Das Sommer- und Herbsttraining variiert zwischen Bergsport, Mountainbike, Trampolin, Krafttraining, Bangerpark – einer Schanze mit Airbag Landung - und Turnen. Es ist also ein bunter Mix aus freerideähnlichen Aktivitäten, die meist auch die mentalen Fähigkeiten fördern. Ähnlich dem Skifahren. Vielseitigkeit steht an oberster Stelle.

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Im Winter geht’s dann zwei Mal in der Woche auf Schnee. In den Ferien jeden zweiten oder mindestens dritten Tag in der Gruppe. Zwischen den Trainings treffen sich die Jungs (leider noch keine Mädels) in Kleingruppen und gehen natürlich selbst Ski fahren. Die Passion ist groß.

Wir gehen jetzt in den vierten Winter. Es ist eine Erfolgsgeschichte. Gerade bauen wir die nächste Generation auf und führen sie an die „Großen“ ran. Ich kann beobachten, das Training fühlt sich nicht wie Training an für diese positiv „verrückten“ Jungs. Es ist eher, dass wir gemeinsam kleine Abenteuer erleben. Ich versuche ihnen alles sorglos und ungefährlich beizubringen. Schritt für Schritt. Mit 18 Jahren sollen sie selbständig sein. Sie sollen dann ihren Weg weiter gehen und meine Funktion als Trainer wird sich dann verändern. Der Titel Trainer und Mentor ist dann eher angebracht.

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Natürlich fahren wir zu Freeride Junior Contests. Die meisten Jugendlichen wollen sich mit Gleichgesinnten messen. Das fördert auch das Können und steigert das Niveau in der Gruppe. Die teilweise extrem Talentierten fahren um den Sieg mit. Die anderen haben genauso Spaß, denn ihr Run im Contest ist auch hier das persönliche Erlebnis. Das Schöne am Sport Freeride ist ja, dass jeder auf seine Art bei den Fahrten ein intensives Glücksgefühl erleben kann.

Ich als Trainer darf sie hierbei begleiten, darf sie führen und ihre Kreativität beobachten und fördern. Fehler sind willkommen und helfen in der Entwicklung. Mein Job ist es einzuschreiten, wenn es gefährlich wird. Da muss ich da sein und das im Vorhinein verhindern.

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Ich hoffe, dass in Zukunft noch mehr Skiclubs in Österreich und Deutschland auf diesen wunderbaren Zug aufspringen. Denn eines kann ich garantieren: Jeder, der diese Jahre im Team mit uns verbracht hat, wird ein junger Erwachsener sein mit totaler Leidenschaft zum Freeriden. Und der ein oder der andere kann es ja mal ganz nach oben schaffen! Ich hätte es genossen, wenn ich als Jugendlicher so einen Support gehabt hätte. Auf die Leidenschaft Freeride!

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Der Kitzbüheler Ski Club. 9.340 Mitglieder, somit Österreichs größtes Auffangbecken für Gleitholzenthusiasten jedweder Gattung. Gegründet 1902 und als veranstaltender Verein eines der weltweit prestigeträchtigsten Wintersportevents, vulgo den "Hahnenkammrennen" (mit)verantwortlich für die Legenden bildung der Gamsstadt und allen miteinhergehenden Nebengeräuschen. So nebenbei die Organisation hinter mehr als 50 Olympia- und WM Medaillen seiner AthletInnen seit Erstaustragung von mit Gold, Silber und Bronze prämierter und oben erwähnter Events. Möge der Arlberg die Wiege des alpinen Skilaufs sein, Lilienfeld die Heimat Mathias Zdarskys und Norwegen die Geburtsstätte der Fortbewegungsgeräte auf weißer Pracht, so muss Kitzbühel, sein Skiclub und die dazugehörige Historie nahtlos und ohne Pause in dieser skigeschichtlichen "Hotlist" erwähnt werden.

Soweit zur durchaus glorreichen Vergangenheit und in eine, hoffentlich auch für die Geländelegenden aka Freerider strahlende Zukunft. Seit dem Winter 2019/2020 bietet der K.S.C nämlich auch den jungen Freeridern ein Dach über dem Kopf, um sich neben den Alpinen, den Skispringern und Kombinierern, Biathleten und Langläufern, Snowboardern und Freeskiern in betreutem und gecoachtem Umfeld ihrer Lieblingsbeschäftigung hinzugeben. Ganz dem in den Statuten verankerten Leitsatz verpflichtet: „Die Förderung und Ausbildung der Kitzbüheler Wintersportjugend ganz oben anzustellen.“

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Den "Daddies on Skis", also dem Hauni und mir, wurde die Ehre zu teil, uns dieser extrem spannenden und (interessanterweise) generell rund um den Erdball nach wie vor sehr jungfräulichen Thematik innerhalb eines, in diesem Fall "DES" Clubs anzunehmen. Freeriden als Leistungssport, organisiertes Training in Gruppen, möglicherweise sogar mit Methode und Didaktik und nicht mehr nur "Trial and Error" oder wie’s gerade passt, wie es für die meisten, die sich kompetitiver Weise ins Freeriden verliebt haben, in den letzten Jahrzehnten ausgesehen hat. Gibts da überhaupt Nachfrage? Braucht das wer? Ist das nicht zu gefährlich? Wer übernimmt da die Verantwortung? Ab welchem Alter sollen die Kids die Möglichkeit bekommen, sich diesem Betätigungsfeld zu nähern? Kann man in Kitzbühel überhaupt Freeriden? Greift man mit so einer Initiative eventuell sogar den Schischulen ins Lenkrad? usw. usf....

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Wo starten? Also doch zuerst einmal gen Westen auf den Arlberg, zu Stefan Häusl und seiner Truppe. Er, der ja auch zu aktiven Zeiten vor der "Leistungssportpension" zu den Wenigen gehört hat, die dem losen Konzept eines Freeride Profis Struktur, Trainingsplan und Ordnung verpasst haben und bei denen Schweiß und Fleiß keine Fremdwörter aus dem Duden waren. Er, der ja auch jetzt einer ist, welcher zu den Vorreitern zwecks in einem Skiclub organisierten Freeridens gehört. Der soll uns einmal erzählen, wie das denn so rennt und wo es vielleicht bereits Erfahrungswerte übers Do's and Don'ts gibt. Gesagt getan und bestärkt in unserem Ansinnen hier etwas langfristig auf die Beine zu stellen, wurde mit den Verantwortlichen des Skiclubs in Kitzbühel ein grober Rahmen ausgearbeitet, der im ersten Jahr einmal als Grundlage für unsere Pläne herhalten sollte. Nach den ersten 12 Monaten "Geländeschilauf im Kitzbüheler Ski Club" sind viele Fragen beantwortet und etwaige Bedenken haben sich in Luft aufgelöst. 17 Kids zwischen 13 und 18 Jahren haben im abgelaufenen Jahr trotz mehrmonatiger Corona Pause an ca. 30 Trainingseinheiten am Schnee und im Trockenen teilgenommen. Der erste gemeinsame Ausflug zu einem Contest liegt erfolgreich hinter uns und kumuliert wurden im letzten Winter insgesamt 695.000 Bergabhöhenmeter am Gleitholz betreuterweise zurückgelegt.

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Aus unserer bescheidenen Expertensicht fand ein Quantensprung in Punkto Skitechnik und im Umgang mit alpinen Gefahren bzw. dem sicheren Bewegen im freien Skiraum statt. Die Begeisterung und Lernfähigkeit der Crew ist beeindruckend hoch und definitiv an dieser Stelle noch einmal hervorzustreichen. Planungen für die kommenden Jahre laufen auf Hochtouren und sind ambitioniert, die Nachfrage ist auch orts- bzw. clubintern enorm gestiegen und abschließend bleibt nur zu hoffen, dass sich viele weitere Skivereine in Österreich dieses Themas annehmen und die Jugendlichen behutsam und organisiert in die doch sehr umfassende Thematik einführen.

P.S.: Der Winter kommt, mia gfrein uns!!!

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Seit über 2 Jahrzehnten bin ich nun in der Ski-Szene unterwegs, der Job hält mich gut auf Trab, einen regelmäßigen Wochenrhythmus kenne ich eher weniger. Nicht, dass ich mich darüber beschweren würde, aber manche Dinge bleiben dabei leider trotzdem auf der Strecke. Ich selbst habe in meiner Jugend sehr stark von Vereinsarbeit und Ehrenamt profitiert und meine damaligen Trainer haben ihre eigene Zeit für meine Betreuung geopfert. Deswegen bin ich persönlich davon überzeugt, dass es unser aller Aufgabe ist, Sport zu fördern und uns selbst einzubringen, wo wir es am besten können. Bloß, wie soll man ein Ehrenamt übernehmen, wenn man quasi nie regelmäßig zu Hause ist?

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Diese innere Frage war letztendlich der Initialfunke und die Geburtsstunde unserer Junior Snow Safety Camps: Wenn ein regelmäßiges Ehrenamt nicht möglich ist, warum nicht einfach ein Event auf die Beine stellen, mit dem man Kindern und Jugendliche punktuell unterstützen kann?

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Gemeinsam mit Vivalpin und dem Deutschen Skilehrerverband haben wir dieses Pilotprojekt letzten Winter das erste Mal umsetzen können und stehen schon in den Startlöchern für eine Fortsetzung in diesem Dezember. Unser Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen auf einer breiten Ebene ein besseres Bewusstsein für alpine Gefahren zu vermitteln und ihnen einen sicheren Einstieg in das Skifahren außerhalb der Piste zu ermöglichen: So einfach und günstig wie möglich, für so viele Kinder und Jugendliche wie möglich. Alle Guides arbeiten ehrenamtlich, am Unkostenbeitrag verdienen wir nichts.

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Kinder und Jugendliche wollen meist genau das machen, was im Trend ist, was cool ist und was ihre Idole in Skifilmen und auf Magazin-Covern vorleben. Deswegen wird es sie immer mehr von der Piste herunter in den frischen Tiefschnee ziehen. Doch Lawinen machen keinen Unterschied, wie gut der betroffene Skifahrer fährt oder wie alt er ist. Einige wenige Kids haben mit Sicherheit die Möglichkeit, den Umgang mit diesen alpinen Gefahren von klein auf in der Familie zu lernen, die meisten haben aber kein Elternteil mit fundierter Touren- oder Freerideerfahrung. Sie gehen aber trotzdem mit den Buddies powdern. Genau an dieser Stelle wollen wir mit den Junior Snow Safety Camps einen kleinen Akzent setzen und in eine richtige Richtung weisen. Wir wollen nicht davon abraten, ins Gelände zu gehen – schließlich arbeiten und leben wir selbst in diesem Naturraum – sondern auf die Gefahren reflektiert aufmerksam machen. Die größte Gefahr von allen ist die, die man unterschätzt. Und dies passiert im alpinen Breitensport leider täglich mit wachsender Tendenz.

Der Trend, seine Freizeit abseits präparierter Pisten beim Freeriden oder Tourengehen zu verbringen, wird diesen Winter voraussichtlich so groß wie nie zu vor sein. Und je früher man den Umgang mit alpinen Gefahren vermittelt bekommt, desto eher geht dieser in Fleisch und Blut über. Einen Tag in winterlichen Bergen mit Sonnenschein und frischem Powder erleben zu dürfen ist ein Privileg, dessen wir uns jedes Mal wieder bewusst sein sollten. Wenn es uns gelingt, diese Sichtweise an eine neue Generation an Skifahrern weiter zu geben, wäre viel gewonnen und etliche zukünftige Unfälle vermieden.

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Die Junior Snow Safety Camps werden in Kleingruppen von maximal acht Juniors durchgeführt. An einem Wochenende vermitteln Profis jugendgerecht das Bewusstsein für alpine Gefahren – aber natürlich auch den Spaß am Freeriden! In erster Linie werden wir allen jungen Teilnehmern/innen einen sicheren und umsichtigen Einstieg ins Freeriden außerhalb markierter Pisten nahebringen. Dazu gehört ein Bewusstsein für alpine Gefahren, ein richtiger, jugendgerechter Umgang mit aktuellem Sicherheitsequipment, sowie ein Grundverständnis zur Orientierung im freien Gelände. Wir wollen auf spielerische Weise vermitteln, was für Jugendliche gefahrlos machbar ist, aber auch wo es Grenzen gibt, wie Gefahren entstehen und vor allem, wie diese Gefahren bestmöglich vermieden werden können.

Das eigentliche Skifahren kommt aber natürlich nicht zu kurz, denn am Ende geht es doch um den Spaß und unvergessliche Momente im Schnee. Dafür spielt es nämlich keine Rolle, wie alt man ist. Schließlich kommt auch unsere eigene kindliche Natur immer wieder hervor, wenn wir im hüfthohen Powder spielen dürfen.

Junior Snow Safety Camps 2020
19./20.12.2020, Zugspitze/Grainau
www.juniorsnowsafetycamps.de




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