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Berge unter Strom – Paznauntal


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E-Verkehr und Alpenglühen – ein Jausenbrettl und a ganz guade Gschicht

Fast wie seine Westentasche kennt Lukas die Rinnen, Gipfel und Grate im winterlichen Ischgl. Als Freeride-Map-Autor hat er den besten Abfahrtsmöglichkeiten ein buntes Gesicht gegeben. Blaue, gelbe und rote Korridore liefern die Übersicht zu fahrtechnischen Herausforderungen und Gelände. Die Karte erinnert an einen bunten Flickenteppich. Ein Paradies für Freerider! Doch wie schaut es im Sommer aus? Genauso spannend oder doch eher eine lahme Nummer? Ein Waffentausch wird’s zeigen. Ski gegen Bike, Lift gegen Akku und der furzende Ski-Buddy gegen die Freundin aus Norwegen.

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Von steilen Pulverhängen zu flowigen Trails. Eine Entdeckungsreise durch das Paznaun Tal mit dem E-Bike. Was sie erwartet? Das Unerwartete!

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Überredungskunst brauchte sie keine! „Nach Tirol? Da bin ich dabei!“ In fünf Minuten hat Sigrid ihre sieben Sachen im Rucksack verstaut und steht mit ihrem Bike abfahrtsbereit neben Lukas‘ Auto am Bikepark Oberammergau. Das ist eigentlich sein Ding. Zusammen mit Kumpel Markus betreibt er den Park. Jetzt aber erst mal raus aus Bayern, rüber nach Tirol. Was anderes sehen – und vor allem, fahren. Die Trails im O-Gauer Bikepark sind als fein geshaped bekannt, aber eben kürzer. Ischgl dürfte mit seinen 3000ern doch für eine ordentliche Verlängerung sorgen.

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Ausfahrt Paznaun, acht Kilometer der Sanna entlang, die Blitzkiste in See drosselt auf die zulässigen 50. „Ist es hier auch gut zum Biken?“, fragt Sigrid mit ihrem norwegischen Akzent. Sie kommt aus Jotunheimen. Dem höchsten Gebirge Norwegens. Lukas zuckt mit den Schultern und steuert den Wagen weiter Tal einwärts. In Kappl packt aber dann auch ihn die Neugierde. Der Blick auf die Uhr versetzt die beiden nach Süditalien. 8:35 Uhr und die Bahn läuft noch immer nicht. Schon fünf Minuten zu spät. Wurscht, sie haben ja Zeit. Die Uhr haben die beiden im Alltag zurückgelassen. Kurze Zeit später sitzen sie in der Bahn und gondeln gemütlich über den beschaulichen Ort. Die nächste Etappe erledigt der Turbo Modus. In Sichtweite, die Niederelbehütte. Doch Sigrid und Lukas lockt die gegenüberliegende Talseite – und dort eine kleine wettergegerbte Hütte. Der Akku zeigt acht von zehn Ladebalken. Power genug. Doch das heutige Etappenziel, die Heidelberger Hütte ist noch weit. Also erst mal Endstation. Sonne spüren, abschalten, Zeit haben. Ein norwegisches „Auf geht’s!“ reist Lukas aus seinem Vormittagsschlaferl. Der Trail kommt ohne Anlieger, Holzbretter oder begradigtem Autobahncharakter daher. Abwechslungsreich geht’s dahin. Erst flowig, dann steil über Wurzelstufen und ein paar Spitzkehren. Dann folgt er einem schlängelnden Bächlein durch tiefgrüne Veagetation – fast wie British Columbia! Kein Mensch am Weg. Damit hatten die beiden nicht gerechnet. Auf dem Parkplatz gibt’s ein High-Five und natürlich a Busserl. Jetzt aber weiter. Bis zur Hütte sind es noch ein paar Höhenmeter, auch mit Strom.

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In Ischgl angekommen ist der Parkplatz schnell gefunden und auch der Rucksack ist zügig um ein paarSachen für die Nacht ergänzt. Lukas! Schreit es mit paznauner Doppel-K-laut. Ein tätowierter, asketischer Biker rollt auf sie zu. Patrick kommt ursprünglich aus See, wohnt aber mittlerweile in Ischgl und führt seine Gäste über die Secret Trails der Region. Sein Renntrikot hat er inzwischen an den Nagel gehängt. So wie auch Lukas. Früher hatten sich die Jungs bei Marthonrennen gebattlet. Vorbei ist’s mit der bayrisch-norwegische Zweisamkeit.

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Die drei rollen gemeinsam in Richtung Silvrettabahn. Lukas will ganz nach oben zum Trail über den Salaaser Kopf. Doch weiß der Local von 40 Zentimeter Schnee am Grat zu berichten. Sigrid ist schnell überzeugt und steuert Richtung Taja Trail. Ende Gelände. Hoch zum Sassgalunkopf schafft es auch kein E-MTB. Doch Aussicht und Trail belohnen! Erst zwei Spitzkehren, dann ein schlängelnder Pfad durch die Sassgalunwiese bis zur Paznauner Taja. Im Winter eine beliebte Hütte für die Ischgler Party-Szene, heute ohne eine Menschenseele. Direkt hinter der Hütte gibt der Trail sein Finale.

Patrick lässt die Bremsen offen. Eine Kampfansage an den ehemaligen Kontrahenten und schon sind sie weg. Sigrid steht noch mitten im Wald und zirkelt von Spitzkehre zu Spitzkehre. Aus dem Tal hört sie es jaulen. Der Grinser ist den Burschen wie ins Gesicht gemeißelt. Hier trennen sich die Wege. Patrick muss zurück ins Dorf. Gemeinsam mit seiner Frau Katja führt er den Klaushof – und seine Gäste warten schon auf ihn. Für die zwei hat er noch ein paar Tipps parat. Seine Schwester koche auf der Hütte und mache den besten Kaiserschmarn im ganzen Tal! Am nächsten Tag sollen sie unbedingt in See Halt machen und der Gamperthun Alm einen Besuch abstatten. Das Jausenbrettl mit Almkäse aus eigener Produktion sei ein Muss. Sigrid knurrt der Magen. Die drei verabschieden sich und rollen ihrer Wege.

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Lukas kennt die Hänge ostseitig des Fimbabaches vom Winter. Das Gelände in Hüttennähe ist eher flach und macht auch Freeride-Einsteigern Spaß. Heute zeigen sich nur die Gipfel in angepulvertem weiß. Der Motor schiebt bergauf. Vorbei an den spielende Murmeltiere am Wegesrand. Genuss pur. Sicherlich von der Tirolwerbung bezahlt. Am nächsten Tag an selber Stelle dann fast ein Drama. Ein satt liegendes Bike und leichtes Gefälle verhelfen Lukas zu stabilem Speed. Der Murmelnachwuchs entscheidet sich für saftiges Grün auf der anderen Wegseite – und damit fast auch für die ewigen Jagdgründe. Beide kommen mit einem Schrecken davon.

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An der Hütte angekommen sind die E-Bikes schnell versorgt. Die Bikewaschstation und ausreichend Steckdosen sorgen für das Wohl der E-Esel. Auf Sigrid und Lukas wartet a Flaschl Wein, leckeres Essen und a gmiatlichs Ofenbankerl. Die 22 Uhr-Sperrstunde schaffen sie nicht. Gut ausgeschlafen und mit vollen Akkus schießen die beiden, ohne die Murmel Population angetastet zu haben, talauswärts. Hier und da nehmen sie noch den ein oder anderen Trail mit. An der Mittelstation entscheiden sie sich für die Weiterfahrt nach Ischgl. Wer hier noch nicht genug hat, nimmt die Bergbahn hinauf zur Idalpe. Und von dort beispielsweise mit der Flimjochbahn hinauf zum Einstieg des Velill Trails.

Ganz verlassen wollen sie das Tal aber noch nicht. Patrick hatte was von zwei Almschmankerln in See erzählt. Die Medrigjochbahn befördert Sigrid und Lukas auf 1800 Meter Seehöhe. Von dort pusht der Akku. Das angepriesene Jausenbrettl auf der Gamperthun Alpe übertrifft Patricks Versprechung. Und wer dann noch auf der Suche nach S3 -S4 Gelände ist, fragt am besten auch bei Patrick nach.

Infobox

infobox headeline paznaun

REGION

Paznauntal

TOURISTISCHE INFORMATIONEN

www.ischgl.com

www.kappl.com

www.see.at

UNTERKÜNFTE

Heidelberger Hütte
www.heidelbergerhuette.at

BIKEGUIDING

Nach Patrick fragen oder unter:
www.bike-skull-ischgl.at




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