Bergstolz Issue No. 93

KIRGISTAN 37 Bergstolz Ski & Bike Magazin • 10 | 2020 Verdutzte Blicke beobachten uns, als wir mit unseren vollbe- packten Skisäcken zum Check-in Schalter des Fluges nach Moskau gehen. Für die Menschen am Flughafen in München wohl eher nicht verständlich, warum drei Mädels mit Skier nach Moskau reisen. Wenn die wüssten, dass es für uns da- nach noch weiter geht nach Kirgistan … Wir finden einige wenige Artikel über den Wintertourismus in Kirgistan und es wird schnell klar, das Land müssen wir mit Skiern bereisen. Wir lieben exotische und fern- östliche Länder. Um ehrlich zu sein mussten wir das Land aber auch erstmal auf der Karte suchen. Kirgistan, eine raue Schönheit an der Seidenstraße, beeindruckt mit sei- ner vielfältigen Landschaft und seinen Hochgebirgen. So liegt zum Beispiel der be- kannte Peak Lenin (7.134 m) zum Teil im Land der Nomaden. Die Anreise ist lange und so kommen wir nach ca. 10 Stunden am Flughafen in Osh an. Der Flughafen ist überschaubar und unser Gepäck liegt bereits in der Wartehalle bereit. Beim Ausgang tummeln sich viele Männer, die uns irgendetwas auf Kirgisisch zurufen. Im Gedränge rund um denAusgang kommt uns ein freundlich grinsender Mann entgegen und stellt sich als Samat vor. Samat wird uns die Reise über begleiten. Sein deutsch ist beeindruckend gut, er verzieht jedoch ein bisschen die Miene als er unsere Menge an Taschen und Skisäcken sieht. Er überlegt nicht lange und holt ein paar Reep- schnüre aus dem Kofferraum und schon befestigen wir die Skisäcke am Dach. Um ehrlich zu sein haben wir uns nichts anderes erwartet, auch auf unserer Reise in Albanien oder Georgien wurden die Skier auf diese altbewährte Art befestigt. Unsere Route führt uns vom Süden in den Norden des Landes und bietet uns neben fantastischen Bergerlebnissen auch Begegnungen mit den Kirgisen und ihrer Kultur. Wir versuchen zu schlafen, doch auf einmal hören wir einen lauten Knall, wir schauen uns an: “Die Skisäcke!”. Samat bremst, und tatsächlich haben wir mitten auf der Landstraße einen Skisack verloren. Das Gepäck wird wieder eingesammelt und die Reise kann weiter gehen. Auf den Straßenschildern können wir schon bald unser Ziel Arslanbob auf kyrillisch entziffern. Die Straße hoch zum Dorf wird immer schlechter und ein Allrad-Fahrzeug ist auf alle Fälle von Vorteil, um ans Ziel zu kommen. Wir erreichen den Dorfplatz von Arslanbob und gleich fällt uns auf, es herrscht reges Treiben hier. Männer stehen in Gruppen beieinander und unterhalten sich. Das tägliche Leben scheint sich am Dorf- platz und auf den Straßen abzuspielen, Frauen sehen wir zu unserer Verwunderung keine. Arslanbob liegt am Fuße einer beeindruckenden Bergkette und ist bekannt für seine großen Walnusswälder.Wir treffen Ladschin, Ladschin ist Teil der CBT (Commu- nity Based Tourism). Er und sein Freund Hayat kümmern sich um denWintertourismus in Arslanbob. Ziel von CBT ist es, die lokalen Familien, Taxifahrer und Guides mit dem Tourismus zu verbinden, dass auch diese vom “Wohlstand” der Touristen profitieren können und die Einnahmen im Dorf gerecht aufgeteilt sind. Wir sind bei einer kleinen Familie im Dorf untergebracht. Die Unterkunft ist traditionell und einfach, aber bietet alles was wir brauchen. Etwas gewöhnungsbedürftig: die Toilette liegt außerhalb des Hauses, wir sind aber erleichtert als wir die „europäische“ Kloschüs- sel sehen. Die Uhren in Arslanbob ticken langsamer und anders. Vom Stress der westli- chen Kultur ist hier nichts zu spüren, wir genießen die Gelassenheit der Menschen.

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