Bergstolz Issue No. 92

ausgesetzten, steilen Wurzeltrail hinunter. Spätestens hier werden wir alle daran erin- nert, dass wir uns nicht auf einer Gourme- thüttentour befinden. Volle Konzentration ist gefordert und so kommt wieder wahres Enduro-Trail Feeling auf. Unten angekommen geht es mit dem Sessellift Pralongia wieder hoch. Wir neh- men den Flow Trail Richtung Jägerweg und diesen weiter zum Campolongopass. Wir steigen in den Campolongo Sesselift und fahren zur Kaiserhütte oder Bec de Roces hoch, wo unsere Tagesetappe endet. Hoch oben über Arabba haben wir einen tollen Blick auf die Marmolata auf der einen Seite und die Sellagruppe auf der anderen. Na- türlich gibt es auch hier auf der Kaiserhütte wieder bestes Essen und natürlich zum Abschluss wieder Diegos Kümmelschnaps. So klingt ein anstrengender, aber sehr ab- wechslungsreicher Tag mit wunderschönen Ausblicken und Traumtrails aus und wir träumen von den schönen Trails, die uns am nächsten Tag rund um Arabba erwarten. Der dritte Tag unserer Dolomiten Bike-Safari empfängt uns mit vielen Wolken, die stei- nernen Giganten haben sich ebenfalls ver- hüllt.Wir lassen uns aber unsere gute Laune nicht vermiesen und fahren gleich mal den schnellen, naturbelassenen Trail Bec de Roses hinunter nach Arabba. Von hier aus geht es mit der großen Portavescovo Seil- bahn hoch. Oben stehen wir vor dem ein- drucksvollen Marmolata Massiv, leider ist es nur zum Teil zu sehen. Diego, der Chef der Arabbabahnen, erklärt uns, was die Region Arabba für Mountainbiker unternimmt und auf Lager hat – unter anderem dürfen wir uns gleich anschließend von den Qualitäten des neu angelegten Trails Porta Vescovo überzeugen. Bei Anliegern und Sprüngen geht es sehr flott talwärts und sofort wieder rauf. Entlang der der linken Talseite treten wir Richtung Pordoi Pass. Es beginnt zu reg- nen und wir müssen die ersten Sturzopfer beklagen, aus der italienischen Gruppe trifft es Cristiano gleich zweimal, aber er ist hart im nehmen und beißt die Zähne zusammen. Nach längerem auf und ab geht es einen flowigen Trail hinunter zur neuen Fodom Ka- binenbahn. Die besteigen wir und fahren hoch zum Pordoipass. Leider wird der Regen noch stärker und so wird der schöne Burztrail zur Rutschpartie. Der lehmige Boden setzt die Reifen mit Schlamm zu und so schlittern wir mehr, als dass wir fahren zur Burzhütte. Hier hat Diego seinen eigenen Traum verwirklicht und eine moderne Hütte mit viel Charme zusammen mit einigen Architekten errichtet. Wer mal in der Gegend ist sollte hier unbe- dingt mal vorbeischauen - es lohnt sich! Nach einem abermals vorzüglichen Mittags- schmaus geht es bei mittlerweile starkem Regen den etwas steileren Teil des Burztrails hinunter. Es fühlt sich an wie auf der Rodel- bahn, aber halt nicht mit dem Schlitten, son- dern mit dem Bike. Die Rutschpartie macht aber allen Spaß. Wir lernen einen neuen Begriff der italienischen Sprache kennen, Cacca di mucca (Kuhscheisse). Wir sind mit kiloweise lehmigem Schlamm besudelt und rutschen den Trail hinunter. Da der Trail einigen der Gruppe viel Laune macht, fahren wir mit dem Burzsessellift gleich nochmal hoch und rutschen nochmal den Trail hinunter. Bedauerlicherweise muss unser zweites Sturzopfer Stefan die Heimreise antreten. Er ist zwanzig Meter über eine feuchte Wiese gerutscht und hat sich die Rippen anständig geprellt. Gottseidank ist nicht mehr passiert. So endet unser dritter Biketag, wir können im Hotel Malita duschen und die Kleidung wechseln, bevor es mit Shuttle weiter nach San Martino di Castrozza geht, zum vierten und letzten Tag unserer Dolomiten Bike Safari. Wir sind ziemlich beeindruckt von der Trail- vielfalt, die Arabba zu bieten hat: Ob flo- wige Trails vom Pordoipass hinunter bis hin zum technischen Trail Richtung Fedaia-Stau- see und da weiter nach Canazei. Hier schlägt das Bikerherz höher und in den nächsten Jahren wird da noch einiges kom- men, verspricht uns Diego. Nach angenehmer Nacht im Hotel Belve- dere in San Martino di Castrozza sind wir bereit für den letzten Tag unserer Bike Sa- fari. Wir fahren mit der Kabinenbahn hoch auf die Alpe Tognola, hier teilen wir uns - die jungen Wilden gehen in den Bikepark, die restlichen machen sich mit Andrea und Fillipo auf zum Valcigolera Trail. Das Wetter ist wieder sonnig und so fahren wir durch einen lichten Lerchenwald einen traumhaf- ten Trail. Fillipo zeigt uns auch ein paar schöne Freeridelines für den Winter. Hier muss es richtig gut sein, denken wir uns. Oben baumfrei, gefolgt von lichtem Ler- chenwald. Aber auch mit dem MTB ist es der Wahnsinn, noch dazu wo keine Biker un- terwegs sind. Ein Traum. Wir bleiben stehen und schauen zur Pale Gruppe hinüber, ein überwältigender Ausblick und ein Vorge- schmack auf das, was da noch auf uns zu- kommt. Was wir bisher in den drei Tagen erlebt haben, war schon gigantisch und man denkt sich, das kann nicht mehr getoppt werden, aber nun geht es mit der Seilbahn hoch auf die Pale Hochebene. Wir sind auf 2.600 Metern am Rifugio Rosetta und vor uns erstreckt sich ein Felsplateau von riesi- gem Ausmaß, wir sind vollkommen beein- druckt. Wir fahren einen in den Fels geschlagenen Militärkarrenweg über das Plateau. Immer wieder bleiben wir stehen und bewundern die Gipfel um uns rum. Ein Naturmonument sonders gleichen. Auch der Trail nimmt Fahrt auf, es ist eine besondere Art, auf dem felsigen griffigen Untergrund geht es immer weiter über das Plateau. Am Sass Negro fahren wir hinunter in das Gares Tal. Zum Abschluss noch ein sehr sportlicher schneller, steiler Trail der nochmal hohe Konzentration fordert, da das Regenwasser ziemlich tiefe Rinnen geschaf- fen hat und nur eine schmale befahrbare Spur bleibt. Weiter unten gibt es noch ein paar steile, schnelle Turns, wo man die Bremsen noch mal auslassen kann, ein coo- ler Downhill zum Ende unserer Reise. Unten an der Campana Cima gibt es ein spätes Mit- tagessen und so werden wir nochmal von den Köstlichkeiten der Region verwöhnt. So endet unsere Dolomiten Bike Safari, ein bleibendes Erlebnis, soviel geballte Berg- schönheit gibt es nirgends! Darum sind die Dolomiten nicht umsonst ein Weltkultur- erbe. Der Gepäckshuttleservice hat sehr gut funktioniert und wird für die kommende Saison ausgebaut, eine bequeme Art des Bi- kens und so kommt man auf den Trails voll auf seine Kosten, ohne schweres Gepäck. Durch die Weitläufigkeit der Dolomiten ver- teilen sich die Mountainbiker sehr gut und man kann Trails und Natur wirklich sehr ge- nießen. Uns wird es immer wieder hierher in die Dolomiten ziehen. Danke für das tolle Erlebnis. D O LO M I T E N 18 Bergstolz Ski & Bike Magazin • 09 | 2020 INFOBOX. ANREISE. Von München über die Brenner-Autobahn bis Ausfahrt Brixen, Staats- straße SS49 Richtung Toblach, in Toblach auf die SS1 abbiegen bis nach Cortina d´Ampezzo. UNTERKUNFT. • Hotel Ambra, Via XXIX Maggio 28, 32043 Cortina info@hotelambracortina.it // www.hotelambracortina.it • Rifugio Scoiattoli, Cinque Torri rifugio @scoiattoli@dolomiti.org // www.rifugioscoiattoli.it • Rifugio Bec de Roces – Kaiserhütte, Bec de Roces, 1 Passo Campolongo, 32020 Arabba info@becderoces.it // www.becderoces.it • Hotel Belvedere, Via Passo Rolle 247, 38058 San Martino di Castrozza hotel@hbelvedere.it // www.hbelvedere.it BIKEGUIDE. • MTB Guides Arabba, A.S.D. FODOM Bike, Via Soraru, Livinallongo del Col di Lana,32020 Belluno Andrea Dorigo // guidearabba@gmail.com SHUTTLESERVICE. Momentan gibt es noch kein Shuttlenetz. Bitte direkt bei dem jeweiligen Tourismusbüro anfragen. ESSEN. • Restaurant Col Druscie 1778 info@freccianelcielo.com // www.freccianelcielo.com • Rifugio Scoiattoli, Cinque Torri rifugio @scoiattoli@dolomiti.org // www.rifugioscoiattoli.it • Berghütte Incisa, Loc. Passo Incisa, 32020 Passo Incisa rifugioincisa@hotmail.it • Burz Hütte, Burz 1, 32020 Arabba info@burz.it // www.burz.it • Capanna Cima Comelle di Deola SNC, de Giare 1, Localita Pian, 32020 Canale d´Agordo capannacimacomelle@yahoo.it // www.capannacimacomelle.com BIKE SAFARI DOLO- MITEN

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