Bergstolz Issue No. 90
MEXICO 31 Bergstolz Ski & Bike Magazin • 04 | 2020 Die TranSierra Norte findet rund um Oaxaca de Juárez im südwestlichen Mexiko, den soge- nannten Valles Centrale, statt. Umgeben von Bergen und Tälern ist diese Gegend seit jeher landwirtschaftlich geprägt: Fruchtbare Böden, Wasser und Wald ernähren mit ihren Ressour- cen die Bevölkerung. Die ältesten Spuren von hier siedelnden Menschen stammen von 1.500 vor Christus! Die Zapoteca schufen mit Oaxaca dann die erste Version einer "Stadt", die sich später zur größten Stadt ihrer Zivilisation ent- wickeln sollte. Der Monte Alban, kulturelles Zentrum der Zapoteca und heute zehn Kilome- ter vom Zentrum Oaxacas entfernt, ist ein be- eindruckender Zeuge dieser Zeit. Die Stadt selbst liegt auf etwa 1.500 Metern Seehöhe, der Berg um den Gipfel auf 3.300 Meter – jede Menge Höhendifferenz zum Spielen also! Anders als in Europa gibt es hier keine Baumgrenze, der Wald reicht bis auf die Berggipfel hinauf. Während der Boden am Fuß der Berge meist trocken und steinig ist, blei- ben die Wolken an den hohen Gipfeln hängen. So wird es mit jedem Höhenmeter grüner und tropischer, die Baum- stämme sind moosbewachsen und der Untergrund wird zu- nehmend lehmiger, je weiter man raufkommt. [BIKE CULTURE] Die Enduro-Szene in Mexiko ist nicht groß, aber sie wächst definitiv. Es ist die dritte Ausgabe der TranSierra Norte, an der ich teilnehme. Außerdem gibt es mittlerweile auch eine landesweite Rennserie. Hier im Bundesstaat Oaxaca wer- den die Trails autonom und gemeinschaftlich verwaltet: Das Land gehört den Bewohnern selbst, und sie haben ge- lernt, das Erholungspotenzial der Natur zu nutzen. Sie sind es, die für den Streckenbau und die Instandhaltung verant- wortlich sind. Um sie zu unterstützen, werden sämtliche Teilnahmegebühren an der TranSierra Norte direkt an sie weitergegeben, damit die Einwohner hier weiter leben und arbeiten können. Wer hierher zum Biken kommt, der bekommt nicht nur frische und lehmige Trails, sondern hilft außerdem der lokalen Bevölkerung. [DAS EVENT] Diese Art von "Trans"-Rennen sind nicht wirklich als Wett- bewerb gedacht, sondern als eine Möglichkeit, ein Gebiet zu entdecken, die besten Trails zu fahren und Menschen aus allen Himmelsrichtungen zu treffen: Vier Tage intensive Race-Erfahrung, gemeinsam mit 100 weiteren MTB-Enthu- siasten aus zwölf verschiedenen Ländern. Wir alle treffen uns in Oaxaca in einem Hotel, holen unser Rennpaket ab, packen unsere Tasche mit dem Nötigsten für vier Tage und machen uns dann mit dem Bus auf den Weg ins Unbe- kannte. Sobald wir die Türe des Hotels verlassen, tauchen wir in die echte "mexikanische Erfahrung" ein. Alte, schicke Busse transportieren die Fahrer, 30 Jahre alte Lastwagen werden mit je 50 Fahrrädern beladen, etwas mexikanische Musik - genau das, wofür wir hierhergekommen sind. Die Renntage liefen allesamt ähnlich ab: Ein Mix aus Treten und Shuttlen, zwischen drei und fünf Etappen pro Tag. Jeder Renntag endet neben einem lokalen Laden und mit Snacks und Drinks für die Rider, bevor es zurück ins Camp geht. Zurück nach Hause gab es zwei Möglichkeiten: Den „coo- len“ Bus, der einen bei einem netten Plausch gechillt zu- rückbrachte, oder den "Party-Bus" für die Motivierteren (Oben-Ohne-Tanzen, Mezcal und mehr inklusive). Übrigens: Was im Partybus passiert ist, bleibt im Partybus! Wer wissen will, was da abgeht, muss selber mitkommen!
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