Bergstolz Issue No. 88
58 SERVICE Bergstolz Ski & Bike Magazin • 12 | 2019 Freeriden und dabei mit Freunden über die schönste Nebensache der Welt zu quatschen ist unser aller Traum. Ja, Du hast richtig gelesen, auf dieser Seite geht es um Techtalk! Um bei diesem in der Gondel oder beim Aprés-Ski mithalten zu können, braucht es ein gewissen Fachwissen! Bei den ganzen Be- griffen, die die Skiindustrie uns jährlich an den Kopf wirft, kann man schnell den Überblick verlieren. Daher klären wir Euch über die Grundbegriffe unserer Freerideski auf, damit Ihr bei der nächsten Dis- kussion über Eure Latten ordentlich punkten könnt. // Radius, Sidecut und Taillierung Der Sidecut beschreibt die unterschiedlichen Breiten des Skis, welche Maße hat die Schaufel, die Mitte und das Ende (Bsp: 137- 108-132). Die Taillierung beeinflusst den Kurvenradius, wenn der Ski aufgekantet ist – also auf der Kante gefahren wird. Je stärker die Taillierung, desto kleiner ist der natürliche Kurvenradius. Allerdings bedeutet ein geringer Radius nicht automatisch, dass sich der Ski leichter drehen lässt. // Rocker Hiermit sind nicht zwielichtige Persönlichkeiten in dunklen Bars gemeint. Ein Rocker ist ganz banal eine Aufbiegung des Skis nach oben. Er kann im vorderen Bereich des Skis liegen (Tip-Rocker), im hinteren Bereich (Tail-Rocker), oder über den gesamten Ski verlaufen (negative Camber). Die Ausprägungen des Rockers sind ganz unterschiedlich, sowohl was die Höhe, als auch was die Länge betrifft. So kann ein Tip-Rocker zum Beispiel direkt vor der Vorderbacke der Skibindung beginnen und sich über den kompletten vorderen Teil des Skis erstrecken, oder er beginnt erst relativ kurz vor der Schaufel. Dies hängt ganz von der Philosophie des Herstellers und dem gewünschten Einsatzbereich ab. Die Rocker Technologie ist die einschlägigste Neuerung der letzten Jahre. Die meisten Hersteller nutzen heute diese Technologie, oft sogar für die gesamte Modellpalette. // Camber Im deutschen Sprachgebrauch nennt man Camber auch Vorspannung. Eine traditionelle Vorspannung lässt den Ski in der Mitte von der Oberfläche abheben, sofern er auf dem Untergrund aufliegt. Es handelt sich dabei also um die Wölbung des Skis. Die höchste Stelle liegt in der Regel unter dem Montagepunkt, also unter der Schuhmitte. Die Vorspannung soll dazu dienen, den Druck effektiv auf die Schaufel und das Skiende zu verteilen, und kann ganz unterschiedlich stark ausgeprägt sein. // Flex und Torsion Der Flex eines Skis beschreibt die Härte bezüglich des gesamten Biegeverhaltens entlang der Längsachse des Skis, also nach oben und unten. Er ist nicht zu verwechseln mit der Torsion. Diese bezieht sich auf die Verwindung der Querachse. Der Flex wirkt sich auf den Kantengriff und die Durchbiegung des taillierten Skis aus, also folglich auch auf den Radius. Ein Ski mit weichem Flex kann leichter durchgebogen werden und somit den Radius leichter verringern als ein Ski mit hartem Flex und der- selben Taillierung. Ein harter Flex sorgt dagegen bei gleicher Belastung für einen höheren Kantengriff auf hartem Untergrund als ein weicher Flex. Der Flex kann auch innerhalb eines Skis variieren. Ein Ski kann zum Beispiel im Schaufelbereich weicher und im Bereich des Skiendes härter sein. // Kantenlänge Die Stahlkante bei einem Ski geht in der Regel von der Schaufel bis zum Skiende. Durch die Bauweise des Skis greift bei einem gefahre- nen Schwung nicht die gesamte Kante in den Schnee, sondern nur ein gewisser Teil der Kante, die sogenannte „effektive Kantenlänge“. Diese ist neben der Bauweise auch abhängig von der Belastung und der Durchbiegung des Skis und daher immer variabel. Die effektive Kantenlänge beeinflusst die Eigenschaften des Skis in Bezug auf das Steuerverhalten gravierend. Ist die effektive Kantenlänge groß, so erhält der Ski bei hohen Geschwindigkeiten mehr Laufruhe und einen höheren Kantengriff. Dafür ist der Ski weniger drehfreudig als bei einer kurzen effektiven Kantenlänge. Tail Mid Tip Taillierung SKITECHNIOLOGIEN // Techtalk Basiswissen Hersteller Spezifische Technologien SCOTT: 3Dimension Sidecut Der 3Dimension Sidecut kombiniert 2 Radien mit einem zentralen nicht taillierten Bereich unter der Bindung. Dank der Radien in der Schaufel und am Skiende punk- ten die Ski mit einfacher Schwungeinleitung, während der nicht taillierte Bereich für Stabilität, Energie und Präzision sorgt. www.scott-sports.com VÖLKL: 3 Radius Sidecut Ein Ski, drei Radien. Die weiteren Radien in Tip und Tail eignen sich ideal für weite Turns und hohes Tempo. Der enge Radius in der Mitte begünstigt enge Schwünge und gemäßigtes Tempo. www.voelkl.com BLIZZARD: Carbon Flipcore D.R.T. Speziell geformte Einlagen aus Titanal reduzieren die Torsion in der Skispitze und am Skiende, fügen dadurch Kontrolle und Stabilität im Bereich unter der Bindung hinzu. Carboneinlagerungen in der Spitze und am Ende verbessern die Längsstabi- lität ohne die Torsionssteifigkeit zu erhöhen. www.blizzardsports.com Foto: Klaus Listl Skilänge Kantenlänge Torsion Flex Camber
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