Bergstolz Issue No. 88

Fragt man Tao Kreibich, ob seit seiner Qualifikation zur Free- ride World Tour die Anzahl seiner Freunde und Follower durch die Decke gegangen ist, dann lacht er etwas verlegen: „Ja stimmt, die Follower und Facebook-Freunde werden mehr. Und ich hab das Gefühl, ich werde überall erkannt - das ist in letzter Zeit öfter vorgekommen, dass jemand Fremdes auf mich zukommt und mich begrüßt.“ Ansonsten sei die Szene ja zum Glück relativ klein: „Da kann man in der Szene schon eine kleine Berühmtheit werden, ohne dass das große Auswirkun- gen auf das restliche Leben hätte.“ Wir unterhalten uns in der Open Faces Lounge, Tao wirkt nach seinem Aufenthalt in Neuseeland – „Sommertraining“ – ziem- lich entspannt, auch in Anbetracht seines Rookie-Status in der FWT 2020. „Ich fühle mich durch Junior Contests und Freeride World Qualifier gut vorbereitet. Klar, die ersten beiden Be- werbe werde ich erstmal schauen müssen, wo ich stehe, wie- viel ich riskieren muss, um vorne mitfahren zu können. Aber das Riderniveau ist auf den 4* FWQ mittlerweile dermaßen hoch, das nimmt sich nicht mehr allzu viel.“ Dass er sich über die Freeride World Qualifier für die World Tour 2020 qualifizieren konnte, hat viele Gründe. Einer davon ist sicher das nötige Talent, das ihm seine Mutter mitgegeben hat: „Meine Mama war Skiracerin, so bin auch ich zum Renn- fahren gekommen.“ Sein Talent zeigte sich früh, Tao besuchte zuerst die Sport-, danach die Ski-Hauptschule mit angeschlos- senem Internat im Montafon, wechselte anschließend aufs Ski- gymnasium. Sein gesamtes Leben dreht sich um Rennen, Stangen und Training. Mit 15 dann der Bruch, erzählt er: „Ich wollte nicht mehr. Ich hab meine Trainer mit der Zeit richtig- gehend gehasst. Ich hab das Training gehasst. Also weg vom Spitzensport, Schulwechsel in ein reguläres Gymnasium und erstmal einfach meine Ruhe haben.“ Ganz so war das dann natürlich doch nicht. Tao ist direkt in die Junior Contests gewechselt – also doch wieder Wettbewerb. „Nein, das war im ersten Jahr nur Spaß, ich bin nicht vorne mitgefahren und hab das nur gemacht, weil ich es gemocht habe. Dann wurde ich zu den Junior World Championships nach Andorra eingeladen, wurde dort Fünfter, und ab da hat‘s mich komplett gepackt.“ Das war 2016. Er fährt in den darauf- folgenden Jahren in der Qualifier Tour und 2020 jetzt im Kon- zert der Großen mit. Auch hier war Andorra ein entscheidender Contest für ihn: „Letzte Saison, als Obergurgl abgesagt wurde, wusste ich relativ fix, dass ich bei der Freeride World Tour dabei sein werde. Aber beim letzten Contest in Andorra war ich durchgehend nervös, weil mich ja noch jemand überholen hätte können. Schlussendlich war ich dann megafroh, wie‘s er- ledigt war!“ Auf die Frage nach seiner Saisonvorbereitung lacht er: „Ich mache, was mir Spaß macht und entdecke gerade wieder ganz viele Sportarten neu für mich – Biken war ich viel diesen Som- mer, und auch Slacklinen mag ich. Ich hab aber keinen Trainer und keinen Trainingsplan – das hatte ich früher alles, jetzt bin ich froh, wenn mir niemand was sagt und ich mein Ding durch- ziehen kann. Es scheint ja auch zu funktionieren“, grinst er. Überhaupt: „In meinem Sport lasse ich mir nicht dreinreden, es ist mein Contest und meine Line.“ Seine Eltern haben das – auch wenn der Abschied vom Rennsport erstmal enttäu- schend war – voll akzeptiert. „Ohne meine Eltern wäre der Start in den Sport gar nicht möglich gewesen, sie haben mich nach Chamonix und Verbier zu den Junior-Bewerben gefahren. Auch jetzt unterstützen sie mich weiterhin, vor allem bei Spon- soren und Verträgen – da kennen sie sich echt gut aus“, erzählt Tao. „Die haben aber auch das Lager gewechselt, verbringen jeden freien Tag im Powder und fahren wirklich coole Sachen. Und meine Mama verfolgt alle News“, lacht er weiter. Wenn er nicht gerade auf Contests 20 Meter Cliffs anpeilt, um dort einen Backflip zu springen, fährt er am liebsten mit seinen Kumpels durch Tirol: „Die Freerider-Community in Innsbruck ist sowieso die Beste! Ich will hier nicht mehr weg.“ Seinen Lieblings-Skispot hat er bisher nicht gefunden: „Ich will so viel wie möglich mit meinen Skiern erkunden. Letztes Jahr war ich in Kanada, das war echt cool, aber ich hoffe, da kommen noch ein paar geile Orte daher.“ Im Januar startet aber erstmal die FWT in Japan: „Ich freu mich voll drauf, bin schon so gespannt! Ich kenne ja schon einige aus der Tour und hab die ausge- quetscht über das Tourleben. Das hört sich echt cool an, nach einer großen Familie, die zusammen shredden geht“, ist Tao enthusiastisch. Dass Tao die FWT aber nicht als reinen Familienausflug sieht, hört man aber dann doch noch raus: „Ich kann allen Jungen nur raten: Glaub an dich! Ich habe die World Tour angeschaut, dann die Junior Contests entdeckt und ich habe gedacht: Das kann ich auch! Und ich habe daran geglaubt und das so lange gemacht, bis ich es geschafft habe. Jetzt bin ich in der World Tour und das früher als erwartet. Ich kann es kaum erwarten, mich zu beweisen!“ R I DERPROFI LE TAO KREIBICH „Ohne meine Eltern wäre ich nicht so weit gekommen“ Alter: 22 Beruf: Freeride-Profi bzw. Student Homespot: Montafon Disziplin : Freeride World Tour Sponsoren: Head, Peak Performance, Pieps, Levelgloves, Gobiq, Delayon, Kang Highlights: 1. The North Face Frontier FWQ 2019, 3. 4* FWQ 2019 Kicking Horse IFSA, 1. Mt Olympus Freeride Open FWQ 2020, Qualifikation zur Freeride World Tour 2020 @tao_kreibich @tao.kreibich Foto: Moritz Aiblinger Foto: Mia Knoll 41 Bergstolz Ski & Bike Magazin • 12 | 2019 Foto: Mia Knoll

RkJQdWJsaXNoZXIy Mzk0ODY=