Bergstolz Issue No. 88

40 R I DERPROFI LE Alter: 23 Beruf: Vermesserin bzw. Freeride-Profi Homespot: Bruson bzw. Verbier 4 Vallées Disziplin: Freeride Sponsoren: Comina Architecture, Arc’teryx, Oakley, Marker, Dalbello, Völkl, Verbier 4 Vallées Highlights: Freeride Junior World Champion 2013, 1. FJT European Overall Ranking 2014, Vizeweltmeisterin FJWC 2014, 1. 4* FWQ Nendaz 2017, Wildcard FWT 2018, 2. FWT Hakuba/JAP 2019 @maudebesse MAUDE BESSE „Ski-Profi zu sein ist die Erfüllung meines Lebens- traumes“ Foto: Scott Cheap Foto: J. Bernard Bergstolz Ski & Bike Magazin • 12 | 2019 Foto: Kari Traa Was für ein Einstand! Die gerade mal 22 Jahre alte Schweizerin Maude Besse, die mit einer Wildcard an der Freeride World Tour teilnehmen konnte, holt sich beim ersten Tourstop in Hakuba gleich den zweiten Platz. Hinter Arianna Tricomi, der späteren Gesamtsiegerin. Sie startete in ihre erste World Tour Saison also beinahe so erfolgreich, wie in ihre Freeride-Karriere über- haupt: „Mit 16 habe ich mich für meinen allerersten Junior- Contest angemeldet, das war das Verbier Extreme. Ich hab gewonnen. Nicht schlecht als Einstand, oder?“ lacht sie im In- terview. Das war 2012. Ihre Skilaufbahn begann jedoch schon viel früher: „Mein Papa war schon immer ein leidenschaftlicher – und übrigens hervor- ragender - Skifahrer, und sein größter Traum war es, dass eines seiner vier Kinder im Skiweltcup fährt“, erinnert sie sich an ihre Kindheit. Aufgewachsen in Bruson im Val de Bagnes nahe Ver- bier, auf dem Bio-Bauernhof ihrer Eltern, steht sie mit drei Jah- ren das erste Mal auf den Brettern, die ihre Welt bedeuten. „Mit elf wurde ich Mitglied im ‚Ski Valais‘ Trainingscenter und war Vollblutracerin, bis ich mit 16 die Motivation für das viele Trai- ning und den straffen Ablauf einfach nicht mehr hatte.“ Sie fuhr nur mehr zum Spaß, für sich selbst, Ski. „Die Rennen und der Wettstreit haben mir aber gefehlt. Es war von klein auf mein Lebenstraum, Skirennläuferin zu werden. Als ich mit Racing aufhörte fühlte es sich an, als ob ich die Tür zu meinem Lebenstraum hinter mir zuschlagen würde“, erzählt Maude. „Als ich dann Freeriden und die Contests entdeckte und sofort gute Resultate erzielte, war das so etwas wie mein Erwe- ckungserlebnis: Ich hatte eine Disziplin im Skisport entdeckt, die mir entsprach und in der ich meine Persönlichkeit zum Aus- druck bringen konnte. Und plötzlich war da auch dieser Traum wieder: Ski-Profi zu werden.“ Maude nutzte schon in den ersten Jahren die Contests und ihre guten Ergebnisse, um Sponsoren zu finden – alles mit Blick auf die Zukunft. Warum es dennoch bis 2019 dauerte, bis sie in der FWT starten konnte? Ausbildung first! „Ich bin Vermesserin. Die Ausbildung begann ich 2012, sie dauert vier Jahre, und es war mir wichtig, eine abgeschlossene Ausbildung zu haben. In dieser Zeit hatte ich kaum Zeit zum Skifahren, deshalb bin ich immer nur bei we- nigen Contests gestartet, um ein paar Resultate zu haben, und meine Punkte und Sponsoren zu behalten.“ 2016 bekommt sie ihr Diplom und kann sich nun voll aufs Skifahren konzentrieren, ihre Freerider-Karriere nimmt Fahrt auf. „2016/17 war der erste Winter, in dem ich alle Qualifier fahren konnte. Am Ende bin ich Dritte der Gesamtwertung geworden“, resümiert sie sichtbar stolz. Und arbeitet weiter auf das Ziel FWT hin. Nach ihrem zweiten Platz in Japan, im Januar 2019, startet sie in ihren Run in Kicking Horse wie erwartet: Flüssig, mit viel Speed. Nach zwei kleineren Drops nimmt sie ein höheres Cliff – und zieht sich eine Knieverletzung zu. Saison beendet. 2020 nun kann sie wieder auf der Tour der Großen mitfahren – dank einer Injury Wildcard. „Ich nehme all das Positive aus dem letzten Winter mit in die neue Saison: Die Wildcard, meine erste Saison in der World Tour, meinen zweiten Platz in Japan. Bis auf die Verletzung war es eine absolut verrückte und wunderbare Er- fahrung, es war unglaublich“, zieht sie Bilanz. Und blickt sofort nach vorne: „In dieser Saison will ich maximal viel Freude beim Skifahren haben. Und ich will zurück auf das Niveau kommen, das ich letzten Winter hatte.“ Nebenbei kümmert sie sich auch noch um ihr Herzensprojekt, eine Filmreihe rund um Verbier: „Das Projekt stemme ich ge- meinsammit meinem besten Freund Théo Cheli. Wir haben uns acht Berge rund um Verbier ausgesucht. Von jedem dieser Berge werden wir drei Lines filmen: Seine, meine und die eines dritten Riders. Elisabeth Gerritzen wird mit dabei sein, Xavier De Le Rue, Yann Rausis – alles Fahrer bei uns aus der Gegend. Das wird eine super Challenge für diesen Winter“, erzählt sie begeistert. Den Enthusiasmus und die Begeisterung für das Freeriden, die Maude Besse zeigt, nimmt man ihr sofort ab. Auch wenn sie von der Contest-Szene als eine Familie spricht: „Im Endeffekt sind wir alle aus demselben Grund hier: Wir wollen eine Line fahren, die uns fordert und interessiert, eine Line, die aber auch inner- halb unserer Fähigkeiten liegt. Alle haben dasselbe Ziel, und es ist ganz normal, dass wir uns dabei gegenseitig unterstützen. Ich bin sehr glücklich, dass ich teil der FWT-Familie sein darf.“ Bei dieser Zielstrebigkeit und ihrem Können wird sie das wohl auch noch eine ganze Zeit lang bleiben.

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