Bergstolz Issue No. 88

38 MIKE WIEGELE Bergstolz Ski & Bike Magazin • 12 | 2019 Schlüsselerlebnis.“ Gewonnen hat das Rennen um die Erfindung des Heli-Skiings aber Hans Gmoser: Als gefragter Bergführer flog er im Frühling 1965 erstmals Gäste per Helikopter auf die Gipfel der Bugaboos. Mike blieb der Verfolgerrang: „Im Frühjahr 1970 unternahmen Gary Foreman, der Besitzer von Yellowhead Heli- copters, und ich den Jungfernflug auf den Canoe Gletscher am Mount Sir Wilfried Laurier.“ Seine Augen leuchten noch heute bei der Erinnerung. 1972 flog Mike Wiegele Helicopter Skiing schließlich nicht nur seinen ersten zahlenden Kunden - „einen Zahnarzt aus Ontario“ - in die Berge, sondern auch die Warren Miller Filmcrew. „Ich habe unzählige Briefe an Warren geschrieben. Endlich hat er zu- gestimmt zu kommen und seinen besten Kameramann Rod Allin geschickt.“ Dieser Besuch war zuerst ein totales Desaster: „Drei Tage lang saßen wir imMotel fest. Am letzten Tag setzte ich alles auf eine Karte und investierte den letzten Sprit in einen Flug über die Wolken. Was sich vor Rod’s Linse auftat war unglaublich. Warren sagte mal, dass das das wunderbarste und schönste unbe- rührte Skiterrain gewesen sei, das jemals eine seiner Kameras do- kumentiert hätte.“ Warren Miller zeigte der Welt wie großartig Mike Wiegele Heliskiing war, und die Welt kam zu Mike Wiegele um sich selbst davon zu überzeugen… Regelmäßig brachten LKW-Fahrer die Kunde einer Gegend nach Valemount mit, die als besonders fürchterlich und unwirtlich galt: „Es regnet, es schüttet, und die Schneeflocken fallen so dick wie nirgendwo sonst!“ Diese Geschichten machten ihn neugierig. „Va- lemount wurde langsam auch zu klein für zwei Heliskiing-Ope- rators, also machte ich mich auf in dieses sagenumwobene Blue River. Ich traf ‚Grandma‘ Molly Nelson, eine Hobby-Meteorolo- gin, die über die vorangegangenen 34 Jahre Wetteraufzeichnungen gemacht hatte. Sämtliche Sagen über das albtraumhafte Wetter stimmten – was für ein Segen für Heli-Skier!“ lacht Mike heute noch vergnügt. Er begann Land zu kaufen, um seinen Traum vom eigenen Heliski-Gebiet zu verwirklichen – 1980 schließlich konn- ten die ersten Gästechalets in Betrieb genommen werden. Kontinuierlich erweiterte er das Blue River Heli-Village, heute gibt es 22 Gästechalets, eine Hauptlodge mit Dining Room, Lounge, Fitness Center und Physiotherapie sowie einen Sport- shop, ein Wohnhaus für die Guides und das Thunder Ridge Cen- tre. Noch exklusivere Lodges wie Albreda kommen dazu – hier werden maximal 20 Gäste von 13 Angestellten betreut. Mike Wiegeles Traum wird in Blue River Wirklichkeit. Das alles und noch viel mehr erfährt man von ihm selbst, wenn man ihn inmitten seines Lebenswerks trifft. Mit seinen 81 Jahren lässt er es beim Skifahren heute etwas ruhiger angehen, aber das operative Geschäft führt er, mit Unterstützung seiner langjährigen Mitarbeiter, immer noch selber! Und – selbstverständlich – ist Mike auch immer noch das beliebteste Fotomotiv.Wie viele Sel- fies er pro Tag macht? „Ich habe keine Ahnung, aber das mache ich gerne. Die Gäste sollen von Mike Wiegele Helicopter Skiing ‚The experience of a lifetime‘ mitnehmen.“ Ohne zu übertreiben: Mission accomplished. Unsere Guides Scott und Marius lassen uns Treerun nach Treerun runterjagen, imWald schallt es von „Huhuuus“ (die Verbindung zu deinem Wald- Buddy) und wildem Gelächter. Die Tage sind Skibum-Life De- luxe: In der Früh in den Heli klettern, fluffigsten Powder imWald fahren, Mittagessen auf einer Waldlichtung, noch mehr Powder fahren, mit dem Heli zurück in die Lodge fliegen, rausfallen. Fei- erabendbier im Hot Tub, Abendessen, Schlafen.Träumen: Flaaap. Flaap. Flap. Flapflapflap. Repeat. Ob wir wiederkommen? Klar! Was wir behalten? Das Gefühl der besten, steilsten und geilsten Treeruns unseres Lebens. Und: Zur Legende wird man nicht ohne Grund…Let’s go skiing!

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