Bergstolz Issue No. 88

36 MIKE WIEGELE Bergstolz Ski & Bike Magazin • 12 | 2019 tytraining: Ski niemals in die Höhe halten (Rotorblätter!), in Duckhaltung auf die Landung des Helis warten (Rotorblätter!), geduckt aus dem Heli raushüpfen (Achtung! Rotorblätter!). Beim Abendessen tischt die Küchencrew auf, was British Colum- bia und die Welt zu bieten haben.Hier treffen wir auch zum ersten Mal auf den Gründer, noch heute das Gesicht des Unternehmens, die Legende selbst: Mike Wiegele. Pioniere umgibt eine besondere Aura. Es mag an der Bewunde- rung für ihre Leistung liegen, oder auch daran, dass sie eine Vision Realität werden lassen konnten, an die außer ihnen selbst nur we- nige glaubten. Ihnen allen gemeinsam ist jedoch ihr Charisma: Sie setzten ihre Idee gegen sämtliche Widerstände um, begeisterten andere für ihren Traum – und waren letztendlich erfolgreich.Mike Wiegele ist einer dieser Pioniere. Er wird in einem Atemzug ge- nannt mit dem verstorbenen Grand Seigneur des Freeride Films, Warren Miller. Und das nicht nur, weil er unzählige Male selbst in Millers Filmen vor der Kamera stand. Mike Wiegele wird 1938 in Feistritz geboren und wächst auf dem Bauernhof seiner Eltern auf. Seit er denken kann, ist das Skifahren seine große Leidenschaft, gegen alle Widerstände verbringt er seine Freizeit beim Skitraining. Das Nachkriegs-Österreich bietet ihm wenig Perspektive, und so entschließt er sich 1959 nach Ka- nada zu emigrieren. „Nordamerika schien damals wirklich wie das Land der unbegrenzten Möglichkeiten“, erinnert er sich. Die nächsten Jahre sollten entscheidend werden. 1960 lernt er nicht nur seine spätere Ehefrau Bonnie kennen, er trifft auch Hans Gmoser in Lake Louise. „Wir hatten später vielleicht unsere Dif- ferenzen, dennoch war Hans mein Freund und Mentor in der An- fangszeit in Kanada“, blickt Mike zurück. Er erhält sein Skileh- rerdiplom und geht nach Quebec. „Wenn du mit Skifahren Geld verdienen willst, musst du nach Quebec, hieß es. 1961/62 wech- selte ich nach Sugar Bowl in die USA und lernte dort Hannes Schroll kennen. Und der setzte mir die Flausen in den Kopf: ‚Wenn du zurück nach Kanada gehst, dann suchst du dir den Berg mit dem besten Schnee und baust dein eigenes Skigebiet auf!‘“ Ein paar Jahre wechselt Mike zwischen Sugar Bowl und Kanada hin und her, bevor er 1964 schließlich die Kanadische Staatsbür- gerschaft erhält und eine Skischule in Lake Louise eröffnet: Das World Cup PreparationTraining.„Nationalteamathleten kamen zu mir, um zu trainieren, unter anderem auch der Crazy Canuck Ken Read“, erinnert sichMike stolz.„In meiner Freizeit war ich ebenfalls auf Ski unterwegs, in den Rockies, den Bugaboos, den Cariboos oder den Monashees. Ich hatte diesen Gedanken eines eigenen Ski- gebiets nicht mehr aus dem Kopf bekommen und war ständig auf der Suche nach dem tiefsten, leichtesten Pulverschnee.“ Damals kein einfaches Unterfangen, die Berge sind hoch imWesten Kanadas und das Areal unglaublich weitläufig. „In allen Tälern sind Bäche, aber es gab überhaupt keine Brücken! Jeder Trip ins Back- country dauerte ewig“, denkt Mike zurück. „Einen Tag rein ins Tal, einenTag auf den Berg.Dann hab ich ein oder zwei Tage beim Ski- fahren verbracht, bevor es wieder nachhause ging. Ich habe die Berge und das Skifahren geliebt, daher war meine Motivation für diese Trips hoch. Eines Tages bin ich jedoch auf einem Gipfel in den Cariboos gestanden und habe das Panorama in mich aufgeso- gen. Und da war plötzlich dieser Gedanke: ‚Oh Mann, wie schön wäre das, wenn dich ein Heli hierhin bringen könnte!‘ Das war mein

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