FRAUENPOWER
BERGSTOLZ Ski Magazin Oktober 2013 | Seite 19
Wenn man sich die Ergebnislisten der Freeride Contests des vergangenen Winter
anschaut, fällt bei den Frauen eins sofort auf: Freeride Worldtour, Siegerin Nadine
Wallner, Homespot Arlberg. Open Faces Series, Siegerin Katharina Schuler, Homespot
Arlberg. Österreichische Freeride Staatsmeisterin, Angelika Kaufmann, Homespot
Arlberg. Zweiter Platz am härtesten Hang der FWT, Lorraine Huber, Homespot Arlberg.
Der Arlberg! Die Wiege des Alpinen Skilaufs. An dieser Wiege muß wohl irgendwas
besonders sein! Oder sind es die Berge, der Schnee, das Umfeld? Oder ist es nur Zufall,
dass die Creme de la Creme des Freeridens alle an einem Berg zu Hause sind? Alle vier
sind dort aufgewachsen und haben dort Skifahren gelernt. Und das scheinbar so gut,
dass sie heute die Freerideszene dominieren wie keine Anderen.
Es ist April 2013, alle Wettkämpfe sind gefahren, alle Titel vergeben. Die Saison neigt sich
dem Ende. Für uns genau der richtige Zeitpunkt, um die vier erfolgreichsten österreichischen
Freeriderinnen in Ihrem Heimatspot zu besuchen und ein bisschen Detektivarbeit zu leisten.
Leicht ist das Unterfangen, vier Frauen terminlich unter einen Hut zu bringen, nicht.
Fotoshooting mit den Sponsoren, Uni, ein Trip nach Alaska, Buchungen als Skiguide – die
Damen sind sehr beschäftigt. Es kostet einige Geduld, Telefonate und Mails, bis ein Termin
gefunden ist. Aber alle vier, an einem Tag, zusammen mit uns auf die Pisten – und daneben
– zu bringen, ist dann doch unmöglich. Bei jedem Terminvorschlag unsererseits kommt von
irgendwem eine Absage und angesichts des drohenden Saisonendes und der Termindichte
der Damen müssen wir irgendwann den Kleinsten gemeinsamen Nenner akzeptieren und auf
Lorraine verzichten. Sie ist fast den ganzen April in Alaska für das Filmprojekt „Shades of
Winter“ von Sandra Lahnsteiner unterwegs.
Wir treffen uns in Lech am Rüfiplatz. Ganz Skiguide-like sind alle pünktlich und sofort
abmarschbereit. Lifttickets braucht natürlich niemand - eine Arlberg Saisonkarte gehört zum
guten Ton. Und schon beim Warten auf die erste Gondel geht es los: ‚Was hast Du denn so
die letzten Wochen getrieben, hast des Projekt machen können, bist die Line gefahren‘ – so
oft sehen sich die drei, obwohl sie alle amArlberg wohnen, doch nicht. Nadine ist in Klösterle
zu Hause und hat noch eine Wohnung in Innsbruck, wo sie studiert. Katharina wohnt zusam-
men mit Ihrem Freund Björn in St. Anton und Geli in Lech. Und so viel wie sie alle unterwegs
sind, kommt es sehr selten vor, dass sie sich treffen, geschweige denn zusammen „einfach
nur Skifahren“. Genauso wenig trifft man sich bei den Contests. Nadine war in der
Königsklasse unterwegs, Katharina hat sich auf die Open Faces Series konzentriert und Geli
hat am Arlberg wieder mal alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Oben angekommen
steht zuerst mal die Tour Planung an: Es fallen die Namen aller bekannten Varianten – und
auch die von einigen unbekannten – es werden Hangneigungen, Wetter,
Schneedeckenaufbau und Sonneneinstrahlung diskutiert – Profis bei der Arbeit! Fotograph
Hansi und ich werden nur unwesentlich in die Entscheidungsfindung mit einbezogen. Aber
wir würden es auch nie wagen, den titelbehangenen Locals zu widersprechen. Dass die
Damen unglaublich auf den Skiern stehen braucht nicht erwähnt zu werden. Und es scheint
so, als würden sie jeden Zentimeter Piste, jede Kuppe, ja sogar jede Schneeflocke mit
Vornamen kennen. Es ist einfach ein Genuss hinter den dreien herzufahren und die selbst-
verständliche, sichere und schnelle Art des Skifahrens zu bewundern.
Nur der Schnee macht uns ein paar Probleme. Tagsüber ist es schon sehr warm und der
Schnee wird richtig weich, aber Nachts friert es noch. Das führt zu einem unangenehmen
Deckel und es verlangt einiges an Gefühl die Schwünge so zu setzen, dass man nicht ein-
bricht. Für mich und Hansi – der ja auch noch seinen schweren Fotorucksack auf dem Rücken