PITZTAL
BERGSTOLZ Ski Magazin Dezember 2012 | Seite 49
„Im Pitztal, ja da war ich schon seit Jahren
nicht mehr“. Diese Reaktionen bekommt
man leider sehr oft, wenn man vom Pitztal
erzählt. Da gewesen ist jeder schon irgend-
wann einmal, aber meistens noch in den
Zeiten von Völkl Renntiger und Elho
Skianzügen. Seit dem hat sich einiges ver-
ändert. Und das Pitztal hat sich zu einem
unserem Lieblings-Playgrounds entwickelt.
Drei Erlebnisse im letzten Winter sind uns
besonders in Erinnerung geblieben.
1. Akt – Übernachten im Schnee
Bin ich noch wach, schon wach oder schon wieder wach?
Schnee rieselt mir ins Gesicht, draußen tobt ein Sturm. Soll
ich auf´s Handy schauen oder einfach versuchen wieder zu
schlafen? Roman liegt neben mir und schnarcht leicht. Der
Schlafsack ist zwar warm, aber die Innenschuhe meiner
Skiboots im Schlafsack, machen die ganze Partie doch sehr
eng. Es ist irgendwas zwischen 2 und 5 Uhr Nachts. Ich liege
in einem Expeditionschlafsack in einem Zwei-Mann-Zelt im
„Outkom Basecamp“ auf dem Pitztaler Gletscher.
Ich denke kurz an die Diskussion mit einem der Bergführer
am Vorabend. „Trink ja ned so viel Bier, sonst muscht in der
Nacht raus. Oder trink weiter und nim da a Pinklflasche mit
in den Schlafsack!“ Da die Ansagen eines Bergführers im
Gebirge ja immer zu befolgen sind, haben wir unsere
Flüssigkeitsaufnahme im Anschluss an seine Tipps auf das
nötigste Beschränkt: guten Tiroler Obstbrand. Und der hilft,
ich döse wieder ein…
Als ich am nächsten Morgen um 6 Uhr den Reißverschluss
aufzieh empfängt mich richtig graußiges Winterwetter. Im
Vorraum des Zeltes ziehe ich in gebückter Haltung die
Skiklamotten an und mache mich anschließend auf den Weg
ins „Versorgungszelt“. Zum Glück ist unser Basecamp die
5 Sterne Luxusversion und wird von dem ein paar hundert
Metern entfernten Gletscherrestaurant versorgt. Es gibt hei-
ßen Kaffee, Semmeln und Gebäck aus der höchsten
Bäckerei Österreichs. Um 7 Uhr ist Abmarsch auf den
Wildkogel. Die Sicht läßt zu wünschen übrig, die Höhe und
der Tiroler Schnaps machen den Aufstieg zusätzlich hart.
Nach zähen 50min und eine Routenänderung , haben wir die
Scharte erreicht. Ein kleiner Drop, eine kurzes schmales
Stück und dann öffnet sich der Hang. Es ist die Nordflanke
des Mittagskogel, 1500 Höhenmeter bestes Gelände.
Natürlich sind wir die Ersten und iehen unsere Lines in den
Hang. Unten kommen wir direkt am Ziehweg zur Talstation
der Riffelseebahn heraus – unser nächstes Ziel. Wegen der
schlechten Sicht entscheiden wir uns für einen Treerun
direkt unter der Gondelbahn und als die Sicht etwas besser
wird, trauen wir uns noch in die südseitigen Hänge unterhalb
des Grubengart. Jeder will fahren, wahrscheinlich weil heute
Nacht jeder von uns. Ein richtig guter, anstregender Skitag
ist doch immer noch das beste Schlafmittel.
Foto: Dennis Stratmann
Foto: Dennis Stratmann