Seite 32 | BERGSTOLZ Ski Magazin Dezember 2012
TIGNES
Einen Tag vor meiner Abreise hat sich der Schnee gut gesetzt und vor dem nächsten Schneefall,
der sich laut Meteo France schon wieder ankündigt, genießen wir einen unglaublichen Tag.
Perfekter Schnee, blauer Himmel und Sonnenschein. Mathieu zeigt mir die Couloirs von
„Chardonnet“. Mit dem „Grattalu“ Lift geht es rauf, nach dem Ausstieg ein kurzer hike und wir
stehen vor unserem unverspurten Coloir, zwar nicht allzu lang, dafür aber perfekter Schnee und
eine gute Hangneigung. Nach dem zweiten Run sprechen wir uns kurz ab und beschließen „Les
Tuffs“ zu fahren. Ich bin ziemlich aufgeregt, immerhin starre ich nun schon seit einer Woche auf
diese faszinierende Felsformation. Ich hätte nicht mehr damit gerechnet. Für die längeren und
extrem steilen Coloirs fehlt leider noch etwas die Basis, jedoch eröffnen wir die linke Seite von
„Les Tuffs“. Ein fetter Grinser macht sich breit. Einfach perfekt dieser Run, der am „Lac de
Tignes“ endet. Wir nehmen den Bus zurück und geben uns „Les Tuffs“ noch einige Male.
Müde von einem langen Vormittag warten wir in der Grizzly Bar auf Charles, der bis Mittag
arbeiten musste. Zwar ist die Bar von Jean Louis Authier eher was für dicke Brieftaschen,
jedoch ist Teetrinken in der Grizzly Bar ein Erlebniss wert. „Jean Lois ist ein großer
Dickschädel“, erzählt mir Mathieu, „aber ein sehr netter Kerl“. Gekleidet in Lederstiefel,
einem Muskelshirt, langer grauer Mähne und geschmückt mit haufenweise Indianischem
Schmuck. Jean Lois ist ein richtiges Unikat, genauso wie seine Bar. Penibel richtet er die
Speere über dem Kaminofen, alles hat seinen Platz und er achtet sehr darauf. Umgeben von
geschnitzten Bären, Bildern von Indianern, Fellen und handgemachter indianischer
Einrichtung fühle ich mich unglaublich wohl, versinke in der Couch und vergesse beinahe auf
die guten Runs, die noch auf uns warten.
Mit Charles starteten wir dann in Richtung „Les Lanches“. Viel Triebschnee verwehrt uns zwar
einige gute Abfahrten, aber wir finden noch genügend frischen unverspurten Schnee. „Du
musst beim Traversieren nach oben schauen“, ruft mir Charles zu. In unserer Querung enden
sechs bis sieben traumhafte Couloirs. Nicht schwer zugänglich, lediglich 30 Minuten Aufstieg.
Mein Mund steht offen, ich bin einfach so beeindruckt von diesem riesigen Paradies und
Freeridemöglichkeiten. Es gibt so viel zu machen, einfach unglaublich. „Hast du gesehen, das
„Couloir des Espagnoles“ und gleich daneben siehst du noch die P1, P2, P3, P4 und
P5 Couloirs aber die zeigen wir dir dann, wenn du wieder nach Tignes zurück kommst“
grinst Charles.
Text Eva Walkner, Foto: Andy Parnat
Skier: Matthieu Navillod