Seite 20 - Bergstolz Issue No. 38

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Seite 20 | BERGSTOLZ Ski Magazin Dezember 2012
NORWEGEN
Egal, ob von einer
Lodge, einem Boot
im Fjord oder
dem einfachen
Zelt - Norwegen
ist die optimale
Destination.
Welche Möglichkeiten gibt es, die Wintersaison in Europa
ein wenig in die Länge zu ziehen? In den Alpen bleibt nur
die Flucht in die Höhe der Gletscher. Im Norden Norwegens
laden die vielen Sonnenstunden zu ausgedehnten Touren
ein. Egal, ob von einer Lodge, einem Boot im Fjord oder dem
einfachen Zelt - Norwegen ist die optimale Destination, um
die Wintersaison im Schnee und unter der flachen Sonne
des hohen Nordens ausklingen zu lassen.
Tromsø! Im Herzen der Nordnorwegischen Region Troms lie-
gend: Durch zwei große Brücken mit dem Festland verbun-
den, wirkt die kleine Insel, auf der Tromsø liegt, fast wie
eine kleine Exklave. Wie ein kleiner Fleck Zivilisation, der
irgendwann vom Himmel in den Fjord gefallen ist… Für
viele Freerider ist dieser Ort im hohen Norden Norwegens
mittlerweile eine Metropole als Ausgangsort für Trips zwi-
schen Ende März und Anfang Mai geworden. Genau dann,
wenn es an der Zeit ist, dem Alpenraum für kurze Zeit den
Rücken zu kehren. Durch die tief stehende Sonne nördlich
des Polarkreises bleibt die Schneequalität den ganzen Tag
über nahezu unverändert und ohne den extrem tageszeit-
lich abhängigen Anstieg der Lawinengefahr, wie wir es bei
den Frühjahrstouren aus dem Alpenraum kennen. Dazu
beginnen ab Mai die Tage mit nahezu 24 Stunden Helligkeit.
Die Verbindung könnte kaum besser sein. Für uns
Alpenländler entpuppt sich der Flughafen München immer
wieder als optimaler Startplatz. Die Verbindung nach
Tromsø mit Zwischenstopp in Oslo ist geradezu perfekt. Am
Flughafen Oslo treffe ich den Snowboarder Havård Margeli,
mit dem ich die Reise zu unserem Guide Torgrim Soleng in
Tromsø fortsetzte. Von der mit knapp 70.000 Einwohnern
größten Nordnorwegischen Stadt aus, erstreckt sich das
Freeride Eldorado in alle Himmelsrichtungen, geprägt von
den so typischen steilen Bergflanken, die aus den Weiten
der eisigen Fjorde empor stechen. Zugverbindungen gibt es
nicht in dieser durch das Wasser zerklüfteten Region. Dafür
unzählige Kurzstreckenflüge. Kein Wunder, dass der
Flughafen dementsprechend am Morgen eher einem
Ruhrgebietsbahnhof gefüllt von Berufspendlern ähnelt.
Dennoch, bei unserer Landung am Abend hat das Publikum
gewechselt. Nun dominieren nicht mehr die Aktentaschen,
sondern die großen Boardbags, nicht mehr die Anzüge son-
dern die Daunenjacken. Die Dämmerung setzt ein… Spät…
Viel später als die Vorfreude auf das, was in den folgenden
Tagen auf uns warten wird.
Das maritime Wetter hat den Norden Norwegens fest im
Griff. Geprägt von ständigem Schneefall, gemischt mit ein
paar Regentropfen und Temperaturen zwischen 0 und 4
Grad, ist derzeit an längere Touren in exponiertem Gelände
nicht zu denken. Das graue Wetter muss aber nicht bedeu-
ten, dass die Berge im hohen Norden Europas ihren Reiz
verlieren. Nicht unbedingt berühmt für Pillow Lines, können
einzelne Wälder in Norwegen dennoch mit netten Treeruns
aufwarten. ‚Tromsø Mini Zoo‘ heißt ein kleiner Platz, der mit
drei Pferden wohl tatsächlich die Beschreibung „Mini“ ver-
dient. Oberhalb dieses Zoos erstreckt sich ein breiter
Waldhang, der sicher spannender ist, als der Zoo selbst. Der
„Gipfel“ mit 274m des Hügels heißt Hundbergan, von dem
aus man einen wunderbaren Blick auf den Ramfjord hat und
die dahinter liegenden 1000er um den Torstinden.
Unerwartet steil und mit einigen netten Absätzen und