24 TOUR DE MONT BLANC Bergstolz Ski & Bike Magazin • 02/2026 Bubba: In vier Tagen die Tour du Mont Blanc, einmal rund um den weißen Riesen – im Uhrzeigersinn, auf der Suche nach den schönsten Trails für unsere E-MTBs. Und das bewusst außerhalb der Saison. Dann, wenn die Wanderer verschwunden sind, die Hütten geschlossen und wir selbst Zeit für so eine Unternehmung haben. Bubba ist genauso wie ich im Sommer als Mountainbike-Guide unterwegs, meistens mit Gästen. Aber diesmal gehört der Berg allein uns. Wir starten auf der Schweizer Seite, im Val Ferret. Mit von der Partie: Andrea, unser Fotograf aus Aosta, und Ace, Filmer, Bergführer und Local Ski Coach aus Courmayeur. Bubba und ich kennen uns schon seit über 15 Jahren. Kennengelernt haben wir uns auf einem Biketrip nach Aosta. Seitdem folgten gemeinsame Projekte, meist im Aostartal - Bubbas Heimat und eins meiner absoluten Lieblings-Bikereviere. Aber bei diesem Trip ist unser Radius größer. Grenzüberschreitend. International. Als wir La Fouly am frühen Morgen verlassen, scheint die Sonne bei frostigen acht Grad. Wir haben eine schmales Wetterfenster genutzt – ein Wintereinbruch hatte uns kurz zuvor fast einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jetzt zählt jeder Tag und das hier ist der erste von vier. Der Anstieg beginnt entspannt auf einer Forststraße. Mit zunehmender Höhe wird der Untergrund anspruchsvoller – und wir können erstmals ein wirkliches Bild davon machen wie viel Schnee in der Höhe noch liegt. Im Vorfeld haben wir immer wieder erfolglos Webcams gecheckt, um rauszufinden ob die Übergänge frei sind, immerhin müssen wir mehrmals über die 2.500-Meter-Grenze hinaus. Der Trail schlängelt sich in Spitzkehren weiter in die Höhe, immer wieder eröffnet sich neues Terrain vor unseren Lenkern, der Schnee um uns herum wird mehr, es ist bitterkalt. Die letzten Meter hinauf zum Grand Col Ferret verlangen volle Konzentration: technisch, verschneit, matschig, steil. Oben angekommen klatschen wir ab und suchen Schutz vor dem Wind. Der höchste Punkt für heute, aber können wir auf der anderen Seite abfahren? Wir beraten, und entscheiden, wo ein Wille, da ist auch ein Weg. Die ersten Meter durch den frischen Schnee auf der Nordseite sind ungewohnt. Der Trail ist unter der Schneedecke kaum zu erkennen. Das Bike schwimmt eher, als dass es fährt. Langsam kommen wir in den Flow, und surfen durch eine weiße Winterlandschaft, obwohl es erst Oktober ist. Weiter unten sind Trails sind größtenteils schneefrei, morgens zwar gefroren, dafür mittags aufgeweicht – ein ständiger Wechsel, auf das richtige Timing kommt es an, das merken wir uns für die nächten Tage. Zu unserer Rechten ragen die Spitzen des Grandes Jorasses auf. Vor uns zieht der Trail wie auf einem Balkon entlang der Bergflanke gegenüber des Mont-Blanc-Massivs, tief hinab ins Val Ferret. Hier sind wir mittendrin, es geht auf und ab wie geschaffen für das Ebike, trotz unseres Trailfokus können wir den Blick nach rechts nicht lassen, zu eindrucksvoll schält sich der Dent du Géant aus den Wolken. Courmayeur heißt unser heutiger Etappenort, Ace ist hier zu Hause. Als wir im Sonnenuntergang in den Ort rollen, zeigt er uns oberhalb der neuen Skyway-Gondelbahn seine liebsten Skiabfahrten. Kaum vorstellbar, dass in diesem exponierten Gelände Skifahren möglich ist, aber nicht umsonst ist er Coach für das Freeride-Nachwuchsteam des Tals und kennt hier jeden Stein. Am nächsten Morgen geht es weiter – hinauf ins Val Veny. Vorbei an dramatischen Felsformationen und Endmoränen, die noch vor gar nicht
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