22 UPRO SHORS Bergstolz Ski & Bike Magazin • 01/2026 Meer. Lucas und Felix waren bewusst langsam unterwegs und wurden positiv überrascht, wie gut der Aufstieg bereits ging. Diese Skitour setzte den Ton für die Reise, die jetzt so richtig begann. Eigentlich war die Türkei nur als Durchreiseland geplant, denn das große Ziel hieß Georgien. Doch je länger sie unterwegs waren, desto klarer wurde, dass die Türkei weit mehr bot, als sie erwartet hatten. Hohe Berge, weite Regionen ohne Skigebiete und eine landschaftliche Vielfalt, die sie überraschte. Aus ein paar geplanten Tagen wurden somit mehrere Wochen. In Zentralanatolien bestiegen sie zunächst den Erciyes Dağı, einen knapp 4.000 Meter hohen Vulkan. Der lange Aufstieg und die steile Abfahrt forderten Konzentration, wurden aber mit einer grandiosen Abfahrt und Glücksgefühlen belohnt. Den Großteil ihrer Zeit in der Türkei verbrachten sie jedoch im Kaçkar-Gebirge im Nordosten des Landes, nur wenige Kilometer vom Schwarzen Meer entfernt. Als die zwei realisierten, dass einiges an Schnee kommen sollte, fuhren sie in ein abgelegenes Hotel; das einzige, das im Winter offen hatte. Dort trafen sie auf Bedingungen, die sie bisher kaum erlebt hatten. Innerhalb weniger Tage fielen teils über zwei Meter Neuschnee. Es schneite tagelang, unterbrochen von kurzen Wetterfenstern, bevor die nächste Front hereinzog. Die Nähe zum Meer sorgt in der Region dafür, dass sich die Wolken dort regelrecht entladen. Während sie vom Schneesturm eine Woche lang im Hotel festgehalten wurden, lernten sie Ian Hall von Turkish Backc ountry kennen, der Skitouren anbietet und die Gegend bestens kennt. Mit einer Pistenraupe konnten sie oft ein paar hundert Höhenmeter hochfahren und von dort ihre Touren starten. Bei den Schwüngen im Tiefschnee konnten sie kaum atmen, weil so eine unglaubliche Menge an Schnee lag. Lucas beschrieb es im Film so: „Ich habe Felix noch nie so schnell laufen sehen seit der Erkrankung, und wir freuen uns jetzt einfach den Tiefschnee runterfahren zu können, weil’s so genial ist.“ Besonders eindrücklich blieb außerdem ein Tag im Gebiet von Yaylalar. Sie liefen mehrere Stunden in ein abgelegenes Tal hinein. Das Dorf, von dem sie gestartet waren, bestand aus nur wenigen Häusern und war bewohnt von Menschen, die mit Skifahren kaum Berührung hatten. Die nächste größere Stadt lag mehrere Autostunden entfernt. Sie gingen ohne konkretes Ziel los und hielten Ausschau nach dem besten Schnee. Ein steiler Hang, der sich von unten perfekt präsentierte, zog sie schließlich an. Ihnen war klar, dass hier nichts passieren durfte. Die Abfahrt belohnte sie mit einem der intensivsten Momente der gesamten Reise. Was das Skifahren in der Türkei für die zwei besonders machte, war die Mischung aus Einsamkeit und Vielfalt. Es gibt einige kleine Skigebiete, die sich auf flaches Gelände beschränken, gleichzeitig existieren riesige Gebirgsketten, die im Winter praktisch unerschlossen sind. Die südliche Lage des Landes bringt allerdings auch ihre eigenen Herausforderungen mit sich. Sonnenexponierte Hänge bauen schneller ab, während schattige Lagen meterhoch verschneit bleiben. Die Bedingungen ändern sich schneller
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