36 ABRUZZEN Bergstolz Ski & Bike Magazin • 05/2025 TAG 3 / Heute soll das Wetter top sein! Ziel: der Gran Sasso (2912 m), höchster Gipfel der Abruzzen. Doch die Laune des Wetters ist – wie in den Büchern beschrieben – eher launisch: dicht hängende Wolken, hart gefrorener Schnee. Mit heiklen Spitzkehren arbeiten wir uns ins Massiv vor. Im Talboden sehen wir den Gipfel des Gran Sasso. Er wirkt absolut unerreichbar, vom Schnee und Wind plattgedrückt – fast schon furchteinflößend. Wir flüchten in das einzige Café eines alten Skigebiets – das einzige, das in der Region noch geöffnet ist. Mit lediglich drei Pisten und einer völlig veralteten Infrastruktur erinnert das Gebiet an ein Relikt aus Jugoslawien. Wie hier Leute zahlen können, um dort zu Skifahren, bleibt ein Rätsel. Dennoch spendet die heiße Schokolade großen Trost und entfacht unsere beinahe verlorene Motivation wieder! Als Trost besteigen wir einen kleineren Gipfel, von dem wir einen grandiosen Blick auf die Adria haben! Sie scheint so nah! Unglaublich, dass Rom nur 1 Stunde westlich liegt und das Meer etwa 20 Minuten östlich. Doch die Wolken lauern und wir müssen wieder zurück. Mit Steigeisen und Pickel geht’s über steile, vereiste Flanken, wo die Skikanten keinen Halt geben. Unten angekommen, geht es für uns weiter Richtung Süden, in den Nationalpark Majella. Dort wartet unser charmantes Airbnb in einem typischen süditalienischen Steinhaus – und endlich wieder Schnee im Dorf! Morgen ist unser letzter Tag, den möchten wir voll auskosten! TAG 4 / Bei Tagesanbruch brechen wir auf – und wir sind nicht allein, ein gutes Zeichen. Fast 1 Meter Schnee säumt die Straße, eine völlig andere Atmosphäre, eine völlig andere Landschaft! Wir beginnen den Tag mit einem 1500-m-Aufstieg, geradewegs einen steilen Hang hinauf, inklusive einer 40°-Neigung am Gipfel. Beim Aufstieg treffen wir die lokalen Bergretter, die „Carabinieri“ (Polizei auf Italienisch), die hier trainieren und Schneeprofile graben. Ein spannender Austausch – auf Englisch-Italienisch erklären sie, wie speziell der Schnee hier ist: aufgrund des Einflusses der Winde aus Mittelmeer und Adria, die nur rund hundert Kilometer auseinanderliegen, und wie stark die Feuchtigkeit eine Rolle spielt. Wir erreichen den ersehnten Gipfel, den Monte Amaro (2793 m)! Über ein Meter Raureif überzieht das Gipfelkreuz – ein Anblick für die Ewigkeit. Glück pur an unserem letzten Tag! Eine schnelle Umarmung, dann folgt die Abfahrt: leicht aufgefirnter Schnee, perfekt zum Fahren. Danach geht’s zurück nach Rom, von wo wir ein paar Stunden später unseren Zug Richtung Heimat nehmen. Letzte Pizza am Bahnhof, wieder rein in die kleinen Liegen – und bald sind wir wieder zu Hause. ABRUZZEN – WIR KOMMEN WIEDER!
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