Bergstolz Issue No. 127

sehr viel. Mit den Trägern war es nicht möglich, so hochzugehen, wie wir es wollten, um ein Basislager einzurichten. Eine Mischung aus zu viel Schnee in geringer Höhe und einer nicht ganz stabilen Schneedecke war definitiv etwas kompliziert. Wenn man in Pakistan mit einer Gruppe von zehn Personen Ski fährt, muss man so viel Vorsicht wie möglich bieten, deswegen haben wir unsere Ziele zurückgeschraubt“, erklärte Yannick. Aufgrund dieser Umstände verbrachten sie die Skitage mit den Pakistanern. Übungshänge, Snowpark, Lawinenkurse - diese drei Tage ermöglichten eine reibungslose Eingewöhnung in Pakistan und schöne gemeinsame Momente. Doch die Expedition war noch lange nicht zu Ende. Die Gruppe reiste weiter in das Naltar-Tal, um weitere Couloirs zwischen 4.000 und 5.000 Meter zu fahren. Die Erwartungen waren hoch, doch auch hier hatte der Klimawandel seine Spuren hinterlassen. Die warmen Temperaturen und der instabile Schnee hatten den Zustand des Geländes drastisch verändert. Einige der geplanten Hänge, die bis vor kurzem noch perfekt für eine Abfahrt gewesen wären, waren nun von Ackerboden bedeckt und die Bedingungen ließen keine weitere Abfahrt zu. „Das Naltar-Tal hätte uns perfekte Couloirs mit Neuschnee bieten sollen, aber die Bedingungen waren einfach nicht ausreichend“, erzählte der lokale Bergführer im Film. „Es gab einige Faktoren, die uns zum Entschluss brachten, langsam mit Steigeisen abzusteigen, anstatt das Risiko einzugehen, noch höher zu gehen. Wir wollten die Sicherheit der Gruppe nicht gefährden.“ Ein sehr langer Abstieg unter mühsamen Bedingungen folgte. Doch wenigstens bot der Frühlingsschnee auf den unteren Hängen den Skifahrern noch einige genussvolle Momente. Das wahre Ziel der Expedition blieb das Hochtal des Khunjerab-Nationalparks an der chinesischen Grenze. Die Gruppe wollte dort ein Camp auf 4.500 Metern an einem abgelegenen Ort aufschlagen. Noch nie war jemand zuvor dort, um Ski zu fahren. Das Erreichen dieses Tals erforderte allerdings eine umfangreiche Logistik. Genehmigungen, Träger, Lebensmittel - alles musste im Voraus geplant werden. Dank der Unterstützung von Javed, dem erfahrenen Bergführer aus dem Hunza-Tal, erreichte das Team letztlich das abgelegene Tal. Trotz der widrigen Bedingungen machte sich das Team schließlich auf den Weg zu seinem Ziel: dem Basislager am Fuß des Rakaposhi, einem der höchsten Gipfel der Welt mit 7.788 Metern. Der Berg ist das Wahrzeichen des Hunza-Tals und zieht zahlreiche Touristen an, die die beeindruckenden Ausblicke auf das Tal und die Winter im Wandel Die Tour der beiden Athleten Yannick Boissenot und Arnaud Cottet ist ein Vorzeigebeispiel dafür, wie der Klimawandel Einfluss auf den Bergsport nimmt. Insbesondere das Ski Touring ist stark dadurch betroffen, dass die Schneesituation immer unzuverlässiger und unvorhersehbarer wird. Dies erfordert von den Bergsportler:innen zunehmend mehr Flexibilität, wie sie die beiden Athleten bei ihrer Reise ins Hunza Valley bewiesen haben. Trotz der von Anfang an schwierigen Bedingungen, haben sie stets neue Wege gesucht, um das Gefühl der Freiheit zu finden und konnten dadurch entgegen allen Erwartungen, erfolgreich First Lines in die pakistanischen Bergen ziehen. „Den Klimawandel bemerkt man natürlich nicht nur in Pakistan, sondern überall in den Bergen – besonders in den Gletschern oder im Frühling, wenn der Schnee nur noch in hohen Höhenlagen zu finden ist. Das macht die Kombination von Ski Touring mit anderen Sportarten wie Wandern oder (E-)Biking für mich besonders spannend“, erklärt Yannick Boissenot seine veränderte Herangehensweise an das Ski Touring. 25 PAK I STAN

RkJQdWJsaXNoZXIy Mzk0ODY=