FAHRTECHNIK // SPITZKEHRE Bergstolz Ski & Bike Magazin • 04 |2023 28 Locker lässig auf eine Spitzkehre zurollen, mit einem kurzen Impuls aus den Beinen das Hinterrad anheben und gemütlich im Stoppie durch die Kurve rollen - das macht wirklich Spaß. Braucht aber auch mächtig viel Übung, denn hier kommen viele unterschiedliche Faktoren zusammen, die perfekt miteinander kombiniert werden wollen. Ich würde mich selbst eher als Genussumsetzer bezeichnen. Dabei drehe ich das Heck recht ruhig und langsam raus und versuche ganz bewusst, hastige Bewegungen zu vermeiden. Dem gegenüber stehen jene Biker, die das Heck ihres Rades mit viel Nachdruck um die Ecke zwingen. Ja, das kann auch klappen, aber oft ist das mehr eine Notlösung und früher oder später wird man mit dieser „Technik“ an seine Grenzen stoßen. Ich versuch hier mal die Technik zu erläutern, die für mich am besten funktioniert. STOPPIE GRUNDTECHNIK Vom Passagier zum Piloten, das ist mein Grundmotto bei meinen Kursen. Wir wollen also den Stoppie aktiv kontrollieren und einleiten. Im Kontrast dazu geschieht das passive Einleiten des Stoppies einfach durch Betätigung der Vorderradbremse. Das Hinterrad kann auch so steigen, aber uns fehlt dann die Kontrolle darüber, wie hoch das Rad steigt und wir sind extrem von der Traktion am Vorderrad abhängig. Um den Stoppie aktiv einzuleiten, brauchen wir eine Absprungbewegung aus den Beinen nach vorne/oben. In dem Moment, wo wir die Beine nach dem Preload strecken, schließen wir die Vorderradbremse (ACHTUNG – langsam Anfahren bei den ersten Versuchen!) und halten dann den Druck auf dem Lenker. Sobald das Hinterrad zu steigen beginnt, müssen wir eigentlich nichts mehr machen, außer die Spannung im Oberkörper und im Rumpf zu halten. Arme sowie Beine bleiben dabei gestreckt! Die Körperposition auf dem Bike bleibt zentral, sprich, die Hüfte über dem Sattel, Schulter über dem Lenker. Verlieren wir die Spannung im Rumpf, rutscht das Becken gerne in Richtung Lenker, es droht ein Überschlag. Beugen wir die Beine oder schieben wir das Becken nach hinten, dann können wir den Stoppie nicht so lange halten, denn wir unterbrechen den aufgebauten Drehimpuls. Idealerweise übt man den Stoppie zuerst mal im ebenen Gelände bei geringen Anfahrtstempo und mit blockiertem Vorderrad. Sitzt die Bewegung, sucht man sich am besten eine Abfahrt mit mittlerer Neigung, z.B. eine Tiefgarageneinfahrt oder Wiesenböschung. Auch hier leitet man zunächst den Stoppie wieder mit blockiertem Vorderrad ein, lässt das Hinterrad steigen, und versucht dann das Hinterrad durch Modulation der Vorderradbremse oben zu halten. Und zuletzt kommt dann die Meisterprüfung – man versucht den Stoppie mit modulierter Vorderradbremse einzuleiten und möglichst lange zu halten. Umso steiler die Stelle, umso leichter klappt es. Sucht euch aber einen UnFAHRTECHNIK MIT TOM ÖHLER #3 Die Spitzkehre samt Hinterradversetzer Text: Tom Öhler // Foto: Manfred Stromberg
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