Bergstolz Issue No. 114

16 STONE KING Bergstolz Ski & Bike Magazin • 04 |2023 Tag 1 Arvieux ist der Startpunkt der Stone King Rally. Ein abgelegenes Bergdorf, umgeben von den gigantischen Bergen des Queyras. Ursprüngliche und unberührte Natur mitten in den Westalpen. Knapp unterhalb des Col de l’Izoard beginnt die Woche, an einem der schönsten und berüchtigsten Pässe der Tour der France. Teils pedalierend, teils schiebend wagen wir uns immer weiter in die grandiose Natur. Der leicht ansteigende Trail bietet spektakuläre Blicke auf mondähnliche Krater, Türme aus gelber Erde und unberührte Kiefernwälder. Es erwarten uns wie an jedem der kommenden Renntage, vier gezeitete Abfahrten und viel Zeit auf dem Bike. Unterstützt von Shuttles fahren wir im Laufe der Woche über 20.000 Tiefenmeter. Den Hauptprotagonist Stone King, der Monviso, mit seinen unverwechselbaren Felswänden werden wir heute immer wieder zu sehen bekommen. Doch es kommt anders. Nach einem rasanten Vormittag auf spektakulär schnellen Stages sind wir warm gefahren und heiß auf mehr. Durch Kiefernwälder jagen wir über staubige Trails und müssen uns schnell an das „blinde“ Rennen fahren gewöhnen. Unbekannte Strecken haben ihren eigenen Reiz. Das Gelände lesen lernen und dem gleichbleibenden Rhythmus des Trails zu vertrauen, ist enorm wichtig. Gleichzeitig ist es wichtig, nicht zu viel zu wagen und schnell und aktiv auf dem Bike zu bleiben. Die Abkühlung kommt schneller und heftiger als erwartet. Am Col Agnel, der Grenze zwischen dem französischen Queyras und dem italienschen Piemont, öffnet der Himmel seine Schleusen. Und das Unwetter, das sich in der Ferne aufgebaut hatte, ist plötzlich ganz nah. Die letzte Stage wird abgebrochen und wir schauen, dass wir möglichst schnell ins Tal kommen. Doch wir verlieren das Rennen gegen den heftigen Hagel, der den Trail in einen reißenden Strom verwandelt und erreichen das 1100 Meter tiefer gelegene Camp ausgekühlt und völlig durchnässt. Die richtige Reihenfolge aus heißer Schokolade und Bier wärmt Körper und Geist und bringt das internationale Fahrerfeld in der engen Bar auf dem Campingplatz am ersten Tag zusammen. Tag 2 Am nächsten Tag rutschen wir in unsere noch nassen Schuhe. Sie werden zum Glück lange vor der ersten Abfahrt trocken sein. Denn es erwartet uns ein langer Anstieg. Der längste Anstieg der Woche. Bei der Stone King Rally geht es um mehr als um reines Rennen-Fahren. Es geht vor allem auch um viel gute Zeit auf dem Bike. Um viel Zeit auf den Trails. Und nicht jede Abfahrt läuft auf Zeit. „Eine gute Zeit haben.“ Bedeutet nicht nur, möglichst schnell von A nach B zu kommen, sondern vor allem auch den Weg zu genießen. Das genießen fällt noch schwer. Seit über einer Stunde tragen und schieben wir das Bike den steilen, felsigen Weg hinauf. Doch die Aussicht belohnt uns, als wir mit

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