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5 Dinge, die ich schon lang mal machen wollte!

5 Dinge, die ich schon lang mal machen wollte! Ralf Jirgens

Pfingsten 2017. Die Familie mit der Schwiegermama auf Gran Canaria. Im Büro nicht allzu viel los, das schreit doch nach einer Sportwoche. Leider waren auch meine üblichen Sport-Buddies auf die Inseln im Mittelmeer verteilt oder anderweitig mit Hausbau, Segelschein machen oder ähnlichem beschäftigt. Nach kurzem Sinnieren kam mir die zündende Idee: Ich mach einfach alles das, was ich mir schon seit Monaten, manchmal auch Jahren vornehme und verbinde so Arbeit und Freizeit auf sehr angenehme Weise.

1. eBike to Ski
20170621 Ski1Der Anruf letzte Woche bei Thilo hat den sichtlich aus der Fassung gebracht: „Hast Du eigentlich noch die Felle für den Kästle?“ Ja, die lägen noch bei ihm und er würde sie mir bei Zeiten vorbeibringen, jetzt bräuchte ich sie wahrscheinlich eh nicht, oder? DOCH! Ich fahr am Sonntag ins Schnalstal!

Was in Chamonix oder im Stubaital vielleicht noch „normal“ ist, ist auf dem Parkplatz der Gletscherbahn in Südtirol im Juni schon eine kleine Sensation: „Kuck mal Papa, der hat Ski dabei!“ bzw. „Was will der denn mit den Ski auf dem Rücken auf seinem Mountainbike?!“ Die Kommentare der Italienischen Familie, die Pfingsten im Schnalstal eher die Ausnahme sind, konnte ich leider ned verstehen, weil da war ich schon in der ersten Rampe, die sich direkt vom Parkplatz mit gefühlten 35° die ersten 200 Höhenmeter in den Weg bzw. gegen meinen Akku und die höchste Unterstützungsstufe meines BH Bikes stellt.

20170621 Ski2Ich wusste vom Winter, dass die Talabfahrt steile Stücke hat, aber mit Ski runter ist dann doch was anderes als mit dem Bike – und den Ski am Rücken – hoch. Das findet auch der Mitarbeiter der Gletscherbahn, der mich im dritten oder vierten Steilstück mit seinem Jeep überholt und anerkennend „Via, Via, Vai“ aus dem Fenster ruft. Kurze Zeit später treffen wir uns wieder: Er wechselt vom Auto auf das Schneemobil, ich vom Bike auf die Ski. Das Gletscherskigebiet ist seit Wochen geschlossen und weil Sonntag ist, wird auch nichts repariert oder gewartet – ich bin völlig allein. Weißer Schnee, blauer Himmel, kurze Hosen und Skiboots – das gepaart mit der absoluten Stille, ein fast surreales Erlebnis. Da ich allein unterwegs bin ist mein Ziel „nur“ die Grawandtspitze auf der ich nach circa einer Stunde Skitour und 5 Minuten Fußmarsch stehe – völlig alleine! Kein Mensch weit und breit! Bier auf, Aussicht genießen und einsaugen bevor es auf perfekten Firn zurück zum Bike bzw. Auto geht.
20170621 Ski
2. Das Arosea Life Balance Hotel
20170621 H2Ich denke jeder hat eine Liste mit Ländern, Gegenden, Bergen und Hotels wo er schon immer mal hin wollte. Bei mir steht da seit Jahren das Arosea drauf. Ich kenne die Website, ich habe viel Gutes gehört und es auch schon ein paar Mal empfohlen, die PR Agentur des Hotels ist super nett, die Gegend interessant – nur hingeschafft hab ich es noch nie. Bis jetzt!

20170621 H4Vom Schnalstal geht es zurück ins Etschtal und an Meran vorbei, bevor ich bei Lana ins Ultental abbiege. In engen Kurven geht es an der rechten Talseite stetig bergan, der Verkehr wird von Kilometer zu Kilometer weniger und ab dem Abzweig ins Val di Non ist auf der „Sackgasse“ Richtung Lago die Zoccolo nur noch wenig los, so dass ich „im Flow“ mit etwas zu hoher Geschwindigkeit erst mal an der Hoteleinfahrt vorbeirausche. Dass sich die Hoteliers Thomas und Anne sehr viele Gedanken gemacht haben und ihr Hotel mit viel Liebe zum Detail betreiben merkt man schon, wenn man in der Tiefgarage die Autotür aufmacht: Viel Platz, Vogelgezwitscher aus dem Lautsprecher und Zirbenholzduft aus dem Duftspender. Ein herzlicher Empfang an der Rezeption, Südtiroler Bio-Apfelsaft zur Begrüßung, dezenter Luxus, viel Licht, Holz, angenehme Farben.

20170621 H5Das Zimmer ein Traum, die Terrasse riesig und mit Blick über den See: Schon nach wenigen Minuten ist man angekommen und schon mit den ersten Zügen im hoteleigenen Schwimmpool stellt sich ein wunderbares Urlaubsgefühl ein. Das Hotel liegt auf 1100 Metern im Naturpark Stilfser Joch und schafft die wunderbare Balance zwischen Design, Natur, Wellness und Luxus – wobei sich alles selbstverständlich anfühlt und nichts aufdringlich wirkt. Beim zweiten Gang des 5-Gänge Abendessen hat auch Martin – der einzige der meinem Plan dann doch nicht wiederstehen konnte – endlich die Anreise hinter sich gebracht und so können wir zusammen nach dem Essen mit Hotelchef Thomas beim „Cafe e Grappa“ den nächsten Mountainbike-Tag planen.
20170621 Hotel
3. Mountainbiken im Ultental
20170621 eB1Schon am Vorabend war Thomas sichtlich beruhigt, als er erfuhr, dass ich überzeugter eMountainbiker bin und er also auch aufs „Elektrorad“ steigen kann. Die Carbon-Hardtail-superleicht-Waffe von Martin haben wir dann morgens – ohne ihn groß zu fragen – gegen ein Haibike eFatty aus dem Verleihpool des Hotels getauscht um dann noch, unter seinem lautstarken Protest, die Gondel zu nehmen um die ersten 1000 Höhenmeter noch bequemer hinter uns zu bringen. Als es dann aber vom Lift eine steile Rampe zum Mutegg hochgeht hat auch er das bekannte fette „Ich–fahr-das-erste-mal-eBike-Grinsen“ im Gesicht und strahlt: „Die Steigung schaffst mit keinem anderen Bike!“.

20170621 eB3Und die Aussicht schaffen wenig andere Berge: Die Dolomiten auf der einen Seite, der Alpenhauptkamm im Rücken, der Ortler auf der anderen – eine Hammer Aussicht! Und Thomas sprudelt nur so: Da geht´s ins Martelltal, da kann man über den Sattel rüber nach Latsch, hier geht ein super Trail runter, das war ich schon mit Gästen – sehr, sehr schnell wird mir das Potential des Ultentals klar. Und das nicht nur zum Wandern und Mountainbiken, sondern auch zum Skifahren. Der Einheimische Dominik Paris teilt sich hier im Winter die Trainingsstrecke mit Lindsey Vonn, ich sehe neben der Möglichkeit hier Super G zu trainieren super weite Hänge und zahlreiche Varianten und Gipfel die sich mit einem kurzen Zustieg erreichen lassen.

20170621 eB6Als wir gemütlich über Almwiesen cruisen und uns Thomas immer mehr der schier unendlichen Möglichkeiten des Tals zeigt bin ich schon fast versucht, dies alles für mich zu behalten. Almen wie aus dem Bilderbuch, Kühe am Wegesrand, Kirchen und Kreuzwege, Wiesen, Wald, Pisten, Trails. Und einer davon spukt uns nach 1100 Höhenmeter Abfahrt direkt hinter dem Hotel aus. Nach einer schnellen Pasta geht es mit dem Shuttle Richtung Hochjoch. Auf einem gut fahrbaren Höhentrail mit „Brachialaussicht“ biken wir am Il Sasso und dem Schweinsteig vorbei zur Riemerbergl Alm um im Garten der urigen, kleinen Hütte einen leckeren Kaiserschmarrn und das eine oder andere Forst zu vertilgen. Auf der Abfahrt gesellt sich noch ein Pärchen zu uns, die auch im Hotel wohnen. Auch da zeigt sich wieder die Vielfältigkeit des Tals, während wir auf Trails durch den Wald fahren kann Katharina – die nur mit dem Hardtail unterwegs ist – immer die „Forststraßenumfahrung“ nehmen und dann die schönen, flowigen Stücke wieder zusammen mit uns fahren. Auch dieser Trail spuckt uns direkt am Hotel aus wo wir auch den zweiten Tag erst mal am Pool, dann beim Dinner uns selbstverständlich wieder beim Digestiv mit Espresso unter freiem Himmel ausklingen lassen.
20170621 eBike
4. Die eigenen Rennradschuhe in Italien machen lassen
20170621 NW1Bevor wir uns auf die Transfer-Etappe zum Radschuhproduzenten Northwave in Treviso machen, lässt es sich Thomas nicht nehmen uns auch noch die „Rennradmöglichkeiten“ seines Hotels bzw. seiner Gegend zu zeigen. Mit frisch rasierten Beinen und dem Spruch „Heut mußt´s aber Rücksicht nehmen, des ist erst mei zweite Runde heuer“ starten wir auf eine Panoramarunde rund um den Lago di Santa Giustina. Auch hier zeigt sich wieder, dass Südtirol oder das Trentino, die Grenze der beiden Italienischen Provinzen sind wir an dem Tag mehrmals überfahren, abseits der bekannten Täler und Routen Unglaubliches bietet: Schluchten und Klöster, Seen und Apfelplantagen, leckere Restaurants und Pässe mit wenig Verkehr.

Am späten Nachmittag stand nur noch ein kurze Werksbesichtigung, ein schnelle Abendrunde und ein leckeres Essen auf dem Programm, bevor wir am nächsten Morgen mit dem großen Anprobieren starteten: Welcher Schuh, welcher Leisten passt am besten? Wo hat man das beste Gefühl im Schuh, wo liegt die Grenze zwischen „Sitz gut“ und „drückt“. Nach unzähligen, rein in den Schuh, aufstehen, „kann ich den noch mal haben“ standen dann Größe. Leisten und Model fest. Mit der Info ging es ein paar Türen weiter zu Stefano. Stefano ist Schuhmachermeister und bei Northwave für die Prototypenfertigung und Spezialaufträge zuständig. Dazu muss man wissen, dass in der Gegend um Montebelluna die gesammelte Italienische Schuh- und Sportindustrie beheimatet ist und dass das, was wir zum ersten Mal gesehen haben dort täglich Brot ist: Das Fertigen eines Sportschuhs. Mit fachmännischen Handgriffen wird der „Upper“ über den Leisten gezogen und fixiert. Die Zwischensohle auf die Carbonsohle geklebt und dann beides mit dem Oberteil verklebt und „verhämmert“ – aufwärmen, abkühlen, die Schützer auf die Sohle und ab in den Karton. Was für uns wie Weihnachten ist, ist für Stefano Routine, die in wenigen Minuten erledigt ist.
20170621 NW
5. Den Monte Grappa fahren
20170621 RR1Leider konnten wir die Schuhe nicht gleich beim nächsten Punkt der Liste ausprobieren weil sie noch „austrocknen“ müssen: Den Monte Grappa. Sagenumwobener Berg, Mittelpunkt der Pushbiker Story in der aktuellen Ausgabe der Bicicletta da Corsa und umkämpfter Kriegsschauplatz im ersten Weltkrieg. Und eine „Drecksau von einem Berg“ wie ich es vorher per WhatsApp von einem anderen Rennradspezl erfahren habe. Als wir in Romano d’Ezzelino rechts abbiegen und auf dem Schild „Sacrario del Monte Grappa - 27,1km“ steht, jubiliert Martin „Boah, 27 Kilomerter nur bergauf, geil“ mir ist etwas anders zumute, Trainingszustand und Kilometerleistung sind meilenweit von der meines Kompagnons entfernt, und ich hab den Text von Christian Grasmann im Ohr „Der Berg ist so lang und immer wenn man meint mit einer Höhe von 1.800 Metern kann der doch ned so schlimm sein, kommt noch mal a lange Gerade und ein weiterer Zwischenberg“. In der Ahnung geht es also gleich mal mit 10% los, 5 Kehren, durch den Wald, durch einen Ort, etwas gerade, wieder Kehren – gefühlte 1000 Höhenmeter und mindesten 10km. Aber Villaggio del Sole holt mich in die Wirklichkeit zurück: erst auf 1000 Metern und noch 20 K´s bis oben. Gott sei Dank lässt dann die Steigung etwas nach, die Wälder werden lichter, die Ausblicke weiter. Weil Mittwoch ist, ist kaum Verkehr und so purzeln Höhen- und Kilometer nach und nach. Leider auch die Temperaturen und das Wetter. Als wir das Refugio für die obligatorische Pasta erreichen fallen gerade die ersten Tropfen. Die ersten Meter der Abfahrt sind im dichten Nebel ein absoluter Blindflug bevor dann der Himmel über uns aufbricht und sinnflutartige Regenfälle auf uns niederprasseln. Die Straße wird teilweise zum Bach. Aquaplaning mit Rennradreifen! Zum Glück steigen mit jeder Kehre die wir sturzfrei hinter uns bringen auch die Temperaturen wieder und weil es einfach so viel Wasser ist und wir noch nie so nass waren, auch wieder die Laune – ist eh schon egal und es ist ja nur Wasser. Als wir drei Stunden später unsere fertigen Schuhe bei Northwave abholen, ist Stefano die Anerkennung für unseren Ritt und die Erleichterung darüber, dass seine super schönen, nagelneuen und neongelben Rennradschuhe nicht gleich am ersten Tag völlig eingesaut werden deutlich anzusehen.
20170621 RR
Als ich Abends über die Inntalautobahn – wegen dem IGL natürlich mit Tempomat und braven 109km/h rolle- denke ich noch mal über meine Liste nach. Sind da jetzt Punkte weg oder dazugekommen? eBike to Ski ist erledigt, aber das schreit nach einer Fortsetzung und weiteren Touren. Das Arosea hat mich begeistert und der nächste Aufenthalt ist auch schon gebucht. Das Ultental steht DICK auf der Winterliste und den Monte Grappa würde ich schon mal ganz gerne sehen – zum Glück hat der ja fünf Auffahrten...

www.schnalstal.com/de/gletscher
www.arosea.it
www.merano-suedtirol.it/de/meraner-land
www.northwave.com
 

Letzte Änderung amMittwoch, 21 Juni 2017 13:19

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