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UP and Down Sospel


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Im Regelfall suchen wir uns die Destination für einen Bikeurlaub aus, weil jemand erzählt hat, dass es dort unendliche Trailmöglichkeiten gibt, die Leute supernett sind und man für sein Geld echt sensationelles Essen und wirklich was geboten bekommt. Das war diesmal etwas anders. „Hmmm, ist eher kein so tolles Bikerevier, die unfreundlichen Franzosen und so weit zu fahren, Cote d´Azur auch noch teuer – so gut kann das nicht sein.“ Während uns das normalerweise abschrecken würde, wurde aus irgendeinem Grund diesmal unser Ehrgeiz gekitzelt: Das hört sich doch interessant an! Ein unentdecktes Trailparadies wird dort sicher auf uns warten. Ein Bier später fassten wir den Beschluss: Genau dorthin, nach Sospel, sollte unser Roadtrip gehen!

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Gesagt, getan. Neben Christoph von SRSuntour, Urs und mir waren auch die SRSuntour-Teamfahrer mit an Bord: Christoph wollte die Jungs bei dieser Gelegenheit die neue Durolux 29“ testen lassen und Fotos für die neue Federgabel schießen, die offiziell auf der Eurobike vorgestellt werden wird. So hatten wir auch Tom Oehlers, Harald Philipp und Vincent Pirmin dabei. Wir waren gespannt, ob sich die Vorurteile bewahrheiten würden.

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Erster Stopp: Bad Waldsee. Die Firma Hymer, bekannt für ihre luxeriösen Wohnmobile, hatte uns eines ihrer Gefährte mit dem wohlklingenden Namen ML I 570 zur Verfügung gestellt. Von da ab ging es nach Süden, über den San Bernardino Pass vorbei an Mailand bis Finale Ligure. Auf dem Hochplateau von Le Manie verbrachten wir die erste Nacht in unserem fahrenden Zuhause. Am nächsten Tag setzten wir die Fahrt fort. Bevor wir endgültig nach Sospel hochfuhren, machten wir noch einen kleinen Abstecher nach Menton. Dort machten wir aber gleich wieder kehrt, denn wegen des Formel 1 Rennens in Monaco war hier der Ort komplett überlaufen und voll mit High Society Schicki Mickis. Nichts wie weg von hier und schnurstracks rauf nach Sospel. Dort erwartete uns ein verschlafenes Örtchen, in dem die Welt noch in Ordnung scheint. Und in dem sind – erstes Vorurteil widerlegt – die Franzosen ausgesprochen freundlich und aufgeschlossen Bikern gegenüber.

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Unseren Campingplatz „Domaine Sainte Madeleine” fanden wir ca. vier Kilometer außerhalb von Sospel sehr ruhig und malerisch gelegen. Außer ein paar Bikern ist hier nicht viel los. Da sich Christoph und die Teamfahrer erst drei Tage später ankündigen, erkunden wir Vorausgereisten schon mal die Region, um uns in voller Teamstärke dann nicht mehr so lange mit dem Suchen von Trails aufhalten zu müssen. Mittags machen wir uns auf, um zuerst einmal auf der Teerstraße zum Col de Turini hochzufahren. Wer schon mal was von der Monte Carlo Rallye gehört hat, hat auch schon vom Col de Turini gehört. Wir treten also diese 21 Kilometer lange, legendäre Straße und weitere 300 Höhenmeter Forststraße nach oben, denn zwei Wochen zuvor startete hier ein Endurorennen. Unser Plan war, die ersten Stages als Trailscouts abzufahren. Und dieser Trail hat es wahrlich in sich: Er führt über zehn Kilometer hinunter nach Moulinet und wartet mit allem auf, was das Bikerherz höher schlagen lässt! Am Anfang Waldboden mit Speedspitzkehren, dann technische Steilstufen bis unten verblocktes Geballer auf rutschigen Steinen. Kurz vor Moulinet gilt es dann noch einen Gegenanstieg zu bewältigen, um zur zweiten Stage zu gelangen.

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Am zweiten Tag packen wir die eBikes aus, um die 21 Kilometer Richtung Menton in Angriff zu nehmen. Südlich des Örtchens ist die Vegetation ganz anders, wesentlich trockener und steiniger, die Trails verblockter und mehr auf und ab. Unterwegs zum Col de Brauls zweigen wir auf einen Trail ab. Offensichtlich haben wir die Karte aber ein wenig zu nachlässig studiert, denn: Der Trail führt bergab, wir müssen allerdings bergauf, um auf den richtigen Weg zu gelangen. „Mit dem eBike ist das ja kein Problem“, denken wir. Dann wird der Trail aber immer steiler und ausgesetzter, bis uns nur mehr übrig bleibt, die Bikes eineinhalb Stunden bergauf zu schieben bzw. zu tragen. Die gelegentlichen Teilabschnitte, die sich im Boost-Modus gerade noch voll am Limit fahren ließen, gingen an die Substanz – und an die Akkus. Wir stellen fest, dass sämtliche Trails die eigentlich bergab gehen sollten, mindestens 600 Höhenmeter bergauf aufweisen. Demnach entwickelt sich unsere locker lässige Fahrt ans Meer nach Menton zu einer ausgewachsenen Tour, die wir dann auch abbrechen. Wir haben schon mehr als 1.000 Höhenmeter auf der Uhr und noch nicht mal die Hälfte des Weges hinter uns. „Hoffentlich reichen die Akkus noch zurück zum Campingplatz.“ Tja, leider nicht. Die zahlreichen Anstiege, die noch vor uns lagen, leeren die Akkus endgültig. Allerdings, und das ist das Positive: Etliche richtig lässige Trails bergab waren auch dabei. Sieben Stunden nach dem Start freuen wir uns auf unser Mobilehome. So richtig.

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An diesem zweiten Tag wurde uns klar, dass das mit cooler Downhill-Action nix werden wird, sondern wir immer auch ordentlich treten werden müssen. Fotograf Urs legt am dritten Tag einen Ruhetag ein und der Rest von uns macht sich auf, den unteren Teil des Turini-Sospel-Trails zu erkunden. Auf der Karte sieht das nicht so wild aus: Lockere Runde mit ein paar Höhenmetern. Zwei Faktoren vermiesten uns dann das Vergnügen: Erstens meinte es der Wettergott nicht gut mit uns und zweitens – Überraschung! – stimmen die Angaben zum Trail nicht mit der Realität überein. Dafür entlohnt uns die urige Landschaft in der einsamen Bergwelt. Ganz alleine durchfahren wir Schluchten und Täler, der Trail endet kurz oberhalb von Sospel. Das Fazit des Tages: Kurze Runde, aber wieder 1128 Höhenmeter gefahren und für 21 Kilometer über drei Stunden unterwegs gewesen. Dies führt uns zur Erkenntnis, dass für Erkundungen dieser Art die Zeit zu knapp ist und wir ab morgen, wenn die SRSuntour Jungs kommen, shutteln werden.

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Wir nehmen also Kontakt mit der Cool Bus Mafia auf, das Shuttleunternehmen vor Ort, und buchen für zwei Tage ein Shuttle für uns. Die Locals gaben uns dann auch gerne Tipps, welche die idealen Trails für Fotos waren, sodass wir keine Zeit mehr mit Orientierung und Trail-Suchen verlieren würden. Als am nächsten Tag die Fahrer eintreffen, verwandelt sich der Campingplatz zuerst einmal in eine Open-Air-Bike-Werkstatt. Schließlich müssen die neuen Gabeln eingebaut und eingestellt werden. Die Ein rollrunde fahren wir wieder hoch nach Moulinet, um den kurzen Trail vom Vortag zu fahren. Ganz Profi dreht Tom ein Video für die Red Bull Gemeinde und ein paar Bilder haben wir danach auch im Kasten. Es war 13 Uhr und die Jungs waren heiß aufs fahren. „Der Trail schnell zum Campingplatz wird sich doch wohl ausgehen!“ Ging er sich auch, unsere geplante Nachmittagsausfahrt mit Shooting dann allerdings nicht mehr. In der Mitte des Trails gab es nämlich eine Tragepassage. Diese 450 Höhenmeter warfen unseren Zeitplan komplett über den Haufen und zu mehr als einem Bier und einem Sandwich in der Bar Central hat es an diesem Tag nicht mehr gereicht. Der Trail selbst war aber Wahnsinn: Sehr verblockt und steinig, aber hat richtig Spaß gemacht.

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Jetzt sollten wir aber endlich shooten! Deshalb heißt es am kommenden Morgen: ab mit der Cool Bus Mafia Richtung Breil sur Roya, hier wurde ein neuer Trail angelegt. Auf dem Plateau angekommen wirft uns zuerst einmal das Panorama um: Auf der anderen Bergseite liegt schon Italien. Harald erzählt uns, dass hinter dem Berg sein Haus steht. Auf dem Trail will mans richtig krachen lassen: cool, flowig und offen, kein Gestrüpp oder Wald wie bei denen, die wir bisher gefahren sind. Allerdings: Wir sollen ja Bilder machen. Deshalb heißt es fahren, wieder rauf, nochmal fahren, das zieht sich. Nach dem wohlverdienten Mittagessen fahren wir auf Sospels Hausberg, den Agaisen, eine alte Bunkeranlage rauf. Von hier führt der Mont Agaisen-Trail bergab durch offenes und schnelles Terrain. Abend packen wir den Grill aus und machen uns einen gemütlichen Abend am Campingplatz. Beinahe gemütlich halt, denn für die Jahreszeit ist es an der Côte d’Azur viel zu regnerisch und kalt. An unserem letzten Tag shuttelten wir nochmal auf den Col di Turini. Trotz des anhaltenden Regens war der Waldboden gut zu fahren und nicht zu schlammig. Tom und Harald waren begeistert, auch die Sonne kam wieder raus und wir fuhren bis nach Moulinet runter, wo wir uns noch einen Café in der Dorfkneipe gönnten. Dann zurück zum Campingplatz und ab nach Hause – der Kurztrip war zu Ende.

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Auf der Heimfahrt rekapitulieren wir unseren Biketrip. Erstens: Rund um Sospel gibt es ein riesiges Wegenetz, das richtig ürsprüngliches Biken wie in den Anfängen ermöglicht – Karte anschauen, sich einen Trail raussuchen und los gehts. Zweitens: Das gesamte Gebiet ist ziemlich anspruchsvoll, daher empfiehlt sich ein Bike mit ordentlich Federweg. Drittens: Es geht ständig rauf und runter, daher gibt es hier für Parkfahrer nichts zu holen. Endurofahrer, die es gewohnt sind auch mal 50 Kilometer mit 2.000 Höhenmetern zu treten, finden hier aber einen abwechslungsreichen Spielplatz. Denn viertens: Das Gelände gibt alles her, wovon Biker träumen! Vom weichen Waldboden bis zu steinigen verblockten Trails ist hier alles zu finden. Es ist ein krasser Gegensatz zu Finale Ligure, wo hoch geshuttelt und runter geballert wird. Das kann man hier zwar auch machen, aber nicht in diesem Umfang und trotzdem muss man immer mit ein paar Höhenmetern Anstieg rechnen. Richtung Monaco gäbe es noch unzählige weitere Trails. Fünftens: Kein Wunder, dass die Franzosen so gut fahren. Sie haben hier ein riesiges Gebiet an technisch anspruchsvollen Trails. Und zu guter Letzt: Wer hierher zum biken kommt, sollte schon ein paar Kilometer in den Beinen haben, ansonsten wird der Trip zur Tortur. Und unter einer Woche Zeit ohne An- und Abreise zahlt sich die Strecke nicht aus, denn man kann sich keinen Überblick über die Möglichkeiten verschaffen. Trotzdem: Au revoir à Sospel!.

Infobox

ANREISE.
Von München über Autobahn Lindau nach Bregenz, weiter bis Chur. Dann über den St. Bernhardpass an Mailand vorbei Richtung Genua. Auf die SS1 Richtung San Remo, weiter bis zur Landesgrenze Frankreich nach Menton; von hier aus geht es rechts hoch nach Sospel.

UNTERKUNFT.
• La Barca Blue***
Route du Col de Castillon, 06380 Sospel
www.aubergeprovencale.fr
• Auberge Du Pont Vieux
D3 Avenue Jean Medecin, 06380 Sospel
• Le Saint Pierre
14 Rue Saint-Pierre, 06380 Sospel
www.sospello.com

CAMPING.
• Le Mas Fleuri
La Vasta Superieure, 06380 Sospel
www.camping-mas-fleuri.com
• Domaine Sainte Madeleine
Route du Moulinet, 06380 Sospel
www.camping-sainte-madeleine.com
• www.hymer.com

ESSEN.
• La Cabraia
1 Palace de Cabraia, 06380 Sospel, T. +33493040054
• Bar Centrale
Palade de Cabraia, 06380 Sospel, T. +33493040138

BIKENGUIDE:
• DCool Bus
www.thecoolbus.co.uk

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