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SKIDURCHQUERUNG - Vorarlberg


Text & Bilder: Petra Rapp

ski ride vorarlberg

Ski ride Vorarlberg

Powdern im Luxus

In einer Woche von Nord nach Süd

Es hat die ganze Nacht durchgeschneit im Kleinwalsertal. Frau Holle scheint nach sehr kalten, aber schneearmen Wochen jetzt endlich aufgewacht und mitspielen zu wollen in dieser Woche, die per se schon Außergewöhnliches verspricht: sieben Tage auf Ski quer durch Vorarlberg – vom Kleinwalsertal im Norden bis ins Montafon im Süden. Freeriden, Tourengehen und Skifahren durch fünf Destinationen – so wie es kommt und es die Verhältnisse zulassen.

In kleiner Gruppe mit maximal sechs Personen, mit professionellem Ski- und Bergführer, Übernachtungen in schönen Unterkünften mit bester lokaler Kulinarik – und mit einem Tourguide, der sich am Einführungsabend als „brain of the group“ vorstellt. Heißt: Die Teilnehmer brauchen sich um absolut nichts zu kümmern. „Fühlt Euch wie eine Band auf Tournee. Ihr sollt einfach nur Spaß haben und genießen! Um den Rest kümmere ich mich,“ sagt Andreas in seiner ruhigen, besonnenen Art, die schon mal eine sehr gute Basis verspricht. Er hat selbst fünf Kinder, kennt sich folglich aus mit allen menschlichen Belangen und organisatorisch kann ihn deshalb auch garantiert nichts mehr schocken.

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Viel Spaß im Kleinwalsertal

Lukas, Ski- und Bergführer aus dem Montafon, sagt, wie er seinen Job diese Woche hier versteht. „Wir setzen uns jeden Abend zusammen und besprechen gemeinsam, wie die Touren am nächsten Tag aussehen sollen. Die Schneelage ist derzeit alles andere als einfach und mein wichtigstes Ziel ist, dass wir alle wieder gesund und sicher nach Hause kommen.“ Am nächsten Morgen hoch oben an der Bergstation des Walmendinger Horns, wo die Sonne allmählich die dichten Schneewolken der Nacht vertreibt und einen grandiosen Blick auf das tiefverschneite Bergpanorama freigibt, heißt es deshalb erst einmal, raus mit Piepser, Schaufel und Sonde und sich von Lukas die wichtigsten Regeln und Verhaltensweisen für den Ernstfall einbläuen lassen. Bei der derzeitigen Lawinenwarnstufe 4 mehr als ein Muss, weshalb er die Gruppe später auch noch einmal im Gelände intensiv den Notfall sehr realistisch unter Zeitdruck üben lässt. Das macht er richtig gut, so dass jedem die alpinen Gefahren sehr bewusst werden.
An diesem Tag hat lockeres Einfahren Priorität, was im frischen, tiefen Powder der pistennahen Hänge schon einmal ziemlich viel Spaß macht. Erstes Beschnuppern, wie alles so passt, skifahrerisch und menschlich in der Gruppe. Per aus Dänemark ist anfangs etwas überfordert, bis ihm Andreas kürzere Ski organisiert, womit es dann bei dem immer gut gelaunten Dänen gleich viel besser und sturzfreier geht. Andrew, skifahrerischer Freigeist aus Vancouver ist extra am Vortag angereist, um bei diesem Skiride die Alpen besser kennenzulernen. Nach einem letzten begeisterten Powerdrun hinunter von der Bühlalpe durch die sicheren Hänge der Prärie, ist er dann - vom Jetlag geplagt - aber doch froh, als ihn der öffentliche Skibus zurück in Haller’s Genusshotel (www.hallers.at) in Mittelberg bringt, das übrigens seinem Namen alle Ehre macht.

Am nächsten Tag Wechsel der Talseite hinüber in Richtung Hoher Ifen (2.228 m). Die Lawinengefahr ist weiter sehr groß, die Wetterprognose nicht berauschend, so dass aus der geplanten langen Skitour nichts wird. Also Ski plus und mit der Ifenbahn hinauf bis zur Bergstation auf 2030 Meter, dort Felle rauf und ein kurzer Aufstieg Richtung Hahnenköpfle (2077 m). Dort will Lukas entscheiden, ob eventuell je nach Sicht doch der Ifen-Gipfel und dann die lange, eigentlich wunderschöne Tourenabfahrt hinunter nach Schönenbach im Bregenzerwald, der zweiten Station des Ski-Rides, machbar sind. Die Entscheidung wird ihm relativ leicht gemacht, nachdem der Nebel so dicht wird, dass selbst Elmar, der im Kleinwalsertal aufgewachsen und das Tal und die Berge dort wie seine Westentasche kennt, sich nicht mehr wirklich im Whiteout zurechtfindet und selbst der Versuch zum Hahnenköpfle vernünftigerweise abgebrochen werden muss. Schade, aber ein paar schöne Runs auf der bestens präparierten Olympia-Piste machen dann auch Spaß, bevor Andreas die Gruppe mit dem Tourbus hinüber über den Riedbergpass in den Bregenzerwald und dort ins idyllische, frisch renovierte und von Mariette und Hubert liebevoll geführte Jagdgasthaus Egender (www.jagdgasthausegender.at) nach Schönenbach shuttelt, wo am Abend in der gemütlichen Stube des Naturholzhauses die berühmten „Käsknöpfle“ und selbst gebrannter Enzianschnaps warten.

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Arlberg im Sonnenlicht

Am nächsten Tag am frühen Morgen mit aufgehender Sonne gondelt die Truppe in klirrender Kälte per Bus-Skijöring die einsame Straße hinunter nach Bizau. Von dort geht es weiter im Shuttle über den Hochtannberg/ Auenfeld nach Warth. Den Widderstein (2533 m) als markante Grenze zum Kleinwalsertal im Rücken, wartet ein zwar bitterkalter, dafür umso sonnigerer Tag mit frischem Pulver am Arlberg. Ein grandioser Tag in der Wiege des alpinen Skisports, auf weiten, weißen Hängen, wo Spuren in schöner, symmetrischer Reihe nebeneinander zeigen, dass erste Gruppen bereits im Offpiste unterwegs waren. „Die Guides weisen ihre Kunden darauf hin, dass sie nur immer nebeneinander abfahren sollen, dann bleibt am meisten Powder für alle. Ansonsten wären die Hänge hier im Nu kreuz und quer zerfahren“, erklärt Lukas. Warth, Saloberkopf, Steinmähder, Zugertobel, hinüber nach Zug, später kurzes Verschnaufen und Kräfte tanken in der noblen, modernen Skihütte „Der Wolf“ (www.derwolf.ski), wo von so manch Arlberg-Klientel fette Edel-Burger mit noch fetteren Champagnerflaschen hinuntergespült werden. Gestärkt und mit neuem Schwung geht es hinab ins Tal, mit der Rüfikopfbahn wieder hinauf und variantenreich weiter auf den Spuren des Weißen Ring in Richtung Hexenboden, nach Zürs und viele Powder- und Höhenmeter später ziemlich glücklich zurück ins autofreie Oberlech zur Übernachtung im Hotel Goldener Berg (www.goldenerberg.at).

Das Wetter ist auch am nächsten Morgen stabil schön, die prekäre Lawinenlage allerdings auch. Wir sind herübergekommen mit der hochmodernen neuen Flexen- und Albonabahn, sitzen im Albonagratstüberl auf 2358 Metern und beraten. Eigentlich war der Plan, mit den Fellen in Richtung Maroiköpfe aufzusteigen, um von dort via Klostertal über den Sonnenkopf ins Silbertal ins Montafon zu gelangen. Doch das „eigentlich“ hat sich angesichts der großen Lawinenkegel und noch nicht abgegangenen Schneefelder oberhalb der Aufstiegsspur dann für uns schnell erledigt, obwohl sich bereits einige andere Gruppen drüben auf den Weg gemacht haben. „Für mich ist das unverantwortlich“, meint Lukas. Er hat viel mit anderen Ski- und Bergführern telefoniert am Morgen und kann sich selbst nicht daran erinnern, hier schon mal eine ähnliche Situation mit so vielen selbstauslösenden Lawinen erlebt zu haben. „Es ist ganz eigenartig, normalerweise ist der erste Tag nach großen Schneefällen der gefährlichste. Aber hier und jetzt ist es total anders, so dass es trotz des stabil schönen Wetters jeden Tag gefährlicher wird. Aber das liegt wohl an der eisigen Kälte, dem starken Wind derzeit und dem eigenartigen Schneedeckenaufbau in diesem Winter.“ Seine ganz klare Ansage für das Skiride-Team deshalb: Die Felle bleiben in den Rucksäcken, Pisten rocken hinunter nach Stuben statt Höhenmeter hinauf schwitzen. Alle stehen voll hinter seiner Entscheidung. Bindung also wieder verriegeln, Abfahrts- statt Aufstiegsmodus bei den Schuhen und los geht’s bei zum Teil stürmischem Gegenwind nach Stuben und von dort zur nächsten Station ins Skigebiet Sonnenkopf im Klostertal, Heimat von Freeriderin Nadine Wallner. Das kleine Skigebiet ist trotz der neuen Flexenbahn, mit der das Areal jetzt näher an den Arlberger-Skizirkus gerückt ist, mit seinen weiten, unverbauten Hängen immer noch ein echter Geheimtipp für Freerider sowie die Pisten und Lifte ein Paradies für Familien mit Kindern.

ski ride vorarlberg

Es folgt ein knapp einstündiger Aufstieg bei strahlendem Sonnenschein zum Muttjöchle (2074 m) – eine wahre Genusstour in leichtem Gelände, bei der es allerdings auch manchmal leicht unter den Füßen „wummt“, wenn sich die Schneedecke setzt. Für jeden ein Zeichen, nicht übermütig zu werden und angesichts des eigentlich so ungefährlichen Geländes samt seiner Schönheit drumherum die überall lauernden alpinen Gefahren eventuell zu vergessen. Die Abfahrt vom Gipfel hinunter ins Silbertal ist dagegen extrem fordern. Schwerer Schnee, alte Lawinenfelder in engen Waldschneisen, unübersichtliches Gelände – jeder ist froh, als sich weiter unten ein schneebedeckter Weg auftut und wir die Bretter einfach nur noch ins Dorf hinunterlaufen lassen können. Im ersten Gasthof, den wir entdecken, wird erst einmal der ins Defizit geratene Flüssigkeitshaushalt wieder ins Lot gebracht, bevor in Tschagguns im urigen Gasthof Löwen mit viel Lokalkolorit und regionalen Köstlichkeiten die letzte Etappe der Ski-Ride-Vorarlberg- Tour in der Region Montafon beginnt.

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Montafon - Abseits des Trubels

Wieder ein strahlender Sonnentag und ein Panorama wie im Bilderbuch im Montafon, wo wir in Schruns ins riesige Skigebiet Silvretta-Montafon einsteigen, die stark frequentierten Pisten des beliebten Skigebietes schnell verlassen und ein paar schöne Variantenabfahrten mitnehmen, bevor wir uns der Ski entledigen, in den Klettergurt schlüpfen und uns von Lukas ans Seil nehmen lassen. Wir kämpfen uns den verschneiten, aber dank Neuschnee sogar ohne Steigeisen relativ gut zu meisternden Klettersteig hinauf auf die Zamangspitze (2386 m), wo ein grandioser Blick auf die gesamte Alpenwelt rundherum wartet. Lukas ist die Abfahrt hinunter nach St. Gallenkirch, die längste Variantenabfahrt im Montafon überhaupt, heute zu heikel, so dass wir wieder zu Fuß absteigen. Macht auch nichts, es warten auch hier noch sehr schöne, nahezu unbefahrene, weil zum Teil versteckte und nur dank einheimischem Bergführer gefundene Powderhänge und Rinnen, mit denen uns Lukas mehr als entlohnt. Zu viele schöne Eindrücke, von denen keiner lassen will, so dass die Zeit viel zu schnell verfliegt und die geplante Tour in den Gargellen hinauf zur Schweizer Grenze nicht mehr drin ist. Aber auch hier kennt der Schrunser Bergführer jeden Meter und führt die Gruppe zu einer beeindruckenden Variantenabfahrt unterhalb des Gafierjoch (2415m) mit noch unberührtem Powder und grandiosem Blick auf Madrisa (2.770m) und die umliegenden Gipfel der Gargellen, wo noch viele Hänge verlockend herüberleuchten. Ja, es ist noch was nachzuholen, was die Verhältnisse diesmal verwehrten und es gibt noch verdammt viel Neues zu entdecken hier. Fazit: unbedingt wiederkommen! „Muntafu“, wie die Einheimischen hier sagen, wie auch die anderen Regionen Vorarlbergs haben sehr beeindruckt in dieser perfekt organisierten Ski-Ride-Woche, wo aus Fremden sehr schnell Freunde geworden sind.

Info Box

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ANREISE.
  • Von München (ca. 2,5 Stunden): A96 Richtung Memmingen bis Ausfahrt 22-Jengen/ Kaufbeuren – B12 bis Kempten – A7/A980 Richtung Füssen/Lindau/Oberstdorf – Ausfahrt 3 - Waltenhofen – B19 bis Oberstdorf – B19/B201 Walserstraße bis ins Kleinwalsertal
  • Von Innsbruck (ca. 2,5 Stunden): A12 Richtung Arlberg – Ausfahrt Mötzer Landesstraße – B179 Fernpassstraße – Grenztunnel Füssen – A7/A980/B19 bis Oberstdorf – B19/B201 Walserstraße bis ins Kleinwalsertal
  • Von Zürich (ca. 3 Stunden): A1 Richtung St. Gallen/Winterthur bis Grenzübergang Lustenau – B203/B204 nach Dornbirn – Auffahrt auf A14 in Dornbirn Süd – Ausfahrt Dornbirn Nord auf L200 Richtung Alberschwende – L200/B205/L5 bis Fischen im Allgäu – B19 Richtung Oberstdorf - B19/B201 Walserstraße bis ins Kleinwalsertal
DETAILLIERTE INFORMATIONEN.



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