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KING OF DOLOMITES - San Martino de castrozza


Cima Tosa Bergstolz Nr. 73

BACK ON TRACK TEAM

Autor: RAPHAEL ÖTTL | Fotos: STEFAN KOTHNER

Die Dolomiten – ein ganz besonderer Fleck, wenn man den italienischen Stiefel auf der Landkarte einmal genauer betrachtet. Und ganz bestimmt nicht nur im Sommer ein Garant für den perfekten Urlaubsspot.

Mit so viel Schnee wie seit 50 Jahren nicht mehr und einer Niederschlagsmenge von über 20 Metern ging die Wintersaison 2014 in die italienischen Geschichtsbücher ein und mir deshalb nicht mehr aus den Gedanken. Wie es der Zufall so will, stolperten wir bei unseren Recherchen über das italienische Powder Paradies über den jährlich stattfindenden Fotocontest King of Dolomites. Ein Event, der nun schon seit dem Jahre 2013 im Herzen der Dolomiten veranstaltet wird. Somit war der Plan klar, dass Back on Track Team zu mobilisieren und noch einen Fotografen ausfindig zu machen, der Bock auf ein Wochenende mit Pizza, Espressi und Italo Disco hat.

Cima Tosa Bergstolz Nr. 73

Die Jungs – Andi und Benji – waren gleich hell auf begeistert von der Idee und nach einem kurzen Telefonat stand auch fest, dass Stefan unser Mann hinter der Linse sein wird. Stefan war bereits gut auf uns eingeschossen und wusste um unsere Stärken und die eine oder andere Schwäche. Am Donnerstagabend war es dann so weit und wir sattelten die Pferde – in unserem Fall Andi‘s T4, den er liebevoll Berta nennt – und fuhren voller Vorfreude in Richtung Dolomiten. Nach einem kurzen Zwischenstopp am Brenner zur Betankung des Pferdes und zur Besorgung von Fressalien und ein paar Lagen Bier ging die Reise weiter Richtung San Martino di Castrozza.

Bereits auf der Autobahn gab uns Berta unmissverständlich zu verstehen, dass die eine oder andere Lage Bier vielleicht doch zu viel war. Dies war am schwarzen Rauch im Rückspiegel und dem leicht öligen Geruch zu erahnen. Shit happens… und so machten wir uns daran, das Übergewicht durch Vernichtung der Biervorräte deutlich zu reduzieren – wir hatten ja keine Wahl.Nach gut viereinhalb Stunden ging es über den letzten Anstieg auf den 2.000 Meter hoch gelegenen Passo Rolle. Ihm zu Fuße liegt das gut 500-Einwohnerstarke Dörfchen San Martino di Castrozza oder wie es auch altdeutsch heißt: Sankt Martin am Sismunthbach.

Endlich angekommen, wich die anfängliche Euphorie dann doch der bitteren Realität, was der vorhandenen, doch sehr mageren, Schneelage zu schulden war. Erste Zweifel kamen auf, die Hoffnung auf einen erneuten Jahrhundertwinter war schnell verflogen. Wie wir im Nachhinein erfahren haben, kam der erste Schnee erst zwei Wochen vor uns in den Dolomiten an und dieser fiel eher spärlich aus. Unser erster Weg führte uns zum KoD-Organisationsteam, bei dem wir die ganzen Formalitäten erledigen und unser Team zum Fotoevent anmeldeten. Das Contestformat ist relativ simpel gehalten, die einzelnen Teams haben drei Tage Zeit, im Skigebiet rund um San Martino di Castrozza den einen „Bangershot“ zu ergattern.
Der Zeitplan war knapp, der Abgabetermin für die Bilder auf Samstag 23:59 Uhr festgelegt. Somit blieben uns der Freitag sowie der Samstag um die Fotos für die vier Kategorien Landscape, Line, Action und Alpinism zu schießen und einzureichen.

Cima Tosa Bergstolz Nr. 73

Pro Kategorie darf jeweils nur ein Bild pro Team eingereicht werden. Es wurde zwischen Pro Team (Professionellen Rider/Fotografen) und Wannabe Team (Amateure) unterschieden. Das BOT-Team startete unter der Wannabe-Flagge.

Bei einem späteren get together wurde die Marschroute für den kommenden Tag besprochen. Auf Grund der Schneelage, die wie bereits erwähnt doch sehr zu wünschen übrigließ, musste improvisiert werden und das Ganze auch noch in einem für uns vollkommen unbekannten Gebiet. Das Ziel für den morgigen Tag war also fixiert, ein Secret Spot mit massig Schnee musste gefunden werden, um die ersten guten Shots in den Kasten zu bekommen… das kann ja nur schiefgehen!

So begann der Freitag wie der Donnerstag geendet hatte: etwas überfordert und verplant. In aller Herrgottsfrühe versuchten wir beim gemeinsamen Frühstück die Gegend zu kartographieren und einen unserer Ansicht nach fotogenen Spot ausfindig zu machen. Das südlich von San Martino di Castrozza gelegene Val Canali wurde dabei ins Auge gefasst. Nach gut eineinhalbstündigem Zustieg in das Tal ging es ans Eingemachte und wir holten das bestmögliche aus den bescheidenen Verhältnissen heraus. Nach anstrengenden dreizehn Stunden auf den Beinen und gefühlten 3.000 geschossenen Bildern ließen wir den Tag bei Pizza, Pasta, Insalata Mista und zwei, drei Gläschen Vino Rossa gemütlich ausklingen. Die Ausbeute war überschaubar, ein paar nette Bilder waren schon dabei, aber mit „nett“ gewinnt man eben keinen King of Dolomites. Frau Holle hatte Erbarmen und schenkte uns über Nacht gute 10 cm frischen Powder. Der Samstag startete mit Bluebird, was für Bombenstimmung im gesamten Team sorgte. Da im Tal kaum Schnee lag, konzentrierten wir uns auf die höheren gelegenen Gefilde. Somit war der Gang zur Gondelbahn Colverde obligatorisch.

Cima Tosa Bergstolz Nr. 73

Der Gebirgsstock, der sich aus Cimon della Pala, Vezzana, Rosetta und Sass Maor zusammensetzt, thront eindrücklich vor dem kleinen Dörfchen und gehört zum UNESCO Weltkulturebe, wie wir später erfuhren.

Nach einem schnellen Espresso in der Mittelstation und der Auffahrt zur Cima Rosetta auf über 2.700 Meter, nahm Stefan das Gebiet mit seiner Kamera unter Beschuss und wir sorgten mit unseren Brettern für reichlich Action in der sonst so stillen Winterlandschaft. Um ehrlich zu sein, es war ein schmaler Grat zwischen fetten Powderturns und der totalen Zerstörung unserer Sportgeräte. Unter der dünnen Schneedecke warteten die hungrigen Sharks, um zuzubeißen. Doch die eindrückliche Szenerie und der unverkennliche Dolomitenflair ließen jeden Gedanken an Materialschäden als nichtig erscheinen.

Zu Mittag zog eine Schlechtwetterfront auf und die meisten Teams, die denselben Spot wie wir auserkoren hatten, zog es talwärts. Die ersten Schneeflocken drangen durch den Nebel und die Stimmung am Berg wurde ganz speziell. Bereits bei der vorherigen Auffahrt zur Cima Rosetta fiel mir eine markante Schneise neben der Bergstation auf. Nach einer kurzen Klettereinlage befanden wir uns in der besagten Bergschneise, die durch den eingesetzten Schneefall mit demensprechend viel Wind eine surreale Umgebung bot. Der styroporartige Schnee klebte wie Zuckerwatte an den dunklen Felswänden und sorgte für Übermotivation beim ganzen Team.

Cima Tosa Bergstolz Nr. 73

Wir fackelten nicht lange und setzen einige Turns in die enge Verschneidung, immer im Fokus der Kamera. Eine Stunde später waren die ersten Hammerbilder im Kasten und wir waren froh, dass wir nicht ins Tal zurückgefahren waren oder anders ausgedrückt: zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren!

Immer noch unter Strom und mit noch genug Zeit – beziehungsweise Tageslicht –übrig, um noch das eine oder andere Bild zu schießen, entschieden wir einstimmig weiterzumachen. Bei der anschließenden Talfahrt kam uns der Passo Rolle, der uns schon bei der Anfahrt mit seiner Lage und Weitläufigkeit schwer beeindruckt hatte, wieder in den Sinn. Andi holte nochmals alles aus der Berta raus und wir erreichten knapp vor Sonnenuntergang den Alpenpass. Nach ein paar Minuten Aufstieg und einem Puls weit über 180 musste es jetzt aber sehr schnell gehen, der Sunset setzte ein und die letzten Sonnenstrahlen ließen den Spot schon fast kitschig erstrahlen. Nach einem einzigen Turn war der Spuk auch schon vorbei und mit ihm auch das letzte Tageslicht, die Nacht legte sich über das verschlafene italienische Tal hinweg. Was für eine Stimmung!

Zurück in San Martino di Castrozza kümmerten sich Andi, Benji und meine Wenigkeit um die Vernichtung des restlichen Biervorrates. Stefan hingegen gab den Bildern am Mac noch den letzten Schliff. Mit der Abgabe der Bilder zur Deadline fiel uns ein Stein vom Herzen und man merkte allen Beteiligten die Erleichterung an.
Jetzt hieß es „Party on“ Skihose und Jacke wurden gegen Jeans und T-Shirt getauscht. Bei bestem Italodiscosound im Club Iceberg dancten wir nach dem Motto „how low can you go“ noch bis in die frühen Morgenstunden.

Cima Tosa Bergstolz Nr. 73

Der Sonntag startete etwas holprig mit leichten Kopfschmerzen, was mit hoher Wahrscheinlichkeit an der Föhnfront lag, die aktuell durch San Martino di Castrozza zog. Gott sei Dank konnte die eine oder andere Erinnerungslücke beim gemeinsamen Kaffee und Croissant wieder vervollständigt werden. Wieder wurde die Berta mit Skiern, Board und Fotoausrüstung beladen und es ging wie am Vortag, doch eindeutig relaxter, Richtung Passo Rollo.

Wir ließen es uns nicht nehmen noch den einen oder anderen Turn in den italienischen Schnee zu setzen, was sich samt Hangover als gar nicht so einfach herausstellte. Auf der Bergütte Baita G. Segantini gönnten wir uns nach einem leckeren Espresso eine Siesta, bevor wir wieder nach San Martino di Castrozza zur Preisverleihung zurückkehrten.

Gegen 17:00 Uhr fanden sich alle Teams im Zentrum des Dörfchens ein. Man traf das eine oder andere bekannte Gesicht und es wurden viele actionreiche Geschichten der erlebten zwei Tage ausgetauscht. Die Anspannung machte sich bemerkbar und alle konnten es kaum noch erwarten, bis es endlich losging. Nach ein paar einleitenden Worten von den Veranstaltern ging es dann auch bereits ans Eingemachte und die einzelnen Kategorien wurden mit Gewinnerbild präsentiert. Mit unseren Gedanken noch am Berg und den Füßen in den Skischuhen erschien bereits eines unserer eingereichten Bildern auf der Leinwand… first Place Category Action – Team Back on Track! schallte es durch die Boxen. Wir waren vollkommen aus dem Häuschen und konnten es nicht glauben… auf der hausgroßen Leinwand war tatsächlich unser Bild. Es geht nicht besser, oder doch? Oh ja es geht noch besser – Again… first Place Category Landscape!! – Team Back on Track!! Noch etwas überrascht und total geflasht über den Gewinn der Kategorie Action konnten wir nun auch Landscape für uns verbuchen.

Stefan, unser Mann hinter der Kamera, stürmte nach vorne, er war nicht mehr zu bremsen. Wie geil, wir haben in zwei von vier Kategorien abgeräumt. Um das ganze noch einmal in Zahlen zu verdeutlichen: Mit dabei beim KoD waren 25 andere Teams, die jeweils auch für vier Kategorien ihre Shots einreichten. Somit haben sich unsere zwei Siegerbilder gegen hundert andere eingereichte Bilder durchsetzen können.

Cima Tosa Bergstolz Nr. 73

Was uns sehr freute, auch unsere altbekannten Kollegen von der Puder Crew konnten den Special Moment Gewinn für sich verbuchen. Bei ausgelassener Stimmung wurden die einzelnen Gewinnerbilder besprochen und der Abend wurde doch noch länger als gedacht. Hundemüde aber überglücklich ließen wir das Wochenende ausklingen und machten uns dann auf den über 300 Kilometer langen Heimweg.

Da wir selber Veranstalter des Back on Track Feel Freeride Contest sind wissen wir was es bedeutet, einen solchen Event auf die Beine zu stellen. Vielen Dank und big up an das gesamte King of Dolomites-Team! Für uns ist klar, die Dolomiten haben uns bestimmt nicht zum letzten Mal gesehen. Auch wenn es kein Jahrhundertwinter und die Schneelage überschaubar war, ist und bleibt das einer der besten Trips, den wir je unternommen haben, ganz nach dem Motto "one for the books"

Mit von der Partie waren die Back on Track Rider Andreas ‚Andy‘ Portenschlager, Bernhard ‚Benji‘ Fink und Raphael ‚Schneemann‘ Öttl sowie Stefan Michael Kothner als Fotograf.

INFO BOX

King of Dolomites Bergstolz 73

King of Dolomites – der Foto Freeride Contest der besonderen Art in Mitten der Dolomiten: Ein Team bestehend aus Ridern und Fotografen versuchen in drei Tagen die besten Powder Shots einzufangen. Unterschieden wird in Profi und Amateur Kategorie. Die Shots dürfen ausschließlich in umliegenden Gebiet von San Martino di Catrozza gemacht werden.
www.kingofdolomites.com





ANREISE.
  • Mit dem Auto von Westösterreich über den Brenner nach Bozen und dann weiter nach San Martino di Catrozza.
    www.sanmartino.com

UNTERKUNFT.

BACK ON TRACK.
  • Community, Plattform, Contest - hier gehts ums leidenschaftliche Freeriden in Vorarlberg, Winter wie Sommer. Dahinter steht ein 2012 gegründeter Verein mit dem Ziel, gemeinsam so viel Zeit wie möglich Outdoor zu verbringen. Ob beim Freeriden im Skigebiet, auf Tagestouren, mehreren Tagen auf Selberversorgerhütten oder beim Hochalpinen Touren – uns (Samuel, Bernhard, Raphael und Andreas) verbindet die Leidenschaft am Sport und der Natur.
  • Seit 2013 veranstalten wir jährlich den “Back on Track – Feel Free Ride Contest“, der mit einzigartigem Format zum Fixtermin für die länderübergreifende Freeride Community geworden ist. Ohne die Unterstützung unserer Partner wäre das nicht möglich – daher geht unser Dank an Stefan Kothner Fotografie, Jones Snowboards, Black Crows Skis, Fritschi Swiss Bindings und Koch Alpin.

www.bot-freeride.at
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