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FREERIDE & FIRN - Shades of Winter Camp Gastein


Freeride & Firn Winter Camp Gastein

Autor: Julia Schwarzmayr Fotos: Sam Strauss für Lifeproof

Freeriderinnen sind für mich wie Lottomillionäre – ich weiß, dass es sie gibt, in meinem Bekanntenkreis sind sie aber bisher nicht aufgetaucht. Ein Mädels Freeride Camp ist also der „Millionairs Club“ meiner Welt. Als sich im letzte Winter die Gelegenheit ergibt, beim Shades of Winter Camp in Gastein dabei zu sein, bin ich logischerweise sofort dabei.

An Shades of Winter und Sandra Lahnsteiner, der treibenden Kraft dahinter, kommt man seit Jahren, wenn es um Freeriden beziehungsweise Freeridederinnen geht, nicht herum. Mit den Filmen, die internationale Aufmerksamkeit bekommen haben, den Freeride-Camps, die sie seit 2011 für Damen organisiert und dem umfangreichen und dem schon fast omnipräsenten Social- Media-Auftritt ist Shades of Winter mittlerweile DIE Female Freeriding Institution. Von einem der allerersten Camps wurde mir abenteuerliches berichtet, aber hey! Es heißt ja, man soll öfter mal was Neues ausprobieren!

Ende März: Ich packe mein Auto und nehme mit – nichts, was ich sonst nicht auch für einen Dreitages-Skitrip dabei hätte. Also mehrere Paar Ski, Stöcke, Skischuhe, Helm, Goggles, Piepser, Schaufel, Sonde, Ersatzbatterien, Lawinenairbag, Handschuhe, Sonnenbrille, und nicht zu vergessen jede Menge Funktionsbekleidung für alle möglichen und unmöglichen Lebenslagen und Wetterbedingungen. Sicher ist sicher.

Freeride & Firn Winter Camp Gastein

In Gastein, also zumindest in Sportgastein, war ich schon mal mit Freunden unterwegs, das Gelände hat mich umgehauen. Mit dem zusätzlichen Expertenwissen von Sandra als Local sollten sich da einige gute Runs ausgehen. Im Salzburger Hof in Bad Hofgastein angekommen, steht einiges an breiten Latten inklusive Besitzerinnen herum. Sehr lange dauert es nicht, bis alle Mädels miteinander auf der Terrasse an einem Tisch sitzen, die Sonne genießen und quatschen. Sandra und Melissa Presslaber, die das Camp zusammen mit der Schneesportschule Gastein leiten werden, sind noch nicht mal da. Klischee „Girls talk“ – check, übererfüllt.

Gesprochen wird englisch: Die Teilnehmerinnen sind aus ganz Europa angereist, Katerina kommt aus Griechenland, Julia, Linnea und Erika sind aus Schweden eingeflogen, Anne aus London. Dazu kommen noch Marlene und Steffi, die in Salzburg Sport studieren, Eva aus dem Stubaital und Laura aus Deutschland. Das Zimmer teile ich mit Magda und Lena, die eine war in Engelberg bereits beim Camp dabei, die zweite kommt aus dem Kaunertal und hatte Sandra schon als Coach. Eine bunte Mischung also, die so nicht geplant war. „Mich überrascht die Reichweite von Shades of Winter selbst immer wieder, dass die Mädels von überall her zu den Camps kommen ist für mich faszinierend“, erzählt Sandra. Die Ursprungsidee zu den Camps entstand in ihrer Arbeit als Skilehrerin und Trainerin: „Mir hat das immer schon sehr viel gegeben, wenn ich jemandem weiterhelfen konnte, jemanden dazu bringen konnte, seine Grenzen auszuloten und ein Stück weit zu verschieben. Irgendwann ist mir aufgefallen, dass es keine Campangebote für Freeriderinnen gab. Da war der Gedanke geboren und 2011 startete ich mit dem ersten Girls Freeridecamp. Da stand keine kommerzielle Absicht dahinter, wir wollten einfach Mädels unterstützen, die im Gelände Skifahren und Spaß haben wollten.“

Freeride & Firn Winter Camp Gastein

Wie diese Unterstützung genau aussehen soll, wird nach dem Abendessen in einer offiziellen Kennenlernrunde geklärt. Während ein paar noch relative Neulinge im Gelände sind, fahren andere schon lange offpiste. „Wir können das fahrerische Niveau natürlich nicht im Vorfeld prüfen. In der Anmeldung steht, dass man sportlich auf schwarzen Pisten Skifahren können sollte und Geländeerfahrung von Vorteil ist. Das hat bisher immer wunderbar geklappt“, erklären Sandra und Mel. „Wichtig ist auch, dass man offen für Neues ist, sich weiter entwickeln möchte. Unser Ziel ist es, die Teilnehmerinnen zu pushen und ihnen zu zeigen, wie sie sich verbessern können.“

Dazu gehört auch, Verantwortung zu übernehmen. Es zieht sich in den Gesprächen wie ein roter Faden durch: Viele der Teilnehmerinnen sind es gewohnt, die Entscheidung, einen Hang zu fahren oder den LVS-Check durchzuführen den Männern und Jungs zu überlassen, mit denen sie unterwegs sind. „Unser Leitsatz ist ‚Connect – Inspire – Empower‘. Beim Thema Sicherheit geht es uns stark um Empowerment. Wir möchten euch dazu ermutigen, Verantwortung für euch und eure Skibuddies zu übernehmen. Auf einen LVSCheck zu bestehen. Darüber in der Gruppe zu sprechen, wenn euch bei einem Hang nicht wohl ist. Es geht nicht darum, die Spaßbremse zu sein. Es geht um euer Leben, und das eurer Freunde!“ stellen Mel und Sandra die Bedeutung von Risikomanagement klar.

Bei – man würde sagen Kaiserwetter – machen wir uns am kommenden Morgen auf nach Sportgastein. Das Gebiet liegt am hintersten Flecken des Gasteinertals und ist bei guter Schneelage direkt vom Mölltaler Gletscher über das Schareck zu erreichen. Nach LVS-Check und Überprüfung der Lawinenausrüstung geht’s endlich bergauf. Die Bergstation der Goldbergbahn liegt auf 2.650 Metern, das Frühlingspanorama bei diesem Wetter ist unbezahlbar. Aber nix ists mit trödeln, zuerst wird eine Runde eingefahren und dann geht’s in zwei Gruppen aufgeteilt ins Gelände. Ich freu mich wie ein Schnitzel, denn gleich als erstes fahren wir da rein, wo ich „mich auskenne“: in die klassische Nordvariante über die Kugelrinne. Das Gelände rollt an einer Engstelle so weg, dass es von oben nicht richtig einsehbar ist. Da der Schnee außerdem ziemlich kompakt ist, stellt schon die erste Einfahrt in die erste richtige Abfahrt eine kleine Herausforderung dar. Danach cruisen wir durch die hügelige Landschaft, bei jedem Stopp geben die Guides Tipps zur Skitechnik. Vermutlich nehmen alle Wildtiere gerade vor uns Reißaus, denn „leise“ ist anders, dafür hört man unser Lachen sicher noch kilometerweit. Am Forstweg unten angekommen marschieren wir zur Mautstelle, um uns mit dem Skibus wieder nach oben bringen zu lassen.

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Wieder rauf mit der Bahn, diesmal nehmen wir allerdings die Südseite. Wir queren beinahe rund um den Gipfel, schieben ein paar Meter nach oben auf den Grat und da liegt sie vor uns: Die Abfahrt ins Weissenbachtal. Das Gelände bietet ein paar Rinnen, kupiertes Gelände und absolut fabelhaften Firn. Außerdem sind wir die einzigen hier! Das ist direkt unglaublich. Der Run lässt einen fast vergessen, dass Powder das beste aller Dinge ist, so schön lässt es sich hier „Firnschmieren“. Gottseidank, bin ich versucht zu sagen – unten raus schiebt man nämlich ein ganzes Stück auf der Loipe zurück zum Lift. Bei den Frühlingstemperaturen kommt man da schon ziemlich ins Schwitzen. Trotzdem überall zufriedene und lachende Freeriderinnen.

Zurück beim Parkplatz hab ich gedanklich ein paar weitere Dinge auf meiner Liste „Klischees über Freeriderinnen“ mit einem Check versehen: Ja, es macht immer irgendwer Fotos (und ich rede nicht von Sam, dem Fotografen, der uns begleitet oder Johannes dem Filmer). Ja, irgendjemand muss garantiert aufs Klo. Und ja, auch Linsey Dyers Video „Shit skier girls say“ ist nicht total und hundertprozentig aus der Luft gegriffen: Heyyyyyy! Maaaarvellous! Woohoooooo! Wir amüsieren uns prächtig miteinander, niemand versucht auch nur im Ansatz, gekünstelt cool zu wirken. Alles sehr entspannt hier mit der Damentruppe. Kein weiterer Check auf der Liste: Prinzessin ist keine in Sicht, alle wollen nur das Eine, nämlich Skifahren. Nochmal rauf, nochmal runter – ein guter Tag.

Beim Après-Freeride-Bier auf der Hotelterrasse wird dann auch gleich die Camp-Whattsapp-Gruppe gegründet, schließlich wollen die wirklich zahlreichen Fotos und Videos auch geteilt werden. Zum Abendessen setzen wir uns nochmal ins Taxi, denn wir werden auf der Hirschenhütt’n im Angertal erwartet. Wir stapfen aufgekratzt und hungrig durch den Schnee in Richtung der urigen Halb-Après-Ski-Halb-Berggasthof-Hütte und werden nicht enttäuscht: Unsere Energiespeicher werden hier hervorragend aufgefüllt. Und die brauchen wir schließlich für den kommenden Tag.

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Wie genial! Nach dem Frühstück können wir zu Fuß zur Talstation der Schlossalmbahn aufbrechen, uns direkt am Parkplatz die frisch präparierten Ski abholen und auch gleich loslegen. Naja fast – nach dem Aufwärmen jedenfalls. Überraschenderweise geht’s aber noch immer nicht richtig los, schon ein paar Meter nach der Bergstation der Schlossalmbahn sollen wir wieder stehen bleiben. Wir werden aufgeklärt: „Da drüben, das ist der Mauskarkopf. Jede von euch sucht sich eine Line, die sie danach fahren möchte.“ Facecheck also. Nach einigem Diskutieren, Besprechen, Fotografieren und Abklären hat sich jede für eine Linie entschieden, es kann jetzt also endlich wirklich losgehen.

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Beim Aussteigen aus dem Sessellift Hohe Scharte bekommen einige große Augen: „Wie jetzt? Wir gehen da jetzt hinauf? Auf den Gipfel?“ Eigentlich keine große Sache, aber Katerina erklärt uns, dass sie so etwas noch nie gemacht hat und ihr ein bisschen unwohl ist, so ausgesetzt in Skischuhen und mit den Ski am Rücken unterwegs zu sein. Das war also mit „Grenzen erweitern“ gemeint, die Griechin ist hier und jetzt gerade weit außerhalb ihrer Komfortzone unterwegs. Sie setzt einen Schritt nach dem anderen, vorsichtig und zwischen zwei Erfahreneren gehend, und als sie schließlich am Gipfelkreuz steht, grinst sie über das ganze Gesicht. Auch Sandra ist stolz: „Mich freut es am meisten, wenn die Mädels lachen, weil sie etwas gemacht haben, für das sie sich vorher überwinden mussten.“

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Nach weiteren gefühlt 1.000 Fotos am Gipfel starten wir in Richtung Mauskar – wir sollen ja schließlich „unsere“ Line fahren. Wenig überraschend sieht von oben alles ganz anders aus als von unten und es braucht eine kleine Orientierungsphase, bis sich jede im Gelände zurechtfindet. Dann geht’s Schlag auf Schlag, eine nach der anderen dropt über die kleine Wächte und sucht sich ihren Weg nach unten. Auf einer kleinen Kuppe treffen wir uns, klatschen uns ab, gratulieren uns – happy faces everywhere. Die wenigsten sind bisher jemals einen Hang so bewusst gefahren, mit Facecheck und allem Drum und Dran. Ein „First time ever“ für viele.

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Es sollten noch weitere „Erste Male“ folgen an diesem Tag - der erste kleine Hupfer, der erste 1,5 Meter Cliffdrop und: das erste intensive Lawinen - training. Manche der Mädels sondieren zum ersten Mal unter Anleitung und schaufeln zum ersten Mal ein LVS aus, manche sehen zum ersten Mal, wie ein Airbag gezogen wird. Mel hat hier als ausgebildete Skiführerin das Kommando übernommen, erklärt Funktionsweise der LVS und das Vorgehen bei der Verschüttetensuche so lange, bis alle den Ablauf verstanden haben, kontrolliert und beaufsichtigt mit Sandra zusammen die praktischen Übungen. Plötzlich ist nicht mehr viel mit Blödeln und Quatschen, die Teilnehmerinnen sind mit spürbarem Ernst bei der Sache. An diesem Nachmittag können nicht mehr als die Basics vermittelt und die Betonung auf „Üben, üben, üben!“ gelegt werden. „Trotzdem ist das Lawinentraining integraler Bestandteil der Camps. Wir haben es am ersten Abend schon gesagt: Jede soll ermutigt werden, am Berg beim Skifahren für die grundlegenden Sicherheitsmaßnahmen Verantwortung zu übernehmen. Das gehört zum Freeriden genauso wie die Powderabfahrt“, betonen die beiden Coaches nochmals.

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Am späten Nachmittag schaut so mancher Tourist in Bad Gastein etwas ungläubig, als unsere bunte Truppe zwischen den Belle Epoque-Gebäuden durchzieht – bisschen Sightseeing musste sein. Als Cool Down gar nicht so schlecht, stellen wir fest. Außerdem beschließen wir, im ziemlich stylischen Ginger n’Gin zum Abendessen aufzuschlagen. Dort treffen wir dann auch später nicht ganz so schick wie die meisten der anderen Gäste ein. Bei einigen wirkt der Nachmittag noch merkbar nach, nicht nur eine nimmt sich vor, in Zukunft stärker auf ihr Gefühl zu hören und lauter auf Safetychecks zu bestehen.

Freeride & Firn Winter Camp Gastein

Kaum zu glauben, dass uns auch der letzte Camp-Tag mit strahlendem Sonnenschein begrüßt. Kaum zu glauben, dass das schon der letzte Camp- Tag ist! Noch einmal geht’s zur Schlossalmbahn, wieder nehmen wir den Sessellift auf die Hohe Scharte. Diesmal halten wir uns nach der ersten Runde zum Einfahren aber nicht rechts Richtung Mauskarkopf sondern links. Wir bootpacken auf den Grat zwischen Lungkogel und Türchlwand, denn zum Abschluss gönnen uns Sandra und Mel noch einen Abenteuerrun: Wir fahren die nach Süden ausgerichtete Bowl über die Rockfeldalmen ins Angertal ab. Das Panorama vom Grat aus ist grandios, wir genießen den Rundumblick in vollen Zügen (und machen natürlich auch wieder unzählige Fotos) bevor wir die Ski anschnallen. Eine 1A-Firnabfahrt mit Adventurepotenzial! Da es Anfang April ist, hat die Sonne schon fleißig gearbeitet, wir queren immer wieder mal die kleinen Bäche, spielen Candide und versuchen über die freie Grasfläche zu kommen ohne die Ski abzuschnallen, marschieren um Büsche herum. Spring Skiing at its best!

Unten angekommen können wir uns noch nicht wirklich mit dem Gedanken anfreunden, dass es das jetzt gewesen sein soll. Aber ja, wenn wir aus dem Skibus in Bad Hofgastein steigen, dann wars das. Beinahe. Denn Sandras wiederholter eindringlicher Appell, in Kontakt zu bleiben, zusammen Freeriden zu gehen, sich gegenseitig zu unterstützen, bleibt nicht ungehört. Einige der Mädels waren bald wieder zusammen am Berg, einige der Mädels haben live oder vor dem Livefeed Eva die Daumen gedrückt, die eine Wildcard für die Open Faces in Gastein bekommen hat. Linnea hätte keinen besseren Abschluss finden können: „Es ist so inspirierend mit Leuten unterwegs zu sein, die dieselbe Leidenschaft teilen!“ Und ich selbst? Kenne zwar immer noch keine Lottomillionäre, aber dafür ein paar Freeriderinnen, mit denen ich kommenden Winter sicher unterwegs sein werde.




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