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Santiago de Chile


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Der Traum vom Schnee im Sommer... Wenn in unseren Breiten die Temperaturen selbst dem Schnee auf den Gletschern zu Leibe rücken, beginnt die Ski-Saison auf der Südhemisphäre. Die Geographische Lage Santiago de Chiles, Weltmetropole direkt an den Südamerikanischen Anden, lockt seit einigen Jahren vermehrt Wintersportler und Nationalteams in den Chilenischen Winter. Nicht zuletzt wegen seiner Nähe zu vier Skigebieten, die mit Europäischen Standards Schritt halten und alle in maximal 200 Kilometer Distanz zur Chilenischen Hauptstadt liegen.

Text: Bastian Bäumer Foto: Andreas Vigl

Nach ausgeprägten Anlaufschwierigkeiten des Sommers 2013 greift dieser im Juli voll durch. Temperaturen nah an der 40°C Grenze zeichnen wochenlang die Skala im Alpenraum. Einen besseren Zeitpunkt könnte man kaum finden, um dem Sommer den Rücken zu kehren und die Reise auf die Südhalbkugel anzutreten, auf die sich Väterchen Frost zurückgezogen hat.
Der Wecker klingelt früh am Morgen. Zum ersten Mal seit Wochen schlüpfe ich wieder in eine lange Jeans, denn nach 26 Flugstunden werden uns beim Verlassen den Flughafens Temperaturen um den Gefrierpunkt erwarten. Noch etwas schlaftrunken mache ich mich auf den Weg, Barbara und Andreas aufzusammeln. Erstes Ziel: Der Münchner Flughafen. Mit unseren überdimensionalen Gepäckstücken scheinen wir den Großteil der Menschenmenge beim Check in zu verwirren. Surfausrüstung oder Wasserski scheint die einzige logische Erklärung für unseren Zielflughafen Madrid zu sein. Nach kurzen Erklärungen bezüglich den unterschiedlichen Witterungsbedingungen auf Nord- und Südhemisphäre und dem Argument, Madrid nur als Zwischenstopp nutzen zu wollen, wird unsere Ausrüstung verstanden. Auf weniger Verständnis trifft unsere freiwillige Flucht in den Winter per se. Die Gro würde wohl die umgekehrte Wahl treffen. Auf ein Neues wechseln wir den Flieger in Miami. Zum ersten Mal auf unserer Reise tritt unser Ziel auf den Bildschirm: Santiago de Chile!

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Es ist 10 Uhr Morgens in Chile. Ein eisiger Wind pfeift uns entgegen. Der erste Vorgeschmack auf den Winter, den wir so sehnsüchtig vermissten. Wir finden unsere Unterkunft für die erste Nacht im Bellavista Hostel, im Künstlerviertel Santiagos. Etwas zerstreut vom Jetlag und der langen Zeit eingepfercht in die Enge der Flugzeugsitze, werden wir von der Vielfältigkeit des gleichnamigen Stadtteils förmlich erschlagen. Farbenfroh, durchzogen von kleinen Cafés, Restaurants und Bars, Fassaden geziert mit Graffitis… Ein Ort, an den wir mit vollem Auffassungsvermögen zurückkehren wollen, um all diese Eindrücke in ihrer ganzen Magie einfangen zu können. Da am nächsten Morgen die letzte Etappe in Richtung Schnee auf dem Tagesplan steht, ziehen wir uns früh in die Kojen des Hostels zurück.
13 Stunden Schlaf, ein schnelles Frühstück und eine Metrofahrt später finden wir uns am Terminal de Busses von Santiago wieder. Dieser ähnelt eher einem Basar als einem strukturierten Busbahnhof europäischer Maßstäbe. Keine geregelten Busfahrpläne, sondern an die 30 private Busunternehmen, die lautstark um ihre Kunde für die Fahrten Richtung Argentinischer Grenze werben. Nach Mendoza (Argentinien) scheint jede dieser Linien zu fahren, aber den Zwischenstopp in Skiportillo kurz vor der Grenze bietet kaum jemand an. "Nevados" nennt sich das kleine Unternehmen, das uns letztlich empfohlen wird für den Shuttle ins knapp 200 Kilometer von Santiago entfernte Skigebiet. Wir sind also im Zeitplan. Gegen Mittag sollen wir Skiportillo erreichen und die ersten Schwünge im Weißen Gold Südamerikas sind zum greifen nah.

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Kurz vor Portillo wird unsere Reisegruppe jedoch jäh vom Posten der Carabinieros gestoppt. Der Pass herüber nach Argentinien sei durch Schneestürme unpassierbar. Obwohl unsere Route noch vor jener Grenz ihr Ziel finden würden und von widrigen Witterungsbedingungen keine Spur war, stand nach einer Stunde Diskussion auch für unseren Busfahrer fest, dass es kein Durchkommen geben wird. Ein privates Taxi vom Hotel in Skiportillo ist letztlich die einzige Möglichkeit für uns, noch an diesem Tag das Gebiet am Laguna del Inca zu erreichen. Aber auch dieses darf erst nach doppelt und dreifacher Kontrolle unserer Personalien – und weiteren Telefonaten mit dem Stützpunkt an der Grenze und unserem Hotel – endlich den Posten passieren. Bei einer wüstenähnlich trockenen Straße wird es uns wohl auf ewig ein Rätsel bleiben, warum diese Passstraße überhaupt gesperrt wurde.
Oder haben sich die Carabinieros auch einfach nur um 24 Stunden verrechnet?! Denn am folgenden Tag bricht einer der berühmten Schneestürme in den Anden herein. Weit über 50cm Neuschnee gepaart mit Nebel, Sturmböen und eisigen Temperaturen. Da haben wir ihn nun direkt vor unserer Nase: Den Hochwinter!
Portillo ist auf diese Downdays vorbereitet. Unabhängig von der Kategorie, für die man sich als Unterkunft entschieden hat, darf man vom zentralen Hotel jegliche Angebote nutzen. Und diese erfüllen problemlos den europäischen 5-Sterne Standard. Sauna, Outdoor-Whirlpools und Fitnessraum mag man da schon fast als selbstverständlich beschreiben. Weit mehr als das ist aber die Hoteleigene, kleine Kletterhalle oder die mit Parkettboden ausgelegte Sporthalle!

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Einen Tag später lichten sich die Wolken des ersten echten Wintereinbruchs der Saison. So schnell wie der Sturm aufzog, so schnell verschwand er auch wieder. Noch etwas schüchtern blitzen die ersten blauen Flecken des Himmels durch die orange erleuchtete, morgendliche Wolkendecke. In ein weißes Kleid gehüllt, präsentieren sich die 4000er beim Blick aus dem Fenster am Frühstückstisch. Die Vorfreude schießt bis in die Spitze des kleinen Zehs, diese erwartungsvolle Unruhe durchströmt die Adern. Nach Monaten der Abstinenz liegt nun der unberührte Schnee wieder zu unseren Füßen. Drei Tage sind wir nun in diesem Land. Anstrengung und Strapazen des Reisens verfliegen beim ersten Schwung durch den eiskalten, trockenen Schnee der Anden. Ebenso wie die glitzernden Kristalle hinter unseren Turns.

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Portillo bietet alles, was sich ein Freeriderherz nur wünschen vermag: Offene Hänge, verspieltes Gelände und steile Couloirs. Und für das ästhetische Auge thronen all diese mächtigen Flanken über einem tief dunkel-blauen Bergsee auf 3000 Meter Seehöhe. Schwieriger zu Handhaben als die Berge sind allerdings die Sicherheitsregeln, die durch die Skipatrol im Gebiet aufgestellt werden. Nach dem Motto "eigenes Denken verboten" werden die Hänge entweder komplett gesperrt oder geöffnet. Wer abseits der ausgeschriebenen Routen unterwegs sein möchte, sollte das zuvor klar mit der Skipatrol absprechen oder alle Lines aus eigener Kraft mit Fellen aufsteigen. Sonst droht der Verweis aus dem Gebiet. Hat man sich einmal an diese strikten Regeln gewöhnt und die Patrouille davon überzeugt, dass man sehr wohl fähig ist, Hänge einzuschätzen und die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, stehen einem unzählige Varianten offen.

Die strikten Regeln in dieser Region sind uns schon am Posten der Carabinieros an der Passstraße vor Augen geführt worden. In Portillo rühren sie sicherlich nicht zuletzt daher, dass sich der Ort zu einer der bekanntesten Südamerikanischen Destination amerikanischer Skifreaks entwickelt hat. Und die in unseren Augen schwer nachzuvollziehenden Fälle millionenschwerer Klagen, sind uns sicher allen ein Begriff. So ist es aber auch nicht unwahrscheinlich, dass man zu dieser Zeit einige der größten Namen des Freeridens wie Chris Davenport oder Mike Douglas in Portillo trifft. Das zentral gelegene Hotel bietet im Sommer sogar Spezielle Freeride Wochen mit diesen Ikonen der Freeride-Szene an. Auch wir kommen in den Genuss einiger guter Tipps von Chris für die folgenden Tage. Unter diesen waren auch die berühmtesten Varianten des Areals mit dem Lakerun vom Cumbre Lift oder dem C-Couloir (ca. 800 Höhenmeter!), welches man per Hike vom Roca Jack erreicht.

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Nach ausgiebigen Powder Tagen am Laguna del Inca geht es für uns zurück nach Santiago. Erstaunlicherweise ohne gröbere Komplikationen. Und das, obwohl wir an der Hotelrezeption auf ziemliches Unverständnis treffen, als wir den Hoteleigenen Shuttle Service von läppischen 100$ pro Person ablehnen. Wir entscheiden uns für die Low Budget Variante, stoppen einen der Reisebusse an der fünf Minuten entfernten Argentinischen Grenze und bitten in gebrochenem Spanisch um Mitnahme.
Passt! Eine Stunde Busfahrt - Umsteigen in Los Andes - zurück in Santiago - Check in. Wo? Keine Frage, natürlich im Belavista Hostel. Erst jetzt wird uns bewusst, was wir in der Trance der ersten Nacht in diesem Hostel verpasst haben. Zum ersten Mal auf unserem Trip können wir die Boardshorts herausholen und genießen die wohlig warm kitzelnden Strahlen der chilenischen Frühjahrssonne. Nicht irgendwo, sondern auf der Dachterrasse des Hostels. Im Bellavista Hostel bekommt man neben einer einzigartigen Atmosphäre, mit bunt verzierten Wänden, roten Samtsofas in der Lobby und einem Aufenthaltsraum mit Billardtisch auch noch diesen wunderbaren Blick auf die massiven Bergflanken der Anden. Ja, wenn man sich bemüht, kann man vielleicht sogar die Faces von El Colorado, Valle Nevados oder La Parva erkennen, die circa eine Stunde Autofahrt von der Metropole entfernt liegen.

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La Parva, der Ort, der so berühmt ist für seine Sonnenuntergänge. An schönen Tagen lädt die Abendsonne noch lange nach dem Skitag zum Verweilen ein und verabschiedet sich spät über der pulsierenden Hauptstatt Chiles. Nach dem feinsten Pulverschnee in Portillo empfangen uns Frühjahrschneebedingungen. Temperaturen weit über dem Gefrierpunkt ließen den Schnee auf den Nordhängen (Ja… auch nach der Reise auf die Südhalbkugel klingt das immer noch komisch) rapide schwinden. überraschend kühl präsentieren sich die Südhänge! La Parva ist nicht nur auf Grund seines traumhaften Blicks auf Santiago eine Reise wert, sondern viel mehr noch auf Grund eines gewaltig variantenreichen süd-exponierten Hangs, dem Shane McConkey Face, welches man mit kurzem Hike aus dem Gebiet erreicht. Ein markantes Couloir teilt die Wand in eine mit Cliffs durchzogenen steilen linken (Skiers left…) und einen etwas moderateren rechten Teil. Der perfekte Spielplatz, um unseren Skitrip ausklingen zu lassen. Zudem gibt es noch ein paar Gipfel jenseits der 4000er Marke, die mit Fellen mit wenig Aufwand bestiegen werden können.

Eine entscheidende Facette des Landes blieb uns bis heute verborgen. Die Küste! Und so begab es sich, dass wir schließlich in Valparíso landeten. Zwei Tage, um noch einmal die Chilenische Gastfreundschaft und Mentalität in der Künstlerstadt am Ozean in uns aufzusaugen. In Person präsentiert sich all das von der ersten Minute an im Leiter unseres Hostels. Ohne Zögern bekommen wir einen Rundumschlag aller wichtigen Insider Tipps für die Küstenstadt auf dem Stadtplan erläuterte. Zudem haben wir die Ehre, in dem neuen Gebäude des Hostels Jacaranda unter zu kommen, das erst vor wenigen Wochen renoviert und fertig gestellt wurde. Große Zimmer und ein sehr fairer Preis sind unser Resümee!
Die Künstlerviertel scheinen auf diesem Trip eine magische Anziehungskraft auf uns auszuüben. Im Cerro Allegro reiht sich ein künstlerisches Café an das nächste. Museen gepaart mit kleinen Restaurants. Und wieder beeindrucken uns die Graffitis auf den Hauswänden. Der Perfekte Ort um das Erlebte Revue passieren zu lassen…

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Zeit wird es jetzt, sich zu verabschieden. Von diesem Land, seinen Straßenhunden, den verzierten Fassaden, dem chaotischen Treiben auf Märkten und sonstigen großen Plätzen. Und eben auch von den Bergen, die ihr Versprechen hielten, uns einen von Powder gesegneten Sommer zu bescheren. Ein Abschied, auf den es hoffentlich ein baldiges Wiedersehen geben wird.

Infobox:

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Anreise: Portillo - Von Santiago aus gibt es einige Busverbindungen nach Mendoza. Aber nur wenige der Linien halten auch in Skiportillo. Das Hotel bietet aber auch einen eigenen Shuttle an, der Gäste auch direkt von Flughafen Santiago abholt bzw. retour fährt.
La Parva, Valle Nevado und El Colorade liegen knapp 100km von Santiago entfernt. Die Orte erreicht man über eine gemeinsame Passstraße. Alle drei Orte sind durch einen Skibus mit Santiago verbunden. Somit kann die Gebiete auch für einen Tagestrip von Santiago aus besuchen.

Bester Monat: August

Links:
www.skiportillo.com
www.laparva.cl
www.chileanski.com
www.bellavista.hostel.com
www.hostaljacaranda.blogspot.com/2011/07/valparaiso.html
www.contactchile.cl




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