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Roadtrip California Part2


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Skifahren im Land der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten

text & fotos: Julian Bückers

Seit einer guten Woche sind wir nun unterwegs. Und was hinter uns liegt entzückte das Skifahrer-Herz gar sehr! Freeriden in den kalifornischen Premium- Skigebieten Squaw Valley, Heavenly und Kirkwood. Bereits in der November Ausgabe des Bergstolz Magazin haben wir vom schier unerschöpflichen Terrain dieser Juwelen berichtet. Dem treuen Leser dürfte das kaum entgangen sein. Und bereits damals haben wir einige imaginäre Zuckerl gestreut, die den nun folgenden zweiten Teil des Roadtrips schmackhaft machen sollten. Denn das schillernde Highlight stand uns definitiv noch bevor.

Drei Skigebiete in einer Woche, das reizt den entspannten kalifornischen Gemütszustand und so war es an der Zeit, unsere weiteren Unternehmungen mit einer sesshafteren Basis zu versehen. Und was kommt einem da gelegener, als das Schneeloch des Mono County, Mammoth Mountain. Die Zeit des schnellen Ortswechsels sollte also hinter uns liegen und so gleiteten wir mit unserem "kleinen", amerikanischen SUV herrlich entspannt von Lake Tahoe auf der Interstate 395 gen Süden. Wir, dass sind der Skikonstrukteur Markus "BamBam" Steinke, der Bergführer-Aspirant Christoph Hummel und ich.

Angekommen in Mammoth Lakes, einem 8000 Seelen Städtchen am Südwest Ende der vulkanisch aktiven Long Valley Caldera gelegen, schlängelt man sich die 10 Kilometer lange Panoramastraße hinauf zur Main Lodge des Skigebiets. Die einsetzende Dämmerung konnte uns nicht davon abhalten ein breites Grinsen aufzusetzen, als wir unsere Hoffnung auf mehr weiße Pracht bestätigt sahen. Dave McCoy musste wohl das Selbe im Sinn gehabt haben, als er 1955 beschloss, an diesem herrlichen Fleck seinen ersten Skilift zu eröffnen. Mittlerweile gehören über 30 Lifte zum gesamten Resort und verbinden damit über 1400 Hektar Fläche zu einem der größten Skigebiete Nordamerikas.

Das Mammoth Mountain Inn liegt vis à vis der Talstation, nur wenige Schritte vom Pistenrand entfernt. Beim Betreten der Eingangshalle schreitet man über weichen Teppichboden und bekommt ein weiteres mal eine eindrucksvolle Darstellung von nordamerikanischem Verständnis für Raum und deren großzügige Nutzung. Wir geben am Eingang die Skisäcke ab und beziehen unsere Bleibe für die kommende Zeit.

 

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Nachdem uns Michael Vanderhurst von visitmammoth am folgenden Morgen im Eilverfahren Gebietskenntnis verpasst hatte, wurden nach alter Tradition die Klassiker abgegrast. Bis auf 3350 Meter über dem Meer bringt einen die Panorama Gondel und lässt anschließend keine Wünsche offen. Dave's Run und Huevos Grande zur Linken, Hanoman's Hollow und MJB's zur Rechten. Steile, felsdurchsetzte Runs, oder doch lieber freies Gelände mit fetten Latten unter den Sohlen. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Anschließend noch den Wild Buffalo Meatloaf in der McCoy Ski Station, um festzustellen, dass die Gebietssperrung wegen akuter Sturmböen dem körperlichen Boykott aufgrund von übersättigung zuvor gekommen ist. Da bleibt nur eins, runter vom Berg und ab zu den nur wenige Kilometer entfernten Withmore Hot Springs. Der Grab Cooker macht seinem Namen alle Ehre und saugt einem, den Kopf gen Sternenhimmel geneigt, in behaglicher Art und Weise das Laktat aus den brennenden Oberschenkeln.

Eines war uns auf dieser Reise noch nicht vergönnt, doch der windige Auftakt am Tage zuvor sollte bereits ein erstes Anzeichen für den folgenden Flockenzauber und unsere erste Powder-Session im kalifornischen Frühling sein. Als wir uns um kurz vor acht aus den Kojen schälten, lagen 40 Zentimeter Neuschnee und es erfreute das Gemüht in einer ureigenen Art und Weise, als wir miterleben durften, wie offensichtlich von allen Skipass-Inhabern einvernehmlich beschlossen wurde die auf Hochglanz präparierten Pisten für die folgenden Stunden strikt zu meiden. Ausnahmslos jeder, ließ diesen kollektiven Drang gewähren und schwang sich, unabhängig von Alter, Skibreite oder individuellem Können, ins wunderbare Gelände um eine Line nach der anderen in die jungfräuliche Pracht zu ziehen. Lifte wie der berüchtigte Doppelsitzer Chair 23 auf die Südschulter des Skigebiets wurden erst angeworfen, nachdem die Pist-Patrol die ersten Linien durch die Dropout Chutes gezogen hatte. Ganz nach dem nationalen Motto: "Hey guys, have the fun of your life! After we say it's the right time for it!"
Das herrliche an so viel Gelände ist, dass der Platz zum Spielen nie ausgeht. Und so verlagerten wir unser Nachmittags-Programm an den Cloudline Express, um uns Abfahrt um Abfahrt durch das Dragon's Back und die unglaublichen Tree-Ski Möglichkeiten rund um Wazoo zu jagen. >>

Roadtrip California Part2

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Geschafft, aber sehr zufrieden blickten wir am Abend nochmals hinüber zum Bloody Mountain und seinem North Couloir. Die 45º steile Rinne tront über Mammoth Lakes wie die Dru Westwand über Chamonix. Sie springt einem geradezu ins Gesicht, wenn man den Highway herunter cruist und dementsprechend angefixt waren wir seit unserer Ankunft. Mit der jetzigen Schneesituation stand einem Versuch am folgenden Tag nichts mehr im Wege und Spass war auf jeden Fall vorprogrammiert.

 

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Vom Highway zweigt eine kleine Schotterstraße ab, in die wir, geleitet vom grellen Scheinwerferlicht unseres SUV, in den frühen Morgenstunden einbogen. Schon nach kurzer Zeit machten uns die tiefen Spurrillen einen Strich durch die Rechnung und selbst unser allrad-taugliches Flaggschiff musste wegen zu geringer Bodenfreiheit die Segel streichen. Da Hilft nur eins, die Latten schultern und mit Karl-May's Filmmusik im Schädel ab durch die Prärie.
Der Weg hinauf sollte zu einem Gewaltmarsch werden, hatte man doch stets das schneebeladene Abfahrtsziel vor Augen, jedoch nur eine geringe Auflage vom Vortag unter den Füßen. Zwischenzeitlich kam die Frage auf, ob sich der Name unseres Gipfels wohl auf die Tatsache bezog ein blutiger "Hatscher" zu sein. Der Zustand unserer Fersen ließ selbiges erahnen. Das im Morgenlicht orange schimmernde Vulkangestein an der Gipfelflanke ließ uns diesen Gedanken aber wieder verwerfen und auf über 3800 Metern angekommen war der Weitblick ein weiteres Mal alle Mühen wert. Begeistert zogen wir die ersten Schwünge in das Couloir und nach den folgenden 800 Höhenmeter brachte keiner mehr den Mund vor Begeisterung zu.

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Gegen Mittag hatte uns der American Way of Life wieder fest in seiner Hand und wir schlenderten bestens gelaunt hinüber zum Basecamp Café um dem Ladenmotto "food you love to fuel the things you do" zu frönen. Am Hot Creek, holten wir uns anschließend den schon lange fälligen Sonnenbrand, während BamBam bewaffnet mit seiner Angelroute einen schimmernden Hammerhai nach dem anderen an Land zog.

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Angefixt vom herrlichen Tag am Bloody Mountain beschlossen wir unsere Reise mit einem ganz besonderen Schmankerl abzuschließen. Der Mount Ritter ist mit über 4000 Metern Höhe das alpine Aushängeschild der Region rund um Mammoth Mountain. Im Winter ist der lange Anmarsch ins Hinterland des Skigebietes wohl die größte Crux und so planten wir eine dreitägige Rundtour zum Berg und wieder zurück. Vom Ausstieg des bereits vorher erwähnten Chair 23 gelangten wir aus dem Skigebiet über herrlich kupiertes Gelände zum Reds Meadow Campground. Der, wie sollte es auch anders sein, verwöhnte uns ein weiteres mal mit einer heißen Quelle und einer perfekten Lagerfeuerstelle nebenan. Die zweite Etappe zwischen dem morgendlichen Bad im hot tub und dem Basislager unterhalb des Mount Ritter war zwar Luftlinie nur etwas mehr als zehn Kilometer lang, ihre Schönheit jedoch um so atemberaubender. Wir tappten mit Bedacht über den zugefrorenen Minaret Lake, vorbei an den imposanten Felszacken der Minaret Summits bis wir nach einer rasanten Abfahrt unsern Schlafplatz auf einem etwas erhöhten Felsrücken nahe der Baumgrenze aufschlugen.

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Am folgenden Morgen wiesen uns die tanzenden Stirnlampen den rechten Weg entlang einer steilen Seitenmoräne, bis aus einem großen Kar bei Tagesanbruch das steile Südost Couloir sichtbar wurde. Mit Steigeisen bewaffnet kamen wir bestens voran und erreichten am späten Vormittag den letzten Gipfelaufschwung. Nur noch wenige Meter und wir lagen uns auf 4006 Metern Höhe in den Armen. Der Blick in die Ferne reichte vom famosen Felskollos Mount Whitney im Süden bis in die nördlichen Ausläufer des Yosemity Valley. Sogar der Half Dome zeigte seinen von Süden harmlos wirkenden breiten Granitrücken.

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Genau zur rechten Zeit ließen wir die Schuhe in die Bindung schnalzen und machten uns an den Rückweg. Die warme Frühlingssonne bescherte uns einen traumhaften Firndeckel, wir bretterten mit weiten Schwüngen zurück zum Schlafplatz und beendeten diese letze Abfahrt mit einem nicht enden wollenden Grinsen im Gesicht.

Als wir einige Stunden später diese intensiven Tage im Stüberl der hiesigen Mammoth Brewing Company bei einem Floating Rock Hefeweizen revue passieren ließen, war die Welt nicht recht viel anders als zuvor. Doch alle Beteiligten waren sich einig, dass sie selten einen Platz auf diesem Planeten gesehen hatten, an dem Skifahren in dieser enormen Vielfalt, sowohl landschaftlich als auch sportlich, gepaart mit einer gar wunderbaren Leichtigkeit des Seins möglich gewesen wäre.

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Infobox:

Anreise:
Mit KLM & Air France fliegt man von MUC mit 1-2 Zwischenstopps ab 600 € nach San Francisco Direktverbindungen bietet Lufthansa und United Airlines

Unterkunft:
Mammoth Mountain Inn
10001 Minaret Rd./ PO Box 353 | Reservations: 800.MAMMOTH
Mammoth Lakes, Ca., USA 93546
Das Mammoth Mountain Inn liegt direkt am örtlichen Skigebiet und ist der
perfekte Ausgangspunkt für alle Aktivitäten im und um den Ort

Imbiss:

  • Base Camp Café (der kleine Snack für die Mittagsstunden)
    3325 Main St | Mammoth Lakes, CA 93546
  • Mammoth Brewing Company
    (kleine Brauerei mit regionalen Gerichten und Verkostung der eigenen Gebräue)

    94 Berner Street | Mammoth Lakes, CA 93546

 

Beste Zeit:
Februar - Mai (je nach Schneelage)

Weitere Aktivitäten:

  • Bouldern in den nahen Buttermilks (geht zu jeder Jahreszeit und ist eins der wichtigsten Boulder- Gebiete der Welt)
  • Baden in den Hottops außerhalb der Stadt (siehe Literatur)

 

Literatur:
Backcountry Skiing
California's Eastern Sierra von Dan Mingori

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