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Part I | Roadtrip Carlifornia


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Skifahren im Land der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten

Es ist Anfang Dezember und der Winter kommt etwas träge in Schwung. Zeit, sich über noch ausstehende oder nicht verwirklichte Projekte Gedanken zu machen. Eines dieser Ziele ist die Gegend rund um den Yosemite National Park in Kalifornien. Bereits vor 18 Jahren, während meines ersten Klettertrips in die USA, hatte ich mir „WILD SNOW“ von Louis W. Dawson in Bishop gekauft und war trotz über 40° Hitze sofort fasziniert von den offenbaren Möglichkeiten der High Sierra bzgl. Backcountry Skiing. Am liebsten wäre ich gleich da geblieben, um den Winter abzuwarten. Tja, irgendwie hat es dann doch einige Jahre gedauert, bis die Zeit reif genug war, mit den Skiern bewaffnet gen Wilden Westen aufzubrechen.

Ein kurzer Check der Schneeverhältnisse im Internet bestätigt dies. Mammoth Mtn. hat einen der besten Saisonstarts, seit mit Aufzeichnungen begonnen worden ist. Nach folgender genauerer Recherche ergibt sich der April wohl als ganz guter Zeitpunkt, schließlich laufen die Lifte in Mammoth in guten Jahren bis zum 4.Juli!!! Und neben Skitouren wäre es ja schon ganz geil, auch den Mythen rund um die Skigebiete in Kalifornien auf den Grund zu gehen. Squaw Valley, Kirkwood oder eben Mammoth Mountain hat mittlerweile wohl jeder dem weißen Gold frönende Gleitholzartist schon mal gehört?

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Die passende Crew zusammen zu trommeln ergab sich als erfreulich einfach. Klar, wer hat nicht Lust auf einen Roadtrip von San Fransisco beinah bis Los Angeles. In zwei Bergführer Aspiranten fanden sich die perfekten Begleiter für die Mischung aus Freeride Gaudi und schweißtreibendem Steigeisengehatsche, um die schier endlos vorhanden scheinenden Couloirs hoch zu pusten. Christoph Hummel war anfangs etwas irritiert, kannte er die Granitfelsen des Yosemite Valleys nur zu gut, als ob er sich beinah schämte nicht zu wissen, dass es dort laut meiner Aussagen genial zum Skifahren wäre. Julian Bückers als Fotograph war dagegen unser Nordamerika Greenhorn, was seine Vorfreude nur noch steigerte, mein 18 Jahre altes Projekt in Bildern zu dokumentieren. Nachdem bekanntlich der letzte Winter in den heimischen Gefilden relativ wenige Wünsche aus Sicht eines Skifahrers offen ließ, war jedoch kaum mehr Zeit für die schönste aller Freuden. Anfang April fanden wir Drei uns am Check In mit dem Ziel San Fransisco, bewaffnet mit jeweils ordentlich Übergepäck, das wir knapp 15 Stunden später unter Bewunderung des Personals von der Automietstation in den für amerikanische Verhältnisse „kleinen“ SUV stopften und sogar selbst Platz darin fanden.
Letztlich 32 Std. nach dem Aufbruch in München, um kurz nach 24 Uhr Ortszeit flackerte dann beinahe plötzlich die Olympische Flamme von Squaw Valley am Lake Tahoe, unserem ersten nördlichsten Ziel, vor uns.

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Ordentlich gerädert bezogen wir unsere für Skibums mehr als luxuriöse Behausung. Ohne Zweifel waren wir in Amerika angekommen. Unser Apartment glich einer kleinen Lodge mit offenem Kamin und selbstverständlich einem Bad samt Whirlpoolbadewanne für jedes Schlafzimmer. Total neu für uns war der Skiständer direkt in den eigenen vier Wänden. Was folgte war die logische Konsequenz, schließlich musste ja der Duty Free Whisky probiert werden und überhaupt auf unsere Ankunft angestoßen werden. Nachdem Julian sich als fürchterlich vernünftig entpuppte, blieb die Verantwortung für die Flasche ab 2 Uhr Nachts bei Christoph und mir, mit dem logischen Ergebnis, dass der erste Skitag nicht nur jetlag geprägt war. Jedenfalls durften wir schnell fest stellen, dass zwar der Winterbeginn großartig war, die restliche Saison über Frau Holle Kalifornien aber nicht wirklich berücksichtigte, zumindest nicht in dem üblichen Maße. Das unbekümmerte Firndriften kam Christoph und mir grad recht und spätestens nach dem fetten Mittagsburger waren Squaw Valley und wir Freunde. Die einzigartige Landschaft mit den urigen verknöcherten Redwoodbäumen, die bis auf über 2.500 Meter wachsen und das verspielte Gelände mit den Granitfelsen entschädigen obendrein für manch selbst angerichteten Schaden. Lediglich die etwas längeren Sessellifte ohne Fußstützen machten mir ein wenig zu schaffen. „Gott, was sind wir Europäer verwöhnte Schnösel“, dachte ich mir und biss mich durch! Dem Auflösen des nächtlichen Nebels folgte die Erkenntnis, dass Dank des wenigen Schnees einige „must to do“ Klassiker wie die berüchtigten Palisades Shutes oberhalb der Siberia Bowl bereits gesperrt bzw. die Lifte geschlossen und somit nur via Fußmarsch zu erreichen waren. Wir waren uns schnell einig, dass wenn wir schon hiken würden solange wir rund um Skigebiete unterwegs sind, es sich lohnen sollte und es ruhig weg vom Gebiet sein dürfte. Das Ziel im Backcountry war auch gleich ausgemacht und verlockte mit mehreren kleinen Couloirs, perfekt, ein paar Runden zu drehen. Nur noch ein Kontrollanruf bei unserer Kontaktperson, schließlich kennt man die Geschichten um Permits für den Zugang zur Wildnis in den Staaten, Ihr wollt Morgen ins Backcountry hallt es zurück aus dem Telefon. Das geht nur bei einem der Gates und ihr müsst dort auschecken und später wieder einchecken, sie könne uns aber nicht sagen ob Morgen dieses Gate offen wäre. Aha, mmmmm, again something new! Ein Gate zum ein- und auschecken, prinzipiell durchaus keine so blöde Institution, trotzdem kamen wir uns um unsere Menschenrechte betrogen vor. Wie war das nochmal mit den unbegrenzten Möglichkeiten?

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Klar war das Gate geschlossen, folglich durften wir einen weiteren Tag rund um die Lifte genießen, was sich als absolut genial rausstellen sollte. Ein vollkommen nüchterner und ausgeschlafener Start ist halt einfach was anderes und der Kalifornische blaue Himmel lies ebenfalls wenig Wünsche offen. Vormittags machten wir es den paar Locals nach und blieben weiter unten im Gebiet, wo die Sonne die Buckel bereits etwas aufgeweicht hatte. Steilere Pisten bleiben in Squaw von der Pistenraupe verschont und dank einer erstaunlichen Quantität an gutem skifahrerischen Niveau sind die Buckelpisten deutlich weniger von Querspuren durchzogen. Nach dem bereits obligatorischen Mittagsburger auf der Gold Coast Lodge zog es uns mit gelockerten Kniekehlen zum Granite Chief, den man mit einem kurzen viertelstündigen Hike am obersten Ende des Skigebietes erreicht. Der Blick von dort oben auf knapp 2.800 Metern ist grandios. Gen Osten leuchtet der Lake Tahoe ansatzweise heraus und in alle anderen Himmelsrichtungen scheint der Horizont keine Grenzen zu kennen. Gepaart mit zwar kurzen, aber dafür steilen Shutes, die in offene Hänge münden, bevor man wieder in die verspielten Redwoodwälder eintaucht, ergab die richtige Mischung für den puren Frühjahrsspaß!
Bekannterweise nimmt jeder noch so schöne Tag in den Bergen irgendwann ein Ende. Liebend gerne hätten wir noch ein paar Mal mehr den Hike zum Chief auf uns genommen, doch der erste Umzug des Trips brachte uns am späten Nachmittag zurück auf die Straße. Die Entschädigung folgte prompt! Ich hatte die Straße entlang des Westufers vom Lake Tahoe zwar als nicht gerade unschön in meinem Kleinhirn abgespeichert, dass es einen landschaftlich so umhaut, war ich mir nur wage bewusst. Allein die 1,5 Std. Autofahrt sind beinahe einen 12 Std. Flug nach San Fransisco wert und wir konnten jeden normalen Touri verstehen, die alle paar Minuten am Straßenrand zum Knipsen anhielten. Allein unser Ziel am südwestlichen Ende des Sees, mit dem verheißungsvollen Namen Heavenly, trieb uns voran. Kaum hatten wir unser Quartier bezogen, wunderten wir uns über den Krach, der aus dem benachbarten Hotel zu uns herüber schwappte. Die einfache Erklärung, dass jenes Hotel bereits in Nevada lag und somit die berühmt berüchtigte Mischung aus Hotel und Spielkasino war, erklärte einiges. Noch gestoked vom Grand Chief, machten wir einen bewussten Bogen um die einarmigen Banditen und rundeten den Tag mit ein paar Bier in der Abendsonne am Ufer ab.

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Der Blick aus dem Fenster am nächsten Morgen verhieß erneut lockere Kniekehlen, Heavenly ist durchaus bekannt für seine ewig langen Buckelpisten und Freshies waren auf Grund des strahlenden Wetters nicht wirklich zu erwarten. Trotzdem packten wir in gewohnter Manier unsere Rucksäcke samt LVS-Ausrüstung und begaben uns per Pedes in wenigen Minuten zur Gondel, die einen sozusagen direkt vom Ufer auf den Berg chauffiert. Mike Frye in seiner Funktion als PR & Event Manager des Skigebietes begleitete uns. Spätestens kurz nach der Mittelstation registrierte er, dass ich seinen Ausführungen nur vage zu folgen vermochte, zu perfekt erschien mir der Wald unter der Gondel. Anstelle von angepisst zu sein, verstärkte Mike meine Träumerei von einem Pulvertag in dem lichten Gehölz, erwähnte gekonnt unbetont, dass es nur halblegal sei dort hinunter zu rauschen, ihm dies in der Vergangenheit jedoch stets egal gewesen wäre! Spätestens jetzt war klar, wir haben den perfekten Local an unserer Seite. Ach ja, das Heavenly auf Grund der Nähe zu Nevada zu Unrecht als Partygebiet abgestempelt würde, obwohl es gutes Terrain erschließe, blieb mir dann doch noch hängen. In der Tat pendelt man auch während des Skifahrens zwischen Kalifornien und Nevada. Unerfüllte skifahrerische Wünsche halten wir nach dem Tag mit Mike definitiv für ein Gerücht, welches mancher Local streute, um die Vielzahl geiler Runs rund um die Milky Way und Dipper Bowl für sich zu beanspruchen. Anspruchsvoll wird es im Mott Canyon, dessen Runs nicht zu Unrecht mit Double Diamond ausgezeichnet sind. Lieber erst gar nicht dran denken, was dort an einem Powdertag los wäre?! Selbst im Frühjahrsfirn machte das Gebiet seinem Namen aller Ehre und zwischen den etwas hochgezogenen Latschen durchzujagen verzückte auch ohne Freshies. Hinzu kommt die kitschige Postkarten Aussicht mit Blick über den gesamten Lake Tahoe im und am Rande des Sky Canyon bzw. gen Osten über die Steppe Nevadas. Beinah wia z’Haus am Herzogstand… Mittags gab’s übrigens Burger.

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Offensichtlich hatte unser Guide den selbigen Spaß wie wir und so wurde es eine der letzten Gondeln, bevor er uns nach Nevada entführte! Der Teppich des kleinen Kasinos hatte was von Fear and Loathing in Las Vegas, dafür war das Essen und die Drinks tatsächlich nah an einem Geheimtipp.

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Der nächste Morgen brachte die nächsten Meilen auf der Straße. Schweren Mutes verließen wir die Area rund um den See und machten uns nach Kirkwood auf, einem der Stopps der Freeride World Tour der letzten Saison. Besser kann es ja eigentlich nicht werden dachten wir uns und wurden eines besseren belehrt! Kirkwood ist zwar wesentlich kleiner als die ersten zwei Gebiete, strotzt jedoch nur so mit geilem anspruchsvollem Freerideterrain. Unterstützt von Phil, einem Guide von Expedition Kirkwood, spulten wir nahezu alle Klassiker des Gebietes ab. Selten bin ich in einem Gebiet unterwegs gewesen das mit wenig Aufwand letztlich für jede Könnerstufe etliche Runs beherbergt. Unterhalb des Glave Rock lässt die Sentinel Bowl nur wenig zu wünschen übrig und wer an einem guten Tag ordentlich Luft unter seinem Hintern bevorzugt, kann sich ohne Probleme an den Cliffs oberhalb der Palasades Bowl an sein bzw. das wohl mögliche Maximum schrauben. Wir hielten uns lieber an Bodenkontakt zu dem gewohnten Firn und krönten einen weiteren genialen Tag unter der Kalifornischen Sonne mit einem Run von den Sister Chutes. Definitiv ein „must do“ Klassiker in Kirkwood, der am Einstieg durchaus zur steileren Sorte zählt. Einziger Wehrmutstropfen, das beeindruckende Face von The Cirque bleibt leider den Teilnehmern der Freeride Worldtour vorbehalten. Vollkommen benommen von den ersten vier Skitagen blieb uns nichts Anderes übrig, als auf einer Sonnenterrasse dem amerikanischen Apreski zu frönen und einer Liveband zu lauschen, ohne dabei aus dem Ohr zu bluten oder uns gar für die bloße Anwesenheit zu schämen. Durchaus geschafft und träge ging es bereits am späten Nachmittag auf zum nächsten Ziel Mammoth Mtn. Zum ersten Mal zeigte der schneearme Winter sich von seiner positiven Seite, die etwas kürzere Strecke via Highway 89 zur Interstate 395 über den Monitor und Luther Pass, war bereits offen. Die abendliche Stimmung und Peter Gabriel’s Solsbury Hill taten ihr übriges zu der atemberaubenden Landschaft, die kaum amerikanischer sein könnte und doch schlicht weg als „unfucking fassbar“ betitelt werden dürfte, ohne dabei nur ansatzweise kitschig zu sein. Vorbei am Mono Lake und June Mtn grinste uns plötzlich unmittelbar vor der Abfahrt Mammoth ein nahezu perfektes Couloir im letzten Abendlicht an.

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Mehr dazu gibt es im 2.Teil über unseren Trip quer durch Kalifornien im Januar Ausgabe – so stay tuned für mehr Infos rund um die Möglichkeiten, die High Sierra im Skigebiet von Mammoth Mtn. und drum herum mit Ski zu erkunden…

Nützliche Websites für Neugierige:

www.skilaketahoe.com | Alle Skigebiete rund um den Lake Tahoe vereint
www.squaw.com | Das "must visit" am See lockt mit 27 Liftanlagen, etlichen ausgeschilderten Offpistruns und insgesamt 100 Pistenkilometern von 1890 bis 2758 Metern Höhe.
www.skiheavenly.com | Nicht nur für Aussichtsfetischisten. Zwar gibt es wenig offenes Gelände, dafür aber leicht zu erreichende und nahezu unerschöpfliche Treeruns, 24 Liftanlagen, sowie knapp über 90 Pistenkilometer mit zahlreichen geilen Buckelruns von 1906 bis 3060 Metern Höhe.
winter.kirkwood.com/site | Kaliforniens anspruchvollstes Terrain wird von 13 Liften erschlossen, die etliche Möglichkeiten erschließen, sich zwischen 65 Pisten kilo - meter von 2377 bis 2987 Metern Höhe.
expedition.kirkwood.com | Sehr zu empfehlender perfekter Guidservice rund um Kirkwood.

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