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Frauenpower | Arlberg


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Wenn man sich die Ergebnislisten der Freeride Contests des vergangenen Winter anschaut, fällt bei den Frauen eins sofort auf: Freeride Worldtour, Siegerin Nadine Wallner, Homespot Arlberg. Open Faces Series, Siegerin Katharina Schuler, Homespot Arlberg. Österreichische Freeride Staatsmeisterin, Angelika Kaufmann, Homespot Arlberg. Zweiter Platz am härtesten Hang der FWT, Lorraine Huber, Homespot Arlberg. Der Arlberg! Die Wiege des Alpinen Skilaufs. An dieser Wiege muß wohl irgendwas besonders sein! Oder sind es die Berge, der Schnee, das Umfeld? Oder ist es nur Zufall, dass die Creme de la Creme des Freeridens alle an einem Berg zu Hause sind? Alle vier sind dort aufgewachsen und haben dort Skifahren gelernt. Und das scheinbar so gut, dass sie heute die Freerideszene dominieren wie keine Anderen.

02

Es ist April 2013, alle Wettkämpfe sind gefahren, alle Titel vergeben. Die Saison neigt sich dem Ende. Für uns genau der richtige Zeitpunkt, um die vier erfolgreichsten österreichischen Freeriderinnen in Ihrem Heimatspot zu besuchen und ein bisschen Detektivarbeit zu leisten. Leicht ist das Unterfangen, vier Frauen terminlich unter einen Hut zu bringen, nicht. Fotoshooting mit den Sponsoren, Uni, ein Trip nach Alaska, Buchungen als Skiguide – die Damen sind sehr beschäftigt. Es kostet einige Geduld, Telefonate und Mails, bis ein Termin gefunden ist. Aber alle vier, an einem Tag, zusammen mit uns auf die Pisten – und daneben – zu bringen, ist dann doch unmöglich. Bei jedem Terminvorschlag unsererseits kommt von irgendwem eine Absage und angesichts des drohenden Saisonendes und der Termindichte der Damen müssen wir irgendwann den Kleinsten gemeinsamen Nenner akzeptieren und auf Lorraine verzichten. Sie ist fast den ganzen April in Alaska für das Filmprojekt „Shades of Winter“ von Sandra Lahnsteiner unterwegs.

03
Wir treffen uns in Lech am Rüfiplatz. Ganz Skiguide-like sind alle pünktlich und sofort abmarschbereit. Lifttickets braucht natürlich niemand - eine Arlberg Saisonkarte gehört zum guten Ton. Und schon beim Warten auf die erste Gondel geht es los: ‚Was hast Du denn so die letzten Wochen getrieben, hast des Projekt machen können, bist die Line gefahren‘ – so oft sehen sich die drei, obwohl sie alle am Arlberg wohnen, doch nicht. Nadine ist in Klösterle zu Hause und hat noch eine Wohnung in Innsbruck, wo sie studiert. Katharina wohnt zusammen mit Ihrem Freund Björn in St. Anton und Geli in Lech. Und so viel wie sie alle unterwegs sind, kommt es sehr selten vor, dass sie sich treffen, geschweige denn zusammen „einfach nur Skifahren“. Genauso wenig trifft man sich bei den Contests. Nadine war in der Königsklasse unterwegs, Katharina hat sich auf die Open Faces Series konzentriert und Geli hat am Arlberg wieder mal alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Oben angekommen steht zuerst mal die Tour Planung an: Es fallen die Namen aller bekannten Varianten – und auch die von einigen unbekannten – es werden Hangneigungen, Wetter, Schneedeckenaufbau und Sonneneinstrahlung diskutiert – Profis bei der Arbeit! Fotograph Hansi und ich werden nur unwesentlich in die Entscheidungsfindung mit einbezogen. Aber wir würden es auch nie wagen, den titelbehangenen Locals zu widersprechen. Dass die Damen unglaublich auf den Skiern stehen braucht nicht erwähnt zu werden. Und es scheint so, als würden sie jeden Zentimeter Piste, jede Kuppe, ja sogar jede Schneeflocke mit Vornamen kennen. Es ist einfach ein Genuss hinter den dreien herzufahren und die selbstverständliche, sichere und schnelle Art des Skifahrens zu bewundern.
Nur der Schnee macht uns ein paar Probleme. Tagsüber ist es schon sehr warm und der Schnee wird richtig weich, aber Nachts friert es noch. Das führt zu einem unangenehmen Deckel und es verlangt einiges an Gefühl die Schwünge so zu setzen, dass man nicht einbricht. Für mich und Hansi – der ja auch noch seinen schweren Fotorucksack auf dem Rückenhat, ist es eine echte Qual. Die Mädels – in dem Moment alle gefühlte 50kg leichter – scheinen die Bedingungen irgendwie gar nicht zu interessieren. Hansi erklärt wie sie fahren sollen und das wird auch eins zu eins umgesetzt. „Könnt Ihr über die Wechte springen?“ „Logisch! Wo sollen wir landen?“ Profis bei der Arbeit!

04

Sobald wir irgendwo warten müssen oder im Lift sitzen, wird über die vergangene Saison gesprochen. Nadine hat natürlich am meisten zu erzählen und ist noch voll mit Eindrücken von der Tour und vom Finale in Verbier. In einer Mischung aus Wundern über sich selbst, totalem Glück und „ich kann es noch immer nicht ganz fassen“ fasst sie Ihre Saison in der Madlochbahn zusammen: „Mein Ziel war es, mich über die Saison für Verbier zu qualifizieren und möglichst gute Runs bei den Tourstops zu fahren. Aber als Weltmeisterin aus dieser Saison auszusteigen stand sicherlich nicht auf dem Plan.“ Nadine als Rookie beim ersten Stopp der Freeride World Tour in Revelstoke am Start und gleich auf´s Stockerl. Beim zweiten Wettkampf in Chamonix gelang ihr Platz zwei. Nach Krickwood, dem dritten Stopp und Platz 5 kam sie mit der Goldenen Startnummer zu Ihrem Heimatstop nach Fieberbrunn. „Das Wochenende in Fieberbrunn war für mich einer der schönsten Contests, den ich je gefahren bin!“ Und mit dem 1. Platz stand auch noch das perfekte Ergebnis auf dem Papier. „Es war wunderbar, dass Familie und Freunde auch live dabei sein konnten.“ Nach dem Sieg in Fieberbrunn hatte sie einen ziemlich sicheren Punktevorsprung für das Finale in Verbier und musste dort das Erreichte eigentlich nur noch „verwalten“. Umso schöner war dann der 3. Platz am Bec de Roses. „Nach meiner ersten Fahrt am Bec war es offiziell. "Weltmeisterin". Für Nadine ist der Titel aber nicht das Wichtigste. Sicher hat sich die ein oder andere Tür geöffnet, durch die sie dann auch gegangen ist, aber eigentlich zählen für sie andere Sachen: Erfahrung, Leute, Orte, Berge… „Ich habe viele Orte dieser Welt bereist, an denen ich noch nie zuvor gewesen bin. Ich habe neue Berge, Landschaften, Leute und Natur erleben und erfahren dürfen. Ich glaube das ist einer der wichtigsten Gründe, wieso ich es mache und es mir Spaß macht.“

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Spaß macht auch unser „Job“ heute! Das Wetter ist perfekt, die etwas anspruchsvollen Schneebedingungen machen unseren drei Mädels nichts aus und der „Gatsch“ auf der Piste wird einfach zum „Powder des Frühjahrs“ erklärt! Rund ums Stierloch finden wir noch ein paar wirklich schöne Hänge und wieder zeigen uns die drei, warum sie ihre Titel tragen. Auf der Madlochabfahrt ist es dann Geli, die den Speed vorgibt. Schließlich ist das eine der Schlüsselstellen beim „Weißen Ring“. Ihr Heimrennen, das sie seit Jahren mit großem Abstand gewinnt. Bei ihr lag der Schwerpunkt in der vergangenen Saison eher beim führen Ihrer Gäste am Arlberg, wo sie seit letztem Jahr selbstständig als Skiguide arbeitet. „Ihnen dieses facettenreiche Gebiet hier näher zu bringen und dort mit ihnen zu "spielen" gab mir sehr viel Kraft und Energie, speziell wenn sie am Nachmittag einen fetten Grinser im Gesicht hatten.“ Dennoch suchte sie letzte Saison immer wieder nach einem „Ausgleich“, um auch mal an Ihre persönlichen Grenzen zu stoßen. Das war dann entweder Contestfahren in der FWQ Tour oder bei Ihren Heimrennen, dem Weißen Ring oder dem Weißen Rausch – bei dem Sie nun auch schon seit Jahren ungeschlagen ist. Dass Geli im Herzen eine Racerin ist und der Typ Frau, der immer mit dem "Kopf durch die Wand" geht, spiegelt sich beim Freeriden wieder. „Ich fuhr das, worauf ich am meisten Lust hatte und ging immer volles Risiko. Kam ich mit viel Glück durch, stand ich weit vorne, aber meistens endete es in einem Crash“. Trotz allem konnte sie den Titel 1.Österreichische Freeridemeisterin mit nach Hause nehmen. Was jetzt hier in ihrer Heimat mehr zählt, der Staatsmeistertitel oder die Dominanz beim „Ring“ kriegen wir nicht ganz raus, aber das ‚Hallo‘ ist groß, als wir zu einem Kaffee auf der Palmenalpe einkehren. Bei Katharina begann die Saison erst mal mit viel Arbeit. Und das leider nicht „auf Schnee“ sondern mit stink normaler Büroarbeit. Für den Tourismusverband Lech-Zürs hat sie die Snow and Safety Conference organisiert. Hunderte Telefonate, tausende Mails und viel, viel zu wenige Tage im Schnee. Aber auch bei ihr startete nach einer sehr gelungenen Premiere des SSC eine gute und durchaus erfolgreiche Winter- und Wettkampfsaison. Die Open Faces Series bestand letzte Saison aus sieben Rennen, alles ein Stern, zwei Stern oder drei Stern Freeride World Tour Qualifier. Mit Ihrem Sieg beim ***Bewerb am Stubaier Gletscher, dem zweiten Platz beim X OVER RIDE am Kitzsteinhorn und den guten Ergebnissen bei den anderen Rennen, konnte Katharina so viele Punkte sammeln, dass sich am Ende der Gesamtsieg ausging. Auch ihre Augen beginnen zu glänzen, wenn sie vom Skifahren spricht - die Faszination dabei besteht für sie in der Freiheit und Ungewissheit, die der Berg bietet. „Ob breite Hänge oder schmale Rinnen – ich kann frei entscheiden wie ich den Berg befahre, wie ich mit dem Gelände spiele oder welchen Gefahren ich mich aussetze“. Ja, die Mädels haben viel erlebt in der vergangene Saison. Und wenn man mit ihnen unterwegs ist und diese Begeisterung fürs Skifahren und die Berge spürt, dann gibt es nur eine Erklärung: Das ist ihnen in die Wiege gelegt worden. Und die stand ja bei allen hier am Arlberg.

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Was Lorraine in der Saison 12/13 erlebt und erreicht hat könnt Ihr lesen.

Infobox Lech:
Wintersaion vom 05.12.2013 bis 27.April 2014
Durch die neue Verbindung zwischen den beiden Skigebieten Ski Arlberg mit Lech Zürs und Warth- Schröcken entsteht das größte Skigebiet in Vorarlberg. Mit der "Ski Arlberg Karte" stehen am gesamten Arlberg nun 94 Skilifte und 340 Kilometer Skiabfahrten zur Verfügung.

Hotel Garni Lavendel
Haus 447
6764 Lech
Spullersee Appartements
Tannberg Nr. 512
6764 Lech am Arlberg
Pension Stierfall
Zug 496
6764 Lech
www.lavendel.at
info@lavendel.at
www.spullersee.at
office@spullersee.com
www.pension-stierfall.at

Anreise im Winter:
Von Österreich, Deutschland und der Schweiz bestehen gute Bahnverbindungen zum Arlberg – auch von den beiden Flughäfen Zürich und Innsbruck. Autofahrer sollten – speziell an Samstagen während der Hauptsaison – Ihre Anreise so wählen, dass die Streckenabschnitte Feldkirch-Lech bzw. Imst-Lech vor 09:30 und nach 14:00 Uhr benützt werden. Im Winter muss mit schneebedekten Fahrbahn gerechnet werden und in Österreich herrscht ab dem 01. November Winterreifenpflicht. Auch die Mitnahme von Schneeketten ist empfehlenswert, bei starker Schneefahrbahn ist Schneekettenpflicht am Flexenpass.

Wohnwagen:
Das Abstellen von Wohnwagen und anderen mobilen Unterkünften ist im Gemeindegebiet von Lech Zürs untersagt.

Karten:
FREERIDE MAP © Austria Arlberg und Lech/Zürs

Infos & Buchungen:
www.lech-zuers.at

plan

Fotos: Hansi Heckmair, Text: Ralf Jirgens




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