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Tignes "Haute Tarentaise"


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Nachdem der Winter bei uns in Österreich etwas langsam in die Gänge kommt, beschließe ich Ende November einer Einladung zu folgen. Mathieu Navillod und sein Bruder Charles sind in Tignes geboren und aufgewachsen, sie berichten mir von mehr als einem Meter Neuschnee in den nächsten Tagen. Viel frischer Pulverschnee und die französischen Alpen, ich muß nicht lange überlegen, packe meine Sachen und trete also die zehnstündige Autofahrt in die „Haute Tarentaise“ Region nach Tignes an.

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Mit 2.000 Höhenmeter ist der kleine Ort, der von 2200 Einwohnern bewohnt wird, einer der höchstgelegenen der Alpen. Die Großeltern der Navillod Brüder lebten damals noch im alten Tignes. Eine sehr traurige Geschichte über die seine Großmutter nicht gerne spricht, berichtet mir Mathieu. 1952 wurden die Einwohner gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Ein großer Damm aus Marmor wurde errichtet, der Fluß Isére aufgestaut und das alte Dorf verschwand im „Lac du Chevril“. Heute erinnern nur noch Fotos und ein Denkmal an das alte Tignes. Marmor war damals die günstigste Variante, Chevril war umgeben davon. Mathieu erzählt mir, sein Onkel Maurice baue auch heute noch Häuser aus Marmor, jedoch wissen nur ganz wenige den Geheimplatz.

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Massen an Schnee ist bei meiner Ankunft noch nicht zu sehen aber das sollte sich die kommenden Tage ändern. Eine Woche später messen wir rund zwei Meter frischen Pulverschnee. So viel, dass es abseits der Pisten zu gefährlich wäre. Lawinenwarnstufe vier, teilweise sogar fünf flößen uns ordentlich Respekt ein. So besuchen wir den Wald im Skigebiet Val d´isere, welches mit Tignes verbunden ist. Nach einem sonnigen Tag mit hüfthohem feinsten Pulverschnee beginnt es abends erneut zu schneien. Nichts ungewöhnliches – während die östlichen Alpen noch auf den großen Schneefall warten, wird es uns hier beinahe zu viel. Der nächste Tag ist wie schon zuvor sehr heiß, Lawinenwarnstufe vier. Jedoch finden wir einige gemütliche Abfahrten auf der „Palafour“, der Süd-Östlichen Seite von Tignes. Zugegeben, es ist wirklich hart nein zu sagen, umgeben von unglaublichen Coloirs, Pulverhängen und Felsen, staune ich über dieses Paradies und Freeridemöglichkeiten. Verlockend machen uns die Hänge an, jedoch sprechen alle Zeichen dagegen, es ist einfach zu gefährlich. Jedoch genießen wir auch im sicheren Gelände einige Turns im unverspurten Pulverschnee.

Ein Hang beeindruckt mich allerdings schon seit meiner Ankunft. Wir schauen direkt rüber, rot gefärbt von der untergehenden Sonne, zu den faszinierenden Coloirs des „Les Tuffs“. Charles erzählt mit strahlenden Augen über seinen Lieblingsspot: „Das Gestein ist Kalk Tuff. Sehr weiches Gestein welches nicht stopt wenn man drüber fährt. Mehr als 15 Linien sind möglich, extrem Steil und vielfältig. Jedesmal wenn wir hier fahren ist es anders und wir finden was Neues“. Wie in jedem Gebiet haben auch hier die Locals ihre secret Spots: „In Le Tuffs muss man sich sehr gut auskennen, dann findet man die richtig guten Sachen“, grinst Charles.

Einen Tag vor meiner Abreise hat sich der Schnee gut gesetzt und vor dem nächsten Schneefall, der sich laut Meteo France schon wieder ankündigt, genießen wir einen unglaublichen Tag. Perfekter Schnee, blauer Himmel und Sonnenschein. Mathieu zeigt mir die Couloirs von „Chardonnet“. Mit dem „Grattalu“ Lift geht es rauf, nach dem Ausstieg ein kurzer hike und wir stehen vor unserem unverspurten Coloir, zwar nicht allzu lang, dafür aber perfekter Schnee und eine gute Hangneigung. Nach dem zweiten Run sprechen wir uns kurz ab und beschließen „Les Tuffs“ zu fahren. Ich bin ziemlich aufgeregt, immerhin starre ich nun schon seit einer Woche auf diese faszinierende Felsformation. Ich hätte nicht mehr damit gerechnet. Für die längeren und extrem steilen Coloirs fehlt leider noch etwas die Basis, jedoch eröffnen wir die linke Seite von „Les Tuffs“. Ein fetter Grinser macht sich breit. Einfach perfekt dieser Run, der am „Lac de Tignes“ endet. Wir nehmen den Bus zurück und geben uns „Les Tuffs“ noch einige Male.

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Müde von einem langen Vormittag warten wir in der Grizzly Bar auf Charles, der bis Mittag arbeiten musste. Zwar ist die Bar von Jean Louis Authier eher was für dicke Brieftaschen, jedoch ist Teetrinken in der Grizzly Bar ein Erlebniss wert. „Jean Lois ist ein großer Dickschädel“, erzählt mir Mathieu, „aber ein sehr netter Kerl“. Gekleidet in Lederstiefel, einem Muskelshirt, langer grauer Mähne und geschmückt mit haufenweise Indianischem Schmuck. Jean Lois ist ein richtiges Unikat, genauso wie seine Bar. Penibel richtet er die Speere über dem Kaminofen, alles hat seinen Platz und er achtet sehr darauf. Umgeben von geschnitzten Bären, Bildern von Indianern, Fellen und handgemachter indianischer Einrichtung fühle ich mich unglaublich wohl, versinke in der Couch und vergesse beinahe auf die guten Runs, die noch auf uns warten.

Mit Charles starteten wir dann in Richtung „Les Lanches“. Viel Triebschnee verwehrt uns zwar einige gute Abfahrten, aber wir finden noch genügend frischen unverspurten Schnee. „Du musst beim Traversieren nach oben schauen“, ruft mir Charles zu. In unserer Querung enden sechs bis sieben traumhafte Couloirs. Nicht schwer zugänglich, lediglich 30 Minuten Aufstieg. Mein Mund steht offen, ich bin einfach so beeindruckt von diesem riesigen Paradies und Freeridemöglichkeiten. Es gibt so viel zu machen, einfach unglaublich. „Hast du gesehen, das „Couloir des Espagnoles“ und gleich daneben siehst du noch die P1, P2, P3, P4 und P5 Couloirs aber die zeigen wir dir dann, wenn du wieder nach Tignes zurück kommst“ grinst Charles.

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TIGNES – INFO

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Die „l'arobaze“ Bar ist zwar keine außergewöhnliche Bar, jedoch die most famous bar in Tignes mit den besten und ausgelassensten Partys. Die ganze Nacht legt ein DJ auf und alles trifft sich dort zum feiern. Das „La Ferme Des 3 Capucines“ ist eines der besten Restaurants in Tignes und auch leistbar. Gespeist werden typisch einheimische Gerichte und hausgemachter Käse auf dem ältesten Bauernhof im Ort, der zu einem Restaurant umgestaltet wurde. Sehr empfehlenswert!
www.lafermedes3capucines.com

Das Appartement „Chalet Navillod“ wurde vom Eigentümer Maurice Navillod vor einem Jahr selbst gebaut. Viel Holz und Steinmauern, welche aus der Gegend abgebaut wurden, zieren das modern eingerichtete Appartement. Perfekt für eine größere Gruppe von 7 - 8 Leuten. Für eine Woche bezahlt man für die traumhafte Unterkunft direkt am Lift ab ca. 1500 Euro (je nach Periode)
www.chaletnavillod.com

Das Hôtel „Le Paquis“ ist ein traumhaft schönes Hotel errichtet im typischen Stil aus Holz und Steinen. Das Hotel wird geführt von der ehemaligen Skirennläuferin und Olympia Zweiten Perrine Pellen und ihrem Mann. Pro Nacht bezahlt man für B&B pro Person und je nach Periode 90 Euro aufwärts.

Cédric Pugin ist selber Freerider und zudem noch Guide im benachbarten Val d'Isère. Cedric bringt die Freerider in Tignes und Val d'Isère zu Plätzen, die sonst nur Einheimischen vorbehalten sind. Egal ob mehr in Richtung Freeskimountaineering oder Freeride, er ist der beste Guide und auch Skifahrer im ganzen Gebiet. Kontakt: C.pugin.ski@gmail.com oder aber
www.ski-horspiste.com

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Anreise: Von München aus ist man am schnellsten, wenn man über Zürich, Genf, Annecy nach Tignes fährt. 750 KM für die man ca. 8 - 9 Stunden braucht. Jegliche Passtraßen z.B. über Chamonix sollte man sich sparen. Fährt man von Innsbruck aus, ist die Strecke über Verona, Mailand , Turin zwar etwas schneller, aber durch die Mautstraßen um einiges teurer.




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