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CALIFORNIA DREAMING - LAGUNA BEACH


Der Bergstolz-Bike-Sommer 2017 steht ein wenig unter dem Motto "California dreaming": im Spätsommerletzten Jahres konnten wir – das heißt Fotograf Toni Brey und ich – nämlich einen außergewöhnlichenTrip in den US-amerikanischen Westen unternehmen. Was wir dort erlebt haben undwen wir kennenlernen durften, könnt ihr nicht nur in dieser, sondern als Roadtrip in mehreren Teilenauch in den kommenden Bergstolz-Ausgaben nachlesen. Viel Vergnügen nun mit dem ersten Part,unserem Start in Laguna Beach.

Nach einem langen Flug in Los Angeles angekommen, holen wir als erstes unser Auto im Verleih ab –richtig amerikanisch einen Dodge Ram - und laden unsere Bikes auf. Dann geht es direkt RichtungLaguna Beach. Was diesen Ort so besonders macht, ist die Dichte an Bike-Legenden, die hier lebt unddie Dichte an Biketrails, die hier (unter anderem von besagten Bike-Legenden) im Lauf der Zeit angelegtwurden. Erstere wollen wir treffen, zweitere fahren. Besser könnte der Startpunkt unseres Roadtripsalso kaum gewählt werden.So cruisen wir dahin auf dem Highway Number 5 gegen Süden, nach Laguna Beach, das am Pazifikgelegen und der Inbegriff des "California dreams" ist: Künstlerstadt, Hippie Kommune, Traumstrände,Surfen, fette Villen und noch fettere teure Sportwagen, lässiger Lifestyle. So viele Teslas wie hierrumfahren sieht man nirgendwo anders. Das ganze Jahr Sonne über dem glitzernden Pazifik und derTraum vom Big Business. Man denkt nicht unbedingt an Biken, wenn man hier ankommt. Die Hügelsind nur um die 200 Meter hoch, aber es gibt einen Haufen davon, und wenn man hinaufschaut kannman schon die unzähligen Wege entdecken, die fein verästelt die Hügel überziehen.

Warum haben sich ausgerechnet hier so viele Bike-Legenden angesiedelt? Die Antwort auf diese Frageliegt in den frühen 1980er Jahren. Damals haben sich in Laguna Beach einige Dudes zum Laguna Rads*Cycling Club zusammengeschlossen. Sie waren eine verschworene Gemeinschaft von Bikern, die ihrenSport enthusiastisch betrieben haben und auch heute noch betreiben. Sie gelten als die Vorreiter desFreeridens, die ersten Mountainbiker und Freerider in Südkalifornien. Die Rads riefen zwei der bekanntestenMTB-Rennen ins Leben: die Rads Challenge ab 1984 und das legendäre DownhillrennnenLeaping Lizard ab 1983. Auch Heroes wie John Tomac waren hier mit von der Partie – 1986 musste erwegen eines Schadens am Auto zusammen mit Byron Friday hinradeln, sie kamen gerade rechtzeitigzur Afterparty…

Die Strecke des Leaping Lizard, der Telonics Trail führt vom Top of the Worldhinunter zur Laguna Canyon Road. Das ist keine sehr lange Strecke, aberteilweise sehr steil und ausgesetzt. Mit ihren ungefederten Bikes stürzten siesich verwegen die verblockten Steilstufen hinunter, das Rennen hat bis heuteKultstatus.

Mit dabei natürlich auch Hans Rey, der sich in Laguna Beach in den frühen1990er Jahren niedergelassen hat und ein Mitglied der Rads ist. Übrigens: mankann nicht einfach Mitglied werden, man muss vorgeschlagen und nominiertwerden, und nur, wenn alle Mitglieder einverstanden sind, wird man aufgenommen.Auch Hans Rey betont den Einfluss den diese Truppe auf ihn hatte: "DieRads hatten einen riesigen Einfluss auf meine persönliche Karriere. Sie habenmich zum Moutainbiker gemacht und mir den Spirit unseres Sports eingeimpft.Meiner Meinung nach sind die Rads die Pioniere des Freeridens und haben denGeist der frühen Mountainbike-Tage bis heute bewahren können."Die Rads sind zu einem guten Teil mit dafür verantwortlich, dass die Region zumBikeparadies wurde, sehr viele der vorhandenen Trails wurden von ihnen angelegt,sie kümmern sich auch um die Instandhaltung. So ist hier ein wahnsinniggroßes Netz an Trails entstanden, unzählige Varianten sind möglich, von derkurzen Runde bis hin zu langen Ausfahrt. Es gibt einfache flowige Trails, aberselbstverständlich auch technische anspruchsvolle, schnelle. Für jeden ist etwasdabei und das macht den Reiz der Gegend aus. Etliche Locals haben ihre eigenenTrails mit angelegt, so gehen die von Brian Lopes direkt hinter der Schule in derNähe von Top of the World weg. Hans Reys Trail führt bis hinter sein Haus. Wirdurften zwar alle Trails begutachten, konnten aber nur einen kleinen Teil selberfahren – ansonsten wären wir wahrscheinlich vier Wochen geblieben…

Mit reichlich Jetlag in den Knochen aber topmotiviert machen wir uns am nächstenTag schon sehr früh auf, die Gegend zu erkunden. Zum Warmfahren: hochzum Top of the World und dann in südlicher Richtung den Meadows Trail hinunter,genau das Richtige zum wach werden. Der flowige Trail führt in ein Seitental,den Aliso Creek, hinunter. Von dort aus geht es durch den Wood Canyonim Cross Country Style rauf und runter und am Ende wieder steil ansteigendhoch zum Top of the World. Die Anstiege sind recht knackig, gut, dass es nochnicht so heiß ist. 20 bis 25% Steigung und noch steiler sind keine Seltenheit. Jehöher die Sonne steigt, desto wärmer und trockener wird es. Man erzählt uns,dass es seit sieben Monaten nicht mehr geregnet hat, dementsprechend ist allesstaubig…

Wieder am Top of the World angekommen, genießen wir die herrliche Aussichtüber den Pazifik und entdecken das riesige Netz an Fireroads und Trails. Wirnehmen den nächsten in Angriff, den "Rock it". Er verläuft leicht abfallend aufeinem Höhenrücken entlang, ist teils felsig verblockt, dann wieder sandig undführt hinunter in den Wood Canyon. Generell sind die Abfahrten in der Regelzwischen einem und zwei Kilometer lang und danach geht es wieder knackig bergauf. Die Anstiege sind richtig steil, aber meistens nicht länger als 100 bis200 Höhenmeter. So verbringen wir den Vormittag mit lustigem Bergauf-Bergabund kriegen gleich mal die ersten 1000 Höhenmeter zusammen.

Am Nachmittag steht eines unserer Trip-Highlights am Programm: Fotosessionund Interview mit Hans Rey und Brian Lopes. Gleich zwei Legenden, die hier inLaguna Beach leben. Hans Rey zeigt uns ein paar Traileinlagen – er hat es nochimmer ziemlich drauf - und Brian fasziniert mit seinem Style und den Jumps. Erwar einer der ganz Großen im Dual und 4Cross (mehr zu ihm kommt in einerunserer nächsten Ausgaben). Nach der Fotosession nimmt uns Hans noch mitauf seinen Hometrail, der direkt hinter seinem Haus endet. Er führt auf einemHöhenrücken entlang und schlängelt sich dann Richtung Meer hinunter.

Bei einem Sonnenuntergangs-Bier sitzen wir vor Hans Reys Garage und plaudernüber alte Zeiten. Ich kenne Hans ja noch aus München, wo ich einenLaden hatte in dem ich GT Bikes verkauft habe. Gleich in der Nähe hatte seineSchwester ein Bikereiseunternehmen und so kam es, dass er mich öfters besuchte,wenn er in München war. Seine Garage ist eine wahre Trophäensammlungan alten GT Bikes und Rahmen, zu jedem Teil kann er eine Geschichteerzählen und so endet unser erster langer Tag in Laguna Beach gemütlich mitalten Geschichten.

Am nächsten Morgen haben wir uns mit einer weiteren Legende zum Frühstückenin Down Town verabredet. Ich kann es nicht glauben, aber uns gegenübersitzt wirklich Troy Lee! Der No.-1-Airbrusher, Motocrosser, Downhiller und Inhabervon Troy Lee Designs. Troy ist heute Geschäftsmann und wohnt – wosonst – in Laguna Beach. Er hat hier einen Shop, der Hauptsitz der Firma befindetsich im 50 Kilometer entfernten Corona, wo die Designs für MTB, Motocrossund Rennsport Helme, Bekleidung und Sonstiges entstehen. Seit seinem letztenMotocross-Sturz kann er nicht mehr Mountainbiken, außer mit dem E-Bike. Erlädt uns nach Corona in den Hauptsitz seiner Firma ein, da er leider nicht mehrZeit für uns hat – die letzten Dinge für ein Show-E-Bike-Rennen beim KamikazeFestival in Mammoth Mountain müssen noch organisiert werden. Nach diesemFrühstück können wir uns natürlich den Abstecher in den Troy Lee Design Shopnicht verkneifen, danach geht es noch in die Laguna Beach Cyclery, einen urigenBikeshop, in dem wir uns noch mit ein paar Riegeln eindecken. Wir haben beschlossen,am frühen Nachmittag die andere Seite der Laguna Canyon Roadauszukundschaften.

Hier erschließt sich uns noch mal ein riesiges Netz an Wegen. Wir folgen einerFireroad und begeben uns nach der wie immer sehr steilen Auffahrt in den RidgeTrail, der sehr flowig und schnell wieder hinunter zur Laguna Canyon Road führt.Ein kleines Hinweisschild warnt uns vor den Klapperschlangen, aber Gott seiDank machen wir mit keiner die Bekanntschaft. Zum Abschluss des Tages rollenwir an die Strandpromenade und genehmigen uns ein paar kühle Bierchen. Dasind wir gleich mal 50 Dollar los, aber was soll's, Laguna Beach hat halt seinenPreis. Trotzdem zahlt es sich aus, hier vorbei zu kommen, die Stadt ist eine Reisewert und war uns zum Auftakt unseres Californien Trips ein toller Gastgeber.Schon am nächsten Tag machen wir uns auf nach Mammoth zum KamikazeFestival. Mehr dazu aber im kommenden Bergstolz…

Fotos: Anton Brey & Text: Günter Scholz

INFOBOX | LAGUNA BEACH

ANREISE.
• Flug München – Los Angeles ab ca. 500 Euro (Flugdauer ca. 12 Stunden) Auto am besten direkt am Flughafen mieten, einige Anbieter wie Sixt, Avis oder Budget Car Rental haben 24 Stunden geöffnet
• Vom Flughafen Los Angeles auf der Interstate 405, nach 47 Meilen rechts auf CA 73 bis Laguna Beach – 53 Meilen insgesamt

ALLGEMEINE INFORMATIONEN.
www.visitlagunabeach.com

BIKEGEBIET.
Das Gebiet teilt sich in 3 Parks:
• Crystal Cove State Park
• Laguna Coast Wilderness Park
• Aliso and Wood Canyon Wilderness Park

www.mapmyride.com/us/laguna-beach-ca www.mtbproject.com/directory/8007342/laguna-beach

UNTERKUNFT.
Wer mit dem Wohnmobil unterwegs ist, kann im Crystal Cove State Park campen.
Ansonsten gibt es unzählige Hotels in gehobener Preisklasse.

ESSEN.
• La Sirena Grill, Mexikanisch, 30862 South Coast Highway
www.lasirenagrill.com
• O Fine Japanese Cuisine, 30872 South Coast Highway
www.ofinejapanesecuisine.com
• Jack in the Box, 1201 South Cost Highway

BIKESHOP.
Laguna Beach Cyclery | 240 Thalia Street
lagunabeachcyclery.com




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