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POWDERCHASE SPECIAL


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Das Women’s Tourchase 2016

Eine mehrtägige Skitour nur für Mädels? Unsere Autorin war gleich Feuer und Flamme, als sie von dem Projekt erfuhr. Als es dann soweit war, brachen neun Ladies zu einer Durchquerung der Graubündner und Glarner Berge in die Schweiz auf – ein unvergessliches Erlebnis!

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Es ist Ende Februar 2016. Am Abend des zweiten Tages unseres „Women’s Tourchase“ sitzen wir erschöpft, aber glücklich bei Pizza und Rotwein im Restaurant Sternen in Elm im Schweizer Kanton Glarus und lassen die Ereignisse der letzten 48 Stunden Revue passieren.
Vorgestern Abend haben wir uns im Cube Hotel in Savognin getroffen: Neun Teilnehmerinnen des Women’s Tourchase aus Deutschland und Holland, Bergführer Ben Reuter und Bergführeraspirantin Charlie. Ben erklärte uns den Plan: „Wir verbringen drei Tage miteinander. Es geht von Savognin inmitten der Graubündner Alpen an den Nordrand der Alpen nach Schwanden. Da wir so viele Gebiete durchqueren, werden wir unterschiedlichste Wetter- und Schneebedingungen erleben.“

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Das Women’s Tourchase ist das neueste der Powderchase-Projekte, die Ricarda Schneegass mit ihrem Team seit einigen Wintern regelmäßig anbietet. Das Prinzip der Powder-Trips in die Alpen lautet normalerweise: Um Freeriden zu perfekten Bedingungen zu garantieren, ist bei der Buchung nur das Datum fix. Schnee und Wetter bestimmen die Location – erst kurz vor der Abreise steht fest, wo es hingeht.
Bei den Tourchases gilt das gleiche Format, allerdings geht’s nicht „nur“ ums Freeriden, sondern man bricht in gemischter Gruppe mit Bergführer zu einer richtigen Skitour auf. Beim Women’s Tourchase, das zum ersten Mal stattfindet, stehen drei Tage Skitourengehen nur mit Mädels auf dem Programm. „Hier ist diejenige richtig, die sich gerne ein wenig schindet – aber vor Traumkulisse, in der Abgeschiedenheit der Berge, ohne Lifttrubel oder Menschenmassen“, so das Versprechen auf der Website, das mich gleich zur Buchung verleitet hat. Ben und Ricarda haben uns vor einer Woche informiert, dass es in die Schweiz geht, und uns die Routenplanung samt Karte und Höhenprofil zugeschickt.

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Betty, eine der Teilnehmerinnen, sagt mir am Vorabend des Starts: „Ich mache gerne verrückte Sachen, die ich zusage, bevor ich zu denken anfange.“ Sie lacht, fügt dann aber nachdenklicher hinzu: „Ich hoffe, dass ich es irgendwie schaffe – ich bin echt sehr nervös, weil ich so eine große Tour noch nie gemacht habe.“ Die Tour beginnt morgens mit schönem Wetter, über Savognin fliegen nur wenige Wolken vorbei. „Es wird heute relativ warm und windig“, prophezeit Ben. „Je weiter wir hochkommen, desto windiger wird es sein. Oben am Grat kann es recht pfeifen. Der Schnee wird immer besser, je weiter wir nach oben und in Richtung Norden kommen.“ Charlie erläutert ergänzend die Lawinensituation: „Wir haben gerade einen Dreier, also erheblich. Wir müssen aufpassen. Aber wir haben eine Route ausgewählt, die sicher sein sollte.“ Ben und Charlie haben für jeden Tag mehrere Routen vorbereitet – für heute entscheiden sie sich für die nördlichste davon. Wir nehmen jetzt Sessellift, Bahn und dann einen zweiten Sessel auf den Piz Martegnas bis auf 2670 m.

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Dann fahren wir auf weiten Hängen den Berg hinten runter in ein einsames Tal nach Alp Foppa. Dort beginnt der Anstieg. Wir fellen auf und erreichen Ziteil, einen Wallfahrtsort auf 2429 m: „Diese Kirche ist eine Pilgerstätte und das höchstgelegene Gotteshaus der Ostalpen“, erklärt Ben. „In den Sommermonaten zwischen Juni und September kommen hier viele Pilger hoch. In dem benachbarten Pilgerhaus können bis zu 150 Menschen übernachten, es ist also eine recht große Stätte.“

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Wir steigen weiter auf den Grat zwischen Piz Curver und Curvér Pintg. Nach Überprüfung der Schneeverhältnisse entscheiden Ben und Charlie, dass wir den Steilhang auf der anderen Seite zur Viamala im Hinterrheintal herunterfahren können. Hätte die Lawinensituation die Abfahrt nicht erlaubt, wären wir umgekehrt und mit dem Postbus zu unserem Ziel in Flims Laax Falera gefahren. So genießen wir die Abfahrt, müssen dann allerdings unten die Ski noch bergab tragen, bevor wir uns in Zillis in den Zug nach Laax setzen. Dort kommen wir am Abend an und übernachten schick im Hotel Signina.

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Angelina, eine Sportstudentin aus Münster, die die Teilnahme am Women’s Tourchase bei einem Preisausschreiben des Tourchase-Partners Peak Performance gewonnen hat, resümiert: „Also ich fand den Tag megagut. Es hat total viel Spaß gemacht. Ich war anfangs richtig stark aufgeregt. Aber ich bin jetzt total zufrieden und auch stolz, dass ich das geschafft habe. Ich bin voll froh, dass ich hier bin und das mitgemacht habe, und dass man auch mal über seinen Schatten springt und dann so eine Erfahrung macht. War echt gut!“ Der Plan für den zweiten Tag: Mit den Liften bis auf den Vorab Gletscher, dann den Kamm entlang bis zum Panixerpass und hinunter ins Sernftal. Wegen des starken Windes sind die oberen Lifte von Laax allerdings geschlossen. Vom Fuorcla da Sagogn aus nehmen wir daher eine Route unterhalb des Kamms, um zum Panixerpass aufzusteigen. Durch das Jetzloch fahren wir dann auf der anderen Seite in spektakulär felsigem Gelände ab. Es ist spät geworden und wir lassen den ursprünglichen Plan fallen, auf der gegenüberliegenden Talseite zum Skihaus Erbs aufzusteigen. Stattdessen sucht Ricarda uns eine Unterkunft in Elm.

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Und jetzt genießen wir unser Abendessen im Sternen. Angelina sagt über den Tag: „So was Krasses habe ich noch nie gemacht! Ich hätte nicht gedacht, dass es so anstrengend wird. Aber jetzt, wo ich wieder unten bin und hier sitze, bin ich stolz auf mich.“ Für den morgigen Tag ist allerdings schlechtes Wetter vorhergesagt. Die Wirtin empfiehlt uns: „Geht’s lieber Schlittenfahren und Käsefondue essen im Älpli!“ Tatsächlich herrschen am nächsten Morgen widrige Sichtbedingungen. Wir entscheiden uns für eine „entschärfte“ Variante der ursprünglich geplanten Tour und touren nicht mehr auf den Chärpf (2622 m) hinauf. Stattdessen geht es mit Liften auf die Steinböden. Wir steigen noch kurz auf und fahren dann auf der anderen Bergseite Richtung Stausee Garichti ab. Mit Hilfe ihres GPS und viel Gespür für das Gelände navigieren uns Ben und Charlie trotz der mauen Sicht sicher durch das felsige Terrain. Am Ende der Tour erreichen wir an der Mettmenalp eine Gondelstation. Die kleine Gondel müssen wir selbst rufen und selbst die Türen schließen. Am Mittag kommen wir nach einer kurzen Sammeltaxifahrt in Schwanden am Zusammenfluss von Linth und Sernf an.

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Hinter uns liegen drei Tage voller Abwechslung, Herausforderungen und Naturschauspielen – der Weg über die drei Täler führte uns von weiten sanften Hängen bis zu wild zerklüfteten Schluchten. Wir passierten gewaltige, epische Felsriegel mit Eisfällen sowie enge Passagen durch Felsenmeere.

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Jeder Tag erforderte neue Überlegungen zu Route, Wetter-, Lawinen- und Schneebedingungen. Trotz aller Anstrengung mit dem Gepäck auf dem Rücken war es für alle eine einzigartige Naturerfahrung – wir sind uns einig, dass wir es wieder machen würden. Christina, eine der erfahrensten Skitourengeherinnen unter den Teilnehmerinnen, fasst es so zusammen: „Das war einfach ein Erlebnis – die Berge, der Schnee, und für einige auch, dass sie an ihre Grenzen und manchmal noch ein wenig darüber hinausgehen mussten. Und alles in einer Gruppe, in der man sich nicht schämen muss, das auch zuzugeben. Man kann sich gegenseitig bemitleiden und gleichzeitig auf die Schulter klopfen. Ein echtes Bootcamp mit fantastischer Kulisse und netten Leuten – was will man mehr?“

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INFOBOX:

TOURENBESCHREIBUNG:

Tag 1 – von Savognin nach Zillis (Viamala) ROUTE: Aufstieg per Liften zum Piz Martegnas, Abfahrt auf überzuckertem Neuschnee zur Alp Foppa, mit Fellen zum Grat zwischen Piz Curver und Curvér Pintg. Abfahrt bei wechselhaften Schneebedingungen nach Zillis; bergauf 1250 hm mit Bahnen und 650 hm auf Ski, 2250 hm Abfahrt; ca. 20 km Distanz inkl. Liftfahrten.

SZENERIE:Weite Hänge. WEITERREISE: Von Zillis mit Postbus & Zug nach Laax.
ÜBERNACHTUNG: Hotel Signina, Laax.

Tag 2 – von Laax nach Elm ROUTE: Aufstieg per Liften zum Fuorcla da Sagogn, Traversieren auf Fellen zum Panixerpass und Abfahrt durch ein Felsenmeer nach Elm; Bergauf 2000 hm mit Bahnen und 400 hm auf Ski, 2300 hm Abfahrt; ca. 23 km Distanz inkl. Liftfahrten.

SZENERIE: Auf der Laaxer Seite weite Hänge, auf der anderen Seite spektakuläre Felsbänder und Rinnen, am Ende eine lange Fahrt durch eine Schlucht.
ÜBERNACHTUNG : Gasthaus Segnes, Elm (geplant war Skihaus Erbs).

Tag 3 – von Elm nach Schwanden
ROUTE: Aufgrund Schlechtwetter nur Aufstieg per Lift auf die Steinböden und kurz weiter bergauf mit Fellen. Dann Abfahrt zum überschneiten Stausee Garichti. Mit Gondel und Sammeltaxi hinunter nach Schwanden; Bergauf 1700 hm mit Bahnen und 200 hm auf Ski, 1150 hm Abfahrt; ca. 11 km Distanz inkl. Liftfahrten.

SZENERIE: Abfahrt zwischen Felsen in ein enges Tal.
WEITERREISE: Von Schwanden per Zug nach Tiefencastel, wo die Autos zur Rückfahrt geparkt waren.

POWDERCHASE
Powderchase bietet Freeride-Wochenendtrips an, bei denen nur das Datum feststeht. Die Location, die sich irgendwo in den Alpen befindet, wird je nach Schneesituation bis einen Tag vor Anreise fixiert. Liegt nicht genügend Schnee, wird der Trip abgesagt und der volle Reisepreis erstattet. Steht die Vorhersage, wird der Spot festgelegt und die Teilnehmer reisen an.
An einem Wochenende und Spot sind maximal drei Powderchase-Gruppen unterwegs, die aus sieben Personen plus Bergführer bestehen. Die Einteilung erfolgt nach Niveau und / oder Sportgerät. Teilnehmen können Ski, Snowboard oder Telemarker, genug Kondition für fünf bis sechs Stunden im Gelände und kleinere Hikes von maximal 45 Minuten sollte man mitbringen. Und nicht zuletzt: bei allen Schneeverhältnissen sicher am Ski stehen.
Das Tourchase funktioniert ähnlich, ist aber stärker aufstiegsorientiert angelegt. "Earn your turns" lautet das Motto. Dabei werden zwei Gruppen gebildet werden, je nach Ambition.

www.powderchase.com

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Text: Gerti Ring | Bilder: Matthias Fend



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