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LIVIGNO - let it ride


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Wie wir auszogen, die Glückseligkeit zu finden

Sie schossen in den vergangenen Jahren in Europa wie Pilze aus dem Boden: Flowoder Flow Country Trails – der "neue" Fahrspaß für Jung und Alt, Anfänger und Pros.

Doch so neu ist der Trend gar nicht. Bike-Legende Hans Rey und Park-König DiddieSchneider haben die Vorteile der flowigen Trails schon lange erkannt. Warum also erstjetzt? Die Entwicklung des Mountainbike-Sports brachte auch die Entwicklung vonneuen Trails mit sich. Die klassischen Singletrails waren langweilig geworden, es mus-sten neue Features her. 01 Die Zeit war gekommen, dass Mountainbiker ihre eigenenTrails bekamen und die Wege nicht mit Wanderern teilen mussten. Flow Trails hinge-gen geben den Fahrern mit ihren Anliegern, Pumptracks, kleinen Jumps und Drops dasultimative "Achterbahn-Gefühl". Unerwartete Obstacles oder Kurven? Fehlanzeige!Hoch, runter, vor, zurück – die elegante Streckenführung macht übermäßigesPedalieren und Bremsen überflüssig. Mühelos soll es sich anfühlen. Ein flowiger Weggibt einen Takt vor – einen Wechsel aus Belastung und Entlastung. Alle Trails habeneinen Rhythmus, einen bestimmten Flow eben. Dadurch inspiriert, gab Hans Rey demKind erstmals einen Namen: Flow Country. "Flow Country ist ein von mir geprägterBegriff, der für künstlich angelegte Trails mit jeder Menge Flow steht", erzählt HansRey. "Er ist weder steil noch gefährlich, vorwiegend bergabwärts. Dieser Trail ist füralle Könnerstufen und jede Art von Mountainbike gedacht. Meiner Meinung nachschließt er die Lücke zwischen Freeride und Cross Country." Flow Trails sind das, wasdu aus ihnen machst: eine entspannte Fahrt mit den Kids, bei der Anfänger über DirtFeatures rollen und technische Passagen umfahren können, oder aber ein Spielplatzfür fortgeschrittene Fahrer, die ihre Skills und ihre Airtime ausbauen wollen.

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Die Möglichkeiten dieses Wunder-Trails erkannte auch das italienische Resort Livigno. Dort,wo Hans Rey seine Idee zum ersten Mal vor rund sieben Jahren präsentierte und DiddieSchneider das Flow Country Konzept ebenfalls zum ersten Mal realisierte, entstand 2015ein wahres Netzwerk an Flow Trails. War Livigno bisher vor allem durch den Mottolino BikePark bekannt, so wurde auf dem gegenüberliegenden Berg, dem Carosello 3000, ein wah-res Flow-Paradies geschaffen. Dieses ambitionierte Projekt soll Livigno zu einerMountainbike-Location machen, die sämtliche Facetten abdeckt – vom Downhill im Parküber abwechslungsreiche Bike-Touren bis eben hin zum entspannten Cruisen. "Das Flow-Trail-Wegenetz in Livigno ist in Europa in dieser Form einzigartig", schildert Hans. "Zwargibt es nun schon in einigen Regionen Flow Trails, aber nirgendwo sonst gibt es so vieleVariationen." Des Weiteren möchte Livigno mehr Leute zum Mountainbiken bewegen.Ganz klar ein wichtiger Punkt für sämtliche Regionen, die bisher hauptsächlich vom Ski-Tourismus leben. Mit dem Flow-Country-Konzept schafft Livigno ein Fahrerlebnis, das nie-mals extrem ist. Es ist für alle gedacht, die das Freiheitsgefühl der Berge und desMountainbikens erleben möchten. Um dies zu ermöglichen, bauten Local Alberto Clementund seine Crew in Kooperation mit Hans Rey und Diddie Schneider Strecken, die sowohlfür Anfänger als auch für Fortgeschrittene und Pros bestens geeignet sind.

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Das Unterfangen war gar nicht so einfach, die Größe des Carosello-Gebiets nicht zu unter-schätzen. Daher wurde zunächst eine Verbindung zwischen den Berg- und Mittelstationender beiden Gondeln geschaffen. Darin wurden auch bereits bestehende Tracks einbezogen,die zuvor nicht so gut zu erreichen waren. Allein die Planungsphase dauerte ein Jahr.Anders als bei "normalen" Trails gibt es ein paar Eigenheiten zu beachten: Sie sind imDurchschnitt ein wenig breiter als Singletrails, das Gefälle darf nie mehr als 10% betragenund die Anlieger müssen einen gewissen Radius haben. Natürlich ist die Sicherheit ein gro-ßes Thema, damit auch Anfänger heil den Berg runter kommen. Als ob das nicht schon genügend Punkte wären, spielen auch Umweltaspekte, wie zum Beispiel der Abfluss vonRegenwasser, eine nicht zu verachtende Rolle.

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Schön und gut. So viel zur Theorie. Doch halten die neuen Flow Trails in Livigno auch denhohen Erwartungen der Realität stand? Um dieser Frage nachzugehen, machen wir unsim Sommer 2015 auf den Weg ins Veltlin, um den neuen Fahrspaß auf Jumps und Bermszu prüfen. Wir sind nicht die Einzigen. Wir sind gar in prominenter Gesellschaft. Hans Reyhimself gibt sich die Ehre, am Eröffnungswochenende die jungfräulichen Wege zu shred-den. Damit aber noch nicht genug: auch Trials-Star und YouTube-Phänomen DannyMacAskill schaut in dem italienischen Tal vorbei. 2012 war er schon einmal derEinladung nach Livigno gefolgt, die Trails der Umgebung zu erkunden. Nun ist er zurück-gekehrt, um selbst das Werk seines Jugendidols zu testen. Genug der Worte. Die ersteFahrt steht an. Wir lassen uns von der Kabinenbahn auf knapp 3000 Meter bringen. Vondort müssen wir noch ein klein wenig bergauf strampeln – allerdings so minimal, dasses auch Freeride Bikes gut nach oben schaffen. Vor dem Vergnügen steht wohl immerdie Arbeit... Oben angekommen, liegen sechs Kilometer feinster Trail vor uns: der "Coastto Coast". Mit einer Höhendifferenz von 469 Metern geht es im freien Gelände einmalquer über den Berg. Und wie versprochen: nichts als ein sanft abfallender Weg,anschmiegsame Anlieger und kleine Sprünge. Wir genießen die Abfahrt, probieren unsaus. Vor uns Hans und Danny, jeder in seiner Geschwindigkeit, jeder in seinemRhythmus. Alles fließt. An der Costaccia-Hütte auf 2.360 Metern bleiben wir das ersteMal stehen. Kurze Verschnaufpause. "Woran erkennt man, dass es wirklich Flow Countryist?" fragt uns Hans. "An dem breiten Grinsen in den Gesichtern." Wie Recht er hat!Doch damit noch nicht genug. Die Fahrt ist noch nicht zu Ende. Also wieder rauf aufsBike und weiter zum "Roller Coaster", eine 3,5 Kilometer lange Strecke, die teilweisedurch den Wald führt und mit einem fantastischen Blick auf den Livigno See auf uns war-tet. Ein wenig technischer als der "Coast to Coast" Trail, aber immer noch auch für weni-ger geübte Fahrer super machbar. Kurve um Kurve schlängeln wir uns nach unten – undfühlen uns tatsächlich wie in einer Achterbahn. 342 Höhenmeter später erreichen wirglücklich und zufrieden die Carosello I Talstation. Nach diesem Eröffnungsritt sind wirbegeistert und haben Lust auf mehr. Mittels Lift- und Wadelkraft machen wir uns auf denWeg zurück zum Startpunkt. Im Carosello 3000 Restaurant legen wir eine Pause ein undHans plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen: "Wir haben hart dafür gearbeitet undich bin happy, wie Carosello 3000 die Trails umgesetzt hat. Diese Trails waren erst derAnfang – Livigno ist einer der weltweit besten Orte für Mountainbiking und die neueAnlage komplettiert das Angebot perfekt." Auch Danny ist vom Flow-Fieber angesteckt."Ich bin gerne in Livigno, wo ich zusammen mit Hans schon einiges abgefahren bin. DieFlow Trails sind der Hammer und machen auch mir als Pro wahnsinnig Spaß", resümiertder Schotte seine erste Abfahrt. Doch nicht nur die neuen Wege haben es ihm angetan,sondern auch die Pferde, die dort oben frei vor sich hin grasen. Nach einer kleinen Selfie-Session ziehen wir weiter. Zweite Runde Flow-Trail-Spaß. Und nach dieser folgt eine wei-tere. Wir können gar nicht genug bekommen. Zum Abschluss biegen wir ins Val Federiaab, das unseren Tag auf dem Carosello 3000 mit seiner großartigen Landschaft mehr alswürdig abschließt. Die dortigen Singletrails fühlen sich nahezu ungewohnt an, jetzt wirduns erst richtig der Komfort der Flow Trails bewusst. Unten im Tal angekommen, gibt eserst mal eine ausgiebige Stärkung. Verhungern kann man in Livigno wirklich nicht.

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Nach diesem Wochenende sind wir richtig angefixt. Wir wollen mehr Flow. Ein paarWochen nach unserer Jungfernfahrt kommen wir zurück nach Livigno, um den neu eröff-neten "Hutr Dream" zu testen. Zunächst geht es wieder ein Stück den "Coast to Coast"Trail runter, dann biegen wir rechts ab in den "Hutr Dream". Dieser kommt ein wenigtrotziger daher. Schnell und – natürlich – flowig mit weiten Anliegern und großen Tables.Wir geben Gas. Wow, holy sh…! Hier bekommen wir richtig Airtime und fliegen durchdie Luft. Wir werden eins mit unserem Bike, vergessen alles andere um uns herum.

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Der Glücksgefühlpegel schießt ins Unermessliche. Wissenschaftler nennen diesenZustand – genau… Flow! Hier ist der Beweis! 4,4 Kilometer und 400 HöhenmeterGeschwindigkeitsrausch später bremsen wir bei der Mittelstation. Wir wollen mehr über die Trails wissen und treffen uns mit Alberto Clement. Bei Pizzocheri, einer typischenSpezialität der Region, erzählt uns der Trail Manager, dass noch ein weiterer Weg inBearbeitung ist. Dieser soll diesen Sommer eröffnet werden. Die Bauarbeiten habenschon begonnen, die polnische Marathon-Weltmeisterin (2003) Maja Wloszczowskagab dazu den Startschuss. Scheint so, als ob sich in Livigno die MTB-Stars die Klinke indie Hand geben. Dieses Mal wird der 5,4 Kilometer lange Fahrspaß Elemente mit tech-nischen Passagen, wie sie beim Enduro typisch sind, kombinieren. Insgesamt bedeutetdas 20 Kilometer Flow Trails, 20 Kilometer Glückseligkeit. Nicht zu vergessen all dienatürlichen Trails, die es in und um Livigno noch zu erkunden gibt. Wir grinsen vor unshin, in Gedanken schon in der nächsten Saison. Völlig in unserem Flow.

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Text: Sabrina Rill | Foto: Bartosz Wolinski

Infobox

Die blanken Fakten:

COAST TO COAST
  • • Länge: 6 km
  • • Höhenmeter: 469 m
  • • Gefälle: 7,80 %
ROLLER COASTER
  • • Länge: 3,5 km
  • • Höhenmeter: 342 m
  • • Gefälle: 9,80 %
HUTR DREAM
  • • Länge: 4,4 km
  • • Höhenmeter: 400 m
  • • Gefälle: 9,25%

www.motolino.com | www.bikeparklivigno.com | www.livigno.eu




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