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YUKON ARCTIC ULTRA


yukon

"Ich schau immer, wo die nächste Grenze ist"

300 Meilen mit dem Rad durch Kanada - also 482,80 Kilometer. Das hört sich jetzt doch gar nicht so dramatisch an, oder? Wäre es nicht mitten im Kanadischen Winter und würde es sich nicht um den kältesten und härtesten Ultra Marathon der Welt handeln. Situationen, die unter normalen Umständen wenig problematisch sind, können im tiefen Winter des Yukon Territory absolut lebensbedrohlich werden. Der Trail des Montane Yukon Arctic Ultra folgt der Strecke des Yukon Quest, des härtesten Hundeschlittenrennens der Welt.

YUKON ARCTIC ULTRA

Dass Florian "Flori" Reitberger kein Problem mit Kälte hat, sieht man schon an seinem Outfit bei unserem Treffen im Dezember: Während alle anderen Kunden des Kaffee Dinzler am Irschenberg in wärmende Funktionsjacken gekleidet sind, erwartet er uns – natürlich direkt nach einer Skitour - in T-Shirt und kurzen Hosen. Dass sie gerade neben einem Extremsportler Ihren Cappuccino schlürfen, wissen sie natürlich nicht. Und das ist ihm so auch lieber, er ist keiner, der seine Touren, Gipfel und Erfolge rausposaunt. Er macht es für sich. Die morgendlichen Touren vor der Arbeit, Die "Summits für Nepal", "Bike & Skimountaineering" von seinem Wohnort am Chiemsee ins "Mont Blanc"- Gebiet und zurück, die Ski am Rad verstaut, hin und zurück in 4 Wochen. Und jetzt eben den Yukon Arctic Ultra.

YUKON ARCTIC ULTRA

Ein Zufall bringt ihn und Robert Pollhammer zusammen. Pollhammer organisiert das Rennen seit 12 Jahren. Witzigerweise sitzt er mit seiner Firma im Garmisch Partenkirchen, was natürlich vieles sehr viel einfacher macht. Flori und er verstehen sich auf Anhieb und so ist der Entschluss, bei dem Rennen zu starten schnell gefasst und die Vorbereitungen können beginnen. Die Strecke, das Rennen sind für Flori eigentlich kein Thema, aber die Kälte. "So extrem hatte ich das noch nie". Was brauche ich an Kleidung? Wie muss das Rad aufgebaut sein? Was muss als Notfallausrüstung unbedingt mit? Ein Glück, dass hier sowohl der Veranstalter als auch bisherige Teilnehmer mit Rat und Tat zur Seite stehen. Zusammen mit Sponsor Maxx Bikes wird das Rad aufgebaut: Die dicksten Reifen, Nabendynamo zur Stromversorgung und Beleuchtung, keine Teile aus Hartplastik, weil die bei der Kälte einfach splittern, eine mechanische Scheibenbremse, weil bei einer hydraulischen das Öl einfrieren kann. Und dann beginnt das Training – leider ist der Winter im November und Dezember viel zu warm und die Gletscherskigebiete sind nicht wirklich begeistert, als Flori um die Genehmigung fragt "a bisserl Rumradln und ein Winterbiwak aufschlagen zu dürfen". Dann kommt noch das ungewöhnlich breite Tretlager an seinem Fatbike dazu, an das Flori seine Beine und vor allem die Knie erst gewöhnen muss und eine fiese Erkältung dazu, die das "Kältetraining" wochenlang unmöglich macht.

YUKON ARCTIC ULTRA

So ging es also mit zu wenig Kilometern, zu wenig "Kältetraining" und einem "mächtig mulmigen Gefühl" im Bauch Mitte Januar ab Richtung Whitehorse, Yukon Territory, Kanada. Die ersten Tage passte er seinen Körper an die Zeitumstellung und die "Rennnahrung" an. Es folgen die ersten Testfahrten auf den Trails – einfache Skidoo- Spuren – rund um Whitehorse und die mehrstündige Unterweisung durch den Veranstalter. Auf Platz eins der Regeln steht: " Jeder Teilnehmer muss die Erklärung zum Haftungsausschluss unterschreiben". Kleine Fehler oder Verletzungen können hier gravierende Folgen haben. Eine Bergung ist zwar "jederzeit" möglich, kann aber nur "im Laufe von 48 Stunden garantiert werden". Der Trail ist zwar "gespurt" und markiert, die Markierungen können jedoch verblasen oder umgefahren sein. Nur erfahrene Winterathleten werden für die 300 Meilen-Strecke zugelassen. Sollte es für einen Teilnehmer der erste Ultra sein, so muss er der Rennleitung glaubhaft erklären können, warum Fitness und Können für die Bewältigung der Strecke ausreichen. Auf der 300 Meilen Strecke gibt es 8 Checkpoints in denen die Teilnehmer essen, schlafen und Ihre Sachen trocken können.

YUKON ARCTIC ULTRA

Am 04. Februar um 10:30 Ortszeit geht es dann endlich los. 35 Athleten, davon 3 Radfahrer, gehen auf die Strecke. Leider hat es am Vortag ordentlich geschneit, was das Biken sehr anstrengend bis unmöglich macht. Auf dem ersten Abschnitt bis zu Checkpoint 1 muss Flori sein Bike fast 5 Kilometer schieben. Die Temperaturen "steigen" in der Nachmittagssonne auf -5 Grad. Leider sind die Tage im Februar so weit oben in Kanada noch sehr kurz. Schon gegen 16.00 Uhr beginnt es zu dämmern, um 18.00 Uhr ist stockfinstere Nacht und die Temperatur fällt auf -31 Grad. Flori fühlt sich gut, die Ausrüstung funktioniert, der Schnee auf dem Trail ist stabil und so rollt er mit einer Durchnittsgeschwindigkeit von 12 km/h durch den Kanadischen Winter. Es läuft. Er passiert Checkpoint 2 am Dog Grave Lake bei Kilometer 95, denkt aber noch nicht ans Pause machen. Nach 17 Stunden im Sattel ist dann Schluss: "Ich bin in einem Busch aufgewacht. Scheinbar bin ich auf dem Bike eingeschlafen und gestürzt." Er beschließt es nach gut 150km am ersten Tag gut sein zu lassen, schlägt sein Biwak bei über 30 Grad minus auf und schläft unruhige 1,5 Stunden.

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Am zweiten Tag bringen ihn die großen Seen fast zur Verzweiflung. Es geht 12 Kilometer nur gerade aus. "Da kannst die Gabel an den Rahmen schweißen, weil Du stundenlang ned lenken musst". Dazu kommen die Eiswinde, die brutal über die Seen pfeifen und bis zu minus 39 Grad kalt sind. Hier wird auch eine Kleinigkeit wie eine metallene Verschraubung des Lenkergriffs zum Problem: "Die Metallschraube haben wir übersehen. Und trotz drei Handschuhen und dem Stulpen hatte ich richtig Probleme und extreme Schmerzen in der linken Hand. Rechts gings, da war ich zum Schalten weiter weg vom Lenkerende". Abends erreicht Flori Checkpoint vier, 3 Stunden später kommt der Zweitplatzierte Tim an, es gibt Bisongulasch von den Streckenposten und ein Lagerfeuer bei minus 32 Grad.

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Nach vier Stunden Schlaf geht es um 5:15 Uhr auf die nächste Tagesetappe. Die Seen und langen Geraden wollen kein Ende nehmen. Gott sei Dank wird Flori zum Sonnenaufgang mit einem schönen Trail belohnt, den er auch mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 50 km/h nimmt. Am Checkpoint 5 wartet er wieder auf Tim, der starke Probleme mit den Bronchien hat, die ihm bei minus 39 Grad binnen Sekunden eingefroren waren, weil er den Mundschutz vergessen hatte. "Die Kameradschaft und Fairness unter den Fahrern ist sehr groß. Wir haben uns gegenseitig geholfen, wo wir konnten". Da Tim noch rasten will entschließt sich Flori, wieder allein weiterzufahren. Und da passiert, was nicht passieren darf: Mitten auf einem See bricht er durch einen Overflow ins Wasser ein. Overflows entstehen, wenn sich die meterdicken Eisplatten des Yukon sprengen und Wasser auf die Eisfläche fließt. Die "Pfützen" sind nicht tief, aber eben anfangs nur von einer dünnen Eisschicht bedeckt. Flori bricht ein und muss mit den Füßen ins eiskalte Wasser. Sofort bildet sich eine dicke Eisschicht. Am rettenden Ufer muss er erst mal die Schuhe enteisen, schon nach kürzester Zeit hatte sich eine 10cm dicke Schicht aus Eis und Schnee an den Sohlen gebildet. Auch wenn kein Wasser im Schuh war, und trotz zwei Socken, einer Plastiktüte und den Expeditionsschuhen, sorgt das Eis dafür, dass die Kälte mit minus 25 Grad in den Schuh kriecht. Da eine Evakuierung – die frühestens am nächsten Morgen hätte stattfinden können – keine wirkliche Option ist, entscheidet sich Flori für's weiterfahren. Und das so schnell wie möglich. Alle Steigungen schiebt er, um den Kreislauf und damit die Durchblutung in den Füßen aufrecht zu erhalten. Fahren, schieben – Fahren, schieben und das wieder auf endlosen Geraden, bei absoluter Dunkelheit und minus 30 Grad. Plötzlich denkt er, Motorengeräusche zu hören und Lichter zu sehen. "Dein Verstand sagt Dir, dass des da draußen eigentlich nicht sein kann, auf irgendwas "menschengemachtes" zu treffen". Aber es war Checkpoint 6, den er um 22.00 Uhr erreichte. Die Socken waren vom Fußschweiß eingefroren, die Zehen hatten leichte Erfrierungen "waren aber noch weiß, und ned scho schwarz". Er verordnet sich eine 7 Stunden Pause zur Regeneration bevor es an Tag vier bei minus 28 Grad Richtung Pelly Crossing weitergeht. Die 29 Meilen schafft er in fünf Stunden, aber die Zehen machen Probleme. Bevor es auf die letzte Etappe – eine Schleife von Pelly Crossing nach Pelly Farm und zurück – geht, legt er noch mal eine 12 stündige Pause ein um den Zehen etwas Wärme zu gönnen. Nach 11 Stunden im Lager kam der Gesamtführende Läufer Jan Kriska an. Auch Tim war zurück im Rennen und die Freude sich zu sehen war da schon riesengroß.

YUKON ARCTIC ULTRA

Auf die letzte Etappe startet Flori um 6:30 bei minus 20 Grad, leider sind die Bedingungen mit Lockerschnee und Eisrinnen alles andere als gut und so werden die 33 Meilen nach Pelly Farm zur Qual. Pelly Farm ist der letzte Checkpoint vor dem Ziel, nach 1,5 Stunden Aufenthalt und einem sehr leckerem Essen geht er auf die finale Etappe zurück Richtung Pelly Crossing und es wird zur Genussfahrt: Nach 108 Stunden erreicht er um 20:30 am fünften Tag als erster das Ziel. Als erster der drei Biker und als Overall-Winner. Und das ist bis jetzt noch keinem Biker gelungen.

Flori hatte aber nie geplant oder auch nur damit spekuliert das Rennen zu gewinnen. Und darum geht es ihm auch nicht. "Für mich war der Yukon Artic Trail eine unglaubliche Erfahrung – sei es zwischenmenschlich, sei es erfahrungstechnisch aber auch belastungstechnisch." Aber trotz der Strapazen und der absoluten Grenzerfahrung hat es unheimlich Spaß gemacht, die Trails zu fahren: "Mei Bike, da Trail und i,… Fertig. Ned mera und ned weniga…"

Infobox

karte

Montane
Yukon Arctic Ultra 2016

Kategorien
Es stehen die Disziplinen Mountainbike, Skilanglauf und Laufen zur Verfügung. Die Disziplinen werden nicht kombiniert, d.h. man muss sich für eine Art der Fortbewegung entscheiden und diese beibehalten.

Yukon
Das Rennen ist offen für Männer, Frauen und Teams mit mindestens 2 Athleten. Das Mindestalter ist 18 Jahre. Teilnehmer in der Team-Kategorie werden automatisch auch als Einzelstarter gewertet.

Distanzen (Meilen)
Whitehorse Start
Rivendell Farm 26 (Marathon Ziel)
Dog Grave Lake 59
Braeburn 94 (100 Meilen Ziel)
Ken Lake 138
Carmacks 173
McCabe 211
Pelly Crossing 239
Pelly Farm 272
Pelly Crossing 304 (300 Meilen Ziel)
Scroggie Creek 337 (auf direktem Weg von Pelly Farm)
Dawson City 436 (430 Meilen Ziel

www.arcticultra.de



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