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Safari in weiss


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Mein Kopf und mein Bauch rebellieren. War wohl alles ein bisschen viel die letzten 48 Stunden. Der Flug von Deutschland nach Calgary, der Transfer nach Banff, der erste Skitag hier in Alberta und jetzt noch das Abendessen im ‚The Grizzly House‘ - Banffs legendären Fondue Restaurant.

Ich lieg also nach einem Dreigänge-Fondue-Menü und einigen Kanadischen Bier mit einem dicken Bauch in meinem King Size Bett und versuche einzuschlafen. Ortszeit, kurz vor ein Uhr Nachts, Zeit in meinem Kopf 19.00 Uhr.

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Tja, die letzten 48 Stunden hatten es in sich. Der Flug ab München ging um 8.40 Uhr, ich hätte also keine Streß gehabt, wäre ich rechtzeitig losgefahren und wären nicht die kompletten 100km wegen Schneetreiben auf 60km/h beschränkt gewesen. Kurz hinter München stellte sich also die Frage: Führerschein riskieren oder Flug verpassen. Na ja, die Tatsache, dass dieser Bericht erscheint, zeigt, dass ich mich für ersteres entschieden habe und dass, Gott sei Dank, am Sonntag früh die festen Blitzer auf der A9 entweder nicht eingeschaltet oder zugeschneit waren. Der erste Teil der langen Anreise nach Calgary war also ganz schön aufregend. Den zweiten Teil kennt jeder selbst: Sitzen, Warten, Filmprogramm, Lesen, Essen, den zweiten Film, noch mal Essen – was erst über Island. In Calgary wurde unsere Reisgruppe direkt am Gate von unserem Tour Operateur ‚Stumböck Club‘ in Empfang genommen. „Skiing with Friends“ steht auf dem weißen Ami-Truck, was in meinem Fall auch stimmt. Bert, der uns zusammen mit Mat die nächsten acht Tage durch Alberta und British Columbia fahren, begleiten und guiden wird, kenne ich schon seit mehr als 10 Jahren. Der Chiemgauer verbringt seine Winter seit 18 Jahren in Canada. Organisiert die Reisen, die Gruppen, hält Kontakt zu den Gebiet und Hotels und fährt Ski! Unsere zweiter Guide Mathew ist das, was man einen klassischen Skibum nennen kann – im Sommer verkauft er Hoodies aus eigenen Produktion auf Jahrmärkten, arbeite hier und dort und spart für den Winter. Sobald der Schnee fällt ist er zwischen seinem Heimatresort Kicking Hors und der Wahlheimat Revelstoke und all den Gebieten dazwischen unterwegs. Mit dem breitesten Grinsen und strahlenden Husky Augen erzählt er von seinem neuen Job: „Du glaubst es nicht – ich darf Skifahren und bekommen auch noch Geld dafür!“

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Vor uns liegen 8 Tage in Canada. Ein Roadtrip von Calgary nach Banff, Revelstoke und Sun Peaks. Skifahren in Sunshine Village, Mount Norquay, Lake Louise, Revelstoke und Sun Peaks. Und als Highlight einen Helitag in Revelstoke, auf den wir uns alle – und Mat fast am meisten - freuen. Leider war der letzte Winter auch in Kanada nicht von großen Niederschlagsmengen gesegnet. Den „Champagne Powder“, wegen dem die Skifahrer aus der ganzen Welt noch Kanada reisen, werden wir wohl eher nicht erleben aber, so versichert Mat, der eine oder andere coole Run wartet sicher auf uns. Und da wird er Recht behalten!

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Gleich am ersten Tag in Alberta steht Sunshine Village auf dem Programm. Das Wetter und die Sicht lassen etwas zu wünschen übrig und so verbringen wir den Vormittag mit dem, wofür das Skigebiet eigentlich bekannt ist: Pistenskifahren. Natürlich geht der eine oder andere Ausflug links und rechts der Pisten aber als wir die Ski Mittags vor der Day Lodge abstellen, frag ich mich schon wieso ich eigentlich den fetten dabei habe! Nach dem Essen stößt dann Pistenchef Martin Papilon zu uns – K2 Pontoon, die abgefucktesten Stöcke mit selbstgewickelter Griffzone und permanent das Funkgerät am Ohr. Und darüber kommt dann auch die verheißungsvolle Nachricht: Der Deliruim Drive soll in der nächsten Stunde öffnen. Der „Drive“ ist eine der der steilsten Abfahrten Nordamerikas. 1000hm, durchschnittlich 39 Grad, mit „Gateway“ am Eingang an dessen Ende ein Mitarbeiter der Liftgesellschaft in einem kleine Häuschen sitzt, die Skifahrer einschätzt und entscheidet, ob man sich in den Drive stürzen darf oder nicht.

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Das Tor zum Drive öffnet sich nur mit eingeschaltetem LVS gerät, der „Officer“ winkt uns durch und so stehen wir kurz danach auf der Stahltreppe hinab zum Einstieg: Oben sehr eng und windverblasen öffnet sich der Hang nach unten. Es tut sich ein riesiger Bowl auf, der auch das liefert, wofür wir gekommen sind: Die ersten Turns im kanadischen Powder! Auf halben Weg halten wir noch bei Martins „Big Gun“ einem Raketenwerfen mit dem die Pistenpatrol ihre Sprengladungen in die Hänge des Delirium Drive schießt. Männerspielzeug 2.0!
Abends, beim ersten Pitcher sind alle glücklich und jeder grinst in sich hinein. Was für ein Auftakt!

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Nach einem Vormittag – der bei den Schneebedingungen auch gereicht hat – im Hausgebiet von Banff dem Mount Norquay, geht es am nächsten Tag weiter nach Lake Louise. Stolz präsentiert und dort Marketing Mann Pat seine Bowls. „Kennst Du den Hang da drüben? Solltest Du aus dem letzten Sweetgrass Film! Und den? Das ist der aus Matchstick Productions. Die Produktionsfirmen geben sich hier im größten zusammenhängenden Skigebiet Kanadas die Klinke in die Hand. Und das zu Recht. Die Bowls sind leicht zu erreichen, sicher und „masive“ wie Mat immer wieder mit breitem Grinsen sagt. Der Lift ins Glück hat den bezeichnenden Namen „Paradise“. Weite Hänge, Cliffs, unten Treeruns. Pat merkt schnell, dass er mit Mat, Bert und mir „Süchtige“ dabei hat und reiht Abfahrt an Abfahrt, Bowl an Bowl. Der Tag verfliegt aber Pat hatte eine genaue Choreographie im Sinn – langsam steigern zum Finale Grande! Der Letzte Offpiste Run vom Mt. Whitehorn, dann noch mal schnell mit dem letzten Lift ganz nach oben, die Aussicht im, laut USA Today „Landschaftlich schönsten Skiresort der Welt“, genossen und dann mit Highspeed und völlig alleine bei perfekten Pistenverhältnissen auf der Damen Abfahrtstreck ins Tal. Ein Hammer!

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Das Apres Bier müssen wir leider in den Van verlagern, denn es steht der Transfer nach Revelstoke, B.C. an. Bert hat es da sehr eilig, denn „beim Rogers Pass weiß man nie!“. Der Rogers Pass ist bekannt für starke Schneefälle, jeden Winter fallen hier etwa zehn Meter Schnee. Wegen der steilen Berghänge sind Lawinen sehr häufig und Straßen Sperrungen, manchmal auch tagelang, nichts ungewöhnliches. Wir haben Glück und erreichen nach ein paar Stunden Fahrt unser Hotel am Rande von Revelstoke. Auf dem Parkplatz stehen. - sehr verheißungsvoll - neben den üblichen Vans und Pickups auch ein paar Helikopter. Revelstocke ist die Gemeinde mit den meisten Helikopter pro Einwohner weltweit! Die Provinz British Columbia steht als Synonym für Heli-Skiing seit der Österreicher Hans Gmoser Mitte der 1960er Jahre vom Banff National Park aus die ersten Gäste mit dem Helikopter in die Bugaboo Mountains flog. Schon morgens wird man von den Maschinen aus dem Schlaf geholt. Zu unserem Hotel gehört das Heliunternehmen Selkirk Tangiers – die Schulung und Ausrüstung gibt es im Haus, der Heli landet direkt vor der Tür. Leider steht, bevor wir das erste Mal in den Bell 205 klettern dürfen eine lange, für uns alle viel zu lange, Sicherheitsschulung im Schnee auf dem Programm. Natürlich geht Sicherheit immer vor, aber wenn der Heli schon da ist, will man fliegen und keinen LVS Geräte suchen! Bis wir endlich ins 2000km² große Fluggebiet abheben vergehen gefühlte Stunden. Zwei Gruppen teilen sich einen Heli. Aber das Gebiet ist so groß und die Möglichkeiten so unglaublich, dass wir die anderen nur einmal beim „Lunch in the Snow“ treffen. Ansonsten ist es genau so wie in den Prospekten, Videos und Träumen: Powder, Abfahrten in allen Schwierigkeitsgraden, Treeruns vom feinsten, und Aussichten, Natur, Berge ohne Ende. Es gäbe so viele Möglichkeiten, aber leider lassen der Höhenmeterzähler, die Gruppe und die Lawinensituation keine „bösen Runs“ zu. Die machen Mat und ich dann einfach am nächsten Tag im Skigebiet in dem nicht umsonst die FWT ein paar Jahre zu Gast war. Mit 1713 Metern zwischen dem höchsten Punkt und der Talstation kann man am Mount Mackenzie den größten in einem nordamerikanischen Skigebiet möglichen Höhenunterschied fahren. Wir toben uns ordentlich in der North Bowl aus. Den „Spirit“ der Gebiets spürt man aber nicht nur am Berg, auch der Ort ist genauso wie man es sich vorstellt: in den Sporthops arbeiten nur Powderfreaks, die Bars sind wild und auf jedem zweiten Truck auf der Straße ist ein Snowmobile auf der Ladefläche verzurrt. Hier dreht sich wirklich alles und jeder ums Skifahren. Kein Wunder also, dass auch unsere Guide Mat hier seit zwei Jahren ein WG Zimmer hat.

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Wie es immer ist, müssen wir uns viel zu schnell wieder verabschieden und unsere Reise zur finalen Destination dem Sun Peaks Resort fortsetzten. Leider war letztes Jahr der Name nicht Programm, die durchschnittlichen 2000 Sonnenstunden schienen scheinbar davor und danach. Regen im Ort, Schnee oben im Gebiet. Eine harte Landung nach dem Powder-Heli-Obertraum - und so endete der Tag schnell da, wo er bei so einem Wetter auch anderes auf der Welt enden darf: Bei ein paar Pitchern Bier, Nachos, ziemlich vielen Geschichten und einigen neuen Eindrücken in einer der Bars in Sun Peaks, B.C., Kanada.

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Infobox:

Die Rocky Mountains erstrecken sich von den Vereinigten Staaten bis nach Kanada. Es gibt unzählige weltbekannte Skigebiete, sowohl in den USA als auch in Kanada.

 

SKISAFARI
Zehntägige Ski-Safari "Trans the Rockies" in den westkanadischen Provinzen Alberta und British Columbia: Flug nach Calgary, Skifahren in Sunshine Village und Lake Louise, Kicking Horse, Revelstoke (optional mit Heli-Skiing) und Sun Peaks; Rückflug Kamloops−Calgary−Deutschland. Buchbar bei Stumböck Club ab 2498 Euro inklusive Flug, Frühstück und Skipässe (zusätzlicher Heli- Tag ab 644 Euro) www.stumboeck.com

 

SKIGEBIETE
Sunshine Village: 15 Minuten von Banff; 1660 bis 2730 Meter, 12 Lifte, Skipass pro Tag: rund 90 kanadische Dollar www.skibanff.com

Lake Louise: 40 Minuten von Banff; 1650 bis 2640 Meter, 10 Lifte, Skipass rund 100 kanadische Dollar pro Tag www.skilouise.com

Revelstoke: Heli-Skiing-Mekka in den Selkirk und Monashee Mountains auf 2000 Quadratkilometern; Skigebiet mit dem höchsten Höhenunterschied in Nordamerika www.selkirk-tangiers.com | www.revelstokemountainresort.com

Sun Peaks: 40 Minuten vom Regionalflughafen Kamloops entfernt; 1255 bis 2080 Meter, 11 Lifte, Skipass 84 kanadische Dollar pro Tag www.sunpeaksresort.com

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