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ISCHGL | PAZNAUN


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Vielen ist das Paznaun lediglich durch das Epizentrum Ischgl als Party- und Pisten-Hochburg bekannt. Wir überzeugten uns davon, dass die Gegend noch mehr als Carvingschwünge und Cocktailgläser zu bieten hat.

Die Schrat Wollmütze bis weit über die Augenbrauen gezogen. Ein Bleistift auf Halbmast gespitzt steckt, warum auch immer, hinter dem Ohr und zeigt scheinbar an der Backe klebend schräg nach unten. Fast unpassend, das Accessoire. Wenn es ein Joint wäre okay. Aber ein Schreibgerät? Mit Schlabber T-Shirt und Hose hätte man ihn in den Neunzigern eindeutig als Snowboarder gebrandet. Zu der Zeit war Hannes Mader maximal ein Teenager. Mittlerweile ist der Neunundzwanzigjährige Berg- und Skiführer. Und das seit fast zehn Jahren. Mit Achtzehn, in einem Alter, wo andere sich fieberhaft Gedanken machen, was für einen Lehrberuf sie ergreifen oder doch auf eine weiterführende Schule gehen um Zeit zu schinden, war für ihn bereits alles klar: Bergführer! Aus, Punkt, Amen. Nach zwei Jahren Abschluss. Seinerzeit war er der Jüngste seiner Zunft in Österreich. Ach was! Vermutlich auf der ganzen Welt. Die jugendlichen Jahre nehmen ihm keineswegs Selbstbewusstsein. "Wir haben momentan schwierige Schneeverhältnisse was die Lawinenlage betrifft. Auf warme Tage folgte üppiger Schneefall, welcher durch Stürme in die Niederungen geweht wurde. Wir haben es mit der Gefahrenstufe drei, eher vier zu tun. Wenn wir morgen losziehen, haltet euch bitte an das, was ich euch sage. Also dann, gute Nacht!" Wir verabschieden uns mit einem Gebrummel wie ‚nein, nein wir passen schon auf', oder ‚Sicherheit geht vor' und ‚wir sind ja auch keine Anfänger'.

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Anderntags treffen wir uns also mit ihm am Fuße des heimlichen Hauptplatzes von Ischgl, der Idalp. Fast hätten wir ihn in seinem himmelblauen Skilehrer Outfit nicht erkannt. Die Alpin Uniform der Ischgler. Er ist wohl nicht ganz happy über sein Beinkleid und meint sofort "morgen bei der Tour zieht er was leichteres an. Aber heute werden wir nur Freeriden. Alle Spots, welche wir erreichen wollen, benötigen nur ein paar Schritte". Und: "Das ist das Tolle am Paznaun. Nur selten benötigt man hier Felle, um entlegenes und unverspurtes Areal zu erreichen. Die meisten hier begnügen sich mit den hervorragend präparierten Pisten und den Partytempeln".

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Vorerst aber reihen auch wir uns ein in die Masse der Pistencarver. Kurz überfliege ich auf dem Weg zur Höllkarbahn das Skimaterial der anderen Touristen. So gut wie gar kein breites Tiefschneewerkzeug. Auch fehlen die eigentlich notwendigen Rucksäcke mit der beinhaltenden Lawinenausrüstung oder gar Aufstiegsfelle. ‚Sehr schön', denke ich klammheimlich. Alles noch beim Alten. Da bleibt viel Hinterland für uns. Zügig geht es weiter über die Palinkopfbahn auf Gipfelniveau. Von dort über einen Zieher, auf einem Grad ein paar Meter leicht bergab Richtung Zeblasjoch. Die Ski über den Rücken geschultert erreichen wir mit einem kurzen "Gestapfe" den Salaaserkopf. Ein herrlich weites Tal öffnet sich uns. Kaum ist menschliches Schaffen zu entdecken. Dort drüben grüßt schon die Schweiz. Bald würden wir das Zollparadies Samnaun erreichen. Ich kenne die Gegend nicht nur vom Skifahren, sondern auch im Sommer mit dem Bike. Mit der Gondel kann man selbst schwere Downhillräder in luftige Höhen verfrachten. Die folgende Abfahrt ist nicht steil. Ich kann mich erinnern dass ich sogar ein paar Mal pedalieren musste. Darum wundert es mich, dass Hannes trotz des relativ schwachen Gefälles eindringlich auf die Lawinengefahr hinweist. Toby ist der erste, welcher seine Bretter in die Vertikale drückt. Auf Hannes Anweisung sollen wir einzeln fahren. Und siehe da: als er leicht in einen Gegenhang einfährt und sich von diesem abdrückt, bringt er ein kleines Schneebrett in Gang. Bis es ihm gefährlich werden kann, ist er schon auf einer Anhöhe in Sicherheit. Nun sind wir gewarnt. Hannes fühlt sich wohl bestätigt in seinen Anweisungen, höllisch aufzupassen.

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Obwohl wir uns noch durch ein enges, steiles Coloir, dem Ravaischer Salaaser, zwängen und an einem zugefrorenen Wasserfall vorbei mogeln, geht die Talfahrt ohne weitere Probleme von Statten. Zum zollfreien Einkauf in Samnaun ist kaum Zeit. Eilig hangeln wir uns über Ischgler Pisten weiter zum Schmuckstück der Ischgler. Der Piz val Gronda Bahn und ihrem gleichnamigen Freeride Berg. Tatsächlich lässt sich der Kollos nahezu von allen Seiten befahren. Für Normalo-Skifahrer, welche sich hierher verirrt haben, wurde zwar brav eine Pistenautobahn hinunter gewalzt, aber der Rest bleibt uns Tiefschneefreaks überlassen. Wunderbare weite offene Hänge. Eigentlich wäre alleine dieser Buckel schon einen Skiausflug wert.
Aber der Tag ist schon weit voran gerückt und wir fahren ab durchs Fimbertal. Hier wird es mitunter recht flach. Mit Stockschüben und Skating lässt sich dies aber schnell bewältigen.

Am zweiten Tag unseres Variantenabenteuers wird es etwas schweißtreibender. Wie gehabt starten wir mit der Silvrettabahn. Über die Gribeleakopfbahn erreichen wir schnell den eigentlichen Tourenstart. Ein großzügiges weites Tal erwartet uns. Es ist herrlich windstill und die Februarsonne brennt schon frühjahrsgleich auf unseren Pelz. Jeder schält sich so gut es geht aus seinen windsicheren Anoraks. Doch nicht nur angenehme Seiten haben die warmen Temperaturen. Hannes mahnt zu schnellem Aufstieg. Wir sollten uns nicht zu lange aufhalten. Nicht nur Skifahrer lösen Schneebretter aus, sondern auch schmelzende Hänge oder überhängende Wechten. Human geht es über mäßige Steigung hinauf auf den 2854 Meter hohen Malfraggkopf. Die lediglich halbstündige Skiwanderung hat uns nicht allzu viel abverlangt. Trotzdem schmeckt die Brotzeit gleich viel besser. Lange können wir diese nicht genießen. Erneut treibt

uns unser Bergführer voran. Schon steht er in fertiger Abfahrtsmontur auf einem kleinen Grad und gibt uns Unterweisungen: "Ja nicht links von meiner Spur fahren! Hier rechts im etwas flacheren müsste es problemlos gehen. Ich probiere hier mal was aus, aber fahrt mir auf keinen Fall nach und haltet wie gehabt 50 Meter Sicherheitsabstand!" Hmm, was hat er denn wieder denke ich, als er sich schon abstößt. In einer Schussfahrt zieht er eine weite Rechtskurve, drückt sich im Hochtief Schwung dabei vom Schnee ab und... wumms! Zu einem riesigen alpinen Spinnennetz verändert sich plötzlich das Weiß um ihn herum.

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Unzählige Risse zischen schnell wie ein Stromschlag auseinander und setzen sich in kaum merklicher Zeitverzögerung talabwärts in Bewegung. Als würde das Netz seinen eigenen Verursacher jagen, verfolgt es die Spinne Hannes mit grollender Wut. Dieser hat den Vorgang hinter sich wohl bemerkt oder gar geahnt, denn er jagt seine Skier über den immer unruhiger werdenden Untergrund in Schussfahrt voran. Möge er nur nicht stürzen, fürchtet jeder von uns. Doch so leicht lässt sich der erfahrene Bergführer nicht unterkriegen. Schon erreicht er im Talschluss eine leichte Anhöhe erklimmt diese schnell und schwingt oben locker ab. Fast wie ein Ritter vor dem Drachen steht er nun da und sieht zu, wie das weiße Monster vielleicht zwanzig Meter vor ihm ruhig zum stehen kommt und keinen Muckser mehr tut. Offenbar sind wir aufgeregter als unser Held. Andrea ruft ihn über das Handy an, ob wir nun wirklich kommen können. "Kein Problem", meint er. "Jetzt hab ich alles abgeräumt, was gefährlich werden könnte". Ohne weiteren Zwischenfall stehen wir kurze Zeit später neben ihm und gratulieren.

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Nachdem es im ersten Drittel recht feinen Pulver als Belohnung für den Aufstieg gab, setzte nun Wind und Sonne der Schneedecke ein wenig zu. Das feine Pulver versteckt sich unter einer gefrorenen Kruste und verlangt saubere Skiführung und konzentriertes Fahren. Später mündet der Hang in einen Ziehweg. Will man nicht zu schnell werden, wechseln wir zwischen Pflug fahren und Kurzschwingen. Je nach dem wie lange der betroffene Muskel die stetige Belastung erduldet. Endlich erreichen wir Samnaun. Zollfrei schmeckt das Bier noch besser. Beim Warten auf den Bus gibt uns Hannes ein paar Tipps für widrige Wetterverhältnisse: "Nimm immer ein paar Meter Reepschnürl oder gar ein Kletter Halbseil mit. Wenn im Schnee Nebel aufkommt siehst du nichts mehr. Keine Kontur, "White out", wie es heißt. Dann hängst an das Seil einen Eispickel oder Lawinenschaufel und wirfst es so weit es geht in den Abhang nach unten. Beim hochziehen erkennst du dann Steilheit und Beschaffenheit vom Gelände.
Auch ob da Steine oder Eis raus gucken. Zudem kannst du dich damit zur Not auch ein paar Meter abseilen. Gerade mit einem stabilen Lawinenrucksack geht das sehr gut." Hat sich doch gelohnt, einen Bergführer mit zu nehmen, denke ich im Stillen. Wer weiß ob man es mal brauchen kann. Am nächsten Tag bestimmt nicht. Zumindest was Nebel betrifft werden wir abermals mit einem strahlend blauen Himmel begrüßt. Gut gelaunt treffen wir wieder einmal an der Idalp ein. Diesmal schaffen wir es vor dem großen Run der Liftansteher in die Gondel. Immer wieder interessant der Kontrast. Hier geschäftiges Treiben. Fast wie in einer großstädtischen Fußgängerzone. Mit modisch gekleideten Menschen aller möglichen Herkunftsländer. Als würde man sich auf einer alpinen Fifth Avenue befinden.

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Unnötige Hektik fährt jedem in die Knochen, als würde man sich auf dem Weg zu einem Geschäftstermin begeben. Dabei gilt es nur den Verbindungslift der Visnitzkopfbahn zu erreichen. Doch desto weiter wir uns von dem Tumult entfernen, desto ruhiger wird es. Nicht nur in Phon ausgedrückt, sondern auch vom Gemüt. Lediglich 15 Minuten Hatscher auf den Visnitzkopf mit 2745 Metern. Der hat es aber in sich. Wie auf einer steilen Treppe stapfen wir empor. Nur zu Beginn erlaubt das Gehen ein Gespräch mit den anderen Skifreunden. Bald benötigen wir die Luft, um zügig voran zu kommen. Geschafft! Wir freuen uns alle auf das Kommende. Bergfex Hannes hat heute ein ganz besonderes Ski Schmankerl für uns geplant: Wir werden von Ischgl bis zum Arlberg auf Skiern rutschen. Wer die Örtlichkeit kennt wird sich wundern. Mit dem Auto ist man dafür eine gute Stunde unterwegs. Wir machen aber quasi eine Abkürzung und fahren in der direkten Linie. Zuerst geht die Abfahrt ins Visnitztal nach Kappl. Hier überqueren wir die Bundesstraße und lassen uns von den Kappler Bergbahnen bis zum Lattenjoch buxieren. Gleich neben der brav gewalzten Piste blicken wir in ein weites Tal, dem Malfontal. Es könnte auch Kanada oder ähnliches sein. Keine Skispur belästigt die homogene weiße Pracht.
Nicht mehr lange. Der Erste von uns macht sich auf den Weg. Zuerst mit zaghaft vorsichtigen Schwüngen. Wer weiß. Die Sonne gebar so einige Bruchharschschichten in den letzten Tagen. Auf Lawinen sollte man auch achten. Wiewohl ist diese Gefahr in den letzten zwei Tagen auf erträgliche Stufe 2 gesunken. Ohne Probleme folgt einer dem anderen. Jeder versucht, noch weitere, schnellere Schwünge zu machen als sein Vorfahrer. Traumhaftes Gleiten begleitet von einer zarten Pulverschneefontäne und hie und da einem Jauchzer derer Verursacher. Zu schnell erreichen wir den Talauslauf. Wieder mal wechseln sich Stockschübe und Wedelschwünge ab. Doch nicht lange und wir erreichen Pettneu. Dort lässt es sich angenehm warten in der warmen Sonne. Schnell verschwinden unnötige Anoraks und Mützen im Rucksack. Dafür fischen Ralf und ich jeweils einen kleinen Flachmann mit Schnaps daraus hervor. Gerade reicht die Zeit noch für einen Schluck, da kommt auch schon das vorher bestellte Sammeltaxi, welches uns zurück nach Ischgl bringt.

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Fazit: Wirklich ein paar gelungene Skitage bei herrlichstem Winterwetter. Wundervolle Möglichkeiten, wie man sich ohne allzu viel Aufstiegshöhenmeter, dafür aber etliche Abfahrtsmeter gönnen kann. So stelle ich mir Skifahren oder Freeriden oder Variantenfahren..... na wie auch immer, vor.

Infobox:

ENTFERNUNGEN:
Innsbruck 105
München 190km
Zürich 240km
Stuttgart 320km

TICKET:
26.11.2015 - 01.05.2016
Tagesticket: 46,50

VERBUNDKARTEN:
TopCard, Snowcard Tirol, Freizeitticket Tirol

FACTS:

  • • • 238 Pistenkilometer
  • • 15 Skirouten
  • • 1400 - 2875 Meter über dem Meeresspiegel
  • • "Eleven": mit 11 km die längste Piste des Skigebietes
  • • 45 Pistenanlagen (darunter der neue "Sportwagen" Ischgls: die Padratschgratbahn mit 7m/Sek und 1251 Meter Höhenunterschied)
  • • 45 Pistenanlagen (darunter der neue "Sportwagen" Ischgls: die Padratschgratbahn mit 7m/Sek und 1251 Meter Höhenunterschied)
  • • 1600 Einwohner – 11.400 Gästebetten

EVENTS | TERMINE::

  • • 28.11.2015 Top of the Mountain OPENING Concert
  • • 28.03.2016 Top of the Mountain EASTER Concert
  • • 30.04.2016 Top of the Mountain CLOSING Concert

SKISCHULEN | GUIDES:

Skischule Ischgl | www.skischule-ischgl.at
Tiroler Alpin-Skischule, Gerald Kurz Ischgl | www.litzner.at

INFOS | BUCHUNGEN:
www.ischgl.com

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