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NEPAL



Yak & Yeti

Mountain biking on Top of the World

"How do you feel?" Die Frage hallt noch nach. Die Erinnerungen sind vielfältig. Eine Mountainbike-Reise bis ans Ende der Welt. In ein seltsam wohltuend anderes Land. Seit drei Wochen bin ich wieder re-tour. Wo genau ich war? Was und wie ich mich fühlte? Ein Kaleidoskop von Erinnerungen dreht seither in meinem Kopf.

Fotos & Text: Markus Wössner

Jomsom, 2.770 m. ü. NHN. Was für ein Flug: ein kleines Transportflugzeug, eine Twin Otter bringt uns mehr als spektakulär in eine andere Welt. Nepal, der kleine Binnenstaat ist in Südasien nach Tibet das zweithöchstgelegene Land der Erde und in etwa so groß wir Österreich und die Schweiz zusammen. Nepal gilt als DAS Land der Berge. Hier finden sich alleine acht der 14 Achttausendern dieses Planeten. Nepal, hier ist der Himalaya allgegenwärtig. Der einstündige Flug zwischen zwei dieser Achttausender hindurch passt perfekt zu dem, was mich hier erwartet. Die Windböen im Korridor zwischen den Eisriesen sind so stark, dass der Flieger kräftig durchgeschaukelt wird. Einmal gestartet, gibt es dort für eine Twin Otter kein Zurück mehr. Und genau das gilt jetzt auch für mich und mein Bike-Abenteuer. Tiefblauer Himmel begrüßt uns. Die Szenerie fast surreal. Der riesigen Breite des Kali Gandaki- Flusstals folgend schlängeln wir uns gemächlich aufwärts. 250 hm auf 10 km sind ein überschaubarer Einstieg nicht nur ins ehemalige Königreich Mustang. Die Luft ist dünn. Der Untergrund steinig, sehr steinig. Gut, dass ich mich für die 160mm-Federwegsklasse entschieden habe. Ich freue mich auf die morgige Tour.

Muktinath, 3.790 m. ü. NHN. Was für ein Uphill! Durch eine schier endlos steile Mondlandschaft bin ich Kehre für Kehre direkt in den Himmel gekurbelt. Quer durch Frostpassagen, vorbei an unbegrünten Bergflanken, durch karge Gesteinsfelder. Immer in Begleitung von stolzen, mächtigen Eisriesen. Am Dach der Tour angekommen, zeigt uns der mit 8.167 m mehr als doppelt so hohe Dhaulagiri seine majestätische Eisfahne. Kaum zu glauben, dass Bergsteiger auf ihrem Weg von dort mehr Spaß haben können als ich? Denn wir haben mehr als 1500 hm Downhill vor uns. Ich ahne es: es wird die Abfahrt meines Lebens. Eine Bilderbuchabfahrt in bizarrer Kulisse. Markig knirschende Schuttkar-Sektionen, schnelle Schotterpisten, sandgeflutete Steinkorridore und permanent Single Trails, die uns glauben lassen, alle 33 Millionen Hindu-Götter haben diese Landschaft vor allem für den Mountainbiker erschaffen...! Ihr ahnt, wie ich mich hier fühlte, wie nie zuvor? Yeah! Ich hatte mein neues Focus Bike für diesen Trip etwas modifiziert: Die RockShox Pike RC Solo Air hatte ich im Vorfeld erweitert um die Dual-Einheit, um eine Absenkbarkeit auf 120 mm zu erreichen. Tatsächlich war ich einige Male froh über die Tieferlegung, speziell im ersten Kletterteil ab 3300 m Höhe und auf so manchem Abkürzer ins extrem Steile. Hauptveränderung am Bike war jedoch ein Tausch des Laufradsatzes. Hier konnte ich einem stabilen, knallig orange-farbenen ultraleichtem Alu-Carbon-Wheelset von Industry Nine nicht widerstehen. Ohne es konkret zu wissen, traf ich mit dieser orangenen Farb- und Materialkonstellation optisch ins Schwarze: Im Buddhismus steht die Farbe Orange für Reinheit, Weisheit und Reife. Vielleicht verdankte ich auch daher den guten Umstand, dass mein Rad während der Tour aller- orten speziell beäugt und von unseren treuen Guides und Begleitern in der Tour auch besonders gepflegt wurde.

Pokhara, 930 m ü. NHN. Einige Tage später sind wir in der zweitgrößten Stadt Nepals angekommen. Zentral gelegen, malerisch am Phewa-See, mit herrlichem Blick auf die gesamte Annapurna-Front. 200 km derbste Stein-, Sand- und Lehmpisten lagen da bereits hinter uns. Die Schaltung funktioniert präzise nach dem Motto "weniger ist mehr". Gerade im extrem staubigen Gelände zeigt sich der Vorteil, keinen Umwerfer zu besitzen. Die Kettenführung über die langen, gebogenen Zähne des Kettenblattes hin zur wuchtigen 10/42-Kassette erweist sich neben dem Fahrwerksspektrum als ergänzendes Highlight im schwierigen Terrain. Und so kommt es am Ruhetag im idyllischen Pokhara zur Belohnung: weniger jedoch für uns, als für eine kleine Schule in den höher gelegenen Wards um Kristi/ Harrabot. Vor zwölf Jahren war hier eine Twin Otter um Haaresbreite wenige Meter entfernt schlechtwetter-bedingt am Berg zerschellt. An dieses Unglück erinnert ein kleines Denkmal auf dem Gelände des Pausenhofes. Als wir eine fast 5-stellige Summe für den Bau des Schuldaches überbringen, spüren wir grenzenlose Dankbarkeit. In Erinnerung bleibt ein emotionaler Besuch und das Wissen, erstklassige Hilfe zur tatkräftigen Selbsthilfe überbracht zu haben. Denn beim Blick in die Klassenzimmer und in die Gesichter der Grundschüler haben wir verstanden: Bildung ist in diesem Land nicht selbstverständlich, daher ein umso größeres Gut. Weisheit tut gut. Nicht nur hier, doch hier besonders. Gorkha, 1.070 m ü. NHN. Am alten Königspalast erhaschen wir spektakuläre Blicke auf den nächsten 8000er: hier thront der Manaslu! Der "Berg der Seele" ist gerade mal 4 m "kleiner" als der mächtige Dhaulagiri. Nachdem wir ca. 2/3 unserer Tour absolviert haben, blicke ich erstmals zurück: Von knapp 4000 m bis zum tiefsten Punkt der Tour in nahezu tropischen 400 m ü. NHN hatten wir im "up & down" ein Spektrum von 3500 m Kletterei abgespult. Die Landschaft bot zwiebelartig aufgespaltenen, teils üppig grüne Reisterrassen der Midlands. Das von sattem Rotbraun durchzogene Dschungelgrün des Urwaldbereichs in den Lowlands. Und natürlich immer wieder die alles überragenden weißen Eisriesen vor teils tiefblauem Himmel!

Shivapuri Nationalpark, Kakani, 2.030 m ü. NHN: Im Finale unserer gut dreiwöchigen Nepal-Tour erleben wir einen richtigen Showdown. Bei exzellenter Fernsicht breitet sich vor uns dieschier endlose Gebirgskette des Langtang-Himalayas vom Annapurna bis zum Everest-Massiv mit den Gipfeln des Langtang Lirung I (7226 m) und des Gan Chenpo (6387 m). Bei guter Fernsicht ist sogar der Shisha Pangma (8027 m) zu erkennen. Die spektakuläre Fernsicht verursacht Gänsehaut und staunendes Fotobiken: permanent bleiben wir stehen, zücken die Kamera, kurbeln weiter, um erneut den nächsten Fotostop einzulegen. Bereits am Tag vor dieser Panorama-Kulisse durften wir den längsten Trail unseres Lebens genießen: auf 33 km Fahrstrecke sollten wir nicht weniger als 30 km Single Track surfen. Glück war hier allgegenwärtig: erkennbar im freundlichen Lächeln eines jeden Nepali am Wegrand, immer begleitet von einem kehlig klingenden "Namasté", der göttlichen Grußformel in jenem göttlichen Land. Göttlich nicht nur das Land, natürlich die vielen Achttausender, der ganze Trip, das ganze Panorama. Und mein Befinden? Nach diesem Trip lässt es sich leicht mit einem einzigen Wort beschreiben: Dhanyabad Nepal!

SPENDENAUFRUF Zusammen mit unseren Freunden von der Stiftung "Zahnärzte Ohne Grenzen" [DWLF-Foundation] haben wir (neben unserer Spendenaktion für die Schule) ein Erdbebenopfer-Spendenkonto eingerichtet: Wir helfen, medizinische Hilfe für die Erdbebenopfer Nepals zu überbringen, und zwar direkt ins SKM-Hospital in Kathmandu. All diejenigen, die dieses Vorhaben unterstützen, können sicher sein: unsere Hilfe kommt nicht nur unmittelbar bei den Bedürftigen an, sie ist 100%ig garantiert. Ihre und eure Spende hilft nicht nur, Medizin, Lebensmittel und Wasser zu erwerben. Auch die Ärzte der DWL-Foundation, allen voran Sybille Keller arbeiten rund um die Uhr in dieser schweren Krise, nicht nur zahnmedizinisch, sondern vor allem chirurgisch.

Danke einem jeden, der uns hier unterstützen möchte.
Markus

Infobox:

DIE MOUNTAIBIKE-TOUR:
MTB-Nepal "Yak und Yeti"; Mustang kombiniert mit Mid-/ Lowlands bei 24 Tage Reisedauer (auf Wunsch kürzbar).

Kosten:
3.499,- Euro p.P. inkl. Flüge und 85% Mahlzeiten.

Beste Reisezeit:
März/April oderNovember/Dezember.

Buchbar über:
www.chiemgau-biking.de




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