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Bike Women Camp Kaltern


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Was Frauen wirklich wollen
von Irene Walser

Für die Damen im Mountainbikesport muss eigentlich keine Lanze mehr gebrochen werden. Sie gibt es schon lange, und sie werden immer zahlreicher, sei es auf Profi- oder Hobby- Level. Einige Bereiche der Industrie haben das erkannt, andere hinken da noch – teilweise weit – hinterher. Aber wenn die doch mittlerweile ansehnliche Zahl an speziellen Women Bike Camps stetig steigt und dabei jedes davon voll wird, dann lohnt es sich schon einmal, die bikende Damenwelt genauer unter die Lupe zu nehmen. Was wollen die Ladies im Bikesport? Wie ticken sie bei kniffligen Passagen, und mit welchen Angeboten kann man sie überzeugen.

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Karen Eller, ehemalige Racerin und Fahrtechnik-Trainerin mit Visionen, feierte 2014 mit ihrem Scott Contessa Team 10-jähriges Jubiläum. Sie hat schon früh erkannt, dass man die Damen und Herren auf dem Berg und auf dem Bike nicht in einen Topf schmeißen darf. Mittlerweile scharen die fünf Contessas – neben Karen, noch Lisa, Kathrin, Fien und Andi – regelmäßig die Mädels bei Camps und Riding Days erfolgreich um sich. Zeit, sich mal so ein Camp genauer anzusehen und mit dem rosaroten Bike-Image aufzuräumen.

Als Karen Eller Ende September zum Bike Women Camp nach Kaltern rief, hatte ich als Frau eine gewisse Vorstellung von dem, was mich an der Südtiroler Weinstraße erwarten könnte, und ich war mir nicht sicher, ob das etwas für mich sein würde. Zwar war mein persönliches Bike- Saisonziel fahrtechnisch gesteckt, und an das sollten mich die vier Tage mit den Scott Contessa Ladies näher heranbringen, dennoch machte mir die Vorstellung von 70 Frauen gemeinsam auf den Trails rund um den Kalterer See nicht unbedingt überschwängliche Vorfreude. Positionskämpfe auf schmalen Wegen und das ständige am Hinterrad picken kannte ich von Ausflügen mit viel kleineren Mädelsgruppen. Frauen sind nun mal in dieser Hinsicht zugegeben viel ehrgeiziger. Bei Männern ist die Rangordnung schnell ausgefahren.

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Ein eigenes privates Campgelände direkt am Kalterer See bildete den perfekten Treffpunkt für das Bike Women Camp, rundherum nur Weinberge, ein kleines Apartmenthaus mittendrin und eine schöne Liegewiese mit Badesteg, die zum Flanieren zwischen den Industrieständen, zum Chillen und Austausch mit neuen und alten Freundinnen, für morgendliche Yoga-Übungen und sogar als Bike-Waschplatz diente. Die einzigen Männer auf dem Gelände sollten die Jungs der anwesenden Bikefirmen sein. Aber auch dieser Platz könnte ihnen bald streitig gemacht werden, zumindest was kleinere Reparaturen betrifft. Nach der Devise selbst ist die Frau, haben kurzerhand ein paar Ladies ihren eigenen Bremsbeläge-Workshop organisiert. Reifen wechseln, Dämpfer einstellen war eh schon im Programm der vier Tage am Kalterer See.

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Klarerweise wurden ein paar weibliche Klischees erfüllt. So tummelten sich immer genug Damen um die Bike-Klamottenständer und der beliebteste Einkauf war sicherlich jener einer gewissen blauen Bikehose, mit der man am Ende viele herumfahren sah. Ansonsten ging es überraschenderweise kaum um Äußerlichkeiten. Viel mehr zählten die inneren Werte – jene der Bikes. Ein Großteil der Hardtail-Uphill-Fraktion verliebte sich in die Test-Fullys und am Ende wurden die anfangs noch eher spärlichen Enduro-Liebhaberinnen immer mehr. Bei 70 Frauen zwischen 25 und 50 fanden sich auch schnell Gleichgesinnte auf dem Campgelände zusammen, die Uphill und die Downhill orientierten, wobei die Tendenz in den vier Tagen eindeutig in Richtung abwärts und Trails zeigte. Fitte Bergaufstramplerinnen mit wenig Fahrtechnik-Skills und Trail- Erfahrung wurden zu Freeride-Fans. Neueinsteigerinnen wurden in ihren Erstanschaffungen bestätigt oder hatten schnell den Wunsch nach mehr. Ein durchgemischter Haufen farbenfroh gekleideter Mädels mit unterschiedlichem Alltagsleben – von der Mutter und Hausfrau über die Schmuckdesignerin bis zur Autoteilekonstrukteurin war alles dabei. Das zeigte sich aber interessanterweise erst bei den Gesprächen bzw. in den Zivilklamotten bei der Abreise. Frauen, die sich

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im normalen Leben eher nicht aufeinander eingelassen hätten, fachsimpelten plötzlich über Federweg, Dämpferhärte und Laufradgröße. "Size matters" – das haben auch jene erkannt, die biketechnische Anschaffungen bislang den Herren in ihrem Leben übergeben haben, den nächsten Einkauf aber ganz gezielt mit der Bike-Kollegin unternehmen werden.

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In unterschiedlichen Gruppen, von blau über rot bis schwarz, von null Fahrtechnik bis Freeride orientiert, gestalteten sich die angebotenen Touren beim Bike Women Camp. Jeden Morgen herrschte vor dem Start reges Treiben an der Anschlagtafel mit den Routen. Karen und die weiblichen Guides mussten Rede und Antwort zu den einzelnen Details der Touren stehen. Denn oft passten die bergstrampel- und die abfahrtstechnischen Voraussetzung nicht in dieselbe Kategorie. Da waren die einen, die locker in kürzester Zeit auch 1.500 hm hinauf schafften, sich aber Sorgen um die Abfahrt machten, und die anderen, die wussten, dass der Trail weniger das Problem darstellen würde, als die verlangten Höhenmeter davor. Am Einfachsten hatten es bei der morgendlichen Entscheidung jene Frauen, die noch ganz am Anfang ihrer Bikesport- Hobbylaufbahn standen und einfach mal mit Basic-Fahrtechnik und einer gemütlichen blau markierten Ausfahrt begannen.

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Penegal – entweder selber hochgestrampelt oder mit Hilfe von Shuttle und Mendelbahn – ließ sich für jede halbwegs fitte Bikerin meistern. Auch für die Abfahrt gab es einen nicht zu anspruchsvollen, aber dennoch spaßigen Trail. An den Monte Roén auf über 1.700 Metern Seehöhe inkl. Tragepassagen trauten sich dann nur noch ein paar wenige, aber auch bei der einfachen Montiggler See Runde sowie auf der etwas Trail lastigeren Variante hatten die Mädels ihren Spaß, und spätestens bei der Abfahrt von den "Rosszähnen" hatte jede aus der Auswahl an Testbikes bei Scott, Cube, Ghost oder Trek ihr Lieblingsrad gefunden. Anders als bei einer reinen Männerveranstaltung ging es abends nicht direkt in die Bar. Yoga, Stand Up Paddling und Massagen bildeten den Tagesabschluss bevor bei Pasta oder am Barbecue guten Gewissens geschlemmt wurde. Frau hatte die Kalorien ja tagsüber abgestrampelt. Und wenn man schon in einer der bekanntesten Weinbauregionen war, dann gehörte dazu auch ein edler Tropfen. Die eine oder andere Flasche war bereits bei der Weinverkostung in den Bike-Rucksack gewandert.
Am Ende der vier Tage stand auch ich mit diversen Visitenkarten von neuen Bekanntschaften da, mit einem neuen Lieblingsbike im Visier und erinnerte mich plötzlich daran, dass ich ja eigentlich nach Kaltern gekommen war, um verbissen an meiner noch ausbaufähigen Spitz kehren - technik zu arbeiten. Das hatte ich ganz vergessen, denn es war plötzlich nicht mehr wichtig, ob ich an dieser und jener Stelle perfekt gefahren war, oder mich mit dem Fuß am Boden rumgeschummelt hatte. Ich hatte keinen Druck verspürt mich damit abzumühen, und war auf richtig tollen auf mich zugeschnitten Bikes abgefahren.

www.bike-women.de

Infobox:

Women Bike Camp Kaltern

Termin 2015: 17.-20.09.2015
Guides: Karen Eller, Lisa Breckner, Kathrin Schön, Sanne Moritz, Annette Keller, Fien Byl, Gitti Nocker, Ludi Scholz, Greta Weithaler, …
Campgelände: Strandhaus des Hotel "Haus am Hang" in Klughammer am östlichen Ufer des Kalterer Sees
Testbikes/Expo: Scott, Ghost, Trek, Cube, Continental, DT Swiss, Garmin, Crank Brothers, Fizik, P. Jentschura, Craft, Fanfiluca, Mistral, Ion,
Unterkunft: Haus am Hang, Parc Hotel, Hasslhof, Seeperle, …
Essen & Trinken: Pasta-Party am Donnerstag, Barbecue am Samstag, ansonsten Hotel & Restaurant Penegal, Seeleiten, Mondschein Bar, …
Weinverkostung: Wein- und Sektkellerei Kettmeir
Aussicht: Panorama Hotel & Restaurant Penegal auf dem Mendelkamm
Baden: am Campgelände mit eigenem Badesteg
SUP: Club Mistral direkt am Campgelände
Yoga: Workshops am Badesteg des Campgeländes

www.bike-women.de

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