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ALASKA | Ataraxia Projekt


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2011 flog mein Mitbewohner Philip Kuchelmeister das erste Mal nach Alaska. Während ich in der Bibliothek für meine nächste Prüfung lernte, schickte Philip mir Bilder vom vorherigen Tag: Snowkiten in den beeindruckendsten Land schaften, Heli Speedflying und feinster Pulverschnee wohin das Auge blickt. Diese Bilder weckten einen alten Traum in mir, Snowkiten in Alaska!

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"Durch die "Erstbekitung" des über 4000 Meter hohen Mt. Marcus Baker wollten wir den Bergsport revolutionieren."

Nach Philips Rückkehr entwickelten wir in nächtelangen Brain - stormings einen Plan für das kommende Jahr, denn den Traum von Alaska konnte ich nach diesen Bildern nicht mehr loslassen. Schon bald wurde uns klar, dass diese Tour alles übertreffen sollte, was wir uns je vorgestellt hatten, wir hatten Großes für dieses Projekt vor: Durch die "Erstbekitung" des über 4000 Meter hohen Mt. Marcus Baker wollten wir den Bergsport revolutionieren und zeigen, was mit dem Kite in einem solch extremen Gebiet wie den Chugach Mountains in Alaska möglich ist.

Der große Durchbruch für unser Projekt gelang uns, als die Schweizer Outdoorfirma Mammut unser Ataraxia-Projekt zu einem der Highlight-Projekte ihres großen 150 Peaks Projekts machte. Es hat uns begeistert zu sehen, welches Interesse uns in der Outdoor- Branche für unseren im Vergleich kleinen und extremen Randsport Snowkiten entgegen gebracht wurde. Beim Speed-Bergsteigen dreht sich alles darum, in kürzester Zeit den Gipfel zu erreichen. Das lässt sich auf zweierlei Art und Weise erreichen: Entweder man trainiert seinen Körper, um immer schneller nach oben zu laufen, oder man denkt über Alternativen nach, um sein Ziel zu erreichen. Mit dem Kite hatten wir die perfekte Alternative gefunden, denn mit keinem anderen Hilfsmittel kann man sich so flexibel in den unendlichen Weiten der Berge Alaskas bewegen, wie mit dem Schirm.
Wir haben von Sonne, Wind und Pulverschnee geträumt – und die härtesten Schneestürme bekommen. Während der zweieinhalbmonatigen Reise zeigte sich das Wetter in Alaska von seiner unwirtlichsten Seite. Zelte brachen unter den enormen Massen an Neuschnee zusammen und unser Basislager wurde innerhalb kürzester Zeit buchstäblich verschluckt. In den eiskalten und stürmischen Nächten mussten wir in Schichten um unser Leben graben, um nicht im Schnee zu ersticken.

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Sebastian Bubmann (li.) und Philip Kuchelmeister (re.) am Ende der Eklutna Traverse, nachdem sie sich und ihre schweren Schlitten vom Gletscher abgeseilt haben.

Mit 4016 Metern ist der Mt. Marcus Baker der höchste Berg in den Chugach Mountains in Alaska. Der Fuß des Berges kann nur mit Schneeflugzeugen erreicht werden und die Gegend ist mit ihren vielen unberechenbaren Schneestürmen eines der unwirtlichsten Gebiete der Welt.
Wegen der schlechten Wetterbedingungen haben wir einen Zeit - raum von mehreren Wochen eingeplant, um die Chancen für ein längeres Wetterfenster und den richtigen Wind zu maximieren. Was jedoch keiner von uns ahnen konnte war, dass diese Reise eher ein Überlebenskampf als ein "normaler" Besteigungsversuch werden sollte! Nach dem Flug zum gigantischen Knik Gletscher dauerte es fast einen ganzen Monat, bis uns das Wetter eine Chance auf einen Gipfelsturm geben sollte.

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Philip Kuchelmeister (li.) und Sebastian Bubmann (re.) bereiten kulinarische Köstlichkeiten vor. Pfannkuchen auf über 2000m, wahrer Luxus eines großen Camps auf dem Knik Gletscher.

Als schlussendlich das Wetter aufklarte, führte uns die erste Erkundungstour schnell die wirklichen Dimensionen dieser Gegend vor Augen. Zu ruhige Windbedingungen zwangen uns zuerst über eine Distanz von fast acht Kilometern und einen Höhenunterschied von 1000 Metern zu touren, anstatt zu kiten, bevor wir überhaupt die erste große Bergflanke in Angriff nehmen konnten. Am nächsten Tag deuteten Cumulus-Wolken auf thermische Winde in der Gipfelregion hin, weshalb wir bereits sehr früh zum ersten Versuch aufbrachen. Nachdem fast drei Viertel des Berges bewältigt waren, zwang uns eine extrem gefährliche Lawinensituation in exponiertem Gelände zur Umkehr trotz zunehmenden Windes. Gebundener Triebschnee über einer Schicht weichen Schwimmschnees war das Fundament auf dem wir uns fortbewegten. Direkt unter dem Grat auf dem wir liefen, lag eine 200 Meter hohe Eiswand, die in einer riesigen Gletscherspalte endete: Die Gefahr einer Schneebrett - lawine war einfach zu groß und ein Absturz hätte den sicheren Tod bedeutet.
Der nächste Versuch zwei Tage später wurde durch einen weiteren Schneesturm verhindert, der uns auf halbem Weg mit voller Härte traf. Mit der Zeit wurde unsere Mission mehr und mehr zu einem Rennen gegen die Zeit.
Kurz vor den Stürmen, die uns aus meist süd-östlicher Richtung trafen, hatten wir tollen Wind, nur leider aus der falschen Richtung. Trotzdem konnten wir im flachen Bereich auf dem Gletscher die besten Snowkite-Bedingungen der Welt genießen. 20 Knoten, konstanter Wind, dazu knietiefer Pulverschnee und in jede Richtung mindestens fünf Kilometer unberührtes Weiß! Das war eine kleine Entschädigung für das Scheitern am Berg.
Es war paradox, obwohl die Sonne schlussendlich schien, konnten wir keinen Schritt auf den Berg zu machen, da sich die Lawinen - gefahr nach weiteren Neuschneemassen zusammen mit schweren Sturmböen enorm verschärfte. Da für den deutschen Teil unserer Gruppe nur noch zwei Tage bis zum Rückflug nach Europa blieben, mussten wir in einem winzigen Wetterfenster zurück nach Anchorage ausgeflogen werden.

Fehler können in solchen Gegenden fatale Konse quen zen haben.

Kurz darauf traf dann der wohl stärkste Schneesturm des ganzen Winters unsere Kumpels aus den USA. Es dauerte noch eine weitere Woche, bis sie den Mt. Marcus Baker endlich bezwingen konnte. Beim finalen Gipfelsturm kamen die Kites dann wegen der schlechten Windbedingungen leider nur auf einem kleinen Teil der Strecke zum Einsatz.

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Philip Kuchelmeister (li.) und Sebastian Bubmann (re.) beim Aufstieg zur ersten großen Flanke des Mt. Marcus Baker. Schon kurze Zeit später war wegen der Lawinengefahr leider Schluss.

Neben der Expedition am Mt. Marcus Baker hatten wir noch zwei weitere Projekte geplant, einen Roadtrip zum Thompson Pass (Valdez) und die Eklutna Traverse.
Die Überquerung von drei großen zusammenhängenden Gletschern während der Eklutna Traverse war für uns der gelungene Auftakt für die Expedition zum Mt. Marcus Baker. Während der nahezu 50 Kilometer langen Gletschertour fielen die Temperaturen nachts auf unter minus 20 Grad Celsius. Nach erschöpfenden Anstiegen fiel unser eigener Atem Nachts als Schnee auf unsere Gesichter nieder.

Am Thompson Pass schlossen wir uns dem Tailgate Festival an. Das Tailgate Festival ist das größte Treffen von Backcountry-Schneesportlern weltweit und bot uns somit eine ideale Möglichkeit, die eigenen Grenzen in den verschiedensten Sportarten wie Speedflying, Snowkiting und Skifahren zusammen mit neuen und alten Freunden weiter auszuloten.

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Erkundungstour auf dem riesigen Knik Gletscher. Mit den Kites kommt man schnell von A nach B.

Während der ganzen Reise haben Alaska und insbesondere die Chugach Mountains uns immer wieder die Grenzen gesetzt, und gezeigt, dass die Natur eben im Zweifelsfall immer stärker ist als der Mensch! Fehler können in solchen Gegenden fatale Konsequenzen haben. Obwohl wir am Ende nicht unser ultimatives Ziel erreicht haben, war es doch für uns alle eine wahnsinnige Erfahrung und die bis dato genialste Reise unseres Lebens. Scheitern ist immer auch Teil vom Bergsport. Unser Scheitern am Mt. Marcus Baker hat uns nicht frustriert, im Gegenteil. In einer solch extremen Gegend ist einfach nichts sicher und gerade das macht ja unter anderem den Reiz solcher Abenteuer aus. Unser nächster Trip nach Alaska ist bereits in Planung ...

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Das Ataraxia Team v.l.n.r. Sebastian Bubmann (GER), Obadiah Jenkins (USA), Nicolas Chibac (GER) und Philip Kuchelmeister (GER).

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Alaska Info Box

Ataraxia Projekt:
www.ataraxia2012.comwww.ataraxia2012.com
www.peakproject.mammut.ch/en/peaks3/tour/93461www.peakproject.mammut.ch/en/peaks3/tour/93461
www.peakproject.mammut.ch/

Anreise:
Mit KLM über Amsterdam und Minneapolis nach Anchorage. Kosten für den Flug liegen zwischen 600- 800€. Allerdings muss je nach Gepäck noch mit hohen Zusatzgebühren für das Übergepäck gerechnet werden.

Unterkunft:
Es gibt in Girdwood, Anchorage und Valdez gute und bezahlbare Hotels. Girdwood ist als exklusives Skigebiet allerdings deutlich teurer.

Touristeninformation:
Alaska Travel www.alaska-travel.de | info@alaskatia.org

Kartenmaterial:
Als kostenloser Download:
www.store.usgs.gov/b2c_usgs/b2c/start/(xcm=r3standardpitrex_prd)/.do

Snowkiten in Alaska:
Steve Carr & Tom Fredericks www.alaskakiteadventures.com/




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